Konservierungsstoffe in Naturkosmetik: welche erlaubt sind und wie verträglich sie wirklich sind
NATURKOSMETIK
Konservierungsstoffe in Naturkosmetik stammen aus einer kurzen Positivliste: Der COSMOS-Standard erlaubt nur Benzoesäure, Sorbinsäure, Dehydracetsäure, Salicylsäure und ihre Salze sowie Benzylalkohol. Alle stehen zugleich in Anhang V der EU-Kosmetikverordnung, deren Liste auch in der Schweiz gilt, jeweils mit festem Höchstwert. Für die meisten Menschen sind sie gut verträglich, Kontaktallergien kommen aber vor. Stoffe wie Sodium Levulinate oder Sodium Anisate gelten rechtlich nicht als Konservierer, unterstützen die Konservierung aber in vielen Formeln.
Welche Konservierungsstoffe sind in zertifizierter Naturkosmetik erlaubt?
In Naturkosmetik mit COSMOS-Siegel sind nur fünf Gruppen von Konservierern erlaubt: Benzoesäure und ihre Salze, Benzylalkohol, Dehydracetsäure und ihre Salze, Salicylsäure und ihre Salze sowie Sorbinsäure und ihre Salze. So steht es in Anhang V des COSMOS-Standards, Version 4.2 vom September 2025. Bemerkenswert ist der Zusatz: Diese Stoffe sind dort nur vorübergehend zugelassen und werden bei jeder Revision des Standards überprüft, mit dem Ziel, sie zu streichen, sobald konforme Alternativen existieren. NATRUE führt in einer eigenen Liste im Wesentlichen dieselben Stoffgruppen. Was die einzelnen Naturkosmetik-Siegel sonst noch prüfen, ist ein eigenes Thema. Für die Konservierung zählt vor allem, was fehlt: Parabene stehen auf keiner dieser Listen, ebenso wenig der verbreitete Konservierer Phenoxyethanol. Wichtig für den Alltag: «Naturkosmetik» ohne Siegel ist kein geschützter Begriff. Eine Marke ohne Zertifikat darf jeden Konservierer aus Anhang V einsetzen und trotzdem mit Natur werben. Verlässlich ist deshalb nur die INCI-Liste auf der Packung.
Sodium Benzoate, Potassium Sorbate, Sodium Levulinate: was macht welcher Konservierer?
Sodium Benzoate und Potassium Sorbate sind echte Konservierungsstoffe aus Anhang V, Sodium Levulinate dagegen ist rechtlich keiner, sondern ein Zusatz, der die Konservierung unterstützt. Sodium Benzoate ist das Natriumsalz der Benzoesäure, Potassium Sorbate das Kaliumsalz der Sorbinsäure. Beide gehören zu den organischen Säuren, und ihre Wirkung hängt stark vom pH-Wert der Formel ab. Sodium Levulinate, das Salz der Levulinsäure, und Sodium Anisate, das Salz der Anissäure, stehen nicht in Anhang V. Sie gelten deshalb rechtlich nicht als Konservierungsstoffe, stehen aber in vielen Naturkosmetik-Formeln neben einem echten Konservierer. Eine Untersuchung in Scientific Reports zählt Anissäure und Glykole wie Pentylene Glycol zu den multifunktionalen Inhaltsstoffen mit antimikrobiellen Eigenschaften, die klassische Konservierer ergänzen oder teilweise ersetzen. Alkohol kann ebenfalls konservierend wirken, wenn er hoch genug dosiert ist. Warum er deshalb so oft in Naturkosmetik steckt, steht im Artikel über Alkohol in Kosmetik.
Dass ein Konservierer in der INCI steht, heisst übrigens noch nicht, dass das System funktioniert. In derselben Studie wurden 14 Produkte einem Belastungstest mit Keimen unterzogen. Eine Kombination aus 0.084% Sodium Benzoate und 0.079% Potassium Sorbate erfüllte weder das Kriterium für Bakterien noch das für Pilze. Dosis, pH-Wert und Formel entscheiden gemeinsam.
Wie hoch dürfen Konservierer in Kosmetik dosiert sein?
Die erlaubte Höchstmenge legt Anhang V der EU-Kosmetikverordnung fest, und zwar für jeden Stoff einzeln, gemessen in der gebrauchsfertigen Zubereitung. Die Schweiz übernimmt diese Liste über die Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung, die Werte gelten also auch für Produkte, die hier verkauft werden. Bei Benzoesäure unterscheidet die Verordnung nach Produktart: 2.5% in Produkten, die abgespült werden, 1.7% in Mundpflegemitteln und 0.5% in Produkten, die auf der Haut bleiben, jeweils berechnet als Säure. Für ein Serum oder eine Gesichtscreme gilt also der tiefste Wert. Die Tabelle zeigt die Grenzwerte für Produkte, die auf der Haut bleiben. Die tatsächliche Konzentration steht auf keiner Packung, die INCI nennt nur die Reihenfolge. Konservierer stehen deshalb meist weit hinten, weil sie in kleinen Mengen eingesetzt werden.
| INCI-Name | Höchstwert in Produkten, die auf der Haut bleiben | Auf der COSMOS-Liste |
|---|---|---|
| Sodium Benzoate, Benzoic Acid | 0.5% (als Säure) | Ja |
| Potassium Sorbate, Sorbic Acid | 0.6% (als Säure) | Ja |
| Benzyl Alcohol | 1.0% | Ja |
| Sodium Dehydroacetate, Dehydroacetic Acid | 0.6% (als Säure), nicht in Sprays | Ja |
| Salicylic Acid und ihre Salze | 0.5% (als Säure), nicht für Kinder unter 3 Jahren | Ja |
| Sodium Levulinate, Sodium Anisate | Nicht in Anhang V, kein Konservierer im Rechtssinn | Nicht als Konservierer gelistet |
Wie lange ein Produkt nach dem Öffnen hält, ist eine andere Frage als die, womit es konserviert ist. Dazu gibt es einen eigenen Artikel zur Haltbarkeit von Kosmetik nach dem Öffnen.
Ist Sodium Benzoate bedenklich?
Sodium Benzoate ist in der erlaubten Konzentration für die allermeisten Menschen unproblematisch, kann aber bei einer kleinen Gruppe eine Kontaktallergie auslösen. Eine aktuelle Zahl dazu liefert eine Auswertung im Journal Contact Dermatitis: Eine dermatologische Klinik in Sheffield testete von 2008 bis 2023 insgesamt 3198 Patientinnen und Patienten mit 5% Sodium Benzoate im Epikutantest. 57 davon, also 1.8 Prozent, zeigten eine allergische Reaktion, bei zwei Dritteln dieser Fälle war sie klinisch relevant. Wichtig für die Einordnung: Getestet wurden Menschen, die wegen Verdacht auf ein Kontaktekzem in die Klinik kamen, nicht die Allgemeinbevölkerung. Die Autoren nennen Sodium Benzoate ein wichtiges, aber schwierig zu testendes Allergen, weil zweifelhafte und irritative Reaktionen mehr als dreimal so häufig waren wie eindeutig allergische.
Für dich heisst das: Wenn du nicht weisst, dass du auf Benzoate reagierst, gibt es keinen Grund, Sodium Benzoate pauschal zu meiden. Wenn du es weisst, solltest du die INCI konsequent lesen. Auch in The Duo aus Serum und Creme steht Sodium Benzoate in der Liste, offen deklariert. Ob ein einzelner Stoff ein «Zusatzstoff» ist, den du grundsätzlich meiden solltest, ordnet der Artikel über Kosmetik ohne Zusatzstoffe ein.
Wie verträglich sind Benzylalkohol und Dehydracetsäure?
Benzylalkohol ist für die meisten gut verträglich, gilt aber als unterschätztes Kontaktallergen, und genau deshalb hat ihn die American Contact Dermatitis Society zum Allergen des Jahres 2026 erklärt. Die begleitende Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Dermatitis beschreibt, dass Benzylalkohol vor allem bei längerem oder wiederholtem Kontakt eine allergische Kontaktdermatitis auslösen kann. Weil er in vielen Standard-Testreihen fehlt, wird er als Auslöser leicht übersehen. Benzylalkohol ist ausserdem ein Duftstoffbestandteil. Wird er nicht als Konservierer, sondern für den Duft eingesetzt, muss er in Produkten, die auf der Haut bleiben, schon ab 0.001% einzeln in der Zutatenliste stehen, statt im Sammelbegriff Parfum zu verschwinden. Bei Dehydracetsäure ist die Datenlage dünner. Die EU begrenzt sie auf 0.6% und verbietet sie in Sprays, eine verlässliche Aussage zur Allergiehäufigkeit lässt sich aus den verfügbaren Daten aber nicht ableiten. Für beide Stoffe gilt dasselbe wie für Benzoate: kein Grund zur Sorge ohne Vorgeschichte, aber ein klarer Kandidat, wenn deine Haut wiederholt auf Pflege reagiert.
Wenn deine Haut auf mehrere Produkte mit Rötung, Juckreiz oder Ekzem reagiert, bringt das Wechseln der Marke wenig. Ein Epikutantest bei der Dermatologin oder beim Dermatologen zeigt, welcher Stoff dahintersteckt, und erspart dir viele Fehlkäufe.
Was bedeutet «naturidentisch» bei Konservierern?
Naturidentisch heisst, dass ein Konservierer chemisch genau einem Stoff entspricht, der auch in der Natur vorkommt, in der Regel aber im Labor oder in der Industrie hergestellt wird. Der COSMOS-Standard sagt das ungewöhnlich offen: Die zugelassenen Konservierer stammen meist aus petrochemischer Herstellung, ihre Struktur kommt aber ganz oder grösstenteils in der Natur vor. Darum gelten sie dort ausdrücklich als nicht-natürliche Inhaltsstoffe, die nur ausnahmsweise erlaubt sind. Sorbinsäure ist nach der Vogelbeere benannt, Benzoesäure nach dem Benzoeharz. Im Produkt steckt trotzdem kein Beerenextrakt, sondern der synthetisch hergestellte, identische Stoff. Für die Haut macht die Herkunft keinen Unterschied, das Molekül ist dasselbe. Die Grundsatzfrage, ob natürlich automatisch besser ist, behandelt der Artikel über natürliche Schweizer Kosmetik. Für die Konservierung bleibt die nüchterne Erkenntnis: Ein Etikett wie «natürlich konserviert» sagt wenig, die INCI dagegen alles.
The Duo basiert auf Aloe-Vera-Saft, dazu kommt Wasser. Was Wasser enthält, muss konserviert werden, sonst wachsen darin früher oder später Keime. Bei uns übernehmen das Sodium Benzoate und Sodium Levulinate, unterstützt von Pentylene Glycol und Glycerin. Auf unserer Seite mit allen Inhaltsstoffen von A bis Z steht Sodium Benzoate ausdrücklich als synthetisch. Ich verspreche deshalb weder «ohne Konservierungsstoffe» noch «natürlich konserviert», denn beides wäre für eine wasserhaltige Formel nicht ehrlich. Was ich dir sagen kann: kein Phenoxyethanol, keine Parabene, keine Duftstoffe. Und wenn du weisst, dass du auf Benzoate reagierst, ist unser Duo nicht das richtige Produkt für dich. Das gehört für mich genauso zur offenen Deklaration wie die Prozentzahlen der Wirkstoffe.
Häufige Fragen
Warum brauchen Konservierer in Naturkosmetik einen sauren pH-Wert
Weil die meisten erlaubten Konservierer organische Säuren sind, etwa Benzoe- und Sorbinsäure. Bei ihnen bestimmt der pH-Wert der Formel, wie viel von der wirksamen, nicht dissoziierten Säure vorliegt. Eine Untersuchung in Scientific Reports beschreibt das am Beispiel der Anissäure und nennt einen pH-Wert unter 5.5 als Voraussetzung für ihre Wirkung. Deshalb stehen in solchen Formeln oft pH-Regler wie Citric Acid in der INCI.
Sind ätherische Öle Konservierer
Nein, ätherische Öle stehen nicht in Anhang V und gelten rechtlich nicht als Konservierungsstoffe. Einige haben zwar antimikrobielle Eigenschaften, als Konservierer einsetzen darf ein Hersteller aber nur Stoffe aus Anhang V. Dazu kommt, dass sie empfindliche Haut reizen können, wie der Artikel über ätherische Öle in der Gesichtspflege zeigt.
Ist Sodium Levulinate natürlich
Sodium Levulinate stammt aus natürlichen Ausgangsstoffen, wird aber chemisch verarbeitet. NATRUE führt es deshalb auf seiner Liste der abgeleitet natürlichen Stoffe, nicht unter den Konservierern. Rechtlich ist es kein Konservierungsstoff, weil es nicht in Anhang V steht. In einer Formel steht es deshalb meist neben einem Konservierer aus Anhang V und unterstützt ihn.
Was ist Sodium Anisate
Sodium Anisate ist das Natriumsalz der Anissäure, einer organischen Säure pflanzlichen Ursprungs. Wie Sodium Levulinate steht es nicht in Anhang V und ist damit kein Konservierer im Rechtssinn. Laut einer Untersuchung in Scientific Reports wirkt Anissäure nur im sauren Bereich und sollte mit Konservierern wie Benzylalkohol kombiniert werden, weil sie gegen Bakterien schwach ist.
Kann ich auf Konservierer allergisch sein
Ja, Kontaktallergien auf Konservierer gibt es, auch auf die in Naturkosmetik erlaubten wie Sodium Benzoate oder Benzylalkohol. Sie sind selten, aber real. Typisch sind Rötung, Juckreiz oder Ekzem dort, wo du das Produkt aufträgst, oft erst nach wiederholter Anwendung. Klarheit bringt ein Epikutantest bei der Dermatologin oder beim Dermatologen, nicht das Ausprobieren immer neuer Produkte.
Warum enthält wasserfreie Kosmetik keine Konservierer
Keime brauchen Wasser zum Wachsen. Reine Öle, Balsame oder wasserfreie Seren bieten ihnen kaum Lebensraum und kommen deshalb oft ohne Konservierer aus. Ihr Problem ist eher das Ranzigwerden der Öle, das Antioxidantien wie Vitamin E bremsen können. Ob Pflege mit Wasser ganz ohne Konservierung auskommt, ordnet der Artikel über Parabene und ihre Alternativen ein.
Wie ist The Duo konserviert
The Duo ist mit Sodium Benzoate und Sodium Levulinate konserviert, unterstützt von Pentylene Glycol und Glycerin. Sodium Benzoate ist ein Konservierer aus Anhang V und steht auch auf der COSMOS-Liste, Sodium Levulinate unterstützt das System. Phenoxyethanol, Parabene und Duftstoffe enthält The Duo nicht. Wenn du auf Benzoate allergisch reagierst, ist es nicht die richtige Wahl für dich.
Quellen
- Europäisches Parlament und Rat. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Anhang III und Anhang V (Liste der zugelassenen Konservierungsstoffe), konsolidierte Fassung vom 1.9.2025. Amtsblatt der Europäischen Union, 2009. Quelle
- COSMOS-standard AISBL. COSMOS Standard: Cosmetics Organic and Natural Standard, Version 4.2, Appendix V. COSMOS-standard AISBL, 2025. Quelle
- Chen T, Chang H. Deciphering trends in replacing preservatives in cosmetics intended for infants and sensitive population. Scientific Reports, 2024. Quelle
- Lawrance NJ, Holden CR, Gawkrodger DJ. Sodium Benzoate as an Emerging but Problematic Allergen: Retrospective Analysis of Patch Test Results in 3198 Cases Underlines the Need for an Improved Test Preparation, as Even Dubious Reactions May Be Clinically Relevant. Contact Dermatitis, 2025. Quelle
- Le NT, Wu PA. Benzyl Alcohol: Allergen of the Year 2026. Dermatitis, 2026. Quelle
