Schweizer Kosmetik ohne Zusatzstoffe: was der Begriff wirklich bedeutet

CH-LOKALITÄT

Schweizer Kosmetik ohne Zusatzstoffe ist kein geschützter Begriff, sondern ein Werbeversprechen. Das Schweizer Recht regelt, welche Stoffe verboten oder nur beschränkt zulässig sind, nicht welches Produkt sich zusatzstofffrei nennen darf. Aussagekräftig ist deshalb allein die Liste der Bestandteile auf der Rückseite. Sie zeigt dir, was tatsächlich in der Rezeptur steckt.

Was bedeutet Schweizer Kosmetik ohne Zusatzstoffe rechtlich?

Rechtlich bedeutet der Begriff nichts Verbindliches. In der Schweiz legt die Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung in Artikel 54 fest, welche Stoffe in kosmetischen Mitteln verboten sind, welche nur beschränkt eingesetzt werden dürfen und welche Farbstoffe, Konservierungsstoffe und UV-Filter überhaupt zugelassen sind. Sie verweist dafür auf die Anhänge der europäischen Kosmetikverordnung, die damit auch für den Schweizer Markt massgebend sind. Stoffe, die dort nicht geregelt sind, dürfen verwendet werden, sofern ihre Sicherheit in einem Produkt-Sicherheitsbericht belegt ist. Eine amtliche Liste jener Zusatzstoffe, die eine Rezeptur weglassen muss, um sich zusatzstofffrei zu nennen, existiert dagegen nicht. Der Begriff ist frei verwendbar, solange er nicht täuscht. Für dich heisst das: Zwei Cremes können beide ohne Zusatzstoffe auf der Vorderseite tragen und trotzdem völlig unterschiedlich zusammengesetzt sein. Verbindlich ist einzig die vollständige Deklaration der Inhaltsstoffe, die jedes Produkt in der Schweiz tragen muss.

Welche Zusatzstoffe spielen bei empfindlicher Haut wirklich eine Rolle?

Relevant ist vor allem eine Gruppe: Duftstoffe. Sie gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktallergien in der Bevölkerung, während viele andere als kritisch gehandelte Stoffgruppen für die meisten Menschen unproblematisch bleiben. Danach folgen mit Abstand Alkohol in hoher Konzentration, der die Haut austrocknen kann, und ätherische Öle, die als natürliche Duftquelle dieselben Allergene mitbringen wie synthetisches Parfum. Farbstoffe sind in Gesichtspflege selten nötig und dienen fast immer der Optik im Tiegel. Konservierungsstoffe dagegen erfüllen eine Sicherheitsfunktion und gehören nicht pauschal auf die Streichliste. Pflanzliches ist dabei nicht automatisch heikel: Ein wässriger Extrakt wie Enzianwurzel bringt keine Duftstoffallergene mit, ein ätherisches Öl aus derselben Pflanzenwelt dagegen schon. Wenn deine Haut auf vieles reagiert, lohnt sich also kein Rundumschlag gegen alles Synthetische, sondern ein gezielter Blick auf zwei bis drei Gruppen. Genau diese Unterscheidung geht in der Diskussion um Reizungen und ein unruhiges Hautbild oft unter, weil dort meist über Wirkstoffe gesprochen wird und kaum über den Rest der Rezeptur.

Stoffgruppe Funktion in der Rezeptur Wann sie stören kann Erkennbar in der Deklaration als
Duftstoffe Geruch und Produkterlebnis Bei bekannter Kontaktallergie oder sehr reaktiver Haut Parfum, Aroma, Linalool, Limonene, Citronellol
Ätherische Öle Duft plus pflanzliche Begleitstoffe Sie enthalten dieselben deklarationspflichtigen Allergene wie Parfum Lateinischer Pflanzenname mit dem Zusatz Oil
Alkohol Schnelles Einziehen und dünnere Textur In hoher Konzentration bei trockener Haut Alcohol Denat. weit vorne in der Liste
Konservierungsstoffe Schutz vor Keimen in wasserhaltigen Produkten Selten, meist bei einer spezifischen Unverträglichkeit Sodium Benzoate, Phenoxyethanol, Sodium Levulinate
Farbstoffe Optik des Produkts im Tiegel Ohne funktionalen Nutzen in der Gesichtspflege CI gefolgt von einer fünfstelligen Zahl

Wie stark senkt der Verzicht auf Duftstoffe das Allergierisiko?

Der Verzicht auf Duftstoffe senkt das Risiko einer allergischen Reaktion, mehr aber auch nicht. In einer Bevölkerungsstudie aus fünf europäischen Ländern reagierten 2.6 Prozent der getesteten Personen im Epikutantest auf den Duftstoff-Mix I und 1.9 Prozent auf den Duftstoff-Mix II. Das ist wenig für die Gesamtbevölkerung und viel, wenn du selbst dazugehörst. Erschwerend kommt dazu, dass Riechstoffe in der Deklaration zusammengefasst werden dürfen: Ein einzelner Eintrag Parfum kann Dutzende Einzelsubstanzen bedeuten. Nur besonders allergene Duftstoffe müssen ab einer festgelegten Konzentration zusätzlich mit eigenem Namen erscheinen, aktuell sind das 81 Stoffe. Für sehr reaktive Haut ist der vollständige Verzicht deshalb die pragmatischere Lösung als das Studium einzelner Namen auf der Packung. Worauf du bei der Wahl einer parfumfreien Gesichtscreme konkret achten solltest, ordnen wir in einem eigenen Beitrag ein. Dass eine parfumfreie Pflege sich trotzdem angenehm auf der Haut anfühlen kann und nicht nach Verzicht riechen muss, liest du in den Rückmeldungen unserer Kundinnen und Kunden.

Sind Konservierungsstoffe ein Zusatzstoff, den du meiden solltest?

Nein, bei wasserhaltigen Produkten sind sie notwendig. Sobald Wasser in einer Rezeptur steckt, können sich Keime vermehren, und eine verkeimte Creme ist für die Haut deutlich riskanter als der Konservierungsstoff selbst. Zugelassen ist in der Schweiz nur, was im entsprechenden Anhang der europäischen Kosmetikverordnung gelistet ist, inklusive Höchstmengen und Anwendungseinschränkungen. Produkte, die mit ohne Konservierungsstoffe werben, sind entweder wasserfrei, etwa reine Öle und Balsame, oder sie nutzen Stoffe mit konservierender Nebenwirkung, die formal nicht als Konservierungsmittel gelten. Beides ist legitim, aber es ist kein Qualitätsbeweis. Sinnvoller als die Frage ob ist die Frage welche: Ein mild dosiertes System auf Basis von Salzen organischer Säuren ist etwas anderes als eine hoch dosierte Formaldehydabspaltung. Diese Unterscheidung macht kaum ein Werbetext auf der Vorderseite, die Deklaration auf der Rückseite dagegen schon, wenn du weisst, welche Namen zu welcher Gruppe gehören.

Wie findest du Zusatzstoffe in der Deklaration?

Du gehst die Liste gezielt nach drei Gruppen durch: Duftstoffe, Konservierungsstoffe und Farbstoffe. Duftstoffe erkennst du an den Einträgen Parfum und Aroma, an Einzelstoffen wie Linalool, Limonene oder Citronellol und an ätherischen Ölen wie Lavandula Angustifolia Oil. Konservierungsstoffe tragen Namen wie Sodium Benzoate, Phenoxyethanol oder Sodium Levulinate, Farbstoffe erscheinen als CI mit einer fünfstelligen Zahl. Die allgemeinen Leseregeln, also die absteigende Reihenfolge nach Gewichtsanteil oberhalb von einem Prozent und die besondere Bedeutung der ersten fünf Einträge, findest du im Beitrag INCI-Liste lesen. Ob ein Wirkstoff wirksam dosiert ist, verrät dir die Position allerdings nicht, dafür brauchst du eine Prozentangabe wie bei den ausgewiesenen Konzentrationen im Duo.

Wann reicht Kosmetik nicht mehr aus?

Wenn deine Haut trotz duftstofffreier, reduzierter Pflege dauerhaft brennt, nässt, schuppt oder sich das Bild über Wochen verschlechtert, gehört das abgeklärt. Kosmetik pflegt und unterstützt das Erscheinungsbild der Haut, sie ersetzt keine Diagnose. Eine echte Kontaktallergie lässt sich nicht durch Ausprobieren feststellen, sondern nur im Epikutantest bei einer dermatologischen Fachperson, und erst dieses Ergebnis sagt dir, welche Einzelsubstanz du künftig meiden musst. Auch bei Hautkrankheiten, die ärztlich behandelt werden, bleibt Pflege eine Begleitung und wird nie zur Therapie. Diese Grenze ziehen wir bewusst sehr deutlich, weil im Umfeld von Naturkosmetik oft genau das Gegenteil suggeriert wird. Wenn du unsicher bist, lohnt sich der Termin früher als später. Du sparst dir damit das Durchprobieren immer neuer Produkte, das die Haut zusätzlich belastet und die eigentliche Ursache eher verschleiert als sie zu klären.

Ich habe für unser Duo aus Serum und Creme bewusst auf Parfum verzichtet, obwohl das ein Nachteil ist. Duft verkauft, das merkst du im ersten Moment nach dem Auftragen, und viele Rückmeldungen im Handel drehen sich genau darum. Aber die Erfahrungen von Kundinnen mit reaktiver Haut waren eindeutig genug, dass die Entscheidung für mich klar war. Konserviert sind beide Produkte trotzdem, mit Sodium Levulinate und Sodium Benzoate, weil beide Wasser enthalten. Ich finde es ehrlicher, das so zu sagen, als mit einem Begriff wie zusatzstofffrei zu werben, den niemand verbindlich definiert hat.

Häufige Fragen

Ist Kosmetik ohne Zusatzstoffe automatisch besser verträglich?

Nein. Der Begriff ist nicht definiert, deshalb sagt er für sich genommen nichts über die Verträglichkeit aus. Entscheidend ist, welche konkreten Stoffe fehlen. Fehlen Duftstoffe, sinkt das Allergierisiko messbar. Fehlen dagegen Konservierungsstoffe in einem wasserhaltigen Produkt, kann das die Sicherheit sogar verschlechtern.

Woran erkenne ich Duftstoffe in der Deklaration?

Fehlen die Einträge Parfum und Aroma, wurde das Produkt nicht parfümiert; ätherische Öle wie Lavandula Angustifolia Oil können trotzdem enthalten sein. Was die Angabe parfumfrei wirklich garantiert, liest du im Beitrag über Gesichtscreme ohne Duftstoffe.

Enthält The Duo Duftstoffe oder Farbstoffe?

Nein, beide Produkte kommen ohne Parfum und ohne Farbstoffe aus. Enthalten sind stattdessen ausgewiesene Wirkstoffe wie 5 Prozent Niacinamid sowie Edelweiss- und Enzianwurzel-Extrakt, jeweils bezogen auf das Duo als Ganzes. Der leichte Eigengeruch stammt von den Rohstoffen selbst und nicht von zugesetztem Duft.

Sind natürliche Duftstoffe verträglicher als synthetische?

Nicht grundsätzlich. Viele deklarationspflichtige Duftstoffallergene sind Bestandteile natürlicher ätherischer Öle, etwa aus Zitrus- oder Pfefferminzöl. Für die Haut zählt die einzelne Substanz und nicht ihre Herkunft. Natürlich ist in diesem Punkt also kein Vorteil und in Einzelfällen sogar ein zusätzliches Risiko.

Was bedeutet die Angabe Parfum in einer Inhaltsstoffliste?

Parfum ist ein Sammelbegriff. Er fasst alle Riechstoffe einer Rezeptur zusammen, die einzeln nicht genannt werden müssen. Nur besonders allergene Duftstoffe erscheinen ab einer festgelegten Konzentration zusätzlich mit eigenem Namen. Hinter einem einzigen Eintrag können also viele verschiedene Einzelsubstanzen stecken.

Gilt für Schweizer Kosmetik ein strengeres Recht als in der EU?

Nein, die Anforderungen sind weitgehend deckungsgleich. Das Schweizer Lebensmittelrecht verweist für verbotene und beschränkt zulässige Stoffe direkt auf die Anhänge der europäischen Kosmetikverordnung. Unterschiede gibt es nur in wenigen Einzelpunkten. Made in Switzerland bedeutet deshalb keine strengere Stoffliste, sondern nur einen anderen Produktionsort.

Muss ich alle unaussprechlichen Namen in der Liste meiden?

Nein. Die Bezeichnungen folgen einer internationalen Nomenklatur, deshalb klingen auch völlig harmlose Stoffe technisch. Wasser heisst dort Aqua und Vitamin E heisst Tocopherol. Ein langer Name ist kein Warnsignal, umgekehrt ist ein pflanzlich klingender Name keine Garantie für gute Verträglichkeit.

Quellen

  1. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Geregelte Stoffe in kosmetischen Mitteln, 2026. Quelle
  2. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Kennzeichnung von Kosmetik, 2024. Quelle
  3. Diepgen TL, Ofenloch R, Bruze M et al., Prevalence of fragrance contact allergy in the general population of five European countries, British Journal of Dermatology, 2015. Quelle
The Duo – The Essential Serum 50 ml und The Shield Gesichtscreme 50 ml
Die minimalistische Routine

The Duo — Serum & Creme, mehr braucht es nicht

Niacinamid, Vitamin C, Hyaluronsäure und Ceramide in zwei aufeinander abgestimmten Produkten. Vegan, entwickelt in der Schweiz, 100 Tage Rückgaberecht.

The Duo entdecken
Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin