Gesichtscreme im Winter: was reife, trockene Haut bei Kälte und Heizungsluft wirklich braucht

HAUT AB 40

Eine Gesichtscreme im Winter muss für reife Haut meist kein neues Produkt sein. Kälte, Bise und trockene Heizungsluft schwächen die Hautbarriere, und reife Haut hat weniger eigene Lipide, um das auszugleichen. Was hilft, ist eine Pflege, die Feuchthaltestoffe und hautähnliche Lipide zusammen liefert, davon morgens und abends etwas mehr, dazu ein vernünftiges Raumklima. Eine zusätzliche Wintercreme oder eine dicke Fettcreme brauchst du nur in Ausnahmefällen.

Brauchst du im Winter wirklich eine andere Gesichtscreme?

Nein, in den meisten Fällen brauchst du im Winter keine andere Gesichtscreme, sondern mehr von einer guten. Entscheidend ist nicht die Jahreszeit auf dem Etikett, sondern ob deine Creme zwei Dinge kann: Wasser in der Hornschicht binden und die Lücken in der Lipidschicht auffüllen. Eine Creme, die das im Oktober schafft, schafft es im Januar auch, sie muss nur grosszügiger aufgetragen werden. Anders ist es, wenn deine Sommerpflege ein leichtes Gel oder ein Fluid ohne nennenswerte Lipide war. Dann fehlt im Winter tatsächlich ein Baustein, und den ergänzt du mit einer Creme, die ihn mitbringt, nicht mit drei neuen Produkten.

Ein häufiger Fehler bei der Gesichtspflege im Winter ist ohnehin das Gegenteil: Die Haut fühlt sich rau an, und plötzlich stehen eine Wintercreme, eine Maske und ein Öl im Bad. Warum das eher stört als hilft, steht im Beitrag darüber, was die Haut nach dem Sommer braucht. Im Winter gilt dieselbe Logik: eine Sache anpassen, zwei Wochen beobachten, dann weiterentscheiden.

Warum wird reife Haut im Winter schneller trocken als mit 30?

Reife Haut wird im Winter schneller trocken, weil zwei Verluste zusammenkommen: Mit dem Alter sinkt die Menge an Barriere-Lipiden, und im Winter sinkt sie noch einmal. Eine Untersuchung in den Archives of Dermatological Research hat die Lipide der Hornschicht an Gesicht, Hand und Bein von Frauen verschiedener Altersgruppen gemessen. Mit steigendem Alter waren alle wichtigen Lipidklassen deutlich reduziert, besonders die Ceramide. Im Winter lagen die Werte an allen gemessenen Stellen zudem stark unter jenen aus Frühling und Sommer. Die Autorinnen und Autoren sehen darin einen Grund, warum ältere Haut gerade in den Wintermonaten zu Trockenheit neigt.

Dazu kommt die Reparatur. In einer Studie im Journal of Clinical Investigation erholte sich eine gezielt gestörte Hautbarriere bei 20- bis 30-Jährigen innert 24 Stunden zu 50 Prozent, bei über 80-Jährigen nur zu 15 Prozent. Mittlere Altersgruppen wurden nicht untersucht, die Richtung zeigt sich trotzdem: Je älter die Haut, desto länger braucht sie, um eine angegriffene Barriere wieder aufzubauen. Was diese Barriere ausmacht, steht ausführlicher im Beitrag über Ceramide und eine geschwächte Hautbarriere. Und welche Gewohnheiten das im Winter zusätzlich verstärken, vom heissen Duschen bis zum langen Bad, findest du unter trockene Haut im Alter.

Wie trocken ist die Raumluft im Winter, und was bringen Lüften und Luftbefeuchter?

An kalten Wintertagen kann die relative Luftfeuchtigkeit in geheizten Räumen über mehrere Tage unter 30 Prozent fallen, und trotzdem ist ein Luftbefeuchter selten die erste Lösung gegen Heizungsluft und trockene Haut. So steht es in der Broschüre «Vorsicht Schimmel» des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Als Faustregel nennt das BAG eine relative Raumluftfeuchtigkeit von 30 bis 50 Prozent, an sehr kalten Tagen nicht über 40 Prozent, weil sonst an ausgekühlten Bauteilen Feuchtigkeitsprobleme auftreten können. Für viele Menschen ist tiefe Luftfeuchtigkeit laut BAG unproblematisch. Empfindliche Personen können aber unter Trockenheitsgefühlen und Reizungen leiden, wenn die Luftfeuchtigkeit längere Zeit unter 30 Prozent liegt. Bevor du ein Gerät kaufst, empfiehlt das BAG einfachere Schritte:

  • Stark geheizte Räume auf 20 bis 21 Grad herunterregeln, dadurch steigt die Luftfeuchtigkeit von selbst.
  • Regelmässig Staub saugen und Oberflächen feucht abwischen, weil Reizstoffe das Trockenheitsgefühl verstärken.
  • Tabak- und Kerzenrauch, Raumluftparfums und Räucherstäbchen vermeiden.
  • Regelmässig querlüften, das vermindert Reizstoffe aus der Inneneinrichtung.
  • Erst wenn die Luftfeuchtigkeit mehrere Tage deutlich unter 30 Prozent liegt und Beschwerden auftreten: gezielt auf 40 Prozent befeuchten, mit einem Hygrometer kontrollieren, stets frisches Wasser verwenden und das Gerät regelmässig reinigen.

Ein gutes Raumklima ersetzt keine Pflege, aber es nimmt der Haut einen Teil der Arbeit ab. Spannt dein Gesicht vor allem direkt nach dem Waschen, liegt das oft weniger an der Luft als an der Reinigung; mehr dazu, warum sich die Haut gespannt anfühlt.

Was macht die Bise mit reifer Haut?

Die Bise belastet reife Haut, weil sie kalte Luft und Wind gleichzeitig ins Gesicht bringt. MeteoSchweiz beschreibt sie als meist kalten Nordostwind, der Kontinentalluft aus Nordosteuropa heranführt und durch die Kanalisierung zwischen Jura und Alpen üblicherweise in der Genferseeregion die höchsten Windspitzen erreicht. Eine Übersichtsarbeit im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology kommt zum Schluss, dass tiefe Luftfeuchtigkeit und tiefe Temperaturen die Barrierefunktion der Haut allgemein schwächen und sie anfälliger für mechanische Belastung machen. Die Haut reagiert dann auch empfindlicher auf Reizstoffe. Bei Bise trifft das Gesicht draussen auf kalten Wind und drinnen auf trockene Heizungsluft. Reife Haut, die ohnehin weniger Lipide nachliefert, spürt das oft schneller: Wangen und Nasenflügel können sich röten, die Haut fühlt sich nach einem Spaziergang rau an. Was dich draussen konkret schützt und wann eine spezielle Creme sinnvoll ist, steht im Beitrag zur Kälteschutzcreme fürs Gesicht.

Welche Inhaltsstoffe sollte eine Wintercreme für reife Haut haben?

Eine Wintercreme für reife Haut sollte Feuchthaltestoffe und hautähnliche Lipide gemeinsam enthalten und möglichst wenig, was eine geschwächte Barriere zusätzlich reizt. Feuchthaltestoffe wie Hyaluronsäure oder Glycerin binden Wasser in der Hornschicht. Lipide wie Ceramide, Squalan oder Pflanzenöle füllen die Zwischenräume, die im Winter dünner besetzt sind, und bremsen die Verdunstung. Das eine ohne das andere funktioniert im Winter schlechter: Feuchtigkeit ohne Lipide verdunstet schnell wieder, Lipide ohne Feuchtigkeit machen die Haut weich, aber nicht prall. Bei reifer und empfindlicher Haut zählt im Winter zudem die Verträglichkeit. Duftstoffe und ätherische Öle braucht die Haut dafür nicht, und auf gereizter Winterhaut sind sie eher ein Risiko.

Baustein So steht er in der INCI Aufgabe im Winter
Feuchthaltestoffe Sodium Hyaluronate, Glycerin, Panthenol Wasser in der Hornschicht binden
Hautähnliche Lipide Ceramide NP, Squalane Lücken in der Lipidschicht füllen
Pflanzenöle Simmondsia Chinensis Seed Oil (Jojoba), Helianthus Annuus Seed Oil (Sonnenblume) Verdunstung bremsen, Haut geschmeidig halten
Eher meiden Parfum, ätherische Öle, Alcohol denat. weit vorne Reizen eine geschwächte Barriere zusätzlich

Welche Gesichtscreme im Winter zu dir passt, entscheidet sich also an der Zutatenliste, nicht am Wort «Winter» auf der Tube. Allgemeine Kaufkriterien, die unabhängig vom Alter gelten, findest du im Beitrag zur Gesichtscreme für trockene Haut.

Wann reicht im Winter mehr von deiner Creme, und wann lohnt sich ein anderes Produkt?

Mehr Creme reicht, solange deine Haut nach dem Auftragen mehrere Stunden geschmeidig bleibt und die Rauheit nach ein bis zwei Wochen nachlässt. Für Serum und Creme von The Duo heisst das konkret: Die Anwendung bleibt gleich, bei trockener Haut nimmst du laut Anwendungsempfehlung einfach etwas mehr. The Essential bringt Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen, The Shield darüber Ceramide NP, Squalan und Jojobaöl. Diese Schichtung aus Feuchtigkeit unten und Lipiden oben passt auch im Winter, sie fällt nur grosszügiger aus.

Eine Ergänzung brauchst du, wenn die Haut trotz mehr Creme und vernünftigem Raumklima nach zwei Wochen weiter schuppt oder schon mittags wieder spannt. Dann ist ein kleiner Zusatz am Abend sinnvoller als eine dritte Creme. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Daniela B. dazu offen: «Die Creme spendet meiner reifen und trockenen Haut im Winter jedoch nicht ausreichend Feuchtigkeit. Aus diesem Grund kombiniere ich sie abends mit einem natürlichen Pflegeöl, damit meine Haut besser versorgt ist.» Das ist eine vernünftige Lösung: ein paar Tropfen eines reinen Pflanzenöls als letzter Schritt am Abend, als Ergänzung und nicht als Ersatz.

Rissige, nässende oder stark juckende Stellen, die trotz Pflege nicht besser werden, sind kein Fall für eine neue Creme. Das gehört zur Dermatologin oder zum Dermatologen, gerade wenn die Stellen jeden Winter wiederkommen.

Ich habe mich bewusst gegen eine eigene Wintercreme entschieden. Zwei Produkte statt acht heisst auch: keine Saisonvariante, die im Oktober zusätzlich ins Bad soll. Reife Haut braucht im Winter dieselben Bausteine wie im Sommer, Feuchtigkeit und Lipide, nur in grösserer Menge. Deshalb steht in der Anwendung keine zweite Creme, sondern der Hinweis, dass trockene Haut etwas mehr nimmt. Eine Grenze sage ich genauso deutlich: Serum und Creme enthalten keinen Lichtschutzfaktor. Das habe ich bewusst getrennt, und es gilt auch in den kalten Monaten. Du brauchst also tagsüber weiterhin Sonnenschutz auch im Winter. Wie viel Serum und Creme du nimmst und in welcher Reihenfolge, steht in der Anwendung von Serum und Creme.

Häufige Fragen

Brauche ich im Winter zusätzlich eine Nachtcreme

Nicht unbedingt. Eine Creme, die Feuchthaltestoffe und Lipide liefert, kannst du abends genauso auftragen wie morgens, im Winter einfach etwas grosszügiger. Wann eine eigene Nachtcreme trotzdem Sinn ergibt, klärt der Beitrag zur Frage, ob du eine Nachtcreme brauchst.

Brauche ich im Alltag eine Kälteschutzcreme

Für den Arbeitsweg oder einen Spaziergang meist nicht, da reicht deine normale Pflege, grosszügig aufgetragen. Für lange Stunden bei Minustemperaturen, starker Bise oder auf der Piste lohnt sich ein Blick darauf, wann eine Kälteschutzcreme sinnvoll ist.

Soll ich im Winter auf eine Fettcreme umsteigen

Nur selten, denn eine Fettcreme ohne Feuchthaltestoffe liefert Lipide, aber kein Wasser für die Hornschicht. Welche Textur trockene Haut wann braucht, erklärt der Vergleich Feuchtigkeitscreme oder Fettcreme.

Darf ich Niacinamid und Vitamin C im Winter weiter verwenden

Ja, beide Wirkstoffe kannst du im Winter weiter verwenden. Niacinamid und stabile Vitamin-C-Formen gehören nicht zu den Wirkstoffen, die man saisonal absetzen muss. Reagiert deine Haut an gereizten Tagen beim Auftragen empfindlich, kannst du ein paar Tage nur die Creme verwenden und das Serum wieder dazunehmen, wenn sie ruhiger ist. Hält das Brennen an, lass es ärztlich abklären.

Woran merke ich, dass meine Wintercreme zu schwer ist

Wenn nach einer halben Stunde noch ein Film auf der Haut liegt, die Haut speckig glänzt oder sich kleine Unreinheiten häufen, ist die Pflege für dich zu schwer oder zu dick aufgetragen. Reife Haut braucht im Winter mehr Lipide, aber keine Schicht, die nicht einzieht. Reduziere zuerst die Menge, bevor du das Produkt wechselst.

Wie viel mehr Creme braucht trockene Haut im Winter

Eine feste Zahl gibt es nicht, weil Hautzustand, Raumluft und Produkt verschieden sind. Sinnvoll ist, in kleinen Schritten zu erhöhen, etwa um einen Pumpstoss oder eine erbsengrosse Menge, und das eine Woche zu beobachten. Fühlt sich die Haut am Nachmittag noch geschmeidig an, passt die Menge. Glänzt sie oder bleibt ein Film, war es zu viel.

Muss ich The Duo im Winter anders anwenden

Nein, die Reihenfolge bleibt gleich: morgens und abends nach dem Reinigen mit Wasser zuerst das Serum, danach die Creme. Empfohlen sind 3 bis 6 Tropfen Serum und 3 bis 6 Pumpstösse Creme, bei trockener Haut etwas mehr, im Winter also eher das obere Ende. Tagsüber kommt Sonnenschutz dazu, weil The Duo keinen Lichtschutzfaktor enthält.

Quellen

  1. Rogers J, Harding C, Mayo A, Banks J, Rawlings A. Stratum corneum lipids: the effect of ageing and the seasons. Archives of Dermatological Research, 1996. Quelle
  2. Ghadially R, Brown BE, Sequeira-Martin SM, Feingold KR, Elias PM. The aged epidermal permeability barrier. Structural, functional, and lipid biochemical abnormalities in humans and a senescent murine model. Journal of Clinical Investigation, 1995. Quelle
  3. Engebretsen KA, Johansen JD, Kezic S, Linneberg A, Thyssen JP. The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 2016. Quelle
  4. Bundesamt für Gesundheit BAG. Vorsicht Schimmel. Eine Wegleitung zu Feuchtigkeitsproblemen und Schimmel in Wohnräumen. Bern, 2023. Quelle
  5. MeteoSchweiz. Winde der Alpen und Europas – Teil 1. MeteoSchweiz-Blog, 2023. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin