Kosmetik von Temu und Shein: was Tests gefunden haben und worauf du achtest
KAUFBERATUNG SCHWEIZ
Kosmetik von Temu und Shein ist nicht automatisch gefährlich, aber du kaufst sie ohne das Sicherheitsnetz, das im Schweizer Handel gilt. Bestellst du privat im Ausland, untersteht das Produkt laut BLV nicht dem Schweizer Lebensmittelrecht, und die Verantwortung liegt bei dir. Wie gross die Lücke sein kann, zeigte 2026 eine Stichprobe von «Kassensturz» und dem Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt: Keines von 15 Produkten war konform. Am deutlichsten waren die Befunde bei Kinderschminke, Henna, Nagelgel und Haarfarbe.
Ist Kosmetik von Temu und Shein gefährlich?
Nicht jedes Produkt von Temu oder Shein ist gefährlich, aber die bisherigen Stichproben zeigen, dass bei Direktbestellungen von Billig-Marktplätzen deutlich mehr nicht konforme Ware durchrutscht als im regulären Handel. Der Grund liegt weniger im Herstellungsland als in der Frage, wer für ein Produkt geradesteht. Auf beiden Plattformen stammen viele Angebote von Drittanbietern, Temu arbeitet laut Stiftung Warentest sogar ausschliesslich als Marktplatz für andere Firmen. Im Schweizer Laden oder Onlineshop muss dagegen eine Firma in der Schweiz dafür sorgen, dass ein Produkt sicher ist und alle Vorgaben erfüllt, und kantonale Vollzugsstellen kontrollieren Schweizer Shops regelmässig. Bei einer Direktbestellung fällt diese Stufe weg.
Wichtig für die Einordnung: Die bekannten Tests haben bewusst riskante Produktgruppen eingekauft. Sie zeigen, was durchrutschen kann, nicht, welcher Anteil des gesamten Sortiments betroffen ist. Für eine einzelne Gesichtscreme vom Marktplatz kannst du daraus also kein Urteil ableiten, wohl aber, dass du die Prüfung, die sonst ein Händler in der Schweiz übernimmt, selbst machen musst. Ob «Temu Kosmetik» für dich ein vertretbares Risiko ist, hängt deshalb stark davon ab, was du bestellst.
Was haben Behörden und Konsumententests bei Kosmetik von Billig-Marktplätzen gefunden?
Ein Schweizer Labortest zu Marktplatz-Kosmetik fiel 2026 komplett durch: Von 15 Produkten war kein einziges mit Schweizer Recht konform. «Kassensturz» hatte dafür auf Shein, Temu, Aliexpress und Fruugo gezielt nach Kosmetika gesucht, die problematische Inhaltsstoffe enthalten könnten, und sie vom Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt analysieren lassen: vier Schminkköfferli, vier Henna-Tattoo-Sets, drei Gel-Nagellack-Sets und vier Haarfärbemittel, alle aus China geliefert. 14 Produkte enthielten unerlaubte Substanzen, bei mehr als der Hälfte waren Höchstwerte überschritten, bei 12 stimmte die Deklaration nicht. Die Henna-Sets enthielten laut Bericht massiv zu viel Benzylalkohol, bei den Gel-Nagellacken von Temu und Aliexpress fehlte die Angabe stark allergieauslösender Acrylate.
Gesichtscremes oder Seren waren nicht Teil der Stichprobe. Für andere Warengruppen gibt es grössere Erhebungen aus dem Ausland, die das Muster bestätigen, aber nicht direkt auf Hautpflege übertragbar sind.
| Untersuchung | Was geprüft wurde | Ergebnis |
|---|---|---|
| «Kassensturz» mit Kantonslabor Basel-Stadt, 2026 | 15 Kosmetika von Shein, Temu, Aliexpress und Fruugo, gezielt riskante Gruppen | Kein Produkt konform, 14 mit unerlaubten Substanzen |
| Stiftung Warentest mit Partnerorganisationen aus Belgien und Dänemark, 2025 | 162 Halsketten, USB-Ladegeräte und Babyspielzeuge von Temu und Shein | 110 erfüllten die EU-Standards nicht |
| Schwedische Chemikalienbehörde KemI, Bericht 2026 | 139 Waren aus dem Onlinehandel (Spielzeug, Schmuck, Elektronik, Weichplastik) | Unerlaubte Gehalte bei 64 Prozent der Marktplatz-Waren, bei 26 Prozent aus klassischen Webshops |
Warum rutschen auf Marktplätzen mehr Produkte durch als im Schweizer Laden?
Auf Marktplätzen rutscht mehr durch, weil zwischen Fabrik und deinem Badezimmer niemand steht, der vor dem Verkauf für die Konformität haftet und kontrolliert werden kann. Ein Schweizer Händler oder Importeur muss dafür sorgen, dass seine Produkte die Vorgaben erfüllen. Die Plattformen betonten gegenüber «Kassensturz» dagegen, sie seien Vermittler, stellten die Produkte nicht selbst her und die Hersteller seien für die Sicherheit verantwortlich. Nach der Anfrage waren alle beanstandeten Artikel aus dem Angebot verschwunden, teils hatten die Plattformen sie nach eigenen Angaben schon vorher entfernt, und mehrere kündigten an, ähnliche Angebote zu überprüfen.
Dazu kommt die schiere Menge. Laut BLV gelangen jeden Tag mehrere hunderttausend Pakete in die Schweiz, eine umfassende Kontrolle ist nicht machbar, eine Kontrolle kann je nach Produkt mehrere hundert Franken kosten, und Anbieter im Ausland verkaufen bei Sanktionen rasch unter neuer Adresse weiter. Die schwedische Chemikalienbehörde stellte zudem fest, dass Angaben zum verantwortlichen Unternehmen auf Onlinewaren oft formal korrekt aussehen, der genannte Vertreter aber nicht existiert oder die Kennzeichnung nicht rückverfolgbar ist. Ein tiefer Preis ist dabei nicht die Ursache, aber ein Hinweis auf den Kostendruck. Wenn du verstehen willst, wofür du beim Preis einer Creme bezahlst, lohnt sich der Blick auf Entwicklung, Prüfung und Deklaration statt auf die Marke. Gefälschte Markenprodukte sind übrigens ein eigenes Problem, hier geht es um No-Name-Ware.
Welche Regeln gelten in der Schweiz, wenn du Kosmetik direkt aus China bestellst?
Wenn du Kosmetik privat für den eigenen Gebrauch aus China bestellst, gilt für dieses Produkt das Schweizer Lebensmittelrecht nicht, und niemand prüft es systematisch für dich. Das BLV schreibt klar, das Lebensmittelrecht decke nur den gewerblichen Handel ab, nicht die private Einfuhr für den häuslichen Gebrauch. Selbst wenn ein Kantonslabor in einem solchen Produkt verbotene Stoffe nachweist, können die Behörden deshalb nichts unternehmen. So formulierte es Gregor McCombi vom Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt gegenüber «Kassensturz». Das BLV empfiehlt, Kosmetika möglichst in Schweizer oder EU-Onlineshops zu kaufen, weil dort vergleichbare Anforderungen gelten und Behörden die Shops überwachen. Der Bundesrat will die rechtliche Grundlage verbessern, damit ausländische Onlinehändler mit Bezug zur Schweiz besser kontrolliert und bei schweren Verstössen gesperrt werden können.
Zoll und Mehrwertsteuer sind bei Kosmetik-Paketen ein Nebenschauplatz; was beim Direktimport aus Asien gilt, ist am Beispiel K-Beauty ausführlich beschrieben. Auch bei Reklamation und Rückgabe hast du gegenüber einem Verkäufer in Fernost eine schwächere Position als bei einem Schweizer Shop. Bevor du bestellst, lohnt sich deshalb ein Blick auf deine Rechte beim Onlinekauf von Kosmetik.
Woran erkennst du an der Verpackung, ob eine Billig-Creme die Mindestangaben erfüllt?
Eine Creme erfüllt die Mindestangaben, wenn auf Behälter und Verpackung eine verantwortliche Firma mit Adresse, eine vollständige Zutatenliste, Haltbarkeit, Chargennummer und nötige Warnhinweise in einer Amtssprache stehen. Diese Pflichten gelten für Kosmetik, die in der Schweiz verkauft wird, so fasst sie etwa das Info-Blatt des St. Galler Amts für Verbraucherschutz zusammen. Für eine Direktbestellung sind sie nicht verbindlich, aber der beste Massstab, den du hast:
- Verantwortliche Firma: mindestens Name, Postleitzahl, Ort und Land, nicht nur ein Markenname oder eine Webadresse.
- Zutatenliste unter «Ingredients», nach INCI und in absteigender Menge, nicht nur ein paar hervorgehobene Wirkstoffe.
- Haltbarkeit: ein Mindesthaltbarkeitsdatum oder, bei längerer Haltbarkeit, das Tiegel-Symbol mit der Zeit nach dem Öffnen.
- Chargennummer, damit sich ein Produkt bei einem Rückruf identifizieren lässt.
- Keine Heilversprechen: Hinweise auf heilende, lindernde oder entzündungshemmende Wirkung sind bei Kosmetik verboten.
Eine vollständige Etikette beweist allerdings nicht, dass der Inhalt stimmt. Im «Kassensturz»-Test war bei 12 von 15 Produkten die Deklaration fehlerhaft, verbotene Stoffe standen erwartungsgemäss nicht drauf. Prüfe deshalb schon vor dem Kauf, ob das Angebot die ganze Liste zeigt, und lerne, die INCI-Liste richtig zu lesen. Wie vollständige Angaben aussehen können, zeigt The Duo mit offengelegter INCI und Konzentrationen: 5% Niacinamid, 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und 1% Zink PCA. J.D. schreibt in einer Bewertung auf Judge.me, begeistert «vom ganzen Konzept und der grossen Transparenz bezüglich Inhaltsstoffen etc.» zu sein.
Bei welchen Produkten ist das Risiko besonders hoch, und wo ist es eher gering?
Am höchsten ist das Risiko bei Produkten mit Farb- und Reaktionsstoffen, die lange auf Haut, Nägeln oder Lippen bleiben: Henna, Haarfarbe, Gel-Nagellack, Kinderschminke und Lippenstifte. Genau diese Gruppen fielen im «Kassensturz»-Test durch. Bei Henna kann ein zu hoher Gehalt an Benzylalkohol Kontaktallergien auslösen, Acrylate in Nagelgel gehören zu den starken Allergieauslösern, und Lippenstifte stören Testleiter Urs Hauri besonders, weil man sie praktisch mitisst. Bei der Kinderschminke war das Urteil eindeutig: Laut Bericht dürften alle Schminksets aus dem Test in Schweizer Läden nicht verkauft werden.
Weniger heikel ist in der Regel Zubehör, von dem nichts auf der Haut bleibt, etwa Pinsel oder Aufbewahrungsboxen. Hautpflege liegt dazwischen: Zu Billigcremes von Marktplätzen fehlen belastbare Schweizer Testdaten, dafür trägst du eine Creme täglich und über Monate im Gesicht. Gerade dort zählt, ob ein Hersteller mit Adresse und eine vollständige Deklaration dahinterstehen. Statt einzelne Stoffe aus Warnlisten zu fürchten, hilft es mehr zu wissen, welche bedenklichen Inhaltsstoffe wirklich belegt sind. Ein fehlendes Produktlabel ist dagegen immer ein Grund, nicht zu bestellen.
Wenn du doch auf einem Marktplatz bestellst, speichere einen Screenshot des Angebots und bewahre Verpackung und Bestellbestätigung auf. Bei einer Hautreaktion oder einem Rückruf weisst du dann, welches Produkt es war und bei wem du es gekauft hast.
Ich habe mich entschieden, die ganze INCI und die Konzentrationen der zentralen Wirkstoffe offenzulegen, weil Vertrauen bei Hautpflege aus Nachprüfbarkeit entsteht und nicht aus Versprechen. Dazu kommen zwei Produkte statt acht, damit du weisst, was du jeden Tag aufträgst, und eine Entwicklung und Herstellung in der Schweiz. Die ehrliche Grenze: Herkunft allein macht keine Creme besser. Auch ein Schweizer Produkt solltest du daran messen, ob Hersteller und Zutaten offen auf dem Tisch liegen. Wie unsere Zutaten im Detail heissen, steht in der vollständigen Inhaltsstoffliste von A bis Z. Wenn du dort etwas findest, das du nicht verträgst, ist The Duo nicht das richtige Produkt für dich, und das ist ein gutes Ergebnis der Prüfung.
