Phenoxyethanol: wie schädlich der Konservierer in Kosmetik wirklich ist
NATURKOSMETIK
Phenoxyethanol ist in den erlaubten Mengen nach heutigem Wissen nicht schädlich. Das wissenschaftliche Komitee der EU für Verbrauchersicherheit (SCCS) hat den Konservierer 2016 neu bewertet und bei höchstens 1% als sicher eingestuft, ausdrücklich auch für Kinder bis drei Jahre. Kontaktallergien kommen vor, sind aber selten. Dass Phenoxyethanol trotzdem einen schlechten Ruf hat, liegt vor allem an Warnlisten und daran, dass zertifizierte Naturkosmetik es nicht zulässt. Das ist eine Regel über erlaubte Stoffgruppen, kein toxikologisches Urteil.
Ist Phenoxyethanol schädlich?
Nein, in Konzentrationen bis 1% gilt Phenoxyethanol nach der Bewertung des zuständigen EU-Fachgremiums als sicher für die Anwendung in Kosmetik. Ausgelöst wurde die Neubewertung 2012 durch die französische Arzneimittelbehörde ANSM, die Bedenken vor allem für kleine Kinder angemeldet hatte. Das SCCS prüfte daraufhin Tierstudien, Daten zur Aufnahme über die Haut und Modellrechnungen zum Stoffwechsel. Im Tierversuch zeigten sich vor allem Effekte auf das Blut, allerdings bei Dosen weit über dem, was Verbraucherinnen mit Kosmetik aufnehmen. Am empfindlichsten reagierte das Kaninchen, und der Mensch kann Phenoxyethanol laut SCCS deutlich besser abbauen als diese Tierart. Der Hauptabbaustoff ist Phenoxyessigsäure. Eine Einschränkung macht das Gremium selbst: Seine Bewertung berücksichtigt nur die Aufnahme über Kosmetik, keine anderen Quellen.
Warum ein so gut untersuchter Stoff trotzdem auf vielen Listen landet, hat mehr mit der Logik solcher Listen zu tun als mit neuen Daten. Wie du belegte Warnungen von Panikmache unterscheidest, steht im Beitrag zu bedenklichen Inhaltsstoffen und Warnlisten.
Was ist Phenoxyethanol und warum steckt es in Kosmetik?
Phenoxyethanol ist ein synthetisch hergestellter Konservierungsstoff, chemisch ein Glykolether, der wasserhaltige Kosmetik vor Keimen schützt. Laut SCCS wirkt er gegen ein breites Spektrum an gramnegativen und grampositiven Bakterien sowie gegen Hefen und Schimmelpilze. Gebraucht wird so ein Stoff, weil jede Creme, jedes Serum und jede Lotion mit Wasser ein Nährboden ist, sobald du sie öffnest und mit den Fingern hineingreifst. Ohne Konservierung würde ein solches Produkt nach kurzer Zeit verderben. Phenoxyethanol dient ausserdem als Lösungsmittel und steckt deshalb oft in fertigen Mischungen mit anderen Konservierern. Das SCCS erwähnt auch, dass es als Bestandteil von Duftstoffmischungen verwendet wird. Wie verbreitet der Stoff ist, zeigt eine Stichprobe aus der Fachzeitschrift Contact Dermatitis: Von 3541 Leave-on-Produkten, also Pflege, die auf der Haut bleibt, enthielten 1111 Phenoxyethanol. Häufig verwendet heisst bei einem Konservierer übrigens nicht verdächtig, sondern vor allem gut untersucht.
Welche Höchstkonzentration gilt für Phenoxyethanol?
Für Phenoxyethanol gilt eine Höchstkonzentration von 1% im fertigen Kosmetikprodukt. Die Grenze steht in Anhang V der EU-Kosmetikverordnung 1223/2009, der Liste der zugelassenen Konservierungsstoffe. Die Schweiz übernimmt diese Liste: Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV verweist Artikel 54 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung auf die jeweils aktuelle EU-Kosmetikverordnung. Als Konservierer darf in der Schweiz also nur eingesetzt werden, was in Anhang V steht, und das zu den dort genannten Bedingungen. Interessant ist, wie das SCCS die 1% begründet. Es rechnet mit einem Sicherheitsabstand, im Fachjargon Margin of Safety: Wie weit liegt die tägliche Aufnahme unter der Dosis, die im Tierversuch noch keine Schäden verursacht hat. Für Phenoxyethanol verlangt das Gremium mindestens 25. Für Erwachsene ergab sich ein Wert von 130, wenn man alle Kosmetik mit dem Konservierer zusammenzählt.
| Kennzahl | Wert | Was sie bedeutet |
|---|---|---|
| Höchstkonzentration EU und Schweiz | 1% | Gilt für jedes Kosmetikprodukt, auch für Babypflege |
| Vorschlag der ANSM 2012 | 0.4% für Kinder unter drei Jahren, nicht im Windelbereich | Anstoss zur Neubewertung; das SCCS hielt 2016 auch für diese Altersgruppe 1% für sicher |
| Verlangter Sicherheitsabstand | mindestens 25 | Untergrenze, die das SCCS für diesen Stoff festlegt |
| Sicherheitsabstand Erwachsene | 130 | Summe aller Kosmetik mit Phenoxyethanol |
| Sicherheitsabstand Kinder bis drei Jahre | 41 bis 53 | Ungünstiges, aber realistisches Szenario mit tiefem Körpergewicht |
Wie häufig sind Allergien auf Phenoxyethanol?
Allergien auf Phenoxyethanol sind selten. Das SCCS fasst Daten des IVDK zusammen, eines Netzwerks von Hautkliniken in Deutschland, der Schweiz und Österreich: Von 6932 getesteten Patientinnen und Patienten reagierten 0.24 Prozent im Pflastertest positiv auf 1% Phenoxyethanol. Wichtig ist der Rahmen. Getestet wurden Menschen, die bereits mit Verdacht auf ein Kontaktekzem in die Klinik kamen, nicht die Allgemeinbevölkerung. Die Untersuchung in Contact Dermatitis ging noch einen Schritt weiter und setzte die Allergiehäufigkeit ins Verhältnis zur Verbreitung in Produkten. Ein Stoff, der in jedem dritten Produkt steckt, hat schliesslich mehr Gelegenheit, Allergien auszulösen, als ein seltener. Der so berechnete Quotient lag für Phenoxyethanol bei 0.06, dem tiefsten Wert aller untersuchten Konservierer. Parabene kamen auf 0.35, Benzoate auf 1.35, die Kombination aus Methylchloroisothiazolinon und Methylisothiazolinon auf 9.0. Das SCCS kommt zum gleichen Schluss: Kontaktallergien beim Menschen sind dokumentiert, aber selten, das Risiko einer Sensibilisierung ist sehr gering.
Selten heisst nicht nie. Wenn du nach einem neuen Produkt Rötung, Juckreiz oder Bläschen bekommst, setz es ab. Welcher Stoff dahintersteckt, klärt nur ein Pflastertest bei der Dermatologin oder beim Dermatologen, nicht das Raten anhand der Zutatenliste.
Warum wird Phenoxyethanol in Babypflege diskutiert?
Phenoxyethanol wird in Babypflege diskutiert, weil kleine Kinder einem Kosmetikstoff stärker ausgesetzt sein können als Erwachsene. Genau darauf zielte die französische ANSM, als sie 2012 vorschlug, die Höchstmenge in Produkten für Kinder unter drei Jahren auf 0.4% zu senken und Phenoxyethanol in Produkten für den Windelbereich gar nicht einzusetzen. Das SCCS hat diese Altersgruppe deshalb gesondert durchgerechnet. Im ungünstigen, aber realistischen Szenario zählte es alle altersgerechten Produkte zusammen und rechnete mit einem tiefen Körpergewicht. Bei 9 Kilogramm ergab sich ein Sicherheitsabstand von 53, bei 7 Kilogramm einer von 41. Verlangt sind mindestens 25. Das Gremium folgerte, dass Kinder bis drei Jahre zwar stärker exponiert sein können als Erwachsene, die Sicherheitsabstände aber ausreichen. Eine eigene Einschränkung für den Windelbereich enthält sein Fazit nicht. Für Eltern heisst das: Ein Babyprodukt mit Phenoxyethanol ist nach dieser Bewertung kein Grund zur Sorge. Bei wunder oder entzündeter Haut gehört die Frage trotzdem zur Kinderärztin und nicht ins Internet.
Warum ist Phenoxyethanol in zertifizierter Naturkosmetik nicht erlaubt?
Phenoxyethanol ist in zertifizierter Naturkosmetik nicht erlaubt, weil die grossen Standards nur eine kurze Positivliste an Konservierern zulassen und Phenoxyethanol nicht dazugehört. Der COSMOS-Standard lässt in Version 4.2 nur fünf Konservierer-Gruppen petrochemischen Ursprungs zu, darunter Benzoesäure und Sorbinsäure, und schliesst alle anderen Stoffe mit petrochemischem Anteil aus. NATRUE erlaubt nur die Konservierer aus seinem Anhang 4. Phenoxyethanol steht in keiner der beiden Listen. Der Ausschluss ist eine Entscheidung über Herkunft und Prinzip. Ein Urteil, dass Phenoxyethanol schädlicher wäre als die erlaubten Alternativen, steckt nicht darin, und die Allergiedaten oben zeigen eher das Gegenteil. Welche Alternativen es gibt und wie gut sie vertragen werden, liest du im Steckbrief zu Konservierungsstoffen in Naturkosmetik. Auch dort gilt: Ein Tausch des Konservierers macht ein Produkt nicht automatisch milder.
Ein Beispiel ohne Phenoxyethanol ist The Duo aus Serum und Gesichtscreme. Dort übernehmen Sodium Benzoate und Sodium Levulinate die Konservierung, unterstützt von Pentylene Glycol und Glycerin. Was das Wort natürlich auf einer Verpackung überhaupt aussagt, ist eine eigene Frage, die der Beitrag zu natürlicher Schweizer Kosmetik auseinandernimmt.
Auf unserer Seite mit der vollständigen Inhaltsstoffliste des Duo stehen auch die Konservierer, und zwar mit der Einordnung, die stimmt. Sodium Benzoate ist dort als synthetisch markiert, obwohl es bequemer wäre, nur von natürlicher Konservierung zu sprechen. Ich halte nichts davon, Konservierer zu verstecken oder sie als Makel zu behandeln. Wasserhaltige Pflege wie das Duo, dessen Basis Aloe-Vera-Saft ist, braucht Schutz vor Keimen, sonst verdirbt sie, nachdem du sie geöffnet hast. Dass im Duo kein Phenoxyethanol steckt, ist eine Rezepturentscheidung und kein Sicherheitsargument. Ein Produkt, mit dem du zufrieden bist, musst du nicht wegwerfen, nur weil Phenoxyethanol auf der Liste steht. Lies lieber die ganze Liste statt eines einzelnen Worts darauf.
Häufige Fragen
Ist Phenoxyethanol ein Alkohol
Chemisch gehört Phenoxyethanol zu den Glykolethern und trägt eine Alkoholgruppe, die Fachbezeichnung lautet 2-Phenoxyethanol. Mit Ethanol oder Alcohol denat., die bei hohem Anteil austrocknen können, hat es aber nichts zu tun, und es steckt nur in Mengen bis 1% in Kosmetik. Welche Alkohole die Haut belasten und welche sie pflegen, erklärt der Beitrag zu Alkohol in Kosmetik.
Ist Phenoxyethanol in der Schwangerschaft bedenklich
Ein eigenes Fazit zur Schwangerschaft enthält die SCCS-Bewertung nicht, sie hat aber Tierstudien zu Fruchtbarkeit und Entwicklung des Nachwuchses einbezogen. Schäden am Nachwuchs zeigten sich dort erst bei Dosen, die schon den Muttertieren schadeten, und die Einstufung als sicher bis 1% gilt für Verbraucherinnen und Verbraucher allgemein. Wenn du unsicher bist, besprich deine Pflege mit deiner Gynäkologin oder Hebamme, statt einzelne Stoffe auf eigene Faust zu streichen.
Wie erkenne ich Phenoxyethanol in der INCI
Phenoxyethanol steht in der INCI-Liste unter genau diesem Namen. Weil es höchstens 1% ausmachen darf, findest du es meist im hinteren Teil der Liste, oft neben einem zweiten Konservierer. Die chemische Bezeichnung lautet 2-Phenoxyethanol, in Fachunterlagen findest du auch das Synonym Phenoxytol.
Ist Phenoxyethanol besser als Parabene
Beim Allergierisiko schneidet Phenoxyethanol in der Auswertung aus Contact Dermatitis besser ab, mit einem Quotienten von 0.06 gegenüber 0.35 bei Parabenen. Beide sind aber zugelassene und gut untersuchte Konservierer, deren Sicherheit von der Konzentration abhängt. Welche Parabene erlaubt sind und welche verboten wurden, steht im Beitrag zu Parabenen in Kosmetik.
Kann Phenoxyethanol die Haut reizen
Das kommt selten vor. In einem vom SCCS ausgewerteten Test reizte selbst unverdünntes Phenoxyethanol die Haut von Kaninchen nicht, und in Kosmetik ist es auf 1% begrenzt. Kontaktallergien sind beschrieben, aber selten. Brennt oder rötet ein Produkt die Haut, können auch Duftstoffe, Säuren oder eine bereits gestresste Hautbarriere dahinterstecken.
Ist Kosmetik ohne Konservierer sicherer
Nicht automatisch. Wasserhaltige Kosmetik ohne Konservierung kann verkeimen, sobald sie geöffnet ist, und das ist für die Haut das grössere Problem als ein zugelassener Konservierer. Produkte ohne deklarierten Konservierer sind oft wasserfrei, speziell verpackt oder setzen auf Stoffe mit Zusatzwirkung. Was hinter solchen Versprechen steckt, erklärt der Beitrag zu Kosmetik ohne Zusatzstoffe.
Enthält The Duo Phenoxyethanol
Nein. The Duo wird mit Sodium Benzoate und Sodium Levulinate konserviert, unterstützt von Pentylene Glycol und Glycerin, und enthält auch keine Parabene. Sodium Benzoate ist ein synthetischer Konservierer. Das macht das Duo nicht per se verträglicher als ein Produkt mit Phenoxyethanol, es ist schlicht eine andere Konservierung, die vollständig deklariert ist.
Quellen
- SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety). Opinion on Phenoxyethanol, SCCS/1575/16, final version of 6 October 2016. Europäische Kommission, 2016. Quelle
- Schnuch A, Mildau G, Kratz EM, Uter W. Risk of sensitization to preservatives estimated on the basis of patch test data and exposure, according to a sample of 3541 leave-on products. Contact Dermatitis, 2011. Quelle
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Geregelte Stoffe in kosmetischen Mitteln. Quelle
- COSMOS-standard AISBL. COSMOS Standard, Cosmetics Organic and Natural Standard, Version 4.2, Appendix V. 2025. Quelle
- NATRUE. NATRUE Label criteria, Version 3.9, Abschnitt 3.4, und Annexes to the NATRUE Standard, Annex 4 (Stand 18.06.2026). Quelle
