Codecheck, Yuka und Co.: wie zuverlässig Kosmetik-Apps Inhaltsstoffe bewerten

KAUFBERATUNG SCHWEIZ

Codecheck oder Yuka: Beide Apps übersetzen dir eine Inhaltsstoffliste zuverlässig und schnell, als Urteil über ein ganzes Produkt taugen sie nur bedingt. Sie ordnen jeden Stoff nach eigenen Kriterien in Farbstufen ein und mischen dabei Gesundheit, Allergiepotenzial und Umwelt. Wie viel von einem Stoff im Produkt steckt und wie deine Haut darauf reagiert, wissen sie nicht. Nutze sie als Nachschlagewerk und als Filter für Stoffe, die du nachweislich nicht verträgst, nicht als Note für deine Pflege.

Wie zuverlässig sind Codecheck, Yuka und andere Kosmetik-Apps?

Kosmetik-Apps sind zuverlässig, wenn es darum geht, eine Inhaltsstoffliste lesbar zu machen, und deutlich weniger zuverlässig, wenn sie daraus eine Gesamtnote ableiten. Das hat zwei Gründe. Der erste ist die Datenbasis: Die Produktdaten stammen aus grossen Datenbanken, direkt von Herstellern und zu einem guten Teil von Nutzerinnen, die eine Verpackung abfotografieren. Yuka schreibt selbst, dass die App die absolute Zuverlässigkeit der Daten nicht garantieren kann, und prüft Einträge deshalb mit Bild- und Texterkennung, Algorithmen und dem eigenen Team. Ändert ein Hersteller seine Rezeptur, hinkt die Datenbank manchmal hinterher. Der zweite Grund ist die Bewertung selbst. Jede App legt fest, welche Quellen sie heranzieht, wie streng sie einen Stoff einstuft und wie sie aus vielen Einzelwerten eine Farbe oder Zahl macht. Diese Entscheidungen sind nachvollziehbar dokumentiert, aber sie sind Entscheidungen, keine Messwerte. Eine Note in der App ist deshalb die Meinung einer Methode über eine Zutatenliste. Das ist nützlich, solange du weisst, wofür die Farbe steht.

Wie bewerten Kosmetik-Apps die Inhaltsstoffe einer Creme?

Kosmetik-Apps bewerten zuerst jeden einzelnen Inhaltsstoff und rechnen daraus eine Gesamtanzeige, die Menge im Produkt spielt dabei keine Rolle. Yuka teilt Inhaltsstoffe laut eigener Methodik in vier Risikostufen von Rot bis Grün ein. Berücksichtigt werden mögliche hormonelle Wirkung, Allergiepotenzial, Reizpotenzial, krebserregende Eigenschaften und Umweltbelastung. Die Note richtet sich nach dem kritischsten Stoff: Steckt ein roter Stoff in der Creme, liegt sie automatisch unter 25 von 100, ist der kritischste Stoff orange, unter 50. Codecheck zeigt einen Bewertungskreis, der auf einer Datenbank von über 14'000 kosmetischen Inhaltsstoffen beruht. Die App bezieht nach eigenen Angaben unter anderem Einschätzungen des Deutschen Allergie- und Asthmabunds, der Verbraucherzentrale Hamburg, von Greenpeace und vom WWF ein. Fehlen externe Bewertungen, stützt sich die Einordnung auf wissenschaftliche Publikationen, ausgerichtet am Prinzip eines vorsorgenden Verbraucher- und Umweltschutzes. Hat ein Stoff eine Gesundheits- und eine Umweltbewertung, zählt im Kreis die strengere.

Kriterium Yuka Codecheck
Anzeige Note von 0 bis 100 mit Farbcode Bewertungskreis mit farbigen Anteilen
Stufen pro Inhaltsstoff Rot, Orange, Gelb, Grün Rot, Orange, Hellgrün, Grün, Grau für individuelle Bewertung
Was die Gesamtanzeige bestimmt Der kritischste Stoff setzt die Obergrenze Anteile der Einstufungen, bei Doppelbewertung die strengere
Berücksichtigt die Menge im Produkt Nein Nein
Umfang der Inhaltsstoff-Datenbank Rund 12'500 Inhaltsstoffe Über 14'000 Inhaltsstoffe

Genau hier liegt der Unterschied zur behördlichen Sicherheitsbewertung. Nach den Leitlinien des Wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) wird die Belastung aus der Menge eines Stoffs in der jeweiligen Produktkategorie und der Häufigkeit der Anwendung berechnet. Eine App bewertet die Gefahr, die ein Stoff grundsätzlich haben kann, eine Behörde das Risiko bei realer Verwendung. Wie diese beiden Logiken zusammenpassen und welche Warnlisten fachlich belegt sind, ist ein eigenes Thema.

Warum bewerten zwei Apps dasselbe Produkt so unterschiedlich?

Zwei Apps bewerten dasselbe Produkt unterschiedlich, weil sie andere Quellen, andere Schwellen und andere Rechenwege verwenden, nicht weil eine von beiden falsch rechnet. Bei Yuka kann ein einziger Stoff die ganze Note nach unten ziehen, bei Codecheck erscheint ein einzelner kritischer Stoff im Kreis dagegen nur als Anteil. Dazu kommt die Gewichtung von Umweltfragen. Bei Silikonen in Kosmetik zum Beispiel richtet sich ein Teil der Kritik vor allem auf die Umwelt, nicht auf die Haut. Eine App, die beides vermischt, zeigt dann einen Abzug, der mit deiner Haut wenig zu tun hat. Auch bei Konservierern gehen die Einschätzungen oft auseinander. Ob du der Vorsorge einer App folgst oder der Behördenbewertung, entscheidest du am besten mit Wissen darüber, wie bedenklich Phenoxyethanol wirklich ist, statt nach der Farbe allein. Und schliesslich verändern persönliche Einstellungen das Ergebnis. Bei Codecheck kannst du zum Beispiel festlegen, ob Palmöl die Bewertung beeinflussen soll.

Das Muster kennst du vielleicht von privaten Ausschlusslisten im Handel. Auch dort entscheidet jede Liste selbst, welche Stoffe draussen bleiben. Wer weiss, was hinter dem Begriff Clean Beauty steckt, versteht auch, warum zwei grüne Ergebnisse nicht dasselbe bedeuten müssen.

Was kann eine App über ein Produkt nicht wissen?

Eine App weiss über ein Produkt nur, was auf der Verpackung steht, und das ist vor allem die Liste der Inhaltsstoffnamen. Die wichtigste Lücke ist die Menge. Die Reihenfolge der Liste gibt nur grobe Hinweise darauf, und wenn du eine INCI-Liste selbst lesen kannst, siehst du schnell, wo diese Hinweise aufhören. Ob ein Wirkstoff in einer Menge drin ist, bei der er sinnvoll arbeitet, oder nur in Spuren, kann keine App ablesen. Genauso wenig weiss sie etwas über die Qualität der Rohstoffe, die Stabilität der Formulierung, die Verpackung oder darüber, ob das Produkt an Menschen auf Verträglichkeit geprüft wurde. Selbst wenn ein Hersteller das auf die Packung schreibt, lohnt der Blick darauf, was «dermatologisch getestet» bedeutet. Und am wenigsten weiss die App über deine Haut.

Diese Lücke kann nur der Hersteller schliessen, indem er Konzentrationen offenlegt. Bei The Duo aus Essential Serum und Shield Creme stehen sie offen da: 5% Niacinamid, 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und 1% Zink PCA, bezogen auf das Duo als Ganzes. Genau diese Angaben kann dir keine App liefern. Die Produkte sind parfumfrei und ohne Phenoxyethanol, Parabene und Silikone formuliert. In einer Bewertung auf Judge.me lobt J.D. die «grosse Transparenz bezüglich Inhaltsstoffen».

Codecheck oder Yuka: welche App passt in der Schweiz zu welcher Frage?

Welche App besser passt, hängt davon ab, ob du eine schnelle Gesamteinschätzung oder einen persönlichen Filter suchst. Codecheck ist eine Schweizer Entwicklung: Die App startete 2010 in der Schweiz und gehört heute der Producto Check GmbH. Ihre Stärke sind persönliche Einstellungen, mit denen du dich etwa vor allergenen Duftstoffen, Mikroplastik oder hormonell wirksamen Stoffen warnen lässt. In der Gratisversion sind fünf Scans pro Kalenderwoche frei, finanziert wird die App über ein Abo, Scanpakete und Werbung. Yuka kommt aus Frankreich, ist werbefrei und finanziert sich laut eigenen Angaben vor allem über ein Premium-Abo. Ihre Stärke ist die schnelle Gesamtnote, die auch ohne Einstellungen funktioniert. Aus Frankreich stammt auch INCI Beauty, das eigene Bewertungen vergibt. Keine der Apps ist objektiv besser, sie beantworten unterschiedliche Fragen.

  • Du suchst einen schnellen Überblick über ein unbekanntes Produkt im Laden: Eine App mit Gesamtnote wie Yuka.
  • Du verträgst bestimmte Stoffe nachweislich nicht: Eine App mit persönlichem Filter wie Codecheck, eingestellt auf genau diese Stoffe.
  • Du willst verstehen, warum ein Stoff markiert ist: Die Detailansicht jeder App, mit den dort genannten Quellen.
  • Du willst wissen, wie viel Wirkstoff drin ist: Keine App, sondern die Angaben des Herstellers.

Wie nutzt du eine Kosmetik-App sinnvoll, ohne dich verunsichern zu lassen?

Sinnvoll nutzt du eine Kosmetik-App, wenn du die Detailansicht liest statt der Farbe zu folgen und nur Stoffe ausschliesst, für die du einen konkreten Grund hast. Am meisten bringt die App bei einer bekannten Kontaktallergie. Wer per Epikutantest weiss, welcher Stoff Reaktionen auslöst, kann diesen Stoff in der App gezielt suchen lassen. Wie wichtig der Blick auf einzelne Namen ist, zeigt eine dänische Auswertung im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology: Von 5588 parfümierten Produkten, die über eine nicht-kommerzielle App erfasst wurden, führten 329 Produkte (5.9 Prozent) mindestens einen der 26 deklarationspflichtigen Duftstoffe, ohne dass «Parfum» auf der Etikette stand. Wer nur nach dem Wort Parfum sucht, übersieht solche Fälle. Eine App ersetzt aber keinen Epikutantest. Wenn deine Haut wiederholt reagiert, gehört die Abklärung zu einer Dermatologin oder einem Dermatologen.

  1. Daten prüfen: Stimmt die Liste in der App mit der Liste auf deiner Verpackung überein?
  2. Grund lesen: Ist ein Stoff wegen Gesundheit, Allergiepotenzial oder Umwelt markiert?
  3. Filter setzen: Nur für Stoffe, die du nachweislich nicht verträgst oder bewusst meiden willst.
  4. Haut beobachten: Ein Produkt, das du seit Monaten gut verträgst, wird durch eine Farbe nicht schlechter.

Scanne nicht deinen ganzen Badezimmerschrank auf einmal. Prüfe neue Produkte vor dem Kauf und lass bestehende, die du gut verträgst, in Ruhe aufbrauchen.

Ich habe mich entschieden, die Konzentrationen unserer wichtigsten Wirkstoffe offenzulegen, weil eine App genau diese Information nicht hat. Sie sieht Namen und Reihenfolge, mehr nicht. Deshalb stehen bei uns 5% Niacinamid, 2% Vitamin C in der stabilen 3-O-Ethyl-Form und 1% Zink PCA offen da, zusammen mit der vollständigen Liste aller Inhaltsstoffe von A bis Z. Ehrlich gesagt: Sodium Benzoate ist ein synthetischer Konservierer und kann in manchen Apps einen Abzug geben. Ich verstecke ihn nicht, sondern nenne ihn. Und auch die beste Offenlegung kann eines nicht: Sie ersetzt keinen Test an deiner eigenen Haut. Ob dir eine Pflege guttut, zeigt sich nach ein paar Wochen Anwendung, nicht in einer Farbe.

Häufige Fragen

Ist eine rote Bewertung in der App ein Grund, die Creme wegzuwerfen

Nein, nicht automatisch. Lies in der Detailansicht, warum ein Stoff rot markiert ist. Geht es um Vorsorge oder Umwelt und verträgst du die Creme gut, kannst du sie in Ruhe aufbrauchen und beim nächsten Kauf anders entscheiden. Reagiert deine Haut, setz das Produkt ab und lass die Ursache bei einer Dermatologin abklären.

Sind Kosmetik-Apps unabhängig

Yuka und Codecheck geben an, dass Hersteller ihre Bewertungen nicht beeinflussen können. Die Finanzierung unterscheidet sich: Yuka ist werbefrei und lebt vor allem vom Premium-Abo, Codecheck finanziert sich über Abo, Scanpakete und Werbung inklusive Affiliate-Links. Unabhängig von Herstellern heisst aber nicht neutral in der Methode, denn die Kriterien legt jede App selbst fest.

Funktionieren Codecheck und Yuka mit Schweizer Produkten

Ja, beide erkennen Produkte über den Barcode, sofern sie in der Datenbank erfasst sind. Codecheck ist in der Schweiz entstanden, die App startete 2010 hier. Die Sprache der Verpackung spielt bei Kosmetik eine kleinere Rolle, weil Inhaltsstoffe international einheitlich nach INCI benannt werden. Kleinere Schweizer Marken können trotzdem fehlen, weil die Datenbanken stark von Nutzereinträgen und Herstellerdaten leben.

Was mache ich, wenn ein Produkt in der App nicht gefunden wird

Du kannst es in beiden Apps selbst erfassen: Barcode scannen, dann Verpackung und Inhaltsstoffliste nach Anleitung fotografieren oder eintragen. Kann die Texterkennung bei Yuka zu viel vom Foto nicht lesen, bleibt das Produkt ohne Note, bis die Liste abgetippt und geprüft ist. Bei Codecheck wird für ein nicht gefundenes Produkt kein Scan abgezogen. Alternativ liest du die INCI-Liste direkt.

Bewerten Apps auch die Verträglichkeit für empfindliche Haut

Nein. Apps markieren Stoffe mit bekanntem Allergie- oder Reizpotenzial, sie wissen aber nicht, ob deine Haut darauf reagiert. Empfindliche Haut reagiert oft auf die Summe der Produkte oder auf einen Stoff, der in keiner Warnliste auffällt. Bei wiederkehrenden Rötungen oder Ekzemen bringt ein Epikutantest bei einer Dermatologin mehr Klarheit als jede App.

Ist ein grünes Ergebnis ein Beweis für gute Pflege

Nein. Grün sagt nur, dass die App an den gelisteten Stoffen nichts beanstandet, nicht, dass die Pflege wirkt oder zu deiner Haut passt. Wie wenig ein sauberes Etikett über Verträglichkeit aussagt, zeigt eine Auswertung in der Fachzeitschrift Dermatitis: 93.8 Prozent von 1470 als «clean» vermarkteten Produkten enthielten mindestens ein potenzielles Kontaktallergen.

Wie schneidet The Duo in Kosmetik-Apps ab

Das bewerten wir nicht selbst, und je nach App und Einstellung kann das Ergebnis anders ausfallen. Was wir tun können: alles offenlegen. Die vollständige INCI-Liste und die Konzentrationen der wichtigsten Wirkstoffe stehen auf unserer Website. Scanne The Duo gern selbst und lies in der Detailansicht nach, welche Gründe die App für ihre Einstufung nennt.

Quellen

  1. Yuka (Yuca SAS). How are cosmetic products evaluated? Yuka Hilfe-Center, abgerufen 2026. Quelle
  2. CodeCheck (Producto Check GmbH). FAQ: Wie bewerten wir Kosmetika und Lebensmittel? Was kostet CodeCheck? Wie unabhängig ist CodeCheck? Abgerufen 2026. Quelle
  3. Scientific Committee on Consumer Safety SCCS. The SCCS Notes of Guidance for the Testing of Cosmetic Ingredients and their Safety Evaluation, 12th Revision. SCCS/1647/22, Corrigendum 2, 2023. Quelle
  4. Bennike NH, Oturai NB, Müller S, Kirkeby CS, Jørgensen C, Christensen AB et al. Fragrance contact allergens in 5588 cosmetic products identified through a novel smartphone application. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2018. Quelle
  5. Tran JM, Comstock JR, Reeder MJ. Natural Is Not Always Better: The Prevalence of Allergenic Ingredients in «Clean» Beauty Products. Dermatitis, 2022. Quelle
The Duo - Serum & Gesichtscreme
Die minimalistische Routine

The Duo — Serum & Creme, mehr braucht es nicht

Niacinamid, Vitamin C, Hyaluronsäure und Ceramide in zwei aufeinander abgestimmten Produkten. Vegan, entwickelt in der Schweiz, 100 Tage Rückgaberecht.

The Duo entdecken
Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin