Komedogen: was der Begriff bedeutet und welche Öle wirklich heikel sind
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Komedogen bedeutet, dass ein Inhaltsstoff die Poren verstopfen und damit Mitesser begünstigen kann. Der Begriff stammt aus Tests der 1970er Jahre, bei denen einzelne Rohstoffe unverdünnt geprüft wurden. Für fertige Pflegeprodukte sagt er wenig aus, weil Konzentration, restliche Rezeptur und deine Haut den Ausschlag geben. Eine Zahl auf einer Skala ersetzt darum keinen eigenen Test auf deiner Haut.
Was heisst komedogen genau?
Komedogen heisst, dass ein Stoff dazu beitragen kann, dass sich der Ausgang einer Talgdrüse mit Talg und Hornzellen zusetzt. Entsteht dieser Pfropf, spricht die Dermatologie von einem Komedo, umgangssprachlich von einem Mitesser. Sichtbar wird er als kleiner dunkler Punkt oder als geschlossenes weissliches Knötchen. Der Gegenbegriff nicht komedogen behauptet, dass ein Produkt diesen Vorgang nicht anstösst. Wichtig ist die Reihenfolge: Ein Komedo ist die Vorstufe, nicht die Entzündung selbst. Wer zu unreiner Haut neigt, hat oft beides gleichzeitig, doch die Ursachen liegen tiefer als in einem einzelnen Öl. Talgproduktion, Verhornungsgeschwindigkeit, Hormonlage und mechanische Reibung spielen alle mit hinein. Der Begriff komedogen beschreibt also nichts weiter als ein Risiko, das ein einzelner Rohstoff unter Laborbedingungen gezeigt hat. Er beschreibt nicht, was dein Gesicht mit einem fertigen Serum oder einer fertigen Creme macht, und er sagt auch nichts darüber, wie viel von dem Stoff überhaupt in der Rezeptur steckt.
Wie verlässlich sind die Komedogen-Skalen?
Die gängigen Komedogen-Skalen sind ein grober Anhaltspunkt, keine Messgrösse. Ein Rohstoff wird darin von 0 bis 5 eingestuft, wobei Werte ab 3 historisch als stark komedogen galten. Die Ursprungsdaten stammen aus dem Kaninchenohr-Test, bei dem konzentrierte Substanzen auf die sehr empfindliche Innenseite eines Kaninchenohrs aufgetragen wurden. Eine Übersichtsarbeit in JAAD Reviews hält fest, dass dieses Modell auf menschlicher Haut zu widersprüchlichen Ergebnissen führte und dass bis heute weder eine standardisierte Prüfmethode noch eine Aufsicht für das Label nicht komedogen existiert. Hersteller dürfen den Begriff also weitgehend frei verwenden. Dazu kommt: Die meisten Zahlen, die heute im Netz kursieren, gehen auf Rohstofflisten der 1970er und 1980er Jahre zurück und wurden nie an modernen Rezepturen nachgeprüft. Weitergereicht werden sie trotzdem, von Blog zu Blog, ohne Quellenangabe. Wie du die Qualität eines Produkts auch ohne solche Etiketten beurteilst, zeigt der Beitrag zu Naturkosmetik ohne Siegel.
Welche Öle gelten als heikel und welche nicht?
Als heikel gelten vor allem schwere, stark gesättigte Pflanzenöle und Buttern: Kokosöl, Kakaobutter, Weizenkeimöl und rohe Sheabutter stehen in fast jeder Liste weit oben. Als unproblematisch gelten dünnflüssige, hautähnliche Öle wie Squalan, Jojobaöl, Distelöl oder Hanfsamenöl. Diese Einteilung ist plausibel, weil dickflüssige Öle länger auf der Oberfläche liegen und den Follikelausgang eher abdecken. Eine Garantie ist das aber in beide Richtungen nicht. Kokosöl führt nicht bei jeder Person zu Unreinheiten, und ein als unbedenklich geführtes Öl kann trotzdem stören, wenn du es zu dick aufträgst oder wenn deine Haut ohnehin gereizt ist. Entscheidend bleibt, wie viel von dem Öl in der Rezeptur steckt und wie schwer sich das Endprodukt auf der Haut anfühlt. Nimm eine solche Liste deshalb als Ausgangspunkt für die Auswahl, nicht als Urteil über einen Rohstoff. Die folgende Tabelle zeigt, worauf du bei den häufigsten Kandidaten tatsächlich achtest.
| Rohstoff | Ruf in den Skalen | Was tatsächlich zählt |
|---|---|---|
| Kokosöl | Gilt in fast allen Listen als stark komedogen. | Pur aufgetragen kritischer als in kleiner Menge innerhalb einer leichten Emulsion. |
| Sheabutter | Gilt als mittel bis heikel. | Menge und Position in der Inhaltsstoffliste entscheiden über die Schwere der Textur. |
| Jojobaöl | Gilt als gering komedogen. | Ein flüssiger Wachsester, der schnell einzieht und selten einen Film hinterlässt. |
| Squalan | Gilt durchgehend als unbedenklich. | Sehr leichte Textur, die auch bei fettiger Haut meist unauffällig bleibt. |
| Mineralöl | Bewertung je nach Liste widersprüchlich. | Kosmetische Qualitäten sind hoch gereinigt, die Textur entscheidet über die Verträglichkeit. |
Warum die fertige Rezeptur mehr zählt als der einzelne Rohstoff
Die fertige Rezeptur entscheidet, nicht der einzelne Rohstoff auf der Liste. Eine Untersuchung von Draelos und DiNardo im Journal of the American Academy of Dermatology prüfte fertige Kosmetikprodukte, die als komedogen geltende Inhaltsstoffe enthielten, an Personen mit ausgeprägter Neigung zur Komedonenbildung. Das Ergebnis: Diese Produkte waren nicht zwangsläufig komedogen. Der Grund liegt in der Konzentration und im Rest der Formel. Ein Öl, das unverdünnt Poren zusetzt, kann in kleiner Menge innerhalb einer leichten Emulsion völlig unauffällig bleiben. Umgekehrt kann eine Rezeptur aus lauter harmlosen Rohstoffen für dich zu reichhaltig sein. Praktisch heisst das zweierlei. Erstens: Schau nach, wo ein Stoff in der vollständigen Inhaltsstoffliste steht, denn weit hinten bedeutet wenig Anteil. Zweitens: Gib einem Produkt zwei bis drei Wochen auf deiner Haut, bevor du es wegen eines einzelnen Namens auf der Liste abschreibst.
Ist Jojobaöl komedogen?
Jojobaöl gilt in den meisten Skalen als gering komedogen und ist für die grosse Mehrheit unproblematisch. Chemisch gesehen ist es kein klassisches Öl, sondern ein flüssiger Wachsester, dessen Aufbau dem hauteigenen Talg nahekommt. Es zieht schnell ein und hinterlässt keinen dicken Film. Genau deshalb steckt Jojobaöl im Gesicht bei uns in der Rezeptur, zusammen mit Squalan, das ebenfalls leicht ist und die Hautbarriere unterstützt. Trotzdem gibt es Personen, die auf Jojobaöl mit kleinen Unreinheiten reagieren. Das ist kein Widerspruch, sondern der Normalfall bei individuellen Hautreaktionen. Wenn du aus Erfahrung weisst, dass dir Jojobaöl nicht bekommt, ist das eine gültige Information, auch wenn keine Skala sie bestätigt. Achte dann auf die Position des Öls in der Inhaltsstoffliste und wähle Rezepturen, die es weiter hinten führen. Welche Wirkstoffe und Öle bei uns in welcher Menge enthalten sind, findest du auf der Produktseite zum Duo.
Eine Kundin schrieb uns, sie meide grundsätzlich jedes Produkt mit Pflanzenöl, weil in einer Komedogen-Liste stand, Öle seien bei ihrer Hautneigung ungeeignet. Stattdessen nutzte sie nur noch ein Gel und beschrieb ein ständiges Spannungsgefühl. Unsere Antwort war nicht, ihr etwas zu verkaufen, sondern ihr zu raten, nicht die ganze Stoffgruppe auszuschliessen, sondern eine leichte Rezeptur zuerst an einer kleinen Stelle zu testen und danach selbst zu entscheiden.
Wann du auf komedogen gar nicht achten musst
Wenn deine Haut trocken oder normal ist und du nicht zu Mitessern neigst, ist komedogen für deine Kaufentscheidung schlicht kein relevantes Kriterium. Die ganze Diskussion stammt aus der Beratung von Personen mit fettiger oder unreiner Haut. Bei reifer, dünner oder zu Trockenheit neigender Haut ist die grössere Gefahr, dass du aus Sorge vor verstopften Poren zu leicht pflegst und dann ein Spannungsgefühl bekommst. Auch bei Mischhaut lohnt sich der Blick auf die Textur eines Produkts deutlich mehr als der Blick auf eine Skala: Eine leichte Emulsion im Gesicht ist fast immer die bessere Antwort als der komplette Verzicht auf Lipide. Und wenn du entzündliche, schmerzhafte oder grossflächige Hautveränderungen hast, gehört das nicht in eine Kosmetikberatung, sondern zu einer dermatologischen Fachperson. Kosmetik pflegt das Erscheinungsbild der Haut und ersetzt weder eine Diagnose noch eine Behandlung.
Ich habe beim Duo aus Serum und Creme bewusst auf schwere Pflanzenöle verzichtet und stattdessen Jojobaöl und Squalan gewählt. Der Grund war keine Komedogen-Tabelle, sondern eine Entscheidung über die Textur: Beide Produkte sollen sich schnell verteilen und nicht als Film liegen bleiben. Kokosöl oder Sheabutter hätten die Creme reichhaltiger gemacht, aber auch träger. Was ich nicht behaupte: dass unsere Rezeptur bei jeder Person unauffällig bleibt. Diesen Test kann kein Label abnehmen, den machst du auf deiner Haut. Deshalb legen wir jede Konzentration offen, etwa 5% Niacinamid und 0.3% Bakuchiol im Duo als Ganzes, und geben dir 100 Tage Zeit zum Prüfen.
Häufige Fragen
Was bedeutet komedogen genau?
Komedogen bedeutet, dass ein Stoff dazu beitragen kann, dass sich der Ausgang einer Talgdrüse mit Talg und Hornzellen zusetzt. Das Ergebnis ist ein Komedo, umgangssprachlich ein Mitesser. Der Begriff beschreibt ein Risiko unter Testbedingungen, nicht eine sichere Vorhersage für deine Haut oder für ein fertiges Produkt.
Ist nicht komedogen ein geschützter Begriff?
Nein. Laut einer Übersichtsarbeit in JAAD Reviews fehlen bis heute eine standardisierte Prüfmethode und eine Aufsicht für das Label nicht komedogen. Hersteller können es deshalb weitgehend frei verwenden. Nützlicher als das Etikett sind die vollständige Inhaltsstoffliste und die Frage, wie sich ein Produkt auf deiner Haut anfühlt.
Welche Öle gelten als am stärksten komedogen?
In den gängigen Listen stehen schwere, stark gesättigte Öle und Buttern weit oben, allen voran Kokosöl, Kakaobutter, Weizenkeimöl und rohe Sheabutter. Diese Einstufungen beruhen auf Tests mit unverdünnten Rohstoffen. In einer fertigen Rezeptur mit kleinem Anteil kann derselbe Rohstoff unauffällig bleiben.
Ist Squalan komedogen?
Squalan gilt in den gängigen Skalen durchgehend als unbedenklich. Es ist sehr leicht, zieht schnell ein und bleibt auch bei fettiger Haut meist unauffällig. Wie bei jedem Rohstoff gilt trotzdem: Eine Skala sagt nichts darüber, wie deine Haut auf die konkrete Rezeptur reagiert, in der Squalan steckt.
Wie finde ich heraus, ob ein Produkt bei mir die Poren verstopft?
Trage das Produkt zwei bis drei Wochen täglich auf eine begrenzte Stelle auf, etwa auf eine Wangenhälfte, und vergleiche mit der anderen Seite. Ändere in dieser Zeit nichts anderes an deiner Routine. Neue geschlossene Knötchen im Testbereich sind ein deutlicheres Signal als jede Skala.
Sind Komedogen-Listen aus dem Internet zuverlässig?
Nur eingeschränkt. Die meisten Zahlen gehen auf Kaninchenohr-Tests und auf Rohstofflisten der 1970er und 1980er Jahre zurück. Eine Übersichtsarbeit in JAAD Reviews hält fest, dass diese Ergebnisse auf menschlicher Haut widersprüchlich ausfielen. Nutze die Listen als groben Ausgangspunkt, nicht als Entscheidungsgrundlage.
