Vegane Gesichtspflege: woran du sie wirklich erkennst
VEGANE KOSMETIK SCHWEIZ
Vegane Gesichtspflege enthält keine tierischen Bestandteile: kein Lanolin, kein Bienenwachs, keinen Honig, kein Kollagen, kein Karmin. Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt, prüfbar ist er trotzdem. Die Liste der Bestandteile auf der Packung ist in der Schweiz Pflicht, und wer die üblichen tierischen Rohstoffe kennt, erkennt sie dort zuverlässig.
Was ist vegane Gesichtspflege genau?
Vegane Gesichtspflege ist Pflege, in der kein Bestandteil von einem Tier stammt, weder aus dem Tier selbst noch aus etwas, das ein Tier produziert. Damit fallen Lanolin aus Schafwolle weg, Bienenwachs, Honig, Propolis, Kollagen, Elastin, Karmin aus Schildläusen und Seidenprotein. Der Rest einer Rezeptur bleibt davon unberührt: Wasser, pflanzliche Öle, Emulgatoren, Konservierung und Wirkstoffe wie Niacinamid oder Hyaluronsäure sind ohnehin nicht tierischen Ursprungs, ob sie nun aus Pflanzen, aus Fermentation oder aus dem Labor kommen. Vegan sagt also etwas über die Herkunft der Rohstoffe aus und nichts über Wirkung, Verträglichkeit oder Naturanteil. Ein rein synthetisches Serum kann vegan sein, eine zertifizierte Naturkosmetik-Creme mit Bienenwachs ist es nicht. Diese Trennung ist der häufigste Denkfehler beim Thema, und sie erklärt, warum der Begriff vegan bei einer Feuchtigkeitscreme mehr Prüfung verlangt als ein Blick auf die Vorderseite der Verpackung.
Woran erkennst du, ob eine Gesichtspflege wirklich vegan ist?
Du erkennst es an der Liste der Bestandteile, nicht an der Werbung auf der Vorderseite. Kosmetik muss in der Schweiz unter dem Begriff Ingredients alle Bestandteile aufführen, in mengenmässig absteigender Reihenfolge, wobei alles unter einem Massenprozent des Endprodukts in beliebiger Reihenfolge am Schluss stehen darf. Das hat zwei praktische Folgen. Erstens: Jeder tierische Rohstoff muss dort auftauchen, es gibt keine legale Möglichkeit, ihn zu verschweigen. Zweitens: Aus der Reihenfolge lässt sich keine Konzentration ableiten, sobald ein Stoff im unteren Bereich der Liste steht. Für die Vegan-Frage spielt das keine Rolle, denn hier zählt nur, ob ein Name vorkommt, nicht wie viel davon drin ist. Kritisch sind rund ein Dutzend Rohstoffe, und einer davon trägt denselben Namen für pflanzliche und tierische Herkunft. Die folgende Übersicht zeigt die häufigsten davon und die pflanzlichen Alternativen, die an ihrer Stelle stehen.
| Rohstoff in der Zutatenliste | Woher er üblicherweise stammt | Pflanzliche Alternative |
|---|---|---|
| Lanolin | Aus dem Wollfett von Schafen. | Squalan, Sheabutter oder Jojobaöl. |
| Cera Alba, Beeswax | Aus dem Wabenbau von Bienen. | Candelillawachs oder Carnaubawachs. |
| Mel, Honey | Von Bienen produzierter Honig. | Glycerin oder Aloe Vera als Feuchthaltemittel. |
| Collagen, Elastin | Meist aus Haut, Knochen oder Fisch. | Hyaluronsäure oder pflanzliche Peptide. |
| Carmine, CI 75470 | Roter Farbstoff aus getrockneten Schildläusen. | Mineralische oder pflanzliche Pigmente. |
| Keratin | Aus Federn, Hörnern oder Wolle. | Weizen- oder Reisproteine. |
| Squalane | Historisch aus Haifischleber, heute meist pflanzlich. | Squalan aus Oliven oder Zuckerrohr. |
Squalan ist der Sonderfall: Der Name in der Liste ist derselbe, egal woher der Rohstoff kommt. Hier hilft nur eine Marke, die ihre Herkunft offenlegt, wie wir es in der vollständigen Wirkstoffübersicht tun.
Ist vegan dasselbe wie tierversuchsfrei oder Naturkosmetik?
Nein, das sind drei verschiedene Dinge, und sie überschneiden sich nur teilweise. Vegan bezieht sich auf die Rohstoffe: Nichts im Produkt stammt vom Tier. Tierversuchsfrei bezieht sich auf die Prüfung: Weder das fertige Produkt noch seine Bestandteile wurden zu kosmetischen Zwecken an Tieren getestet. Naturkosmetik bezieht sich auf den Anteil natürlicher Rohstoffe und auf ausgeschlossene Stoffgruppen wie Silikone oder Paraffine. Ein Produkt kann tierversuchsfrei und trotzdem nicht vegan sein, weil Bienenwachs drin ist. Es kann vegan und trotzdem keine Naturkosmetik sein, weil es überwiegend aus synthetischen Rohstoffen besteht. Und Naturkosmetik ist besonders oft nicht vegan, weil Honig, Propolis und Bienenwachs zu den klassischen Naturrohstoffen zählen. Was in der Schweiz zum Thema Tierversuche rechtlich tatsächlich gilt, ist in einem eigenen Beitrag geklärt, weil die Antwort mehr Nuancen hat als ein Siegel abbilden kann.
Ist vegane Gesichtspflege automatisch sanfter zur Haut?
Nein, und wer das verspricht, verkauft dir eine Geschichte. Die Herkunft eines Rohstoffs sagt nichts über seine Verträglichkeit aus. Ätherische Öle sind pflanzlich und gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontaktreaktionen. Duftstoffe aus Zitrusschalen sind vegan und trotzdem für empfindliche Haut oft ungeeignet. Umgekehrt vertragen viele Menschen Lanolin problemlos. Was über die Verträglichkeit entscheidet, ist die konkrete Rezeptur: wie viele Duftstoffe drin sind, wie hoch die Wirkstoffe dosiert sind, wie die Barrierepflege aufgebaut ist. Vegan ist eine ethische Entscheidung, keine dermatologische. Sie ist trotzdem sinnvoll, wenn sie zu deinen Werten passt, und sie schliesst eine gute Verträglichkeit überhaupt nicht aus. Nur solltest du beides getrennt bewerten und nicht davon ausgehen, dass ein Vegan-Label eine Reaktion verhindert. Ehrlicher ist: Prüfe die Liste zuerst auf tierische Stoffe und danach unabhängig davon auf das, was deine Haut erfahrungsgemäss reizt.
Wie sieht eine komplette vegane Gesichtspflege-Routine aus?
Eine vollständige vegane Gesichtspflege braucht drei Funktionen, nicht sieben Produkte: reinigen, mit Feuchtigkeit und Wirkstoffen versorgen, und die Barriere abschliessen. Alles darüber hinaus ist Komfort und keine Voraussetzung für ein gutes Ergebnis. Der häufigste Fehler ist nicht ein fehlendes Produkt, sondern zu viele Produkte gleichzeitig, die sich in Wirkstoffen überschneiden und die Haut überfordern. Wer von einer konventionellen Routine auf eine vegane wechselt, tauscht deshalb am besten nicht alles auf einmal aus, sondern Schritt für Schritt, sobald ein Produkt aufgebraucht ist. So merkst du, worauf deine Haut reagiert, und wirfst nichts Brauchbares weg. Morgens und abends ist derselbe Ablauf sinnvoll, mit einem einzigen Unterschied: Tagsüber gehört zum Schluss Sonnenschutz dazu, abends nicht. Die Frage, ob du wirklich Serum und Creme brauchst, beantwortet ein eigener Beitrag ausführlich. Die Kurzfassung als Ablauf:
- Milde Reinigung, morgens und abends, ohne Spannungsgefühl danach.
- Serum auf die noch leicht feuchte Haut, bei uns 3 bis 6 Tropfen.
- Creme darüber, 3 bis 6 Pumpstösse, bis zum Haaransatz und über den Hals.
- Morgens zum Schluss Sonnenschutz, wenn du tagsüber draussen bist.
Genau dafür ist The Duo aus Essential Serum und Shield Creme gebaut: zwei Produkte, die zusammen 5% Niacinamid, 2% Hyaluronsäure, 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und 0.3% Bakuchiol abdecken. Wie die Schritte im Alltag zusammenspielen, steht in der Anwendung Schritt für Schritt.
Wann Gesichtspflege nicht mehr reicht
Gesichtspflege ist Kosmetik und darf laut Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung keine krankheitsheilende, lindernde oder verhütende Wirkung beanspruchen. Das ist keine juristische Formalie, sondern eine inhaltlich sinnvolle Grenze. Wenn deine Haut nässt, blutet, sich grossflächig schuppt, wenn Rötungen über Wochen bestehen bleiben, wenn Juckreiz dich nachts wach hält oder ein Muttermal sich verändert, ist das eine Sache für eine dermatologische Praxis und nicht für ein Serum. Dasselbe gilt, wenn du auf mehrere Produkte hintereinander mit Brennen oder Schwellung reagiert hast. Eine vegane Rezeptur ändert daran nichts, sie ist in dieser Frage schlicht nicht die relevante Kategorie. Gute Pflege kann das Erscheinungsbild von Trockenheit, Rötungen und Unebenheiten mildern und die Hautbarriere unterstützen. Sie ersetzt keine Diagnose, und jede Marke, die dir etwas anderes suggeriert, überschreitet eine Grenze, die das Gesetz aus gutem Grund zieht.
Als ich die Rezeptur für das Duo festgelegt habe, war der Verzicht auf Lanolin die Entscheidung, über die ich am längsten nachgedacht habe. Lanolin ist ein sehr guter Okklusivstoff, günstig und seit Jahrzehnten erprobt. Ich habe mich trotzdem für Squalan pflanzlichen Ursprungs entschieden, weil ich einer veganen Marke keinen Rohstoff aus Schafwolle geben wollte und weil ein Teil der Menschen mit empfindlicher Haut auf Lanolin reagiert. Der Preis dafür ist real: Squalan kostet ein Vielfaches. Das ist mit ein Grund, warum das Duo CHF 109.90 kostet und nicht CHF 39. Diese Rechnung offenzulegen finde ich fairer, als sie hinter einem Siegel verschwinden zu lassen.
Häufige Fragen
Ist vegane Gesichtspflege automatisch tierversuchsfrei?
Nein. Vegan beschreibt die Rohstoffe, tierversuchsfrei beschreibt die Prüfung des Produkts. Ein Produkt ohne tierische Bestandteile kann theoretisch trotzdem an Tieren getestet worden sein, etwa für einen Markt ausserhalb der Schweiz. Umgekehrt gibt es tierversuchsfreie Produkte mit Bienenwachs. Beide Begriffe musst du getrennt prüfen.
Woran erkenne ich Lanolin auf der Packung?
Lanolin steht als Lanolin, Lanolin Alcohol, Hydrogenated Lanolin oder Lanolin Acid in der Liste der Bestandteile. Es taucht vor allem in reichhaltigen Cremes, Lippenpflege und Handpflege auf. Wenn keine dieser Bezeichnungen vorkommt, ist kein Lanolin enthalten, denn die Deklaration ist vollständig vorgeschrieben.
Ist Squalan tierisch oder pflanzlich?
Beides ist möglich, und der Name Squalane in der Zutatenliste unterscheidet nicht. Historisch stammte Squalan aus Haifischleber, heute wird es überwiegend aus Oliven oder Zuckerrohr gewonnen. Aus der Liste allein kannst du die Herkunft nicht ablesen. Verlässlich ist nur eine Marke, die die Quelle offen benennt.
Brauche ich für vegane Gesichtspflege ein Siegel?
Nein. Ein Siegel ist eine Abkürzung, kein Beweis, und der Begriff vegan ist rechtlich nicht geschützt. Die Liste der Bestandteile ist dagegen Pflicht und vollständig. Wenn du die üblichen tierischen Rohstoffe kennst, brauchst du kein Label, um ein Produkt sicher einzuordnen.
Wie viele Produkte braucht eine vegane Gesichtspflege-Routine?
Drei Funktionen reichen: reinigen, versorgen, abschliessen. Praktisch sind das eine milde Reinigung, ein Serum, eine Creme und tagsüber Sonnenschutz. Mehr Produkte bringen selten mehr Ergebnis, dafür mehr Überschneidungen bei den Wirkstoffen. Wer reduziert, erkennt ausserdem schneller, worauf die Haut tatsächlich reagiert.
Ist vegane Gesichtspflege besser für empfindliche Haut?
Nicht per se. Verträglichkeit hängt an der konkreten Rezeptur, nicht an der Herkunft der Rohstoffe. Ätherische Öle und Zitrusduftstoffe sind pflanzlich und reizen empfindliche Haut häufig. Prüfe deshalb zuerst auf tierische Bestandteile und danach getrennt auf Duftstoffe, Alkohol und hoch dosierte Wirkstoffe.
Was kostet vegane Gesichtspflege in der Schweiz?
Die Spanne reicht von rund CHF 15 für eine einfache Drogeriecreme bis über CHF 200 für Luxusmarken. Wo du vegane Kosmetik in der Schweiz beziehst, ist separat aufgeschlüsselt. Unser Duo kostet CHF 109.90 und reicht je nach Anwendungshäufigkeit 2 bis 4 Monate.
Quellen
- Kantonales Laboratorium Bern, Merkblatt Kennzeichnung von Kosmetika, Version 2, 2021. Quelle
