Dermatologisch getestet: was das Label bedeutet und was es nicht garantiert
KAUFBERATUNG SCHWEIZ
«Dermatologisch getestet» bedeutet, dass ein Kosmetikprodukt an Menschen unter Aufsicht einer Dermatologin oder eines Dermatologen geprüft und dabei gut vertragen wurde. Wie viele Personen teilgenommen haben, mit welchem Hauttyp und wie lange, verrät das Label nicht. Es ist kein staatliches Siegel, sagt in der Regel nichts über die Wirksamkeit und garantiert nicht, dass gerade deine Haut das Produkt verträgt. Mehr verraten eine offene Zutatenliste und der Verzicht auf typische Reizstoffe.
Was bedeutet «dermatologisch getestet» auf Kosmetik?
«Dermatologisch getestet» bedeutet auf Kosmetik, dass das fertige Produkt an Menschen getestet wurde und eine Dermatologin oder ein Dermatologe den Test beaufsichtigt hat. So beschreibt es das technische Dokument zu kosmetischen Werbeaussagen, das eine von der EU-Kommission geleitete Arbeitsgruppe mit Vertretungen der EU- und EFTA-Staaten 2017 verabschiedet hat. Rechtlich verbindlich ist es nicht, es versteht sich als Sammlung guter Praxis. Darin steht auch, dass reine Befragungen zur Selbstwahrnehmung für diese Aussage nicht genügen. Der Europäische Gerichtshof hat in der Rechtssache C-99/01 die Erwartung der Durchschnittsverbraucherin so umschrieben: Das Produkt wurde auf seine Wirkung auf der Haut getestet, die Ergebnisse waren positiv und zeigten, dass es gut vertragen wurde.
Was das Label nicht enthält, ist fast alles, was dich eigentlich interessiert: die Zahl der Teilnehmerinnen, ihre Hauttypen, die Testdauer und wie streng bewertet wurde. Ein kleiner Test mit robuster Haut und ein grosser mit empfindlichen Probandinnen tragen denselben Aufdruck. Das Label ist eine Mindestaussage, keine Qualitätsstufe. Mit der Herkunft der Rohstoffe hat es ebenfalls nichts zu tun. Dafür gibt es Naturkosmetik-Siegel, die ganz andere Dinge prüfen.
Wie läuft ein dermatologischer Test ab?
Ein dermatologischer Test läuft meist als Pflastertest, als Anwendungstest oder als Kombination aus beidem ab, und welche Variante gewählt wurde, steht nicht auf der Packung. Beim einfachen Pflastertest kommt das Produkt unter einem Pflaster auf Rücken oder Arm, danach beurteilt die Fachperson die Stelle auf Rötung oder Schwellung. Strenger ist der wiederholte Pflastertest, international HRIPT genannt: Das Produkt wird über mehrere Wochen immer wieder an derselben Stelle aufgebracht, um auch eine Sensibilisierung zu erkennen, also das Entstehen einer Allergie. Ein Kommentar in Cutaneous and Ocular Toxicology beschreibt den HRIPT als über ein halbes Jahrhundert alte Methode, die in mehreren Ländern noch als Bestätigungstest dient, und kritisiert ihn aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen, weil er bei Freiwilligen selbst eine Sensibilisierung auslösen kann.
Beim Anwendungstest benutzen die Probandinnen das Produkt so, wie es gedacht ist, und eine Fachperson beurteilt die Haut im Verlauf. Eine feste Mindestzahl an Teilnehmenden nennt das EU-Dokument nicht. Es sieht aber ein Studienprotokoll, eine statistisch durchdachte Planung und qualifiziertes Personal vor. Getestet wird dabei an Menschen. Ob ein Produkt oder seine Rohstoffe je an Tieren geprüft wurden, beantwortet das Label nicht, dazu mehr unter tierversuchsfreie Kosmetik in der Schweiz.
Was ist der Unterschied zwischen getestet, bestätigt und empfohlen?
«Getestet» beschreibt einen Vorgang, «bestätigt» und «empfohlen» klingen nach einem Urteil, und nur für das Erste gibt es eine halbwegs klare Auslegung. «Dermatologisch bestätigt» oder «Hautverträglichkeit dermatologisch bestätigt» meint in der Praxis meist dasselbe Testergebnis, nur selbstbewusster formuliert. Eine eigene Definition dafür kennt das EU-Dokument nicht, frag im Zweifel nach dem Testbericht. «Empfohlen von Dermatologen» ist dagegen gar keine Testaussage, sondern eine Empfehlung, hinter der eine Umfrage, eine Kooperation oder schlicht Marketing stehen kann.
Wie wenig so ein Satz über Verträglichkeit aussagt, zeigt eine Untersuchung in JAMA Dermatology zu den meistverkauften Feuchtigkeitspflegen für den Körper bei drei grossen US-Onlinehändlern: 95 Prozent der Produkte mit dem Hinweis «dermatologist recommended» enthielten mindestens einen Inhaltsstoff aus der Allergenliste der North American Contact Dermatitis Group. Das Autorenteam bezeichnet solche Begriffe für den US-Markt als Marketinginstrumente mit wenig bis keiner behördlichen Aufsicht. Worauf Fachleute bei einer Pflege tatsächlich achten, steht im Artikel welche Gesichtscreme Hautärzte empfehlen.
| Angabe | Was dahintersteht | Was sie nicht sagt |
|---|---|---|
| Dermatologisch getestet | Test an Menschen unter dermatologischer Aufsicht, gut vertragen | Wie viele Personen, welche Hauttypen, ob du es verträgst |
| Klinisch getestet | Test nach klinischem Protokoll unter qualifizierter Aufsicht | Ob eine Dermatologin beteiligt war und was gemessen wurde |
| Verträglichkeit getestet | Eine Zielgruppe hat das Produkt im Test gut vertragen | Wer zur Zielgruppe gehörte |
| Hypoallergen | Auf ein sehr geringes Allergiepotenzial ausgelegt | Dass keine Allergie möglich ist |
| Empfohlen von Dermatologen | Eine Empfehlung, kein Testergebnis | Wer empfohlen hat und auf welcher Grundlage |
Was sagt «hypoallergen» Allergikerinnen wirklich?
«Hypoallergen» sagt Allergikerinnen nur, dass ein Produkt so entwickelt sein soll, dass es möglichst selten Allergien auslöst, nicht, dass es allergiefrei ist. Das EU-Dokument ist hier strenger als bei «dermatologisch getestet»: Wer «hypoallergen» schreibt, soll bekannte Allergene und deren Vorstufen ganz vermeiden und das sehr geringe Allergiepotenzial mit belastbaren Daten belegen, etwa aus der Marktbeobachtung nach dem Verkaufsstart. Im selben Abschnitt steht ausdrücklich, dass der Begriff keine vollständige Abwesenheit eines Allergierisikos garantiert.
Im Regal sieht es oft weniger streng aus. In der Untersuchung aus JAMA Dermatology enthielten 83 Prozent der als hypoallergen beworbenen Feuchtigkeitspflegen mindestens einen Inhaltsstoff aus der genannten Allergenliste. Wenn du eine bekannte Kontaktallergie hast, hilft dir das Wort deshalb wenig. Was hilft, ist dein Allergiepass oder das Ergebnis eines Epikutantests bei der Dermatologin, abgeglichen mit der Zutatenliste. Bei Duftstoffen lohnt sich ein genauerer Blick darauf, was parfumfrei wirklich garantiert, denn auch dieser Hinweis wird unterschiedlich streng ausgelegt.
Was steckt hinter «klinisch getestet» und Prozentversprechen?
«Klinisch getestet» heisst, dass ein Produkt nach einem klinischen Protokoll oder in einem klinischen Umfeld an Menschen getestet wurde, unter Aufsicht einer medizinisch oder wissenschaftlich qualifizierten Fachperson, nicht zwingend einer Dermatologin. So definiert es das EU-Dokument und sieht dazu einen Bericht mit Ziel, Ablauf, Protokoll, Ergebnissen, Statistik und Unterschrift der verantwortlichen Person vor. Das Wort «klinisch» klingt nach Spital, beschreibt aber vor allem den Rahmen des Tests, nicht sein Ergebnis.
Bei Prozentangaben nach dem Muster «x Prozent bestätigen ein ebenmässigeres Hautbild» lohnt sich genaues Lesen. Die Zahl kann aus einer Messung stammen oder aus einer Befragung, in der die Teilnehmerinnen ihren Eindruck ankreuzen. Stehen Wörter wie «bestätigen», «empfinden» oder «spüren» da, steckt meist eine Befragung dahinter, also Selbstwahrnehmung. Das ist nicht wertlos, aber etwas anderes als ein Messwert. Such im Kleingedruckten nach der Zahl der Teilnehmerinnen, der Testdauer und einer Vergleichsgruppe. Fehlt das alles, ist die Prozentzahl vor allem Gestaltung. Und ein Test, der Wirkung misst, sagt nichts über Verträglichkeit, genauso wenig wie umgekehrt.
Woran erkennst du verträgliche Pflege besser als am Label?
Verträgliche Pflege erkennst du zuverlässiger an der Zutatenliste, an der Zahl deiner Produkte und an einem eigenen Test als an einem Aufdruck. Das Label sagt, dass eine Gruppe fremder Menschen das Produkt vertragen hat. Ob du dazugehörst, hängt von deiner Haut, deinen bekannten Allergien und deiner übrigen Routine ab. Diese vier Punkte bringen dir mehr:
- Zutatenliste vor dem Kauf lesen: Eine vollständige, online einsehbare INCI-Liste lässt sich mit deinem Allergiepass abgleichen, ein Label nicht.
- Auf Parfum und ätherische Öle achten: Wenn deine Haut schnell reagiert, sagt ihr Fehlen oft mehr als ein Testhinweis.
- Wenige Produkte gleichzeitig: Jedes zusätzliche Produkt ist eine neue Variable, und bei einer Reaktion weisst du sonst nicht, woher sie kommt.
- Selbst testen: Ein Patch-Test zu Hause vor dem ersten Einsatz im Gesicht sagt mehr über deine Haut als jede fremde Testgruppe.
In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Beatrice über Serum und Creme: «Sehr gut verträglich und ergiebig». Das ist eine ehrliche Einzelerfahrung, aber für deine Haut genauso wenig eine Garantie wie ein Label. Wie du solche Stimmen gewichtest, steht unter Bewertungen richtig einordnen. The Duo aus Serum und Gesichtscreme ist dermatologisch getestet und parfumfrei, und seine Zutatenliste ist vollständig einsehbar. Gerade die letzten beiden Punkte kannst du selbst prüfen.
Brennt, rötet oder juckt die Haut nach einem neuen Produkt deutlich, setz es ab. Halten die Beschwerden an oder kommen sie bei jedem neuen Produkt wieder, gehört das zur Abklärung bei einer Dermatologin und nicht in den nächsten Produktwechsel.
The Duo ist dermatologisch getestet, und das schreibe ich auch hin. Ich verkaufe es aber nicht als Versprechen, dass jede Haut beide Produkte verträgt, denn das kann kein Test leisten. Ein Label fasst das Ergebnis einer fremden Testgruppe in zwei Wörter zusammen. Deshalb habe ich entschieden, das offenzulegen, was du selbst prüfen kannst: die vollständige Zutatenliste, die Konzentrationen im Duo wie 5% Niacinamid und 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure, und dass beide Produkte ohne Duftstoffe auskommen. Wenn du eine bekannte Allergie hast, gleich die Inhaltsstoffe von A bis Z mit deinem Allergiepass ab, bevor du bestellst. Das ist mühsamer als ein Siegel, aber ehrlicher.
Häufige Fragen
Ist dermatologisch getestet ein geschützter Begriff
Nein, es ist kein geschütztes Siegel mit festem Prüfprotokoll. Es gilt aber das Täuschungsverbot: Werbeaussagen für Kosmetik dürfen auch in der Schweiz nicht irreführend sein. Wer «dermatologisch getestet» schreibt, sollte deshalb einen entsprechenden Test belegen können. Wie viele Personen wie lange teilnehmen müssen, ist dabei aber nicht festgelegt.
Wer führt dermatologische Tests durch
Meist spezialisierte Prüfinstitute im Auftrag des Herstellers, unter Aufsicht einer Dermatologin oder eines Dermatologen. In der Regel wählt der Hersteller Institut und Testdesign und bezahlt den Test. Das ist üblich und nicht anrüchig, heisst aber auch, dass die Kriterien nicht unabhängig festgelegt werden. Erst ein Testbericht mit Protokoll zeigt, wie streng geprüft wurde.
Ist ein Dermatest-Siegel seriös
Ein Siegel eines Prüfinstituts ist so aussagekräftig wie der Test dahinter. Es ist ein privates Zeichen, kein staatliches. Es zeigt, dass ein Institut das Produkt geprüft und bewertet hat, aber nicht automatisch, wie viele Personen mit welchem Hauttyp teilgenommen haben. Nachvollziehbar wird es, wenn Prüfjahr, Testart und geprüfte Kriterien offen einsehbar sind.
Bedeutet dermatologisch getestet, dass ich das Produkt vertrage
Nein. Es bedeutet nur, dass die Testgruppe das Produkt gut vertragen hat. Deine Haut kann anders reagieren, besonders bei einer bekannten Kontaktallergie oder einer gereizten Hautbarriere. Ein Test an einer kleinen Hautstelle vor dem ersten Einsatz im Gesicht sagt dir mehr über deine eigene Reaktion als jedes Label.
Muss Kosmetik in der Schweiz getestet werden
Auf Sicherheit ja, an Probandinnen nicht zwingend. Laut einem Merkblatt des Aargauer Amts für Verbraucherschutz müssen Kosmetika weder angemeldet noch bewilligt werden. Vor dem ersten Verkauf braucht es aber eine Produktinformationsdatei mit einem Sicherheitsbericht, den eine qualifizierte Fachperson erstellt. Ein dermatologischer Test an Menschen ist eine zusätzliche Prüfung, keine allgemeine Pflicht.
Sind Produkte ohne dieses Label schlechter
Nein. Manche Hersteller verzichten auf den Test oder auf den Hinweis, etwa weil er Geld kostet und nicht allgemein vorgeschrieben ist. Die Sicherheitsbewertung muss jedes Produkt durchlaufen, mit oder ohne Label. Eine kurze Zutatenliste ohne Duftstoffe kann mehr über Verträglichkeit aussagen als ein Testhinweis auf einem Produkt mit Parfum.
Was bedeutet dermatologisch getestet bei The Duo
The Duo wurde dermatologisch getestet. Wie bei jedem Produkt mit diesem Hinweis ist das eine Aussage über eine Testgruppe, keine Garantie für deine Haut. Deshalb sind die vollständige Zutatenliste und die Konzentrationen der Hauptwirkstoffe offen einsehbar, und beide Produkte sind parfumfrei. Ob das Duo aus Serum und Creme zu dir passt, kannst du in Ruhe testen, mit 100 Tagen Rückgaberecht.
Quellen
- Sub-Working Group on Claims, Working Group on Cosmetic Products. Technical document on cosmetic claims. Version of 3 July 2017, endorsed by the Working Group on Cosmetic Products, 2017. Quelle
- Xu S, Kwa M, Lohman ME, Evers-Meltzer R, Silverberg JI. Consumer Preferences, Product Characteristics, and Potentially Allergenic Ingredients in Best-selling Moisturizers. JAMA Dermatology, 2017. Quelle
- Basketter DA. The human repeated insult patch test in the 21st century: a commentary. Cutaneous and Ocular Toxicology, 2009. Quelle
- Kanton Aargau, Departement Gesundheit und Soziales, Amt für Verbraucherschutz. Merkblatt Nr. 26: Vertrieb von Kosmetika in der Schweiz. Stand 26.03.2026. Quelle
