Feuchtigkeitscreme oder Fettcreme: welche Textur trockene Haut wann braucht
WIRKSTOFFE
Feuchtigkeitscreme oder Fettcreme ist für trockene Haut selten ein echtes Entweder-oder. Eine Feuchtigkeitscreme bindet vor allem Wasser, eine Fettcreme legt mehr Lipide auf die Haut und bremst die Verdunstung. Trockener Haut fehlen meist Lipide, deshalb lohnt der Blick darauf, warum Feuchtigkeit allein nicht reicht. Spannt deine Haut, obwohl die T-Zone glänzt, ist sie eher dehydriert als trocken. Die ehrliche Antwort lautet meist: beides, in zwei Schichten. Abends und im Winter darf die obere Schicht reichhaltiger sein, mehr dazu bei der Nachtcreme und der Gesichtscreme im Winter.
Feuchtigkeitscreme oder Fettcreme: was ist der Unterschied?
Der Unterschied zwischen Feuchtigkeitscreme und Fettcreme liegt im Verhältnis von Wasser zu Lipiden und darin, welche Aufgabe die Rezeptur in den Vordergrund stellt. Eine feste Definition gibt es für keinen der beiden Begriffe. Eine Übersichtsarbeit in Clinical Medicine & Research hält sogar fest, dass es für «Moisturizer» keine einheitliche Definition gibt und der Begriff aus dem Marketing stammt. Eine Übersicht im American Journal of Clinical Dermatology beschreibt dasselbe Durcheinander von der anderen Seite: «Moisturizer» und «Emollient» werden oft gleichbedeutend verwendet, obwohl Feuchtigkeitscremes meist zusätzlich Feuchthalter enthalten, die die Hornschicht mit Wasser versorgen sollen.
In der Praxis heisst das: Eine Feuchtigkeitscreme hat viel Wasser, Feuchthalter wie Glycerin oder Hyaluronsäure und eher wenig Öl. Sie zieht schnell ein und fühlt sich leicht an. Eine Fettcreme hat einen deutlich höheren Lipidanteil, oft mit Butter, Wachs oder Vaseline, und hinterlässt einen spürbaren Film. Fast jede Creme enthält beides, nur in anderer Gewichtung. Die bessere Frage ist deshalb nicht, welches Etikett vorne steht, sondern welche Schicht deiner Haut fehlt. Welche Kriterien beim Kauf darüber hinaus zählen, steht im Ratgeber zur Gesichtscreme für trockene Haut.
Was machen Feuchthalter, Emollienzien und Okklusiva in der Creme?
Feuchthalter ziehen Wasser an, Emollienzien machen die Haut weich und geschmeidig, Okklusiva legen einen Film auf, der die Verdunstung bremst. Eine Übersicht im Indian Journal of Dermatology beschreibt Feuchthalter als Stoffe, die Wasser aus tieferen Hautschichten in die Oberhaut ziehen und bei feuchter Luft auch aus der Umgebung. Der Haken steht gleich daneben: Dieses Wasser geht an der Oberfläche leicht wieder verloren, deshalb werden Feuchthalter meist mit Okklusiva kombiniert. Emollienzien sind laut derselben Arbeit vor allem Lipide und Öle, die die Haut weicher, elastischer und glatter machen. Bei den Okklusiva nennt sie einen Unterschied, der die Textur erklärt: Vaseline in einer Konzentration von mindestens 5% reduziert den Wasserverlust über die Haut um mehr als 98 Prozent, Lanolin, Mineralöl und Silikone dagegen nur um 20 bis 30 Prozent. Als Grenze nennt die Arbeit auch das fettige Hautgefühl. Die Übersicht in Clinical Medicine & Research ergänzt, dass Glycerin zusammen mit Okklusiva Trockenheit stärker lindert als allein.
| Gruppe | Was sie tut | Typische INCI-Namen | Hautgefühl |
|---|---|---|---|
| Feuchthalter | Binden Wasser in der Hornschicht | Glycerin, Sodium Hyaluronate, Panthenol, Urea, Aloe Barbadensis Leaf Juice, Polysaccharide | Leicht, frisch, ohne Film |
| Emollienzien | Füllen Lücken zwischen Hornzellen, machen geschmeidig | Squalane, Caprylic/Capric Triglyceride, Ceramide NP, Pflanzenöle wie Simmondsia Chinensis Seed Oil | Weich, gepflegt, kaum Glanz |
| Okklusiva | Legen einen Film auf und bremsen die Verdunstung | Petrolatum, Paraffinum Liquidum, Cera Alba, Butyrospermum Parkii Butter, Lanolin | Reichhaltig, spürbar, oft mit Glanz |
Daraus ergibt sich eine einfache Regel: Feuchtigkeit und Lipide gehören in getrennte Schichten. Ein leichtes Serum mit Feuchthaltern kommt zuerst, eine Creme mit Lipiden darüber. Warum diese Aufteilung besser funktioniert als ein Produkt, das alles können soll, erklärt der Artikel zu Serum und Creme. Bei The Duo ist das so gebaut: Das Serum liefert Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen, die Creme Ceramide NP, Squalan und Jojobaöl. Aloe-Saft und Tamarindensamen stecken als weitere Feuchthalter im Duo.
Öl-in-Wasser oder Wasser-in-Öl: woran erkennst du die Textur?
Bei einer Öl-in-Wasser-Emulsion sind feine Öltröpfchen in Wasser verteilt, bei einer Wasser-in-Öl-Emulsion ist es umgekehrt, und genau das spürst du beim Auftragen. Liegt Wasser aussen, zieht die Creme schnell ein, fühlt sich kühl an und lässt sich mit Wasser leicht verdünnen. Liegt Öl aussen, bleibt ein geschmeidiger Film, die Creme braucht länger und perlt mit Wasser eher ab. Die Übersicht in Clinical Medicine & Research ordnet Lotionen den Öl-in-Wasser-Emulsionen zu, Cremes können beides sein, Salben enthalten zu wenig Wasser, um eine eigene zweite Phase zu bilden. Klassische Fettcremes und Cold Creams sind meist Wasser-in-Öl, Gel-Cremes und die meisten Tagescremes Öl-in-Wasser. Auf der Packung steht der Emulsionstyp selten, du kannst ihn aber an ein paar Zeichen erkennen:
- Bezeichnung: «W/O», «Fettcreme» oder «Cold Cream» deuten auf Wasser-in-Öl, «Gel-Creme», «Fluid» oder «Lotion» auf Öl-in-Wasser.
- Handrücken-Test: Eine Öl-in-Wasser-Creme ist nach ein bis zwei Minuten kaum noch spürbar, eine Wasser-in-Öl-Creme glänzt länger.
- Wassertropfen: Ein Tropfen Wasser vermischt sich mit einer Öl-in-Wasser-Creme, auf einer Wasser-in-Öl-Creme bleibt er eher stehen.
- Kühleffekt: Wasser aussen verdunstet beim Verteilen und fühlt sich frisch an, Öl aussen nicht.
Welche Textur sich richtig anfühlt, ist ausserdem individuell. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Daniela B.: «Da ich eher trockene, reife Haut habe, hätte ich die Gesichtscreme gerne etwas reichhaltiger und ergänze sie deshalb mit einem Gesichtsöl einer anderen Marke.» Das ist eine vernünftige Lösung: Statt die Creme zu wechseln, kommt eine zusätzliche Lipidschicht obendrauf. Wann sich das lohnt und wann nicht, steht bei der Frage Serum oder Gesichtsöl.
Woran erkennst du an der INCI, ob eine Creme rückfettet oder nur Feuchtigkeit bindet?
Ob eine Creme rückfettet oder vor allem Feuchtigkeit bindet, erkennst du an den ersten fünf bis acht Namen der INCI-Liste. Die Inhaltsstoffe stehen grundsätzlich nach absteigendem Anteil, nur ganz kleine Mengen am Ende dürfen in beliebiger Reihenfolge folgen. Was weit vorne steht, prägt also die Textur. Wie du eine Zutatenliste allgemein liest, inklusive Konservierung und Duftstoffen, erklärt der Artikel zum Thema INCI-Liste lesen. Für die Texturfrage reichen drei Beobachtungen:
- Kommen nach Aqua zuerst Glycerin, Hyaluronsäure (Sodium Hyaluronate), Aloe-Saft oder Gelbildner wie Xanthan Gum, und Öle erst weiter hinten, ist es eine Feuchtigkeitscreme oder Gel-Creme.
- Stehen Öle, Squalane, Triglyceride oder Fettalkohole wie Cetearyl Alcohol unter den ersten Positionen, fettet die Creme spürbar zurück, ohne schwer zu sein.
- Stehen Petrolatum, Paraffinum Liquidum, Butyrospermum Parkii Butter oder Wachse wie Cera Alba ganz vorne, ist es eine Fettcreme mit deutlichem Film.
Ein Sonderfall ist eine Liste, die nicht mit Aqua beginnt. Steht stattdessen ein Pflanzensaft an erster Stelle, wie Aloe Barbadensis Leaf Juice, übernimmt dieser Saft die Rolle der Wasserphase und bringt selbst Feuchthalter mit. Fehlt Aqua ganz und stehen nur Öle, Butter und Wachse auf der Liste, hast du einen Balm vor dir, keine Creme.
Teste eine neue Textur nicht gleich im ganzen Gesicht. Trage sie einige Abende nur auf eine Wange auf und vergleiche am Morgen: Spannt die Seite weniger und glänzt sie nicht stärker, passt das Verhältnis von Feuchtigkeit und Fett.
Wie viel Fett verträgt Mischhaut oder zu Unreinheiten neigende Haut?
Mischhaut und zu Unreinheiten neigende Haut brauchen meist keine fettfreie Pflege, sondern einen leichten Verdunstungsschutz, und den nicht überall gleich dick. Eine Arbeit im Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology hat 52 Feuchtigkeitscremes untersucht, die für Haut mit Akne beworben werden. Die Autorinnen und Autoren halten fest, dass Feuchtigkeitscremes drei Grundeigenschaften haben, feuchthaltend, rückfettend und okklusiv, und mehr als die Hälfte der untersuchten Produkte enthält Dimethicone und/oder Glycerin. Meist steht beides zusammen in der Rezeptur: der Feuchthalter Glycerin und das Silikon Dimethicone, das laut den Autoren den Wasserverlust bremst, ohne fettig zu wirken. Auch Pflege für unreine Haut setzt also auf einen Schutz vor Verdunstung, nur in leichter Form. Entscheidend ist die Art der Lipide und die Menge an der richtigen Stelle: Auf der T-Zone reicht oft eine dünne Schicht, Wangen und Kinnlinie vertragen mehr.
Die Sorge, dass Fett die Poren verstopft, ist nachvollziehbar, aber oft zu pauschal. Die gängigen Listen bewerten einzelne Rohstoffe aus alten Tests, nicht die fertige Rezeptur. Was die Einstufung wirklich aussagt, steht im Artikel Komedogen: was der Begriff bedeutet. Ist deine Haut gleichzeitig trocken und unrein, brauchst du keine völlig fettfreie Pflege, sondern eine, die beides berücksichtigt, wie der Artikel zu trockener Haut und Pickeln zeigt. Bei entzündlicher Akne gehört die Abklärung zur Dermatologin oder zum Dermatologen, Pflege ist dann nur begleitend.
Ich habe mich für zwei Produkte statt acht entschieden, weil die Texturfrage damit fast von selbst gelöst ist. Das Serum bringt Feuchtigkeit, die Creme hält sie fest. In der INCI des Duo steht Aloe-Vera-Saft sogar vor Wasser, er ist die Basis beider Produkte. In der Creme stecken Ceramide NP, Squalan und Jojobaöl, aber keine Vaseline, kein Mineralöl und keine Sheabutter. Eine klassische Fettcreme ist The Shield damit nicht, und das will sie auch nicht sein. Wenn deine Haut sehr trocken ist und abends mehr Lipide braucht, kann eine zusätzliche Schicht Öl sinnvoll sein, das sage ich lieber offen, als dir eine dritte Creme zu verkaufen. Alle Inhaltsstoffe findest du unter Inhaltsstoffe von A bis Z.
Häufige Fragen
Ist Hyaluron Feuchtigkeit oder Fett
Hyaluronsäure ist ein Feuchthalter, kein Fett. Sie bindet Wasser in der Hornschicht, legt aber keinen Lipidfilm auf und bremst die Verdunstung kaum. Deshalb braucht sie eine Creme darüber, sonst geht ein Teil des gebundenen Wassers wieder verloren. Was der Wirkstoff sonst leistet und wo seine Grenzen liegen, steht im Artikel darüber, was Hyaluron wirklich kann.
Ist eine Fettcreme im Sommer zu schwer
Für das Gesicht ist eine klassische Fettcreme im Sommer oft zu schwer. Bei höherer Luftfeuchtigkeit verdunstet weniger Wasser über die Haut, und Feuchthalter können dann zusätzlich Wasser aus der Luft ziehen. Eine leichtere Creme über dem Serum reicht dann meist. Bleiben einzelne Stellen trocken, gib dort einfach etwas mehr derselben Creme statt einer zweiten.
Ist eine Gel-Creme dasselbe wie eine Feuchtigkeitscreme
Nicht ganz. Gel-Creme beschreibt die Textur: viel Wasser, ein Gelbildner und wenig Öl. Feuchtigkeitscreme beschreibt die Hauptaufgabe. Eine Gel-Creme ist praktisch immer eine Feuchtigkeitscreme, aber nicht jede Feuchtigkeitscreme ist ein Gel. Für trockene Haut bringt eine Gel-Creme allein meist zu wenig Lipide mit.
Kann ich Feuchtigkeitscreme und Fettcreme übereinander auftragen
Ja, wenn du die leichtere Textur zuerst aufträgst und die reichhaltigere darüber. Umgekehrt kommt die wasserreiche Creme schlecht durch den Fettfilm. Zwei Cremes übereinander sind aber selten nötig. Ein Serum mit Feuchthaltern unter einer Creme mit Lipiden erledigt dieselbe Aufgabe mit klar getrennten Schichten.
Ist ein Balm dasselbe wie eine Fettcreme
Nein. Ein Balm enthält in der Regel kein Wasser, sondern nur Öle, Butter und Wachse. Eine Fettcreme ist dagegen eine Emulsion, meist Wasser-in-Öl, und bringt damit noch etwas Wasser mit. Ein Balm schützt vor Verdunstung, liefert aber selbst keine Feuchtigkeit. Er gehört deshalb, wenn überhaupt, als letzte Schicht über die Pflege.
Braucht reife Haut automatisch eine Fettcreme
Nein. Reife Haut bildet zwar weniger Lipide, verliert aber auch Feuchtigkeit, deshalb braucht sie meist beides und nicht einfach mehr Fett. Eine schwere Creme allein lässt den Wassermangel offen. Wie du Pflege bei trockener Haut im Alter aufbaust, steht in einem eigenen Ratgeber.
Ist The Duo eher Feuchtigkeitscreme oder Fettcreme
Weder noch, The Duo verteilt beide Aufgaben auf zwei Schichten. The Essential Serum liefert Feuchthalter, darunter Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen. The Shield Creme legt Lipide wie Ceramide NP, Squalan und Jojobaöl darüber, ohne Vaseline oder Mineralöl. Bei sehr trockener Haut kannst du etwas mehr nehmen. Wie die beiden zusammenspielen, siehst du bei The Duo aus Serum und Creme.
Quellen
- Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML. Moisturizers: The Slippery Road. Indian Journal of Dermatology, 2016. Quelle
- Purnamawati S, Indrastuti N, Danarti R, Saefudin T. The Role of Moisturizers in Addressing Various Kinds of Dermatitis: A Review. Clinical Medicine & Research, 2017. Quelle
- Lodén M. Role of topical emollients and moisturizers in the treatment of dry skin barrier disorders. American Journal of Clinical Dermatology, 2003. Quelle
- Chularojanamontri L, Tuchinda P, Kulthanan K, Pongparit K. Moisturizers for Acne: What are their Constituents? Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology, 2014. Quelle