Häufige Fragen
Darf Temu Kosmetik in die Schweiz verkaufen
Ja, Temu liefert Kosmetik in die Schweiz, und du darfst sie für den Eigengebrauch bestellen. Weil du das Produkt dabei privat einführst, gilt dafür laut BLV aber nicht das Schweizer Lebensmittelrecht. Ob die Ware Schweizer Vorgaben erfüllt, prüft also niemand systematisch. Laut BLV will der Bundesrat die Kontrolle ausländischer Onlinehändler mit Schweiz-Bezug verbessern und bei gravierenden Verstössen Sperren ermöglichen.
Wer haftet, wenn eine Temu-Creme eine Hautreaktion auslöst
Praktisch trägst du das Risiko selbst. Das BLV hält fest, dass bei privaten Bestellungen aus dem Ausland die Verantwortung für die Sicherheit bei dir liegt. Die Plattformen verweisen auf die Hersteller, die für die Sicherheit verantwortlich seien. Einen Anspruch gegen einen Verkäufer in China durchzusetzen, dürfte für Privatpersonen schwierig sein. Dokumentiere deshalb Produkt, Angebot und Reaktion.
Sind Hautpflege-Geräte von Temu und Shein sicher
Bei Geräten kommen elektrische Risiken dazu, und bei Ladegeräten waren die Testbefunde besonders deutlich. Stiftung Warentest fand 2025, dass 52 von 54 USB-Netzteilen von Temu und Shein die EU-Sicherheitsanforderungen nicht erfüllten, einige wurden beim Laden zu heiss. Für Geräte, die du mit Strom betreibst und ans Gesicht hältst, ist ein Händler in der Schweiz oder der EU die sicherere Wahl.
Wo kann ich ein problematisches Kosmetikprodukt in der Schweiz melden
Hast du es in einem Schweizer Geschäft oder Onlineshop gekauft, ist die kantonale Lebensmittelkontrolle deines Kantons zuständig, denn sie kontrolliert Schweizer Shops. Bei einer Direktbestellung aus dem Ausland können die Behörden kaum eingreifen. Melde das Produkt dann über die Plattform. In den Tests von «Kassensturz» und Stiftung Warentest haben die Marktplätze beanstandete Artikel nach Hinweisen entfernt.
Ist Kosmetik aus China grundsätzlich schlechter
Nein, das Herstellungsland allein sagt wenig über die Qualität einer Creme. Entscheidend ist, ob eine Firma in der Schweiz oder EU die Verantwortung übernimmt, das Produkt prüfen lässt und vollständig deklariert. Genau das fehlt bei vielen No-Name-Direktbestellungen. Wenn dir die Herkunft wichtig ist, lies nach, woran du echte Schweizer Herkunft erkennst und warum Firmenadresse und Zutatenliste mehr verraten als ein Schweizerkreuz.
Was tue ich, wenn ich auf eine bestellte Creme reagiere
Hör sofort auf, das Produkt zu verwenden, und spüle es mit Wasser ab. Bewahre Verpackung, Angebotsseite und Bestellung auf. Bleiben Rötung oder Juckreiz bestehen, lass das bei einer Dermatologin oder einem Dermatologen abklären. Bei starker Schwellung, Blasen oder Beschwerden an Augen oder Lippen gehört die Reaktion sofort ärztlich angeschaut.
Woher weiss ich, wer The Duo herstellt und was drin ist
The Duo stammt von Kompromisslos, der Marke von Dominic Bertschin, und ist in der Schweiz entwickelt und hergestellt. Die ganze INCI steht öffentlich auf der Seite Inhaltsstoffe, die Konzentrationen von Niacinamid, Vitamin C und Zink PCA sind offengelegt. Dazu gibt es 100 Tage Rückgaberecht. Alle Angaben findest du direkt bei The Duo aus Serum und Creme.
Quellen
- Michel C, Muntwyler R. Im Test durchgefallen: China-Kosmetika aus Online-Shops sind wahre Schadstoffbomben. SRF Kassensturz, 2.9.2026. Quelle
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Kosmetika online einkaufen. Quelle
- Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen St. Gallen. Info-Blatt CHE110: Kennzeichnung von Kosmetika. Stand 4.11.2022. Quelle
- Stiftung Warentest. Temu und Shein: Gefährliche Schnäppchen. test.de, 30.10.2025. Quelle
- Kemikalieinspektionen. Tillsyn 1/26: Tillsyn av e-handel varor 2025. Kemikalieinspektionen, 2026. Quelle
