Vegane Feuchtigkeitscreme: was vegan konkret bedeutet

VEGANE HAUTPFLEGE

Eine vegane Feuchtigkeitscreme enthält keinen einzigen Rohstoff tierischen Ursprungs, also weder Lanolin noch Bienenwachs, Honig, Kollagen oder Milchprotein. Wie viel Feuchtigkeit sie spendet, hängt nicht an dieser Herkunft, sondern an der Rezeptur: Glycerin, Hyaluronsäure und Squalan werden heute pflanzlich oder biotechnologisch gewonnen und arbeiten identisch.

Was bedeutet vegan bei einer Feuchtigkeitscreme genau?

Vegan heisst bei einer Feuchtigkeitscreme, dass kein Bestandteil der Rezeptur von einem Tier stammt, auch kein Nebenprodukt, für das kein Tier sterben musste. Das ist der Punkt, der viele überrascht: Bienenwachs, Honig und Wollfett kosten kein Tierleben und gelten trotzdem nicht als vegan. Die Abgrenzung läuft über die Herkunft des Rohstoffs, nicht über die Frage, wie er gewonnen wurde. Damit unterscheidet sich vegan klar von Begriffen wie natürlich oder mild, die nichts über die Rohstoffquelle sagen. Wichtig ist auch, was vegan nicht mitliefert: keine Aussage über Wirksamkeit, über Verträglichkeit oder über die Konzentration der Wirkstoffe. Eine vegane Creme kann sparsam dosiert und eine nicht vegane grosszügig formuliert sein. Deshalb lohnt sich neben der Herkunftsfrage immer ein Blick auf die Inhaltsstoffe mit ausgewiesenen Prozentangaben, sonst beantwortest du nur die halbe Frage.

Welche Feuchtigkeitsstoffe sind tierisch und welche pflanzlich?

Feuchtigkeitspflege arbeitet mit drei Bausteinen, und für jeden gibt es eine tierische wie eine pflanzliche Variante. Erstens Feuchthaltestoffe, die Wasser in der Hornschicht binden: Glycerin, Hyaluronsäure, Panthenol. Zweitens rückfettende Lipide, die die Barriere geschmeidig halten: Lanolin auf der tierischen Seite, Squalan, Sheabutter und Jojobaöl auf der pflanzlichen. Drittens Filmbildner, die Wasser am Verdunsten hindern: Bienenwachs gegen Candelilla- oder Carnaubawachs. Entscheidend ist, dass mehrere dieser Rohstoffe aus beiden Quellen stammen können und der INCI-Name das nicht verrät. Glycerin lässt sich aus Palm-, Raps- oder Kokosöl gewinnen, ebenso aus tierischen Fetten. Squalan stammte lange aus Haifischleber, kommt heute aber überwiegend aus Oliven oder Zuckerrohr. Auch pflanzliche Extrakte wie Enzianwurzel sind eindeutig zuzuordnen, während Ceramide je nach Herstellungsweg tierisch, pflanzlich oder rein synthetisch sein können. Wer sichergehen will, prüft deshalb genau diese wenigen Namen und nicht die ganze Liste.

Funktion in der Creme Tierischer Rohstoff Pflanzliche Alternative INCI eindeutig?
Wasser binden Kollagen, Milchprotein Hyaluronsäure aus Fermentation Nein
Rückfetten Lanolin aus Schafwolle Squalan aus Oliven, Jojobaöl Nur bei Lanolin
Film bilden Bienenwachs (Cera Alba) Candelilla- oder Carnaubawachs Ja
Geschmeidig halten Emu- oder Nerzöl Sheabutter, Mandelöl Ja
Barriere ergänzen Ceramide aus tierischem Gewebe Ceramide aus Fermentation Nein

Spendet eine vegane Feuchtigkeitscreme weniger Feuchtigkeit?

Nein, die Herkunft eines Rohstoffs verändert seine Funktion in der Rezeptur nicht. Hyaluronsäure bindet Wasser, egal ob sie aus Fermentation oder aus einer tierischen Quelle stammt, weil es sich chemisch um dasselbe Molekül handelt. Dasselbe gilt für Glycerin und für Squalan. Der einzige Rohstoff, für den es keinen deckungsgleichen pflanzlichen Zwilling gibt, ist Lanolin: Es ist ausgesprochen okklusiv und deshalb bei sehr trockener, rissiger Haut beliebt. Diese Rolle übernehmen in veganen Rezepturen Kombinationen aus Sheabutter, Squalan und Wachsen, die zusammen ähnlich schliessen, sich aber leichter anfühlen. Ob eine Creme deine Haut versorgt, entscheidet also die Dosierung und das Zusammenspiel, nicht das Wort vegan auf der Vorderseite. Genau deshalb ist die Frage nach den Prozentangaben aussagekräftiger als jede Herkunftsdiskussion, und sie gilt für Wirkstoffe wie Vitamin C und Niacinamid genauso. Eine vegane Rezeptur ist damit weder ein Nachteil noch für sich genommen ein Qualitätsmerkmal.

Wie erkennst du auf der Verpackung, ob die Creme vegan ist?

Der zuverlässigste Weg führt über die Liste der Bestandteile, die in der Schweiz auf jedem kosmetischen Mittel stehen muss. Laut dem Merkblatt des Kantonalen Laboratoriums Bern werden die Bestandteile unter dem Begriff Ingredients nach einer Nomenklatur wie INCI in mengenmässig absteigender Reihenfolge aufgeführt, wobei Anteile unter einem Massenprozent in beliebiger Reihenfolge am Ende stehen dürfen. Für dich heisst das: Die eindeutig tierischen Namen findest du sofort, etwa Lanolin, Cera Alba, Mel, Collagen oder Carmine. Schwieriger sind die zweideutigen Namen wie Glycerin, Squalane oder Stearic Acid, die nichts über die Quelle aussagen. Hier hilft entweder ein Siegel oder eine direkte Nachfrage beim Hersteller. Unbekannte Bezeichnungen kannst du in der Inhaltsstoffdatenbank der Europäischen Kommission nachschlagen, die für jeden INCI-Namen die chemische Identität ausweist. Sie sagt dir allerdings nur, um welchen Stoff es sich handelt, nicht aus welcher Quelle ihn ein bestimmter Hersteller bezieht.

Welche vegane Textur passt zu welcher Haut?

Die Antwort hängt davon ab, ob deiner Haut Wasser oder Fett fehlt, und die beiden Zustände fühlen sich unterschiedlich an. Fehlt Wasser, spannt die Haut kurz nach dem Reinigen, wirkt matt und zeigt feine Trockenheitslinien, die nach dem Auftragen verschwinden. Fehlt Fett, bleibt sie rau und empfindlich, auch wenn du reichlich Feuchtigkeit gibst. Im ersten Fall trägt ein leichtes Serum mit Feuchthaltestoffen den grösseren Teil, im zweiten braucht es darüber eine Creme mit Lipiden. Genau nach dieser Logik ist unser Duo aus Serum und Creme aufgebaut: 2 Prozent Hyaluronsäure und 5 Prozent Niacinamid für die Wasserseite, Squalan, Ceramide und Jojobaöl für die Fettseite, alles ohne tierische Rohstoffe. Wie du beides morgens und abends schichtest und wie viel du davon brauchst, steht in der Anleitung zur Anwendung. Wichtig bleibt, dass du eine neue Creme mindestens vier Wochen durchziehst, bevor du sie bewertest.

Wann ist eine Fachperson die bessere Adresse?

Eine Feuchtigkeitscreme ist ein kosmetisches Mittel und pflegt die Hautoberfläche, sie ersetzt keine dermatologische Abklärung. Wenn deine Haut nässt, blutet, stark schuppt oder wenn Rötungen über Wochen bestehen bleiben und schmerzen, gehört das in ärztliche Hände, unabhängig davon, wie gut die Pflege formuliert ist. Dasselbe gilt für plötzliche Reaktionen auf Produkte, die du lange verträgst, und für Veränderungen an Muttermalen. Eine dermatologische Praxis kann abklären, ob eine Kontaktallergie, eine Erkrankung oder schlicht eine gestörte Barriere dahintersteckt, und das lässt sich von aussen nicht zuverlässig unterscheiden. Kosmetik darf und soll das Erscheinungsbild verbessern, Diagnosen stellt sie nicht. Bei einem unruhigen Hautbild ohne weitere Beschwerden lohnt sich zuerst der ruhige Blick auf die Routine, wie wir ihn bei unreiner Haut beschreiben. Oft steckt schlicht zu viel Produkt oder ein zu häufiger Wechsel dahinter, und das lässt sich ohne Termin klären.

Ich habe die Rezeptur von Serum und Creme von Anfang an vegan aufgesetzt, und zwar nicht als Etikett, sondern als Einkaufsregel. Bei jedem Rohstoff mit zwei möglichen Quellen habe ich die pflanzliche genommen, auch dort, wo die tierische Variante günstiger gewesen wäre. Das betrifft vor allem Squalan und die Ceramide, die beide auch tierisch zu haben sind. Für mich war der Ausschlag, dass ich diese Frage nicht offenlassen wollte, wenn jemand sie mir stellt. Wer wissen will, was drin ist, soll es nachlesen können, ohne mir vertrauen zu müssen.

Häufige Fragen

Ist jede vegane Feuchtigkeitscreme auch Naturkosmetik?

Nein, die beiden Begriffe beschreiben Verschiedenes. Vegan sagt aus, dass kein tierischer Rohstoff enthalten ist. Naturkosmetik bezieht sich auf den Anteil natürlicher statt synthetischer Bestandteile. Eine vegane Creme kann vollständig synthetisch sein, und eine Naturkosmetik-Creme kann Bienenwachs oder Honig enthalten.

Bedeutet vegan automatisch, dass keine Tierversuche stattfanden?

Nein, das sind zwei getrennte Aussagen. Vegan betrifft die Rohstoffe in der Rezeptur, tierversuchsfrei betrifft die Prüfung des Fertigprodukts und seiner Bestandteile. Ein Produkt ohne tierische Rohstoffe kann in anderen Märkten trotzdem tierexperimentell geprüft worden sein. Umgekehrt gibt es tierversuchsfreie Cremes mit Bienenwachs oder Lanolin.

Ist Hyaluronsäure in einer Creme tierisch?

Heute in aller Regel nicht mehr. Hyaluronsäure wurde früher aus Hahnenkämmen gewonnen, wird inzwischen aber fast durchgehend biotechnologisch durch Fermentation hergestellt. Der INCI-Name Sodium Hyaluronate verrät die Herkunft allerdings nicht, deshalb bleibt eine kurze Nachfrage beim Hersteller der sichere Weg, wenn dir der Punkt wichtig ist.

Reicht eine vegane Feuchtigkeitscreme bei sehr trockener Haut?

In den meisten Fällen ja, sofern sie ausreichend Lipide enthält. Kombinationen aus Sheabutter, Squalan und pflanzlichen Wachsen schliessen die Hautoberfläche ähnlich wie Lanolin, fühlen sich dabei aber deutlich leichter an. Bei stark rissiger Haut kann zusätzlich ein Serum darunter sinnvoll sein, das die Wasserseite übernimmt.

Woran erkenne ich zweideutige INCI-Namen?

An Rohstoffen, die aus Pflanze und Tier gewonnen werden können. Dazu gehören Glycerin, Squalane, Stearic Acid, Lactic Acid und Ceramide. Steht kein Zusatz wie vegetable oder olive dabei, sagt der Name allein nichts über die Quelle aus, und nur der Hersteller kann sie bestätigen.

Braucht eine vegane Feuchtigkeitscreme ein Siegel?

Nötig ist es nicht, hilfreich schon. Das V-Label wird in der Schweiz von Swissveg vergeben und bestätigt extern, was du sonst selbst in der Liste der Bestandteile nachlesen müsstest. Fehlt es, ist die Creme nicht automatisch unvegan, du musst nur genauer hinschauen.

Ist eine vegane Creme besser verträglich?

Nicht grundsätzlich. Verträglichkeit hängt an Duftstoffen, ätherischen Ölen, der Konservierung und der Wirkstoffkonzentration, nicht an der Herkunft der Rohstoffe. Pflanzliche Extrakte und ätherische Öle können ebenso reizen wie tierische Bestandteile. Entscheidend sind eine kurze Rezeptur und ein schrittweises Einführen neuer Produkte.

Quellen

  1. Kantonales Laboratorium Bern, Merkblatt Kennzeichnung von Kosmetika, Version 2, 2021. Quelle
  2. Europäische Kommission, CosIng, Datenbank kosmetischer Inhaltsstoffe. Quelle
  3. Swissveg, V-Label allgemein, Kriterien der Zertifizierung. Quelle
The Duo - Serum & Gesichtscreme
Die minimalistische Routine

The Duo — Serum & Creme, mehr braucht es nicht

Niacinamid, Vitamin C, Hyaluronsäure und Ceramide in zwei aufeinander abgestimmten Produkten. Vegan, entwickelt in der Schweiz, 100 Tage Rückgaberecht.

The Duo entdecken
Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin