Ätherische Öle in der Gesichtspflege: warum Naturkosmetik empfindliche Haut reizen kann
NATURKOSMETIK
Ätherische Öle in der Gesichtspflege sind nicht grundsätzlich schädlich, sie gehören aber zu den typischen Gründen, warum Naturkosmetik empfindliche Haut reizen kann. Sie liefern vor allem Duft, bestehen aus Dutzenden Einzelstoffen und können an der Luft zu stärkeren Allergenen oxidieren. Einige Zitrusöle machen die Haut zudem lichtempfindlich. Wenn deine Haut schnell brennt, rötet oder juckt, ist eine Gesichtspflege ohne ätherische Öle die ruhigere Wahl. Fette Pflanzenöle wie Jojobaöl sind etwas anderes und gehören nicht in diese Kategorie.
Warum enthält Naturkosmetik so oft ätherische Öle?
Naturkosmetik enthält so oft ätherische Öle, weil sie der naheliegende Weg sind, einem Produkt ohne synthetische Duftstoffe trotzdem einen Duft zu geben. Zertifizierte Naturkosmetik schliesst synthetische Parfumöle aus, natürliche Duftstoffe aus Pflanzen sind dagegen erlaubt. Für viele Käuferinnen gehört ein frischer oder blumiger Geruch zur Vorstellung von Natur, und Lavendel, Rose oder Orange erfüllen diese Erwartung sofort. Dazu kommt das Marketing: Ein ätherisches Öl lässt sich als Pflanzenwirkstoff erzählen, auch wenn es in der Creme in erster Linie riecht. Ob ein Naturprodukt deshalb grundsätzlich besser oder schlechter ist als ein konventionelles, ist eine eigene Frage, die wir unter Naturkosmetik oder konventionelle Kosmetik einordnen. Hier geht es nur um den Duft, der in Naturkosmetik meist aus ätherischen Ölen stammt.
Wie stark die Erwartung an einen Duft ist, merken wir an unseren eigenen Bewertungen. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Daniela B. über unsere parfumfreie Pflege: «Was den Duft betrifft, musste ich mich zunächst an die fehlende Frische gewöhnen.» Genau diese Frische liefern in anderen Produkten meist die ätherischen Öle.
Sind ätherische Öle in der Gesichtspflege schädlich?
Ätherische Öle sind in der Gesichtspflege nicht für jede Haut schädlich, für empfindliche Haut bringen sie aber ein Risiko ohne Pflegegewinn mit. Entscheidend sind vier Dinge: welches Öl, in welcher Konzentration, wie alt das Produkt ist und in welchem Zustand deine Hautbarriere ist. Dabei laufen zwei verschiedene Reaktionen ab. Eine Irritation zeigt sich rasch als Brennen, Stechen oder Rötung und hängt von der Dosis ab, weniger Öl heisst weniger Reaktion. Eine Kontaktallergie ist dagegen eine Reaktion des Immunsystems, die sich oft erst nach wiederholtem Kontakt entwickelt, mit Verzögerung auftritt und in der Regel bestehen bleibt. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Dermatitis zählt fast 80 ätherische Öle, die bereits Kontaktallergien ausgelöst haben, und hält fest, dass die meisten Reaktionen von puren Ölen oder hoch konzentrierten Produkten ausgehen. Wenn deine empfindliche Haut ohnehin schnell reagiert, ist die Barriere oft schon geschwächt, und reizende Stoffe dringen leichter ein.
Viele der allergenen Einzelstoffe tauchen auf der Verpackung unter eigenen Namen auf, etwa Limonene oder Linalool. Wie du diese Bezeichnungen liest, erklären wir in unserem Artikel zur Gesichtscreme ohne Duftstoffe.
Welche ätherischen Öle reizen empfindliche Haut am häufigsten?
In Allergietests fallen am häufigsten Teebaum-, Orangen-, Ylang-Ylang-, Sandelholz-, Nelken-, Lorbeer- und Zitronellaöl auf. Die erwähnte Übersicht in Dermatitis wertete aus, welche Öle bei Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Kontaktekzem positive Hauttests auslösten. Neun Öle lagen dabei über 2 Prozent positiver Reaktionen: Lorbeer, Terpentin, Orange, Teebaum, Zitronella, Ylang-Ylang, Sandelholz, Nelke und Costuswurzel. Das sind Zahlen aus einer vorbelasteten Gruppe, nicht aus der Gesamtbevölkerung, sie zeigen aber, welche Öle wiederholt auffallen. Lavendel steht nicht auf dieser Liste, ist aber trotzdem kein harmloser Klassiker, wie der nächste Abschnitt zeigt. In Gesichtsprodukten begegnen dir ausserdem oft Pfefferminz- und Eukalyptusöl, die vor allem durch ein kühlendes Prickeln auffallen. Dieses Prickeln fühlt sich frisch an, ist auf empfindlicher Haut aber eher ein Zeichen von Reizung als von Wirkung.
- Häufig auffällig im Hauttest: Teebaum, Orange, Ylang-Ylang, Sandelholz, Nelke, Lorbeer, Zitronella.
- Kühlend und prickelnd: Pfefferminze, Eukalyptus.
- Oxidationsanfällig an der Luft: Lavendel, Teebaum und andere Öle mit hohem Terpenanteil.
- Lichtempfindlich machend: kaltgepresste Zitrusschalenöle wie Bergamotte.
Warum werden Duftstoffe mit der Zeit reizender?
Duftstoffe aus ätherischen Ölen werden mit der Zeit reizender, weil ihre Terpene mit Sauerstoff reagieren und dabei Hydroperoxide bilden, die deutlich stärker allergen sind als die Ausgangsstoffe. Eine Untersuchung in Contact Dermatitis zeigte für Lavendelöl, dass es keinen natürlichen Schutz gegen diese Oxidation hat und an der Luft zu einer wichtigen Quelle allergener Hydroperoxide werden kann. Für Teebaumöl fand eine Arbeit im American Journal of Contact Dermatitis im Tierversuch, dass frisch destilliertes Öl nur sehr schwach sensibilisierend war, oxidiertes Öl dagegen dreimal stärker. In derselben Arbeit stieg der Peroxidgehalt von Öl, das auf einem Fensterbrett stand, innerhalb von vier Tagen von unter 50 auf über 500 ppm.
Beide Untersuchungen betrafen pure Öle, nicht fertige Cremes. Für den Alltag heisst das trotzdem: Produkte mit ätherischen Ölen gehören nicht monatelang offen ins warme Badezimmer, und das PAO-Symbol auf der Packung zeigt dir, wie lange sie nach dem Öffnen halten sollen. Das gilt besonders für Gesichtsöle mit ätherischen Ölen in Pipettenflaschen, die bei jedem Öffnen Luft ziehen. Dazu kommt die zweite Bedeutung von «mit der Zeit»: Wer ein Produkt jahrelang verträgt, kann trotzdem eine Allergie entwickeln, weil sich die Sensibilisierung über wiederholten Kontakt aufbaut.
Reagiert deine Haut plötzlich auf ein Produkt, das du lange vertragen hast, lohnt sich ein Blick auf das Öffnungsdatum. Bleiben Rötung und Juckreiz trotz Absetzen bestehen, gehört die Abklärung in eine dermatologische Praxis, idealerweise mit deinen eigenen Produkten für den Hauttest.
Welche ätherischen Öle machen die Haut lichtempfindlich?
Vor allem kaltgepresste Zitrusschalenöle wie Bergamotte, Limette, Zitrone oder Bitterorange machen die Haut lichtempfindlich, weil sie Furocumarine enthalten. Diese Stoffe reagieren unter UV-Licht und können eine phototoxische Reaktion auslösen, die wie ein starker Sonnenbrand mit Blasen aussehen und dunkle Flecken hinterlassen kann. Eine Fallbeschreibung im Journal of the American Academy of Dermatology schildert zwei Personen, die innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach Kontakt mit Bergamotte-Aromaöl und anschliessender UV-Bestrahlung blasige Hautreaktionen entwickelten, eine davon nur durch den verdampften Duft in der Sauna. Die Autoren nennen als Hauptursache das Furocumarin Bergapten und halten fest, dass Bergamotteöl in Kosmetik deshalb in den meisten Ländern eingeschränkt oder verboten wurde. Im Gesicht ist das besonders heikel, weil es kaum eine Stelle gibt, die mehr Licht abbekommt. Bei Produkten, die tagsüber auf der Haut bleiben, solltest du Zitrusöle deshalb besonders kritisch sehen, auch wenn der Duft nach Frische klingt.
Welche Pflanzenöle werden mit ätherischen Ölen verwechselt?
Mit ätherischen Ölen verwechselt werden vor allem fette Pflanzenöle wie Jojoba-, Sonnenblumen- oder Hagebuttenkernöl, die chemisch etwas völlig anderes sind. Fette Öle werden meist aus Samen oder Kernen gepresst, bestehen aus Lipiden, riechen kaum und pflegen die Hautoberfläche. Ätherische Öle werden meist aus Blüten, Blättern oder Schalen destilliert oder gepresst, sind flüchtig und liefern Duft. Auf der Zutatenliste hilft oft die Endung: «Seed Oil» oder «Kernel Oil» deutet auf ein fettes Öl, «Leaf Oil», «Peel Oil» oder «Flower Oil» eher auf ein ätherisches. Ein gutes Beispiel ist unser eigenes The Duo: In der INCI stehen Simmondsia Chinensis Seed Oil (Jojobaöl) und Helianthus Annuus Seed Oil (Sonnenblumenöl), aber keine ätherischen Öle. Die Pflanzen kommen dort als Extrakte und Saft hinein, etwa Edelweiss, Enzianwurzel und Aloe Vera. Ob ein fettes Öl bei deiner Haut Unreinheiten begünstigt, ist eine andere Frage, die wir bei den komedogenen Ölen behandeln.
| Name im Alltag | INCI-Beispiel | Ölart | Hauptaufgabe |
|---|---|---|---|
| Jojobaöl | Simmondsia Chinensis Seed Oil | Fettes Öl | Pflegt, hält Feuchtigkeit |
| Sonnenblumenöl | Helianthus Annuus Seed Oil | Fettes Öl | Liefert Lipide |
| Hagebuttenkernöl (Wildrosenöl) | Rosa Canina Fruit Oil | Fettes Öl | Liefert Lipide |
| Rosenöl | Rosa Damascena Flower Oil | Ätherisches Öl | Duft |
| Teebaumöl | Melaleuca Alternifolia Leaf Oil | Ätherisches Öl | Duft, wird als klärend vermarktet |
| Bergamotteöl | Citrus Aurantium Bergamia Peel Oil | Ätherisches Öl | Duft |
Wenn du beim Einkaufen einfach Produkte ganz ohne Duft finden willst, reicht dieser Blick auf die Öle allein nicht. Wie du parfumfreie Pflege sicher erkennst, steht im Artikel zur Gesichtscreme ohne Duftstoffe.
Ich habe The Duo bewusst parfumfrei entwickelt, und das heisst bei uns auch: keine ätherischen Öle, nicht einmal als «natürlicher Duft». Die Pflanzen, die ich drin haben wollte, kommen als Extrakte und Saft hinein: Edelweiss und Enzianwurzel aus der Schweiz, Aloe Vera als Basis beider Produkte. Pflanzenkraft ja, Duft nein. Der Grund ist einfach: Duft bringt deiner Haut keinen Pflegeeffekt, er kann sie nur reizen. Der Preis dafür ist ehrlich gesagt ein Produkt ohne Wohlfühlduft nach Rose oder Zitrus, und manche Kundinnen müssen sich erst daran gewöhnen. Parfumfrei heisst ausserdem nicht, dass keine Haut auf irgendetwas reagieren kann. Das kann ich bei keinem Inhaltsstoff ausschliessen. Was genau drin ist, kannst du in unserer vollständigen Liste aller Inhaltsstoffe von A bis Z prüfen.
Häufige Fragen
Ist Lavendelöl gut für die Haut
Für empfindliche Haut ist Lavendelöl keine gute Wahl, auch wenn es als beruhigend gilt. Seine Hauptbestandteile Linalool und Linalylacetat oxidieren an der Luft zu stärkeren Allergenen, wie eine Untersuchung in Contact Dermatitis gezeigt hat. In einer Gesichtscreme liefert es vor allem Duft. Wenn dir der Geruch wichtig ist, ist ein Lavendelsäckchen im Schrank die hautfreundlichere Lösung.
Ist Teebaumöl bei Pickeln sinnvoll
Verdünnt kann Teebaumöl bei leichten Pickeln helfen, pur ist es keine gute Idee. In einer randomisierten Studie mit 60 Personen mit leichter bis mittelschwerer Akne war ein Gel mit 5% Teebaumöl über 45 Tage wirksamer als ein Placebo. Gleichzeitig gehört Teebaum zu den Ölen, die im Hauttest häufig positiv ausfallen, und oxidiertes Öl sensibilisiert deutlich stärker. Bei ausgeprägter oder anhaltender Akne gehört die Abklärung in eine dermatologische Praxis.
Ist ein Duftmolekül aus der Pflanze anders als eins aus dem Labor
Nein, ein Duftmolekül bleibt dasselbe, egal ob es aus Lavendel destilliert oder im Labor hergestellt wurde, und deine Haut reagiert darauf gleich. Die Untersuchung in Contact Dermatitis fand, dass die Duftstoffe in Lavendelöl an der Luft genauso schnell oxidieren wie die reinen synthetischen Stoffe. Ein ätherisches Öl bringt zudem viele weitere Einzelstoffe mit. Warum natürliche Duftstoffe deshalb nicht automatisch verträglicher sind, ordnen wir unter Kosmetik ohne Zusatzstoffe ein.
Darf ich ätherische Öle pur auftragen
Pur solltest du ätherische Öle nicht auf die Gesichtshaut auftragen. Laut einer Übersicht in der Fachzeitschrift Dermatitis gehen die meisten allergischen Reaktionen auf ätherische Öle von puren Ölen oder hoch konzentrierten Produkten aus. Auch ein Tropfen Teebaumöl direkt auf einen Pickel kann die Haut rundherum reizen. Wenn du ein ätherisches Öl nutzen willst, dann nur stark verdünnt und nie auf gereizter Haut.
Ist Rosenöl für reife Haut geeignet
Echtes Rosenöl ist ein ätherisches Öl und liefert reifer Haut vor allem Duft, keine besondere Pflege. Oft wird es mit Hagebuttenkernöl verwechselt, einem fetten Öl, das Lipide liefert. Was reife Haut tatsächlich braucht, erklären wir unter Naturkosmetik für reife Haut. Reagiert deine Haut zusätzlich schnell gereizt, hilft der Artikel zu empfindlicher reifer Haut.
Wie viel ätherisches Öl ist in Kosmetik erlaubt
Eine pauschale Höchstmenge für ätherische Öle in Kosmetik gibt es nicht. Geregelt werden einzelne Inhaltsstoffe: Bestimmte Duftallergene müssen ab einer niedrigen Schwelle einzeln auf der Packung stehen, und lichtempfindlich machende Stoffe wie die Furocumarine aus Zitrusölen sind eingeschränkt. Wie viel ätherisches Öl ein Produkt enthält, legt der Hersteller im Rahmen seiner Sicherheitsbewertung fest. Auf der Packung steht die Menge nicht, du siehst nur an der Reihenfolge der Zutatenliste, ob ein Öl eher weit vorne oder weit hinten steht.
Enthält The Duo ätherische Öle
Nein, The Duo enthält keine ätherischen Öle und ist parfumfrei. Laut der veröffentlichten Inhaltsstoffliste stehen weder ätherische Öle noch Limonene oder Linalool in den beiden Produkten. Die Öle im Duo sind fette Pflanzenöle wie Jojobaöl und Sonnenblumenöl, die Pflanzen kommen als Extrakte aus Edelweiss und Enzianwurzel sowie als Aloe-Vera-Saft hinein. Alle Details findest du direkt bei The Duo.
Quellen
- de Groot AC, Schmidt E. Essential Oils, Part IV: Contact Allergy. Dermatitis, 2016. Quelle
- Hagvall L, Sköld M, Bråred-Christensson J, Börje A, Karlberg AT. Lavender oil lacks natural protection against autoxidation, forming strong contact allergens on air exposure. Contact Dermatitis, 2008. Quelle
- Hausen BM, Reichling J, Harkenthal M. Degradation products of monoterpenes are the sensitizing agents in tea tree oil. American Journal of Contact Dermatitis, 1999. Quelle
- Kaddu S, Kerl H, Wolf P. Accidental bullous phototoxic reactions to bergamot aromatherapy oil. Journal of the American Academy of Dermatology, 2001. Quelle
- Enshaieh S, Jooya A, Siadat AH, Iraji F. The efficacy of 5% topical tea tree oil gel in mild to moderate acne vulgaris: a randomized, double-blind placebo-controlled study. Indian Journal of Dermatology, Venereology and Leprology, 2007. Quelle
