Vegane Hautcreme: woran du erkennst, dass wirklich nichts Tierisches drin ist

VEGANE NATURKOSMETIK

Eine vegane Hautcreme enthält keinen einzigen Inhaltsstoff tierischen Ursprungs, also weder Lanolin aus Schafwolle noch Bienenwachs, Honig, Karmin oder tierisches Kollagen. Erkennen kannst du das an der Liste der Bestandteile auf der Verpackung, nicht am Wort natürlich. Vegan sagt allerdings nichts über Tierversuche, Bio-Anbau oder Hautverträglichkeit aus.

Was macht eine Hautcreme vegan?

Vegan bedeutet bei einer Hautcreme, dass kein Bestandteil von einem Tier stammt, auch kein Nebenprodukt und kein Stoff, den ein Tier produziert hat. Damit geht vegan weiter als vegetarisch: Eine vegetarische Rezeptur darf Bienenwachs oder Honig enthalten, eine vegane nicht. Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei Begriffen, die oft im selben Atemzug fallen. Natürlich sagt nur, dass ein Stoff aus der Natur kommt, und ein Tier ist Teil der Natur. Lanolin aus Schafwolle ist ein vollkommen natürlicher Rohstoff und trotzdem tierisch. Tierversuchsfrei wiederum beschreibt, wie ein Produkt geprüft wurde, nicht woraus es besteht. Eine Creme kann rein pflanzlich formuliert und trotzdem an Tieren getestet worden sein, und umgekehrt. Wenn du beides willst, musst du beides einzeln prüfen. Der Blick in die vollständige Inhaltsstoffliste einer Pflege beantwortet die erste Frage zuverlässig, die zweite nicht.

Welche tierischen Inhaltsstoffe stecken typischerweise in Gesichtscremes?

Die tierischen Rohstoffe in der Kosmetik sind eine überschaubare Gruppe, und die meisten davon tauchen in Gesichtscremes immer wieder auf. Am häufigsten ist Lanolin, das Wollfett von Schafen, weil es Feuchtigkeit hält wie kaum ein anderer Rohstoff. Dazu kommen die Bienenprodukte: Bienenwachs als Konsistenzgeber, Honig als Feuchthaltemittel, Propolis und Gelée Royale als Wirkstoffe. Karmin, ein roter Farbstoff aus getrockneten Schildläusen, findest du eher in getönten Cremes und in dekorativer Kosmetik. Kollagen, Elastin und Keratin stammen klassisch aus Schlachtnebenprodukten, auch wenn heute pflanzliche und biotechnologische Varianten existieren. Squalen aus Haileber war jahrzehntelang die Standardquelle für ein sehr hautverwandtes Lipid, bis Oliven und Zuckerrohr diese Rolle übernommen haben. Seltener, aber möglich sind Milchproteine, Seidenproteine, Schellack und Gelatine. Für fast jeden dieser Stoffe gibt es inzwischen eine pflanzliche oder biotechnologische Entsprechung, die technisch gleichwertig arbeitet.

Tierischer Inhaltsstoff Woher er stammt Pflanzliche Entsprechung
Lanolin, Wollwachs Fett aus der Wolle von Schafen Sheabutter, Jojobaöl, Squalan
Cera Alba, Bienenwachs Wachs aus dem Bienenstock Candelillawachs, Carnaubawachs
Mel, Propolis, Royal Jelly Erzeugnisse der Honigbiene Aloe Vera, Panthenol, Glycerin
Karmin, CI 75470 Farbstoff aus Schildläusen Mineralische Farbpigmente
Kollagen, Elastin, Keratin Nebenprodukte der Schlachtung Peptide, pflanzliche Proteine
Squalen aus Haileber Leberöl von Tiefseehaien Squalan aus Oliven oder Zuckerrohr

Wie liest du die Inhaltsstoffliste einer Hautcreme richtig?

Die Liste unter dem Wort Ingredients ist der einzige verlässliche Ort, an dem eine Creme ihre Zusammensetzung offenlegt. Sie folgt der internationalen INCI-Nomenklatur, und laut dem Merkblatt des Kantonalen Laboratoriums Bern zur Kennzeichnung von Kosmetika müssen die Bestandteile in mengenmässig absteigender Reihenfolge stehen. Bestandteile unter einem Massenprozent des Endprodukts dürfen in beliebiger Reihenfolge am Ende der Liste aufgeführt werden. Praktisch heisst das: Was vorne steht, macht den grössten Teil der Rezeptur aus, hinten wird die Reihenfolge unscharf. Für die Vegan-Frage gehst du die Liste von oben nach unten durch und suchst nach den Namen aus der Tabelle oben. Findest du keinen davon, ist die Creme mit hoher Wahrscheinlichkeit pflanzlich formuliert. Sicherheit gibt dir dieser Blick trotzdem nicht ganz, und das hat einen Grund, den kaum eine Marke von sich aus anspricht.

Manche INCI-Namen verraten die Herkunft nämlich nicht. Glycerin, Stearinsäure, Milchsäure, Hyaluronsäure, Ceramide und Squalan können pflanzlich, biotechnologisch oder tierisch gewonnen sein, und der Name bleibt in allen Fällen derselbe. Auch die Ceramide und das Squalan in unserer zweiteiligen Pflege sind nicht tierischen Ursprungs, ablesen kannst du das an der INCI-Liste aber nicht. Bei diesen Stoffen hilft nur eine Angabe der Marke oder eine direkte Nachfrage. Wer darauf keine klare Antwort gibt, hat sie vermutlich selbst nie gestellt.

Ist eine vegane Hautcreme automatisch tierversuchsfrei?

Nein, das sind zwei getrennte Fragen, und sie werden im Marketing gerne vermischt. Vegan beschreibt die Rezeptur, tierversuchsfrei beschreibt den Prüfweg eines Produkts und seiner Rohstoffe. In der Schweiz und in der EU dürfen fertige Kosmetikprodukte nicht mehr an Tieren getestet werden, das ist die gute Nachricht. Die Einschränkung liegt bei den Rohstoffen: Viele Substanzen, die in Cremes stecken, werden auch in Reinigungsmitteln, Farben oder Medikamenten eingesetzt und in diesem anderen Rechtsrahmen geprüft. Ein Siegel wie das V-Label oder die Veganblume bestätigt dir die pflanzliche Herkunft der Bestandteile, ein Kaninchen-Logo bezieht sich auf die Prüfpraxis. Beides ist nützlich, beides ist freiwillig, und keines der beiden sagt etwas darüber, ob eine Creme deiner Haut guttut. Genau diese dritte Frage ist am Ende die, die du beantwortet haben willst, und sie beantwortet dir kein Logo auf der Verpackung.

Was sollte eine vegane Hautcreme für reife oder empfindliche Haut können?

Pflanzlich formuliert zu sein ist eine Herkunftsfrage, keine Wirkfrage. Ob eine Creme für deine Haut taugt, hängt an drei Dingen: an den Lipiden, die die Hautbarriere unterstützen, an den Feuchthaltemitteln, die Wasser in der Hornschicht binden, und an den Wirkstoffen, die auf dein konkretes Thema einzahlen. Bei reifer Haut sind das meist Trockenheitslinien, ein ungleichmässiges Hautbild und ein nachlassendes Spannungsgefühl. Ceramide, Squalan und Jojobaöl decken die Lipidseite ab, Hyaluronsäure und Glycerin die Feuchtigkeitsseite. Auf der Wirkstoffseite arbeiten Niacinamid, Vitamin C und Bakuchiol, wobei alle drei rein pflanzlich beziehungsweise synthetisch verfügbar sind. In unserem Duo aus Serum und Creme stecken zusammengenommen 5 Prozent Niacinamid, 2 Prozent Hyaluronsäure und 0.3 Prozent Bakuchiol. Diese Werte gelten immer für beide Produkte gemeinsam, nicht für eines allein. Was andere Kundinnen dazu berichten, liest sich sehr unterschiedlich, je nach Ausgangslage.

Wenn du zwischen einzelnen Wirkstoffen abwägst, hilft dir der Vergleich von Vitamin C und Niacinamid weiter. Bei unruhigem Hautbild lohnt der Blick auf die Ursachen von unreiner Haut, weil dort selten die Herkunft der Rohstoffe das Problem ist. Und wenn dich interessiert, was ein Schweizer Pflanzenextrakt tatsächlich beiträgt, findest du das bei der Wirkung von Enzianwurzel-Extrakt.

Wann eine vegane Creme nicht die richtige Antwort ist

Eine Creme ist Kosmetik, kein Arzneimittel, und diese Grenze ist im Schweizer Recht klar gezogen. Wenn deine Haut nässt, blutet, stark juckt oder sich in klar abgegrenzten Herden verändert, gehörst du zu einer Dermatologin oder einem Dermatologen und nicht in ein Beratungsgespräch über Rohstoffherkunft. Das gilt auch, wenn du bereits eine Diagnose hast und eine verordnete Therapie läufst: Was du zusätzlich aufträgst, besprichst du in dem Fall besser mit der behandelnden Person. Und es gibt eine zweite Situation, in der eine neue Creme wenig bringt. Wer sechs Produkte übereinanderschichtet, reizt seine Haut oft mehr, als ein einzelnes zusätzliches Produkt ausgleichen kann. Dann ist Weglassen die wirksamere Massnahme, und zwar unabhängig davon, ob die weggelassenen Produkte vegan waren oder nicht. Wie eine schlanke Routine aussieht, haben wir auf der Seite zur Anwendung beschrieben.

Ich habe für Kompromisslos von Anfang an festgelegt, dass kein Rohstoff tierischen Ursprungs in die Rezeptur kommt. Nicht weil vegan sich gut verkauft, sondern weil ich bei jedem tierischen Rohstoff eine Herkunftskette hätte prüfen müssen, für die mir als kleiner Schweizer Marke die Kontrolle fehlt. Bei pflanzlichen und biotechnologisch hergestellten Rohstoffen kann ich sagen, woher sie kommen. Dass ich mich auf zwei Produkte beschränkt habe, hat denselben Grund: Zwei Rezepturen kann ich bis in die letzte Zeile verantworten, zwölf nicht. Wenn du zu einem einzelnen Inhaltsstoff die Herkunft wissen willst, frag mich. Ich antworte darauf lieber ehrlich als schnell.

Häufige Fragen

Was bedeutet vegan bei einer Hautcreme?

Vegan bedeutet, dass kein Bestandteil der Rezeptur von einem Tier stammt, auch kein Nebenprodukt wie Bienenwachs oder Honig. Der Begriff bezieht sich ausschliesslich auf die Zusammensetzung. Über Tierversuche, biologischen Anbau oder die Hautverträglichkeit sagt er nichts aus, das sind drei eigenständige Fragen.

Ist vegane Hautcreme automatisch tierversuchsfrei?

Nein. Vegan beschreibt die Rezeptur, tierversuchsfrei den Prüfweg. Fertige Kosmetikprodukte dürfen in der Schweiz und in der EU nicht an Tieren getestet werden, für einzelne Rohstoffe gelten je nach Verwendungszweck andere Regeln. Wenn dir beides wichtig ist, prüfe beide Punkte getrennt.

Woran erkenne ich tierische Inhaltsstoffe in der Liste der Bestandteile?

Du suchst gezielt nach Lanolin, Cera Alba, Mel, Propolis, Royal Jelly, Karmin oder CI 75470, Kollagen, Elastin und Keratin. Die Bestandteile stehen in mengenmässig absteigender Reihenfolge, Stoffe unter einem Massenprozent dürfen am Ende in beliebiger Reihenfolge stehen. Findest du keinen dieser Namen, ist die Rezeptur sehr wahrscheinlich pflanzlich.

Ist Hyaluronsäure vegan?

Heute in aller Regel ja. Hyaluronsäure wurde früher aus Hahnenkämmen gewonnen, wird aber inzwischen fast durchgehend biotechnologisch durch Fermentation hergestellt. Der INCI-Name Sodium Hyaluronate verrät die Herkunft nicht, deshalb bleibt eine Nachfrage beim Hersteller der sichere Weg, wenn dir der Punkt wirklich wichtig ist.

Ist Squalan tierisch oder pflanzlich?

Beides ist möglich, weshalb der Name allein nichts aussagt. Squalan stammte lange aus dem Leberöl von Tiefseehaien, wird heute aber überwiegend aus Oliven oder Zuckerrohr gewonnen. Marken, die pflanzliches Squalan einsetzen, weisen das üblicherweise aus, weil der Rohstoff teurer ist.

Ist eine vegane Hautcreme besser für empfindliche Haut?

Nicht automatisch. Die Verträglichkeit hängt an der konkreten Rezeptur, an Duftstoffen, ätherischen Ölen und der Wirkstoffkonzentration, nicht an der Herkunft der Rohstoffe. Pflanzliche Extrakte und ätherische Öle können ebenso reizen wie tierische Rohstoffe. Entscheidend sind eine milde Formulierung und ein schrittweises Einführen neuer Produkte.

Braucht eine vegane Hautcreme ein Siegel?

Ein Siegel wie das V-Label oder die Veganblume ist eine Erleichterung, kein Muss. Es bestätigt von unabhängiger Seite, was du sonst selbst in der Liste der Bestandteile nachlesen müsstest. Fehlt es, ist die Creme nicht automatisch unvegan, du musst nur genauer hinschauen oder nachfragen.

Quellen

  1. Kantonales Laboratorium Bern, Merkblatt Kennzeichnung von Kosmetika, Version 2, 2021. Quelle
The Duo - Serum & Gesichtscreme
Die minimalistische Routine

The Duo — Serum & Creme, mehr braucht es nicht

Niacinamid, Vitamin C, Hyaluronsäure und Ceramide in zwei aufeinander abgestimmten Produkten. Vegan, entwickelt in der Schweiz, 100 Tage Rückgaberecht.

The Duo entdecken
Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin