INCI-Liste lesen: wie du erkennst, was wirklich in deiner Creme steckt

KAUFBERATUNG SCHWEIZ

Eine INCI-Liste liest du von vorne nach hinten: Die Inhaltsstoffe stehen nach Gewicht absteigend sortiert, allerdings nur bis zur 1-Prozent-Grenze. Was ganz vorne steht, bildet die Basis deiner Creme, meist Wasser, Öle und Feuchthalter. Unterhalb von 1 Prozent darf die Reihenfolge beliebig sein, dort finden sich oft Extrakte, Konservierer und Duftstoffe. Was keine INCI-Liste verrät, sind Prozentzahlen. Die bekommst du nur, wenn eine Marke sie freiwillig offenlegt.

Wie liest du eine INCI-Liste richtig?

Du liest eine INCI-Liste richtig, wenn du sie in Zonen teilst: die ersten Einträge als Basis, den Mittelteil bis zur 1-Prozent-Grenze und den Rest darunter, in dem die Reihenfolge nichts mehr über Mengen aussagt. INCI ist das einheitliche Namenssystem für kosmetische Inhaltsstoffe. Ein Merkblatt des Kantonalen Laboratoriums Bern fasst die Schweizer Pflicht so zusammen: Unter dem Begriff «Ingredients» muss die Liste der Bestandteile nach einer Nomenklatur wie INCI in mengenmässig absteigender Reihenfolge stehen. Grundlage ist die Schweizer Verordnung über kosmetische Mittel, deren Leseregeln sich mit jenen der EU-Kosmetikverordnung decken. Für dich heisst das: Jede Creme, die in der Schweiz legal verkauft wird, braucht eine solche Liste, und du liest sie immer nach demselben Muster. Wenn du die vollständige INCI-Liste schon vor dem Kauf sehen willst, findest du sie bei transparenten Marken auf der Produktseite oder auf einer eigenen Inhaltsstoffseite. Diese fünf Schritte reichen für eine erste Einschätzung:

  1. Basis lesen: Die ersten Einträge machen in der Regel den Grossteil des Produkts aus. Hier siehst du, ob es auf Wasser, Pflanzensaft, Öl oder Alkohol aufgebaut ist.
  2. Die 1-Prozent-Grenze suchen: Ein Stoff mit gesetzlichem Höchstwert von 1 Prozent zeigt dir, ab wo alles Folgende höchstens 1 Prozent ausmacht.
  3. Den beworbenen Wirkstoff suchen: Steht er gar nicht in der Liste, ist er nicht drin. Steht er hinter der 1-Prozent-Grenze, ist er mit höchstens 1 Prozent enthalten.
  4. Reizpotenzial prüfen: Parfum, Alcohol denat. und ätherische Öle sind die Einträge, die empfindlicher Haut am ehesten Ärger machen.
  5. Persönliche Ausschlüsse prüfen: Stoffe, die du nicht verträgst oder bewusst meidest, etwa tierische Rohstoffe. Wie das konkret aussieht, erklärt der Artikel, woran du vegane Hautcreme erkennst.

Was verrät die Reihenfolge der Inhaltsstoffe?

Die Reihenfolge verrät dir, welche Stoffe mengenmässig dominieren, aber nur oberhalb der 1-Prozent-Grenze. Die EU-Kosmetikverordnung legt in Artikel 19 fest, dass die Liste in absteigender Reihenfolge des Gewichts der Inhaltsstoffe zum Zeitpunkt ihrer Zugabe erstellt wird. Der Zusatz «zum Zeitpunkt der Zugabe» bedeutet: Gezählt wird der Rohstoff, wie er in die Rezeptur kommt, nicht das, was nach chemischen Reaktionen in der fertigen Creme übrig bleibt. Ein Neutralisationsmittel wie Potassium Hydroxide steht deshalb in der Liste, obwohl es sich beim Herstellen mit einer Säure umsetzt.

Praktisch bestimmen die ersten Einträge Textur und Charakter. Steht ein Öl auf Platz zwei oder drei, ist das Produkt eher reichhaltig. Steht Alcohol denat. weit vorne, fühlt es sich leicht und kühlend an und kann trockene Haut zusätzlich entfetten. Was die Reihenfolge nicht zeigt, sind die Abstände: Zwischen Platz eins und Platz zwei kann ein riesiger Unterschied liegen oder fast keiner. Deshalb solltest du einzelne Stoffe nie ohne ihre Position und die übrige Rezeptur beurteilen. Gut sichtbar wird das bei Listen über komedogene Inhaltsstoffe: Ein Öl, das dort als heikel gilt, verhält sich in einer fertigen Creme oft anders als pur getestet.

Was ist die 1-Prozent-Regel und wie hilft sie dir?

Die 1-Prozent-Regel besagt, dass Inhaltsstoffe mit weniger als 1 Prozent in beliebiger Reihenfolge nach jenen mit mehr als 1 Prozent aufgeführt werden dürfen. So steht es in Artikel 19 der EU-Kosmetikverordnung, und laut dem Berner Merkblatt gilt dasselbe nach Artikel 8 der Schweizer Verordnung über kosmetische Mittel. Für dich ist die Regel Hilfe und Falle zugleich. Hilfe, weil du eine Linie ziehen kannst: Alles, was hinter einem Stoff steht, der höchstens 1 Prozent ausmachen darf, liegt selbst bei höchstens 1 Prozent. Ein brauchbarer Marker ist der Konservierer Phenoxyethanol, den Anhang V der EU-Kosmetikverordnung auf höchstens 1.0 Prozent begrenzt. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hält fest, dass das Schweizer Recht auf diese Verordnung verweist und als Konservierer nur Stoffe aus Anhang V verwendet werden dürfen.

Falle, weil die Reihenfolge unterhalb der Grenze nichts mehr bedeutet. Ein Extrakt, der auf der Verpackung gross beworben wird, darf mit einer winzigen Menge direkt hinter der Grenze stehen, ein Konservierer mit etwas mehr ganz am Ende. Das ist legal und sagt dir nur: unter 1 Prozent. Nicht jede Liste enthält einen eindeutigen Marker, dann hilft dir die Regel nur indirekt. Und falls dich die Aufregung um einzelne Konservierer beschäftigt, lohnt sich eine nüchterne Einordnung zum Thema Parabene, bevor du ein Produkt allein wegen eines Namens aussortierst.

Warum steht meistens Aqua an erster Stelle?

Aqua steht meistens an erster Stelle, weil die meisten Cremes und Seren Emulsionen oder Gele auf Wasserbasis sind und Wasser darin den grössten Gewichtsanteil hat. Aqua ist schlicht der INCI-Name für Wasser. Es löst wasserlösliche Wirkstoffe wie Niacinamid, sorgt für eine leichte Textur und lässt sich gut verteilen. Dass Wasser vorne steht, ist deshalb kein Zeichen für ein gestrecktes Produkt, sondern für die Bauart. Eine Pflege ganz ohne Wasser wäre ein Balsam oder ein Öl, mit einem völlig anderen Hautgefühl. Wasser hat eine Konsequenz, die du in der Liste ebenfalls siehst: Wo Wasser ist, braucht es eine Konservierung, sonst kann das Produkt nach dem Öffnen verderben. Steht statt Aqua ein Pflanzensaft vorne, etwa Aloe Barbadensis Leaf Juice, ist auch das eine wässrige Basis, nur mit eigenen Begleitstoffen der Pflanze. Ob das für deine Haut einen Unterschied macht, entscheidet die gesamte Rezeptur, nicht Platz eins allein.

Woran erkennst du Duftstoffe, Alkohol und Konservierer?

Duftstoffe erkennst du an «Parfum» oder «Aroma», austrocknenden Alkohol an «Alcohol denat.» oder «Alcohol» und Konservierer an Namen wie Phenoxyethanol, Sodium Benzoate oder Endungen auf «-paraben». Hinter dem Sammelbegriff Parfum kann eine Mischung aus vielen Einzelstoffen stecken, die EU-Kosmetikverordnung schreibt genau diese Sammelbezeichnung vor. Was das für empfindliche Haut bedeutet, ordnen die Artikel zu Kosmetik ohne Zusatzstoffe und zur Gesichtscreme ohne Duftstoffe ein. Bestimmte allergene Duftstoffe müssen zusätzlich einzeln genannt werden, und diese Pflicht gilt für alle Marken gleich, mit oder ohne Siegel, wie der Artikel über Naturkosmetik ohne Siegel zeigt.

Werbeversprechen ersetzen die Liste nicht. Eine Untersuchung in JAMA Dermatology prüfte die meistverkauften Feuchtigkeitspflegen für den Körper bei drei grossen US-Onlinehändlern: Von den als «fragrance free» beworbenen Produkten enthielten 45 Prozent mindestens einen Stoff, der mit Duftstoffen kreuzreagieren kann, oder einen Pflanzenbestandteil. Beim Alkohol lohnt der zweite Blick in die andere Richtung: Cetearyl Alcohol oder Cetyl Alcohol sind Fettalkohole, die pflegen und eine Creme stabilisieren. Die Unterschiede im Detail erklärt der Artikel über Alkohol in Kosmetik.

Stoffgruppe So steht es in der INCI Was es dir sagt
Duftstoffe Parfum, Aroma, dazu Einzelnamen wie Linalool, Limonene, Citronellol Das Produkt ist parfümiert, die Einzelnamen sind deklarierte Duftallergene
Ätherische Öle Lateinischer Pflanzenname plus «Oil», etwa Lavandula Angustifolia Oil Duft aus der Pflanze, auch wenn «Parfum» fehlt
Austrocknender Alkohol Alcohol denat., Alcohol Weit vorne eher ungünstig für trockene oder empfindliche Haut
Fettalkohole Cetearyl Alcohol, Cetyl Alcohol Pflegende Konsistenzgeber, kein Grund zur Sorge
Konservierer Phenoxyethanol, Sodium Benzoate, Potassium Sorbate, Methylparaben Nötig in wasserhaltiger Pflege, Höchstmengen sind gesetzlich begrenzt
Farbstoffe CI plus fünfstellige Zahl, etwa CI 77891 Färbt das Produkt, darf am Ende in beliebiger Reihenfolge stehen

Welche dieser Stoffe zu Recht auf Warnlisten stehen und welche eher Panik auslösen, ordnet der Artikel über bedenkliche Inhaltsstoffe in Kosmetik ein.

Kannst du die Konzentration eines Wirkstoffs aus der INCI ablesen?

Nein, die Konzentration eines Wirkstoffs kannst du aus der INCI nicht ablesen, du kannst sie höchstens eingrenzen. Die Liste ist rechtlich eine Reihenfolge, keine Mengenangabe. Steht ein Wirkstoff hinter einem Marker wie Phenoxyethanol, weisst du sicher, dass er höchstens 1 Prozent ausmacht. Steht er davor, weisst du nur, dass er mehr sein kann, aber nicht, ob es 1.5 oder 10 Prozent sind. Verlässlich ist deshalb nur eine offengelegte Prozentzahl, und die ist freiwillig. Eine Marke, die mit einem Wirkstoff wirbt und keine Zahl nennt, ist nicht automatisch unseriös, aber du kaufst dann auf Vertrauen statt auf Information.

Eine Zahl allein ist trotzdem kein Qualitätsurteil, denn mehr Prozent heisst nicht automatisch besser. Warum das so ist, erklären die Artikel zu hochdosiertem Niacinamid und zu sinnvollen Vitamin-C-Konzentrationen. Bei The Duo stehen die Werte offen da: 5% Niacinamid, 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und 1% Zink PCA, bezogen auf das Duo als Ganzes. In einer Bewertung auf Judge.me schreibt J.D.: «[…] vor allem vom Serum bin ich begeistert - und auch vom ganzen Konzept und der grossen Transparenz bezüglich Inhaltsstoffen etc.»

Ich lege die Konzentrationen der wichtigsten Wirkstoffe offen, weil die INCI allein keine Prozente verrät. Ohne Zahl müsstest du mir glauben, dass Niacinamid nicht nur als Feigenblatt in der Liste steht. Mit Zahl kannst du es prüfen und mit anderen Produkten vergleichen. Beim Lesen unserer Liste fällt dir noch etwas auf: An erster Stelle steht Aloe Barbadensis Leaf Juice, also Aloe-Vera-Saft, noch vor Wasser. Das ist die Basis beider Produkte. Besser macht dieser erste Platz eine Creme allein nicht, auch Aloe-Saft ist eine wässrige Grundlage, nur eine andere. Was eine offene Liste nicht kann: dir garantieren, dass deine Haut jeden Stoff verträgt. Sie macht ein Produkt nur überprüfbar. Damit du nicht jeden Namen einzeln nachschlagen musst, erklären wir alle Inhaltsstoffe von A bis Z.

Häufige Fragen

Was bedeutet INCI

INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, ein international einheitliches Namenssystem für kosmetische Inhaltsstoffe. Dadurch heisst Glycerin in Zürich, Lausanne und Mailand gleich, und du kannst Listen über Sprach- und Landesgrenzen hinweg vergleichen. Die Namen sind meist englisch oder lateinisch, chemische Stoffe tragen ihre Fachbezeichnung.

Gibt es INCI-Listen auf Deutsch

In der Regel nicht, denn die Liste der Bestandteile folgt einer einheitlichen Nomenklatur, in der Praxis INCI mit englischen und lateinischen Namen. Andere Pflichtangaben wie Warnhinweise müssen in der Schweiz in mindestens einer Amtssprache stehen. Eine Übersetzung der INCI-Namen bieten manche Marken auf einer eigenen Inhaltsstoffseite an.

Sind lange INCI-Listen schlecht

Nein, die Länge einer INCI-Liste sagt wenig über Qualität oder Verträglichkeit. Eine lange Liste kann aus milden Emulgatoren, Pflanzenextrakten und Feuchthaltern bestehen, eine kurze kann Parfum und viel Alkohol enthalten. Aussagekräftiger ist, was an den ersten Stellen steht und ob Stoffe dabei sind, die du persönlich meiden willst.

Was bedeuten CI-Nummern in der INCI

CI-Nummern bezeichnen Farbstoffe, CI steht für Colour Index. Die EU-Kosmetikverordnung erlaubt, Farbstoffe in beliebiger Reihenfolge nach den übrigen Inhaltsstoffen aufzuführen, deshalb stehen sie meist am Ende der Liste. CI 77891 zum Beispiel ist Titandioxid, ein weisses Pigment, das auch in mineralischen Sonnenschutzmitteln vorkommt.

Warum stehen Pflanzen auf Latein in der Liste

Weil INCI Pflanzenbestandteile mit dem botanischen Namen plus dem verwendeten Pflanzenteil bezeichnet, etwa Simmondsia Chinensis Seed Oil für Jojobaöl. So ist eindeutig, welche Pflanze und welcher Teil gemeint sind, unabhängig von regionalen Namen. Ein unbekannter lateinischer Eintrag ist deshalb oft einfach ein Öl oder Extrakt, das du längst kennst.

Helfen Apps beim INCI-Lesen

Apps nehmen dir das Nachschlagen einzelner Namen ab, ihre Bewertungen beruhen aber auf eigenen Kriterien und kennen die Menge eines Stoffs meist nicht. Wie zuverlässig Kosmetik-Apps bewerten, steht im eigenen Beitrag.

Wo finde ich die INCI-Liste von The Duo

Die vollständige INCI-Liste findest du schon vor dem Kauf auf unserer Seite zu den Inhaltsstoffen, wo jeder Bestandteil erklärt ist, und auf der Verpackung. Zusätzlich sind bei The Duo die Konzentrationen der wichtigsten Wirkstoffe offen angegeben. Parfum und Alcohol denat. suchst du in der Liste vergeblich, den pflegenden Fettalkohol Cetearyl Alcohol findest du dagegen.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über kosmetische Mittel, Artikel 19 (Kennzeichnung). Amtsblatt der Europäischen Union, 2009. Quelle
  2. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Anhang V: Liste der in kosmetischen Mitteln zugelassenen Konservierungsstoffe. Amtsblatt der Europäischen Union, 2009. Quelle
  3. Kantonales Laboratorium Bern. Kennzeichnung von Kosmetika. Merkblatt KL 3.1.25, Version 2, 2021. Quelle
  4. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Geregelte Stoffe in kosmetischen Mitteln. Quelle
  5. Xu S, Kwa M, Lohman ME, Evers-Meltzer R, Silverberg JI. Consumer Preferences, Product Characteristics, and Potentially Allergenic Ingredients in Best-selling Moisturizers. JAMA Dermatology, 2017. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin