Rosenwasser im Gesicht: was das Hydrolat kann, was nur Duft ist und wann du es dir sparst

ROUTINE

Rosenwasser im Gesicht erfrischt und duftet, mehr leistet es auf der Haut kaum. Echtes Rosenwasser ist ein Hydrolat, also das Destillationswasser der Rosenblüten mit einer kleinen Menge gelöstem Rosenöl. Es bringt der Haut keine Feuchtigkeit, die bleibt, und seine Duftbestandteile gehören zu den bekannten Kontaktallergenen. Wenn du den Duft liebst und deine Haut ruhig bleibt, kannst du es benutzen. Einen Pflegeschritt ersetzt es nicht, und bei empfindlicher Haut sparst du es dir besser.

Was ist Rosenwasser eigentlich, und worin unterscheiden sich Hydrolat und parfümiertes Rosenwasser?

Rosenwasser ist im besten Fall ein Hydrolat, also das Wasser, das bei der Wasserdampfdestillation von Rosenblüten neben dem Rosenöl anfällt. Im Hydrolat bleibt ein kleiner Teil der Duftstoffe fein verteilt gelöst. Eine Untersuchung in Food Research International hat 22 Hydrolate aus Orangenblüten und zwei Rosenarten analysiert: Hydrolate enthalten demnach weniger als 1 Gramm dispergiertes ätherisches Öl pro Liter, bei Rosa damascena lag der Median bei 205 Milligramm pro Liter. Rosenhydrolat ist also zu fast 100 Prozent Wasser, das nach Rose riecht. Unter dem gleichen Namen verkauft der Handel aber auch ganz andere Produkte: Wasser, dem Parfum oder Rosenöl zugesetzt wurde, Rosenwasser aus der Backabteilung, das nach Lebensmittelrecht und nicht für die Haut deklariert ist, und Gesichtssprays, die neben Rosenwasser Glycerin, Alkohol oder Konservierer enthalten. Der Name auf der Flasche sagt deshalb wenig. Was du wirklich kaufst, steht erst in der Zutatenliste.

Produkt Typische Angabe Was drin ist Worauf du achtest
Rosenhydrolat Rosa Damascena Flower Water an erster Stelle Destillationswasser mit wenig gelöstem Rosenöl Keimanfällig, wenn nicht konserviert
Parfümiertes Rosenwasser Aqua, Parfum oder Rosenöl Wasser mit zugesetztem Duft Reiner Duftträger ohne Hydrolat
Rosenwasser aus der Backabteilung Lebensmittel-Zutatenliste Hydrolat oder Wasser mit Aroma Nicht für die Anwendung auf der Haut deklariert
Rosen-Spray oder Mist Flower Water plus Glycerin, Alcohol, Konservierer Gesichtsspray mit Zusätzen Position von Alkohol und Duftallergenen

Was kann Rosenwasser auf der Gesichtshaut nachweislich, und was ist Werbeversprechen?

Nachweislich kann Rosenwasser auf der Gesichtshaut vor allem eines: kurz kühlen, die Haut benetzen und duften. Für die Versprechen, die in Ratgebern und Shops kursieren, gibt es keine belastbaren Studien mit Rosenwasser im Gesicht. Die Forschung zur Damaszener-Rose ist zwar umfangreich, aber sie meint meist etwas anderes. Eine Übersichtsarbeit im Iranian Journal of Basic Medical Sciences fasst zahlreiche pharmakologische Befunde zu Rosa damascena zusammen. Untersucht wurden dabei verschiedene Produkte und isolierte Bestandteile aus Blüten, Blütenblättern und Hagebutten, und zwar in Labor- und Tierversuchen. Daraus lässt sich nicht ableiten, was ein Hydrolat mit wenigen hundert Milligramm ätherischem Öl pro Liter auf deiner Wange bewirkt.

Ein Laborbefund an einem Extrakt ist eine Aussage über diesen Extrakt in dieser Konzentration, nicht über ein Wasser im Supermarktregal. Das gilt auch für Begriffe wie straffend oder porenverfeinernd. Ein kurzer Kältereiz und verdunstendes Wasser fühlen sich straff an, verändern die Haut aber nicht. Ehrlich eingeordnet ist Rosenwasser ein Wohlfühlprodukt. Das ist kein Vorwurf, nur eine andere Kategorie als Pflege.

Ersetzt Rosenwasser einen Toner oder eine Feuchtigkeitspflege?

Rosenwasser ersetzt keine Feuchtigkeitspflege, weil Wasser allein auf der Haut verdunstet und nichts zurücklässt, was Feuchtigkeit bindet oder hält. Dafür braucht es zwei Dinge: Feuchthaltestoffe, die Wasser binden, und Lipide, die die Verdunstung bremsen. Ein Hydrolat liefert keines von beidem in nennenswerter Menge. Kann es einen Toner ersetzen? Als wässriger Zwischenschritt ja, nur ist dieser Schritt selbst optional. Ob du überhaupt ein Gesichtswasser brauchst, ist eine eigene Frage, die wir separat beantwortet haben.

Wer nach der Reinigung gern etwas Leichtes und Wässriges aufträgt, braucht dafür kein zusätzliches Produkt. Ein leichtes Serum erfüllt genau diesen Wunsch und bringt dabei Stoffe mit, die bleiben. The Essential ist ein solches Serum auf Aloe-Vera-Basis, der Saft steht in der INCI an erster Stelle, dazu kommt Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen. The Shield hält die Feuchtigkeit danach mit Ceramide NP und Squalan in der Haut. Beide sind parfumfrei. Zusammen sind sie das Duo aus Serum und Creme, und ein wässriger Zwischenschritt davor ist darin nicht vorgesehen.

Woran erkennst du an der INCI, was in deinem Rosenwasser steckt?

An der INCI erkennst du ein echtes Rosenhydrolat daran, dass Rosa Damascena Flower Water oder Rosa Centifolia Flower Water an erster Stelle steht und Aqua nicht davor. Steht Aqua vorne und folgen Parfum oder Rosa Damascena Flower Oil, ist es parfümiertes Wasser. Für die Haut wichtig sind ausserdem vier Hinweise in der Liste:

  • Duftstoffe mit eigenem Namen: Citronellol, Geraniol oder Linalool am Ende der Liste zeigen, dass deklarationspflichtige Duftallergene enthalten sind. Wie du solche Angaben liest und was parfumfrei wirklich garantiert, steht in einem eigenen Beitrag.
  • Alkohol: Steht Alcohol oder Alcohol Denat. weit vorne, trocknet das Spray eher aus. Mehr dazu, welche Alkohole die Haut austrocknen.
  • Konservierer: Fehlen sie ganz, ist das Hydrolat nach dem Öffnen nur kurz stabil.
  • Zusätze wie Glycerin: Sie machen aus dem Rosenwasser eher ein leichtes Feuchtigkeitsspray. Das ist sinnvoller als reines Hydrolat, aber kein Ersatz für Serum oder Creme.

Dass Citronellol und Geraniol auch im reinen Hydrolat stecken, ist kein Etikettentrick. In einer Untersuchung in Current Microbiology waren Citronellol und Geraniol die Hauptbestandteile von Rosenöl und Rosenhydrolat aus Rosa damascena, zusammen mit über 55 Prozent der nachgewiesenen Bestandteile. Der Rosenduft und diese Stoffe lassen sich nicht trennen.

Für welche Haut ist Rosenwasser heikel?

Heikel ist Rosenwasser für Haut, die bereits auf Duftstoffe reagiert hat, und für empfindliche, schnell gerötete oder gereizte Haut. Der Grund liegt in den Duftbestandteilen selbst. Eine Auswertung in Contact Dermatitis aus 23 spanischen Zentren zeigt das deutlich: Von 19'588 Personen mit Epikutantest reagierten 1590 auf einen Duftstoff-Marker. 1013 von ihnen wurden zusätzlich mit einer Reihe einzelner Duftstoffe getestet, und dabei war Geraniol das häufigste Allergen. Das heisst nicht, dass Rosenwasser bei jeder Haut Probleme macht. Es heisst, dass natürlich nicht automatisch mild bedeutet, wenn ein Produkt seinen Charakter aus Duftmolekülen bezieht.

Vorsichtig sein solltest du ausserdem bei einer bekannten Duftstoffallergie, bei Ekzemen und bei Rosazea. In diesen Fällen gehört die Pflege zuerst mit einer Dermatologin abgesprochen, denn ein duftendes Wasser ist dort eher ein Risiko als eine Hilfe. Wer unsicher ist, wie die eigene Haut reagiert, kann eine neue Pflege richtig testen, bevor sie täglich ins Gesicht kommt.

Ein Thermalwasser-Spray ist kein Rosenwasser, denn es besteht aus Mineralwasser und enthält in der Regel keine Duftstoffe aus Blüten. Wenn du im Laden zwischen beiden schwankst, schau zuerst in die INCI und erst dann auf die Flasche.

Wie wendest du Rosenwasser an, wenn du es trotzdem magst?

Wenn du Rosenwasser magst, trägst du es nach der Reinigung auf und folgst direkt mit Serum und Creme, damit es nicht nur verdunstet. Auf die Haut sprühen oder mit sauberen Händen einklopfen genügt. Ein Wattepad brauchst du nicht, es nimmt einen Teil des Wassers wieder auf. Wichtig ist der nächste Schritt: Rosenwasser, das ohne Pflege darüber verdunstet, kann ein Spannungsgefühl hinterlassen. Als Erfrischung über den Tag ist es in Ordnung, solange danach keine Spannung entsteht.

Beim Kauf zählt die Hygiene mehr als die Herkunft der Rose. Die Untersuchung in Food Research International beobachtete in allen geprüften Hydrolaten Keimwachstum, wenn sie in nicht sterilen Behältern aufbewahrt wurden, bei Raumtemperatur und auch bei 5 °C. Belastete Proben erreichten etwa 7 log10 KBE pro Milliliter, während die französische Pharmakopöe höchstens 2 log10 KBE pro Milliliter empfiehlt. Die Autorinnen und Autoren halten deshalb Konservierer oder eine keimfreie Abfüllung für nötig. Ein Sprühkopf schützt besser als eine offene Flasche. Wie Hersteller Wasserprodukte stabil halten, erklärt der Beitrag über Konservierungsstoffe in Naturkosmetik.

Der Wunsch nach Rosenduft ist dabei völlig verständlich. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Regula R. über unsere Creme: «[…] der Duft der Creme ist mir etwas zu herb. Einen Tropfen Rosenwasser oder so wäre schön.» Parfumfrei heisst nicht geruchlos, die Rohstoffe riechen nach sich selbst. Dass dort trotzdem kein Rosenwasser hineinkommt, ist eine bewusste Entscheidung.

Ich habe kein Rosenwasser ins Duo genommen, auch wenn ich den Wunsch danach verstehe. Rosenwasser bringt in erster Linie Duft, und Duftstoffe lassen wir bewusst weg, auch die natürlichen. Ein Tonikum gibt es bei uns ebenfalls nicht. Die Routine besteht aus zwei Produkten statt acht: Gesicht mit Wasser reinigen, dann 3–6 Tropfen Serum, danach 3–6 Pumpstösse Creme, so wie es auf der Seite zur Anwendung steht. Ich will dir Rosenwasser nicht ausreden. Wenn du den Duft liebst und deine Haut ruhig bleibt, benutz es. Es ist nur kein Pflegeschritt, den deine Haut braucht, und deshalb verkaufe ich dir keinen.

Häufige Fragen

Kann ich Rosenwasser jeden Tag im Gesicht verwenden

Ja, wenn deine Haut darauf nicht reagiert, kannst du Rosenwasser täglich verwenden. Achte darauf, danach Serum oder Creme aufzutragen, damit das Wasser nicht ungeschützt verdunstet. Treten Rötungen, Brennen oder Juckreiz auf, lässt du es weg. Bei täglicher Anwendung zählt die Hygiene der Flasche besonders, also Sprühkopf statt offener Flasche.

Ist Rosenwasser aus dem Supermarkt oder der Backabteilung fürs Gesicht geeignet

Rosenwasser aus der Backabteilung ist als Lebensmittel deklariert, nicht als Kosmetik. Es kann ein Hydrolat sein, aber auch Wasser mit Aroma, und die Zutatenliste folgt anderen Regeln. Fürs Gesicht ist ein kosmetisches Produkt mit INCI-Angabe die nachvollziehbarere Wahl, weil du dort Duftallergene, Alkohol und Konservierer erkennst.

Kann ich Rosenwasser selbst herstellen

Selbst gemachtes Rosenwasser ist meist ein Aufguss aus Blütenblättern und kein Hydrolat. Ohne Konservierung ist es keimanfällig, selbst im Kühlschrank. Rosen aus dem Blumenladen sind zudem nicht für Haut oder Lebensmittel gedacht. Wenn du es trotzdem machst, nur kleine Mengen ansetzen, kühl lagern und nach wenigen Tagen wegwerfen.

Wie lange hält Rosenwasser nach dem Öffnen

Wie lange Rosenwasser hält, hängt vor allem von der Konservierung ab. Konservierte Produkte tragen ein PAO-Symbol mit der Haltbarkeit nach dem Öffnen, daran hältst du dich. Unkonservierte Hydrolate können laut Labordaten auch im Kühlschrank verkeimen. Riecht es anders, wird es trüb oder bilden sich Flocken, gehört es weg.

Hilft Rosenwasser gegen Rötungen oder Rosazea

Ein kühles Wasser kann sich bei Rötungen kurz angenehm anfühlen, eine belegte Wirkung von Rosenwasser auf Rosazea gibt es nicht. Weil Rosenwasser Duftstoffe enthält, kann es empfindliche Haut sogar zusätzlich reizen. Bei anhaltenden Rötungen oder Verdacht auf Rosazea gehört die Abklärung zu einer Dermatologin.

Ist Rosenwasser dasselbe wie Rosenöl oder Hagebuttenöl

Nein. Rosenöl ist das ätherische Öl der Rosenblüte, hoch konzentriert und ein Duftstoff, mehr dazu im Artikel über ätherische Öle in der Gesichtspflege. Rosenwasser enthält nur Spuren davon. Hagebuttenöl ist dagegen ein fettes Öl aus den Samen der Hagebutte und hat mit Duft nichts zu tun, dazu folgt ein eigener Beitrag.

Brauche ich Rosenwasser, wenn ich The Duo benutze

Nein. Nach der Reinigung mit Wasser folgen im Duo direkt Serum und Creme, ein Zwischenschritt ist nicht vorgesehen. Das Serum bringt Feuchtigkeit mit Hyaluronsäure, die Creme hält sie mit Ceramide NP und Squalan. Wenn du den Duft magst und gut verträgst, darfst du Rosenwasser weiter benutzen, nötig ist es für The Duo aber nicht.

Quellen

  1. Labadie C, Ginies C, Guinebretiere MH, Renard CMGC, Cerutti C, Carlin F. Hydrosols of orange blossom (Citrus aurantium), and rose flower (Rosa damascena and Rosa centifolia) support the growth of a heterogeneous spoilage microbiota. Food Research International, 2015. Quelle
  2. Ulusoy S, Boşgelmez-Tinaz G, Seçilmiş-Canbay H. Tocopherol, carotene, phenolic contents and antibacterial properties of rose essential oil, hydrosol and absolute. Current Microbiology, 2009. Quelle
  3. Boskabady MH, Shafei MN, Saberi Z, Amini S. Pharmacological effects of Rosa damascena. Iranian Journal of Basic Medical Sciences, 2011. Quelle
  4. Silvestre JF, Mercader P, González-Pérez R, Hervella-Garcés M, Sanz-Sánchez T, Córdoba S, et al. Sensitization to fragrances in Spain: A 5-year multicentre study (2011–2015). Contact Dermatitis, 2019. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin