Clean Beauty: Bedeutung des Begriffs, wer ihn definiert und warum er kein Qualitätsbeweis ist

NATURKOSMETIK

Clean Beauty bedeutet im Kern «Kosmetik ohne bestimmte Inhaltsstoffe», wobei jede Marke und jeder Händler selbst festlegt, welche Stoffe auf der Ausschlussliste stehen. Der Begriff ist weder in der Schweiz noch in der EU gesetzlich definiert, und es gibt keinen einheitlichen Standard dahinter. «Clean» sagt deshalb nichts Verlässliches über Verträglichkeit, Wirksamkeit oder Nachhaltigkeit aus. Aussagekräftig sind nur die vollständige Zutatenliste und offengelegte Konzentrationen.

Was bedeutet Clean Beauty?

Clean Beauty ist ein Marketingbegriff für Kosmetik, die bestimmte Inhaltsstoffe bewusst weglässt und das als Qualitätsmerkmal kommuniziert. Er hat sich vor allem im US-Markt etabliert und über Händlerregale, Social Media und Markenwebsites auch in der Schweiz verbreitet. Typisch für Clean-Beauty-Produkte sind Ausschlusslisten mit Stoffen wie Parabenen, Sulfaten, Silikonen, Mineralöl oder synthetischen Duftstoffen. Welche Stoffe genau auf der Liste landen, entscheidet aber jede Marke oder jeder Händler selbst. Die eine Liste umfasst eine Handvoll Stoffe, die nächste ein Vielfaches davon, und beide Produkte nennen sich clean. Oft schwingen weitere Versprechen mit: vegan, tierversuchsfrei, nachhaltig verpackt, «non-toxic». Rechtlich verbunden ist davon nichts mit dem Wort clean. Ein Beitrag im Journal of Drugs in Dermatology ordnet clean deshalb zusammen mit natural, organic, vegan und cruelty-free als Marketingbegriffe ein, deren Aussagekraft Fachpersonen in der Dermatologie kennen und ihren Patientinnen erklären sollten. Für dich heisst das: Clean beschreibt eine Haltung oder ein Sortiment, nicht eine überprüfbare Produkteigenschaft.

Ist Clean Beauty ein geschützter Begriff?

Nein, Clean Beauty ist kein geschützter Begriff, weder in der Schweiz noch in der EU. Es gibt keine Behörde, die festlegt, was clean ist, und keine Zulassung, die ein Produkt dafür bestehen muss. Das Merkblatt des Aargauer Amts für Verbraucherschutz hält fest, dass Kosmetika in der Schweiz weder angemeldet noch bewilligt werden müssen. Stattdessen braucht jedes Produkt im regulären Handel vor dem ersten Verkauf einen Sicherheitsbericht mit Sicherheitsbewertung durch eine qualifizierte Fachperson, und das gilt unabhängig davon, ob es clean heisst oder nicht. Werbeaussagen dürfen laut demselben Merkblatt nicht irreführend sein und müssen sechs Kriterien erfüllen. Dieselben sechs Kriterien gelten in der EU, ein technisches Dokument zu kosmetischen Werbeaussagen beschreibt sie dort im Detail: Rechtskonformität, Wahrheitstreue, Belegbarkeit, Redlichkeit, Lauterkeit und fundierte Entscheidungsfindung. Das Dokument sagt aber ausdrücklich, dass diese Kriterien nicht festlegen, welche Wörter verwendet werden dürfen. Das Wort clean ist damit nicht verboten, geprüft werden nur die konkreten Aussagen dahinter. Weil clean aber keine bestimmte Eigenschaft benennt, lässt sich der Begriff kaum widerlegen. Genau das macht ihn für das Marketing so bequem.

Was ist der Unterschied zwischen Clean Beauty und Naturkosmetik?

Der Unterschied liegt in der Frage, die der Begriff beantwortet: Naturkosmetik fragt, woher die Inhaltsstoffe stammen, Clean Beauty fragt, welche Stoffe fehlen. Ein Clean-Produkt kann deshalb vollständig aus synthetischen Rohstoffen bestehen, solange die ausgeschlossenen Stoffe nicht darin vorkommen. Umgekehrt kann ein Naturkosmetikprodukt ätherische Öle oder Pflanzenextrakte enthalten, die für empfindliche Haut problematischer sind als manche synthetische Alternative. Auch Naturkosmetik ist übrigens kein gesetzlich definierter Begriff, verbindliche Kriterien entstehen erst über private Standards wie Naturkosmetik-Siegel. Und ob Natur oder Labor für deine Haut den grösseren Unterschied macht, beantwortet der Vergleich Naturkosmetik oder konventionelle Kosmetik.

Begriff Worum es geht Wer legt die Kriterien fest Was er nicht aussagt
Clean Beauty Welche Stoffe weggelassen werden Jede Marke oder jeder Händler selbst Verträglichkeit, Wirkstoffmenge, Herkunft
Naturkosmetik ohne Zertifikat Herkunft der Rohstoffe Die Marke selbst Anteil natürlicher Stoffe, Wirkstoffmenge
Zertifizierte Naturkosmetik Herkunft und Verarbeitung der Rohstoffe Private Siegelgeber mit eigenem Standard Wirkstoffmenge und Wirksamkeit
Vegan Keine Rohstoffe tierischen Ursprungs Marke oder privates Label Natürlichkeit, Verträglichkeit, Wirkstoffmenge

Welche Kritik gibt es am Clean-Beauty-Begriff?

Die Hauptkritik am Clean-Beauty-Begriff lautet, dass er mit Angst arbeitet statt mit Belegen. Wer ein Produkt clean nennt, unterstellt allen anderen Produkten indirekt, schmutzig oder gefährlich zu sein, obwohl jedes regulär verkaufte Kosmetikum eine Sicherheitsbewertung braucht. Dermatologinnen und Dermatologen der University of Pennsylvania haben diese Kritik 2019 in JAMA Dermatology bereits im Titel zusammengefasst: «Natural Does Not Mean Safe». Konkret lassen sich vier Einwände unterscheiden:

  • Ausschlusslisten ignorieren die Dosis. Ob ein Stoff ein Risiko darstellt, hängt von Menge, Produktart und Anwendung ab, nicht davon, ob er auf einer Liste steht.
  • Pflanzlich ist nicht automatisch sanft. Duftstoffe und Pflanzenextrakte sind bekannte Auslöser von Kontaktallergien und in vielen Clean-Produkten erlaubt.
  • Weglassen ist keine Wirkung. Ein Produkt ohne Silikone pflegt nicht dadurch besser, dass etwas fehlt. Was es leistet, hängt von dem ab, was drin ist.
  • Der Begriff verhindert Vergleiche. Weil jede Marke eigene Kriterien hat, kannst du zwei Clean-Produkte nicht über das Label vergleichen, sondern nur über die Zutatenliste.

Das heisst nicht, dass Clean-Beauty-Produkte schlecht sind. Viele sind sorgfältig formuliert. Nur liegt die Qualität dann in der Formulierung, nicht im Etikett.

Warum gibt es keine verbindliche Clean-Liste?

Eine verbindliche Clean-Liste gibt es nicht, weil die Stoffregulierung in der Kosmetik bereits anders funktioniert: über Verbote, Höchstmengen und Sicherheitsbewertungen pro Produkt, nicht über eine Liste guter und schlechter Stoffe. Die Schweiz übernimmt dafür grösstenteils die Anhänge der EU-Kosmetikverordnung mit verbotenen und begrenzt zulässigen Stoffen. Für alle übrigen Stoffe muss die Sicherheitsbewertung des einzelnen Produkts belegen, dass es gesundheitlich unbedenklich ist. Eine Clean-Liste setzt darauf eine zweite, private Ebene, die oft strenger klingt, aber keine eigene Bewertung mitbringt. Viele dieser Listen dienen vor allem der Abgrenzung im Regal. Welche Warnlisten fachlich belegt sind und welche eher Panik machen, ordnet der Artikel über bedenkliche Inhaltsstoffe in Kosmetik ein. Wenn du ein Produkt selbst prüfen willst, hilft dir eine Anleitung, wie du eine INCI-Liste lesen kannst, mehr als jedes Label.

Am Beispiel unserer eigenen Pflege: The Duo aus Serum und Creme erfüllt die Kriterien, die auf typischen Clean-Listen stehen. Es ist vegan, parfumfrei, ohne Mikroplastik, Parabene und Silikone. Wir schreiben trotzdem nicht clean darauf, sondern legen die Zutatenliste und die Konzentrationen der Hauptwirkstoffe offen. Das ist nachprüfbar, ein Etikett ist es nicht. In einer Bewertung auf Judge.me schreibt J.D., begeistert zu sein «vom ganzen Konzept und der grossen Transparenz bezüglich Inhaltsstoffen etc.»

Ist Clean Beauty besser für empfindliche Haut?

Nein, Clean Beauty ist nicht automatisch besser für empfindliche Haut, weil viele Clean-Produkte genau die Stoffe enthalten, die am häufigsten Reaktionen auslösen. Eine Untersuchung in der Fachzeitschrift Dermatitis hat die Zutatenlisten von 1470 als clean vermarkteten Produkten zweier US-Händler ausgewertet. 93.8 Prozent davon enthielten mindestens ein potenzielles Kontaktallergen. Am häufigsten waren Duftstoffe und Pflanzenextrakte, sie steckten in 82.9 Prozent der Produkte. Potenzielles Allergen heisst dabei nicht, dass jede Haut reagiert, sondern dass der Stoff bei bereits sensibilisierten Menschen eine Reaktion auslösen kann.

Für empfindliche Haut zählt deshalb nicht das Wort clean, sondern ob ein Produkt Duftstoffe und ätherische Öle enthält, wie lang die Zutatenliste ist und ob du einen Stoff kennst, auf den du schon reagiert hast. Welche Zusatzstoffe dabei wirklich eine Rolle spielen und was der Werbebegriff dazu verspricht, steht im Artikel über Kosmetik ohne Zusatzstoffe. Wenn deine Haut trotz einfacher Pflege anhaltend brennt, juckt oder sich rötet, gehört das zur Dermatologin oder zum Dermatologen. Ein Epikutantest zeigt dann, worauf du tatsächlich reagierst, und ersetzt das Rätselraten mit Labels.

Statt nach clean zu suchen, stell dir drei Fragen: Steht eine vollständige Zutatenliste online? Werden die Hauptwirkstoffe mit Konzentration genannt? Und spricht die Marke kosmetisch statt mit Heilversprechen? Wenn eine Marke ganz ohne Label auskommt, findest du bei Naturkosmetik ohne Siegel weitere Prüfpunkte.

Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, Kompromisslos clean zu nennen, obwohl das Wort im Regal gut ankommt. Erklärt hätte es nichts. Stattdessen findest du auf unserer Seite die vollständige Liste aller Inhaltsstoffe und die Konzentrationen für The Duo als Ganzes: 5% Niacinamid, 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und 1% Zink PCA. Dazu gehört auch, was auf manchen Clean-Listen nicht gut ankommt: Sodium Benzoate zum Beispiel, ein Konservierer, den wir auf unserer Seite selbst als synthetisch ausweisen. Ohne Konservierung wäre ein wasserhaltiges Produkt nicht sicher. Parfum habe ich weggelassen, weil Duft für die Haut nichts leistet. Versprechen kann ich trotzdem nicht, dass jede Haut alles verträgt. Das kann kein Etikett. Prüfen kannst du dagegen jede Zeile unserer Liste.

Häufige Fragen

Ist Clean Beauty vegan

Nicht automatisch. Clean-Listen drehen sich meist um bestimmte Konservierer, Silikone oder Duftstoffe. Tierische Rohstoffe wie Bienenwachs, Honig, Lanolin oder Carmin sind damit nicht automatisch ausgeschlossen. Ob ein Produkt vegan ist, musst du separat prüfen, entweder über eine entsprechende Angabe der Marke oder über die Zutatenliste.

Ist Clean Beauty nachhaltiger

Nicht zwangsläufig. Clean beschreibt in erster Linie, welche Stoffe im Produkt fehlen. Über Verpackung, Transportwege, Anbau der Rohstoffe oder die Menge an Produkten, die du kaufst, sagt der Begriff nichts. Am nachhaltigsten ist oft eine Routine mit wenigen Produkten, die du tatsächlich aufbrauchst.

Gibt es ein Clean-Beauty-Siegel

Ein einheitliches, gesetzlich anerkanntes Clean-Beauty-Siegel gibt es nicht. Es existieren Händler-Labels und private Programme, die mit clean oder non-toxic werben, jeweils mit eigenen Kriterien. Wenn dir ein geprüfter Standard wichtig ist, bieten etablierte Naturkosmetik- oder Vegan-Siegel nachvollziehbarere Regeln, wenn auch ebenfalls private.

Ist synthetisch automatisch nicht clean

Nein. Die meisten Clean-Listen verbieten einzelne Stoffe, nicht synthetische Herstellung an sich. Ob ein Stoff im Labor oder aus einer Pflanze gewonnen wird, sagt ausserdem nichts über seine Verträglichkeit. Ein synthetischer Konservierer kann für empfindliche Haut unproblematischer sein als ein ätherisches Öl.

Sind Clean-Beauty-Produkte weniger wirksam

Nicht grundsätzlich, aber auch nicht besser. Clean sagt nichts über Wirkstoffe oder deren Menge aus. Ob ein Produkt etwas leistet, hängt davon ab, welche Wirkstoffe in welcher Konzentration enthalten sind. Steht beides nicht auf der Verpackung oder Website, kannst du die Wirksamkeit weder bei clean noch bei konventionellen Produkten einschätzen.

Was bedeutet non-toxic bei Kosmetik

Non-toxic ist wie clean ein ungeschützter Werbebegriff ohne festgelegte Bedeutung. Er suggeriert, andere Produkte seien giftig. Dabei muss jedes regulär in der Schweiz verkaufte Kosmetikprodukt eine Sicherheitsbewertung haben, bevor es in den Handel kommt. Aussagekräftiger als non-toxic ist eine vollständige, öffentlich einsehbare Zutatenliste.

Ist The Duo Clean Beauty

Wir nennen The Duo nicht clean, weil der Begriff nichts Überprüfbares aussagt. Es erfüllt aber die Kriterien, die auf typischen Clean-Listen stehen: vegan, parfumfrei, ohne Mikroplastik, Parabene und Silikone. Statt eines Labels findest du die vollständige Zutatenliste und die Konzentrationen der Hauptwirkstoffe, mit denen The Duo arbeitet.

Quellen

  1. Tran JM, Comstock JR, Reeder MJ. Natural Is Not Always Better: The Prevalence of Allergenic Ingredients in «Clean» Beauty Products. Dermatitis, 2022. Quelle
  2. Rubin CB, Brod B. Natural Does Not Mean Safe – The Dirt on Clean Beauty Products. JAMA Dermatology, 2019. Quelle
  3. Urban K, Giesey R, Delost G. A Guide to Informed Skincare: The Meaning of Clean, Natural, Organic, Vegan, and Cruelty-Free. Journal of Drugs in Dermatology, 2022. Quelle
  4. Kanton Aargau, Amt für Verbraucherschutz. Merkblatt Nr. 26: Vertrieb von Kosmetika in der Schweiz. Stand 26.03.2026. Quelle
  5. Sub-Working Group on Claims, Working Group on Cosmetic Products. Technical document on cosmetic claims. Version vom 3. Juli 2017. Quelle
The Duo - Serum & Gesichtscreme
Die minimalistische Routine

The Duo — Serum & Creme, mehr braucht es nicht

Niacinamid, Vitamin C, Hyaluronsäure und Ceramide in zwei aufeinander abgestimmten Produkten. Vegan, entwickelt in der Schweiz, 100 Tage Rückgaberecht.

The Duo entdecken
Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin