Silikone in Kosmetik: was sie auf der Haut tun und warum silikonfrei kein Qualitätsbeweis ist

NATURKOSMETIK

Silikone in Kosmetik sind synthetische Polymere aus Silizium-Sauerstoff-Ketten, die vor allem für Gleitfähigkeit, ein glattes Hautgefühl und einen dünnen, wasserabweisenden Film sorgen. Für die Haut gelten die gängigen Silikone wie Dimethicone als gut verträglich: Sie dringen wegen ihrer Molekülgrösse kaum ein und lösen selten Reaktionen aus. Die berechtigte Kritik betrifft die Umwelt, genauer drei zyklische Silikone, die die EU schrittweise beschränkt. «Silikonfrei» sagt deshalb wenig darüber, ob eine Creme gut ist.

Was machen Silikone in Kosmetik?

Silikone machen in Kosmetik vor allem eines: Sie verändern, wie sich ein Produkt auf der Haut verteilt und anfühlt. Chemisch sind sie Ketten aus Silizium und Sauerstoff mit Methylgruppen, ausschliesslich synthetisch hergestellt. Je nach Kettenlänge und Form entsteht daraus etwas sehr Unterschiedliches. Kurze, ringförmige Silikone wie Cyclopentasiloxane verdunsten nach dem Auftragen und dienen als leichter Träger, der eine Creme schnell «einziehen» lässt. Lineare Silikone wie Dimethicone bleiben als dünner, glatter Film auf der Haut und sorgen für das samtige Gefühl, das viele mit einer hochwertigen Textur verbinden. Vernetzte Silikone, die sogenannten Crosspolymere, geben Primern und Cremes ein pudriges, mattes Finish. Das Expertengremium des Cosmetic Ingredient Review hat 62 solcher Dimethicone-Crosspolymere bewertet und beschreibt ihre Aufgaben unter anderem als Filmbildner, hautglättende Pflegestoffe, Gleitmittel und Verdickungsmittel für wasserfreie Produkte.

Was Silikone nicht sind: ein Pflegewirkstoff im engeren Sinn. Sie liefern weder Feuchtigkeit wie Hyaluronsäure noch Lipide wie Ceramide. Ihr Beitrag ist die Textur, der Glanz im Haar und ein gewisser Schutz vor Wasserverlust durch den Film. Dass sich eine Creme mit Silikonen anders verhält als eine ohne, merkst du übrigens auch beim Schichten mehrerer Produkte. Wenn Pflege dabei Röllchen bildet, steckt oft das Zusammenspiel von Filmbildnern dahinter, mehr dazu unter warum eine Creme im Gesicht krümelt.

Sind Silikone schädlich für die Haut?

Nein, nach der verfügbaren Datenlage sind die in Kosmetik üblichen Silikone für die Haut nicht schädlich. Die ausführlichste Bewertung stammt vom Cosmetic Ingredient Review, einem US-amerikanischen Expertengremium, das Kosmetik-Inhaltsstoffe systematisch prüft. Im Abschlussbericht zu Dimethicone und verwandten Silikonen, erschienen im International Journal of Toxicology, heisst es: Dimethicone wurde in klinischen Studien und Tierversuchen nach Auftragen auf die Haut nicht aufgenommen. In den meisten Reizungstests galt es als minimal reizend, und in einem wiederholten Epikutantest mit 83 Personen löste es in einer Konzentration von 5.0 Prozent keine Sensibilisierung aus. Das Gremium hielt es wegen der grossen Molekülmasse für unwahrscheinlich, dass diese Polymere nennenswert in die Haut eindringen, und stufte sie in den üblichen Einsatzkonzentrationen von bis zu 15 Prozent als sicher ein.

Das heisst nicht, dass jede Silikoncreme zu jeder Haut passt. Reagiert deine Haut auf ein Produkt, liegt das allerdings viel häufiger an Duftstoffen, ätherischen Ölen oder einzelnen Konservierern als am Silikon. Welche dieser Stoffe bei empfindlicher Haut tatsächlich eine Rolle spielen, steht im Beitrag über Kosmetik ohne Zusatzstoffe. Wer Silikone trotzdem meidet, weil ihm das Gefühl auf der Haut nicht gefällt, hat einen völlig legitimen Grund. Es ist nur kein gesundheitlicher.

Verstopfen Silikone die Poren?

Dass Silikone die Poren verstopfen, ist nicht belegt, und Dimethicone selbst gilt nicht als typischer Auslöser von Mitessern. Der Mythos kommt vom Gefühl: Ein Silikonfilm fühlt sich glatt und geschlossen an, also liegt die Vorstellung nahe, darunter könne die Haut nicht mehr «atmen». Ein dünner Film auf der Oberfläche ist aber nicht dasselbe wie ein Pfropf im Follikel. Ob ein Produkt bei dir Unreinheiten fördert, hängt stärker von der ganzen Rezeptur ab, also von schweren Ölen und Wachsen, von der aufgetragenen Menge und davon, wie gründlich du abends reinigst. Gerade bei Primern und Make-up mit viel Silikon lohnt sich eine Reinigung, die den Film wirklich löst. Warum die Liste einzelner Rohstoffe dabei weniger aussagt als die fertige Formulierung, steht ausführlich im Artikel über komedogene Inhaltsstoffe. Der ehrliche Test bleibt derselbe: ein neues Produkt einige Wochen als einzige Neuerung verwenden und beobachten, statt nach einer Zutatenliste zu urteilen.

Woran erkennst du Silikone in der INCI?

Silikone erkennst du in der Zutatenliste an typischen Namensbestandteilen, vor allem «-cone» wie in Dimethicone, «-siloxane» sowie «silicone» oder «siloxy». Die Zutaten stehen grundsätzlich absteigend nach Menge in der Liste, je weiter vorne ein Silikon auftaucht, desto mehr davon steckt im Produkt. Diese Namen kommen am häufigsten vor:

INCI-Name Typ Typische Aufgabe
Dimethicone, Dimethiconol Linear, bleibt auf der Haut Glattes Gefühl, leichter Film
Cyclotetrasiloxane (D4), Cyclopentasiloxane (D5), Cyclohexasiloxane (D6), Cyclomethicone Zyklisch, flüchtig Träger, verdunstet nach dem Auftragen
Dimethicone Crosspolymer, Polysilicone-11 Vernetzt Mattes, pudriges Finish
Phenyl Trimethicone, Amodimethicone Modifiziert Glanz, vor allem in Haarpflege
Trimethylsiloxysilicate Silikonharz Haftung in langhaftendem Make-up

Eine häufige Verwechslung: Silica ist kein Silikon. Dahinter steckt Siliziumdioxid, ein mineralisches Pulver, das in Cremes und Puder zum Beispiel Glanz mattiert oder Pulver rieselfähig macht. Es teilt mit den Silikonen nur das Element Silizium. Dasselbe gilt für Tonmineralien wie Magnesium Aluminum Silicate. Wer nur nach «sili» in der Liste sucht, landet deshalb schnell bei einem falschen Alarm.

Was ist an der Umweltkritik an Silikonen dran?

An der Umweltkritik ist etwas dran, aber sie betrifft vor allem drei zyklische Silikone und nicht pauschal alle. Ein Ausschuss der Europäischen Chemikalienagentur hat D4, D5 und D6 im Jahr 2018 als besonders besorgniserregende Stoffe eingestuft, weil sie sehr langlebig sind und sich sehr stark in Organismen anreichern; D4 gilt zusätzlich als persistent, bioakkumulierbar und toxisch. Laut EU-Verordnung 2024/1328 ist die breite Verwendung in Kosmetik die Hauptquelle, über die diese Stoffe in die Umwelt gelangen. Die Konsequenz ist eine Beschränkung in zwei Stufen:

  • D4 und D5 in abwaschbaren Produkten wie Shampoo oder Duschgel: seit dem 31. Januar 2020 nur noch unter 0.1 Prozent.
  • Alle übrigen Kosmetikprodukte, also auch Cremes, Seren und Make-up, sowie D6 in jeder Art von Kosmetik: nach dem 6. Juni 2027 ebenfalls unter 0.1 Prozent.
  • Lineare Silikone wie Dimethicone sind selbst nicht beschränkt. Enthalten sie Rückstände von D4, D5 oder D6, gilt für das fertige Kosmetikprodukt aber dieselbe Grenze.

Das ist EU-Recht. In der Schweiz werden solche Chemikalienbeschränkungen über eine eigene Verordnung geregelt, viele Produkte in Schweizer Regalen sind aber ohnehin für den europäischen Markt rezeptiert.

Bleibt die Frage nach dem Mikroplastik. Die EU-Mikroplastik-Beschränkung (Verordnung 2023/2055) erfasst ausdrücklich nur Polymere, die fest sind. Flüssige Silikone wie Dimethicone fallen damit nicht unter die gesetzliche Definition. Anders kann es bei festen, vernetzten Silikonpartikeln aussehen, etwa pudrigen Crosspolymeren, je nach Form und Grösse der Teilchen. Manche Einkaufsratgeber zählen flüssige synthetische Polymere trotzdem als «flüssiges Mikroplastik», das ist eine Definitionsfrage, kein Messbefund. Dass ein Stoff kein Mikroplastik im rechtlichen Sinn ist, heisst umgekehrt nicht, dass er in der Umwelt rasch verschwindet. Welche Kriterien bei einer Creme ökologisch wirklich ins Gewicht fallen, steht im Beitrag zur nachhaltigen Gesichtscreme.

Ist silikonfreie Pflege automatisch besser?

Nein, silikonfreie Pflege ist nicht automatisch besser, sie ist nur anders zusammengesetzt. «Silikonfrei» sagt, was fehlt, aber nicht, was stattdessen drin ist und ob die Rezeptur zu deiner Haut passt. Irgendetwas muss die Aufgaben der Silikone übernehmen: pflanzliche Öle, Squalan, Ester, Wachse oder Vielfachzucker. Das kann sehr gut funktionieren, kann aber bei manchen Hauttypen auch reichhaltiger wirken oder schneller glänzen als eine Silikoncreme. Das gleiche Muster kennst du von Parabenen: «parabenfrei» heisst nur anders konserviert, nicht sicherer. Und wer Silikone durch Paraffin ersetzt, hat wenig gewonnen, das ist ein eigenes Thema, nachzulesen unter Mineralöl in Kosmetik.

Für die Kaufentscheidung zählen andere Fragen: Welche Wirkstoffe stecken drin und in welcher Konzentration? Enthält das Produkt Duftstoffe? Passt die Textur zu deiner Haut und zur Jahreszeit? Auch The Duo kommt ohne Silikone aus, das ist für uns aber kein Qualitätsbeleg, sondern eine Eigenschaft der Rezeptur. Wie sich das anfühlt, ist subjektiv. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Iris S.: «Die Creme zieht schnell ein. Zusammen geben die Beiden ein sehr smoothes Hautgefühl.»

Wenn du ein Produkt meiden willst, entscheide nach dem Grund: Stört dich das Gefühl auf der Haut, hilft der Blick auf «-cone» und «-siloxane». Geht es dir um die Umwelt, sind D4, D5, D6 und Cyclomethicone die Namen, auf die es ankommt.

The Duo enthält keine Silikone, weder im Serum noch in der Creme. Ich mache daraus bewusst kein Gesundheitsargument, weil die Datenlage zu Dimethicone auf der Haut keines hergibt, und es wäre unehrlich, dir Angst vor einem Stoff zu machen, den wir einfach nicht verwenden. Was ich dir dafür offen sagen kann: Die Creme kann sich deshalb anders anfühlen als viele Silikoncremes. Das glatte Gleiten kommt bei uns von Squalan, Jojobaöl und pflanzlichen Lipiden, und das kann sich zuerst ungewohnt anfühlen. Wenn du in unserer Liste das Wort Silica suchst, findest du es: Das ist Siliziumdioxid, kein Silikon. Alles, was drin ist, steht vollständig auf der Seite mit allen Inhaltsstoffen von A bis Z.

Häufige Fragen

Ist Dimethicone schädlich

Nein, Dimethicone gilt nach der Bewertung des Cosmetic Ingredient Review in den üblichen Konzentrationen als sicher. Es wurde nach dem Auftragen nicht über die Haut aufgenommen, galt in den meisten Reizungstests als minimal reizend und löste in einem Test an 83 Personen keine Sensibilisierung aus. Wenn du es meidest, dann eher wegen des Hautgefühls als wegen der Gesundheit.

Warum fühlt sich silikonfreie Creme anders an

Weil der glatte, samtige Film fehlt, den Silikone auf der Haut hinterlassen. Silikonfreie Cremes arbeiten mit Ölen, Squalan oder Estern, die sich eher einarbeiten lassen und anfangs etwas reichhaltiger oder weniger «rutschig» wirken können. Das ist kein Zeichen schlechterer Pflege, nur einer anderen Textur.

Sind zyklische Silikone verboten

Teilweise. In der EU dürfen D4 und D5 seit dem 31. Januar 2020 in abwaschbaren Produkten nur noch unter 0.1 Prozent enthalten sein. Für alle anderen Kosmetikprodukte, also auch für Cremes und Make-up, gilt diese Grenze für D4, D5 und D6 nach dem 6. Juni 2027. Bis dahin sind sie in Leave-on-Produkten noch erlaubt.

Sind Silikone Mikroplastik

Flüssige Silikone wie Dimethicone sind nach der EU-Definition kein Mikroplastik. Die Mikroplastik-Beschränkung der EU erfasst nur feste synthetische Polymerteilchen, dazu können je nach Partikelgrösse feste Silikon-Crosspolymere gehören. Einige Ratgeber sprechen trotzdem von «flüssigem Mikroplastik». Das ist eine Frage der Begriffswahl, die Umweltfrage stellt sich vor allem bei den flüchtigen zyklischen Silikonen D4, D5 und D6.

Lassen Silikone Wirkstoffe nicht durch

Dafür gibt es keine guten Belege. In vielen Seren sind Silikone selbst Teil der Grundlage, in der Wirkstoffe verteilt sind, und das Produkt wirkt trotzdem. Was eher zählt, ist die Reihenfolge: Ein leichtes Serum zuerst, eine Creme mit filmbildenden Stoffen danach. Ein dicker Silikon-Primer gehört ans Ende, nicht unter das Serum.

Sind Silikone in Naturkosmetik erlaubt

In zertifizierter Naturkosmetik nicht, weil Silikone ausschliesslich synthetisch hergestellt werden und die bekannten Naturkosmetik-Siegel sie ausschliessen. Umgekehrt ist nicht jedes silikonfreie Produkt Naturkosmetik. Viele konventionelle Marken verzichten inzwischen ebenfalls auf Silikone, ohne sonst etwas an ihrer Rezeptur zu ändern. Massgeblich bleibt die vollständige Zutatenliste.

Ist The Duo silikonfrei

Ja, laut Zutatenliste enthält The Duo keine Silikone. Silica, das in der Liste steht, ist Siliziumdioxid und kein Silikon. Wir sehen das nicht als Qualitätsbeweis, sondern als Eigenschaft der Rezeptur: Das Hautgefühl entsteht durch Squalan, Jojobaöl und pflanzliche Lipide. Was in Serum und Creme steckt, siehst du bei The Duo im Detail.

Quellen

  1. Nair B; Cosmetic Ingredient Review Expert Panel. Final report on the safety assessment of stearoxy dimethicone, dimethicone, methicone, amino bispropyl dimethicone, aminopropyl dimethicone, amodimethicone et al. International Journal of Toxicology, 2003. Quelle
  2. Becker LC, Bergfeld WF, Belsito DV, Hill RA, Klaassen CD, Liebler DC et al. Safety Assessment of Dimethicone Crosspolymers as Used in Cosmetics. International Journal of Toxicology, 2014. Quelle
  3. Europäische Kommission. Verordnung (EU) 2024/1328 vom 16. Mai 2024 zur Änderung von Anhang XVII der REACH-Verordnung hinsichtlich D4, D5 und D6. Amtsblatt der Europäischen Union, 2024. Quelle
  4. Europäische Kommission. Verordnung (EU) 2023/2055 vom 25. September 2023 zur Änderung von Anhang XVII der REACH-Verordnung hinsichtlich synthetischer Polymermikropartikel. Amtsblatt der Europäischen Union, 2023. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin