PEG in Kosmetik: was die Emulgatoren mit deiner Hautbarriere zu tun haben

NATURKOSMETIK

PEG in Kosmetik sind nach heutiger Datenlage für intakte Haut nicht schädlich: Sie dringen kaum durch gesunde Haut, reizen wenig, und Sensibilisierungen sind selten und betreffen vor allem verletzte oder chronisch entzündete Haut. Berechtigt sind zwei andere Punkte. Emulgatoren allgemein, mit oder ohne PEG, können die Hautbarriere messbar beeinflussen. Und bei der Herstellung können Spuren von 1,4-Dioxan zurückbleiben. Wer empfindliche Haut hat, kann PEG-frei wählen, muss das aber nicht aus Angst tun.

Was ist PEG in Kosmetik, und woran erkennst du es in der INCI-Liste?

PEG steht für Polyethylenglykol, eine Kette aus Ethylenoxid-Bausteinen, die in Kosmetik vor allem als Emulgator, Lösungsvermittler, Feuchthalter oder Tensid arbeitet. In der INCI-Liste erkennst du PEG an drei Mustern: am Kürzel PEG mit einer Zahl wie bei PEG-100 Stearate, an Namen mit der Endung «-eth» wie Ceteareth-20 oder Laureth-7 und an Polysorbaten wie Polysorbate 20. Alle drei entstehen durch Ethoxylierung, also durch das Anhängen von Ethylenoxid an einen Fett-, Öl- oder Zuckerbaustein. Die Zahl hinter PEG gibt an, wie viele dieser Bausteine im Durchschnitt angehängt sind. Je länger die Kette, desto wasserlöslicher wird das Molekül. Der Grund für die Verbreitung ist praktisch: Öl und Wasser vertragen sich nicht, und PEG-Emulgatoren halten eine Creme stabil und angenehm leicht zusammen. Eine Sicherheitsbewertung in der Fachzeitschrift Toxicology nennt Löslichkeit, Viskosität und geringe Toxizität als Gründe für den breiten Einsatz. Wie der Rest der Liste aufgebaut ist, erfährst du, wenn du die INCI-Liste richtig lesen willst.

Muster in der INCI Beispiele Typische Aufgabe
PEG mit Zahl plus Fettsäure PEG-100 Stearate, PEG-40 Stearate Emulgator in Cremes und Lotionen
PEG mit Zahl plus Öl PEG-40 Hydrogenated Castor Oil Lösungsvermittler für Duftstoffe und Öle
Endung «-eth» Ceteareth-20, Steareth-21, Laureth-7 Emulgator
Tensid mit «-eth» Sodium Laureth Sulfate Waschaktive Substanz in Reinigungen
Polysorbate Polysorbate 20, Polysorbate 80 Lösungsvermittler und Emulgator

Eine Sonderform sind PEG-Silikone wie PEG-10 Dimethicone. Sie gehören chemisch in eine eigene Familie, die im Beitrag über Silikone in Kosmetik eingeordnet ist.

Sind PEG-Verbindungen in Kosmetik schädlich?

Für gesunde Haut sind PEG-Verbindungen in Kosmetik nach der verfügbaren Datenlage nicht schädlich. Die Sicherheitsbewertung in Toxicology aus dem Jahr 2005 kommt zum Schluss, dass PEG, ihre Ether und ihre Fettsäureester kaum Augen- oder Hautreizungen auslösen und eine extrem niedrige akute und chronische Toxizität haben. Auch bei Erbgut, Krebsrisiko und Fortpflanzung sah die Autorin nach Auswertung der verfügbaren Daten keinen Anlass zur Sorge. Eine zweite Übersichtsarbeit in Toxicological Research von 2015 stuft PEG-40 und PEG-60 Hydrogenated Castor Oil ebenfalls als sicher für Kosmetik ein. Die wichtige Einschränkung steht in derselben Bewertung von 2005: PEG und ihre Abkömmlinge sollen nicht auf geschädigte Haut. Die wenigen beschriebenen Sensibilisierungen betrafen vor allem Menschen, die PEG über Medikamente oder auf verletzter oder chronisch entzündeter Haut abbekommen hatten.

Allergien vom Soforttyp gegen PEG gibt es, beschrieben sind sie aber selten. Eine Übersichtsarbeit in Clinical & Experimental Allergy trägt 37 berichtete Fälle seit 1977 zusammen, die meisten im Zusammenhang mit Medikamenten, und betont zugleich, dass solche Reaktionen oft nicht als PEG-Reaktion erkannt und deshalb vermutlich unterschätzt werden. Warum ein Stoff auf einer Warnliste landen kann, obwohl das Risiko im Alltag klein ist, liest du im Beitrag darüber, welche Warnlisten bei Inhaltsstoffen belegt sind.

Machen PEG-Emulgatoren die Haut durchlässiger?

PEG-Emulgatoren machen intakte Haut nicht pauschal durchlässig, aber Emulgatoren können die Barriere messbar verändern, und das gilt nicht nur für PEG. Der Ruf als Durchlässigmacher hat zwei Wurzeln. Erstens werden wasserliebende PEG in dermatologischen Zubereitungen zum Auftragen gezielt als Penetrationsverstärker eingesetzt, wie die Übersicht in Toxicological Research festhält. Zweitens untersuchte ein Team der Universitätsklinik Uppsala im International Journal of Pharmaceutics neun Emulgatoren, darunter Stearinsäure, Glyceryl Stearate, PEG-2-, PEG-9-, PEG-40- und PEG-100-Stearat sowie mehrere Steareths. Auf normaler Haut erhöhten fünf der Emulgatoren den transepidermalen Wasserverlust, also die Wassermenge, die durch die Haut verdunstet. Auf vorgeschädigter Haut senkten drei ihn dagegen unerwartet. Die Forschenden vermuten als Erklärung, dass sich die Emulgatoren in die Lipidschichten der Hornhaut einlagern.

Für die Einordnung zählen die Testbedingungen: 5% Emulgator in einer Öl-Wasser-Mischung, 48 Stunden unter abgedeckten Testkammern, also deutlich intensiver als beim Eincremen. Und auf der Liste standen auch Emulgatoren ohne PEG. Die ehrliche Lesart lautet deshalb: Emulgatoren sind keine neutralen Füllstoffe, das Kürzel PEG allein entscheidet aber nicht. Wenn du wissen willst, woran du eine gestörte Hautbarriere erkennst, sagt dir der Zustand deiner Haut mehr als ein einzelner Name in der Zutatenliste.

Was ist an der Kritik dran, Emulgatoren würden Hautfette auswaschen?

An der Kritik ist ein plausibler Kern, ein direkter Beleg aus dem Alltag fehlt aber. Die Idee hinter dem sogenannten Auswascheffekt: Emulgatoren, die nach dem Eincremen in der Haut bleiben, könnten beim nächsten Waschen zusammen mit Wasser hauteigene Fette mitnehmen, ähnlich wie ein mildes Tensid. Als isolierter Effekt einzelner Emulgatoren ist das kaum gemessen. Belegt ist etwas Allgemeineres. Eine randomisierte Studie im British Journal of Dermatology liess 78 Freiwillige sieben Wochen lang einen Unterarm mit vereinfachten Testcremes, einem lipidfreien Gel oder einer herkömmlichen Creme mit 5% Urea pflegen. Die vereinfachten Cremes und das Gel erhöhten den Wasserverlust und die Reaktion auf das Reiztensid SLS, die herkömmliche Creme hatte den gegenteiligen Effekt. Die Forschenden folgern, dass die Zusammensetzung einer Pflege die Barrierefunktion gesunder Haut verschiebt, und zwar in beide Richtungen. Welche Zutaten dafür verantwortlich sind, liess die Studie ausdrücklich offen.

Für dich heisst das: Eine Creme stärkt die Barriere nicht automatisch, nur weil sie pflegt. Ob eine Rezeptur PEG enthält, ist dabei ein Kriterium unter mehreren, nicht das entscheidende.

Was hat es mit Verunreinigungen wie 1,4-Dioxan und Ethylenoxid auf sich?

1,4-Dioxan und Ethylenoxid sind keine zugesetzten Inhaltsstoffe, sondern mögliche Rückstände aus der Ethoxylierung, mit der PEG hergestellt werden. Ethylenoxid ist der Grundbaustein der Kette, 1,4-Dioxan ein Nebenprodukt der Reaktion. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC stuft Ethylenoxid als krebserregend ein, 1,4-Dioxan als möglicherweise krebserregend, und beide dürfen Kosmetik nicht absichtlich zugesetzt werden. Es geht also um Spuren. Deshalb steht in der Sicherheitsbewertung in Toxicology neben dem positiven Gesamturteil eine klare Auflage: Hersteller von PEG und PEG-Abkömmlingen müssen ihre Anstrengungen fortsetzen, diese Verunreinigungen und Nebenprodukte zu entfernen. Das eigentliche Problem für dich als Käuferin: In der INCI-Liste siehst du davon nichts. Ein sorgfältig gereinigter PEG-Emulgator und einer mit höheren Rückständen tragen denselben Namen. Du kannst dich auf Hersteller und Marktüberwachung verlassen oder Rezepturen ohne ethoxylierte Rohstoffe wählen. Diese Unsicherheit ist ein nachvollziehbarer Grund, PEG zu meiden. Ein Beleg dafür, dass ein bestimmtes Produkt schädlich ist, ist sie nicht.

Kosmetik-Apps markieren PEG oft farbig als bedenklich. Das zeigt dir, dass ein Stoff auf einer Liste steht, nicht, wie hoch das Risiko in deinem konkreten Produkt ist. Für die Entscheidung zählen dein Hautzustand und die Gesamtrezeptur.

Wann lohnt es sich bei empfindlicher Haut, PEG-frei zu wählen, und welche Emulgatoren nutzt Naturkosmetik stattdessen?

PEG-frei zu wählen lohnt sich vor allem, wenn deine Haut gerade gereizt, rissig oder entzündet ist, wenn du auf viele Produkte reagierst oder wenn dir Naturkosmetik-Kriterien wichtig sind. Bei geschädigter Haut greift genau die Einschränkung, die auch die Sicherheitsbewertung macht. Bei Ekzemen, offenen Stellen oder einer bekannten PEG-Allergie gehört die Produktwahl zur Dermatologin oder zum Dermatologen, Kosmetik ist dann nur begleitend. Die grossen Naturkosmetik-Standards schliessen ethoxylierte Rohstoffe und damit PEG aus. Wie die Naturkosmetik-Siegel, die in der Schweiz zählen, das im Detail regeln, steht im eigenen Beitrag. Statt PEG arbeiten solche Rezepturen mit Emulgatoren aus Zucker, Fetten und Pflanzen:

  • Glucoside wie Cetearyl Glucoside oder Coco-Glucoside, aus Zucker und Fettalkohol.
  • Zuckerester wie Sucrose Stearate, aus Zucker und Fettsäure.
  • Lecithin, ein Phospholipid aus Soja oder Sonnenblumen.
  • Glyceryl Stearate, aus Glycerin und Fettsäure.
  • Polyglyceryl-Ester wie Polyglyceryl-3 Diisostearate.

Verträglicher sind diese Alternativen nicht automatisch. Glyceryl Stearate stand in der Studie aus Uppsala ebenfalls auf der Testliste, und auch Zuckerderivate können im Einzelfall reizen. Bei empfindlicher Haut zählen Gesamtrezeptur, Duftstoffe und die Zahl deiner Produkte meist mehr als ein einzelner Emulgator, mehr dazu im Beitrag zur Pflege bei empfindlicher Haut. Ein nachprüfbares Beispiel ist The Duo aus Serum und Creme: In der veröffentlichten INCI-Liste steht keine PEG-Verbindung. Emulgiert wird unter anderem mit Cetearyl Glucoside, Sucrose Stearate und Lecithin, dazu kommt Cetearyl Alcohol als Fettalkohol. Die Creme The Shield enthält ausserdem Ceramide NP, Squalan und Jojobaöl, die die Hautbarriere unterstützen.

Mir war wichtig, dass du für The Duo nicht nur erfährst, was fehlt, sondern die vollständige INCI-Liste siehst. Eine Liste von Dingen, die fehlen, kannst du nicht überprüfen. Eine vollständige Zutatenliste schon. Wer PEG meiden will, findet auf unserer Seite mit allen Inhaltsstoffen von A bis Z jeden Emulgator beim Namen, von Cetearyl Glucoside bis Lecithin. Ich behaupte damit nicht, dass PEG schädlich sind, die Studienlage gibt das für intakte Haut nicht her. Was ich sagen kann: Die Rezeptur ist parfumfrei und ohne Silikone, und das musst du mir nicht glauben, weil es nachlesbar ist. Prozentangaben gibt es bei uns für die wichtigsten Wirkstoffe, etwa 5% Niacinamid, nicht für Emulgatoren. Was keine Zutatenliste zeigen kann, ist die Reaktion deiner eigenen Haut.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Zahl hinter PEG

Die Zahl hinter PEG gibt an, wie viele Ethylenoxid-Bausteine im Durchschnitt im Molekül stecken. PEG-8 ist eine kurze Kette, PEG-100 eine lange. Mit der Länge ändern sich vor allem Löslichkeit und Aufgabe in der Rezeptur. Ein Sicherheitsurteil lässt sich aus der Zahl allein nicht ableiten, die Bewertung in Toxicology hält PEG über einen breiten Bereich von Molekülgrössen für sicher in Kosmetik.

Ist PEG-40 Hydrogenated Castor Oil bedenklich

Für intakte Haut gilt PEG-40 Hydrogenated Castor Oil nach den vorliegenden Bewertungen nicht als bedenklich. Es ist ein ethoxyliertes, gehärtetes Rizinusöl und dient meist als Lösungsvermittler für Duftstoffe und Öle. Schwere allergische Reaktionen sind von PEG-Rizinusölen in Infusionsmedikamenten bekannt. Auf der Haut gilt das nicht als Risiko, weil nicht zu erwarten ist, dass der Stoff über die Haut in nennenswerter Menge in den Kreislauf gelangt. Auf verletzter Haut verzichtest du besser darauf.

Sind PEG in Naturkosmetik erlaubt

In zertifizierter Naturkosmetik sind PEG nach den gängigen Standards nicht erlaubt, weil ethoxylierte Rohstoffe ausgeschlossen sind. Ohne Siegel gilt das nicht automatisch. Der Begriff Naturkosmetik ist in der Schweiz nicht gesetzlich geschützt, deshalb lohnt bei Produkten ohne Zertifikat der Blick in die INCI-Liste.

Ist PEG dasselbe wie Mikroplastik

Nein. PEG sind wasserlösliche Polymere und keine festen Kunststoffpartikel. Die EU-Beschränkung für Mikroplastik zielt auf feste synthetische Polymerpartikel, einige Umweltratgeber zählen flüssige und gelöste Polymere trotzdem dazu. Das erklärt, warum PEG manchmal unter Mikroplastik auftauchen. Für deine Haut ist das eine getrennte Frage von der Umweltfrage.

Sind Emulgatoren auf Zuckerbasis automatisch verträglicher

Nein, nicht automatisch. Zuckerbasierte Emulgatoren gelten als mild, greifen als grenzflächenaktive Stoffe aber ebenfalls in die Hautoberfläche ein, und einzelne Menschen reagieren darauf. Entscheidend sind Gesamtrezeptur, Konzentration und der Zustand deiner Haut. Ein milder Emulgator macht aus einer stark parfümierten Creme keine reizarme.

Sind PEG in einer abwaschbaren Reinigung weniger relevant als in einer Creme

Tendenziell ja, weil eine Reinigung nur kurz auf der Haut bleibt und abgespült wird. Eine Creme bleibt stundenlang drauf, und dort spielt die mögliche Einlagerung von Emulgatoren in die Hornschicht eine grössere Rolle. Bei einer Reinigung zählt vor allem, wie stark die Tenside entfetten. Ob eines davon ethoxyliert ist, wie Sodium Laureth Sulfate, ist dabei zweitrangig.

Enthält The Duo PEG

Nein, in der veröffentlichten INCI-Liste von The Duo steht keine PEG-Verbindung und kein ethoxylierter Emulgator. Emulgiert wird unter anderem mit Cetearyl Glucoside, Sucrose Stearate und Lecithin. Du musst dich nicht auf ein «frei von» verlassen, sondern kannst die vollständige Liste selbst prüfen, bevor du dich für das Duo aus Serum und Creme entscheidest.

Quellen

  1. Fruijtier-Pölloth C. Safety assessment on polyethylene glycols (PEGs) and their derivatives as used in cosmetic products. Toxicology, 2005. Quelle
  2. Jang HJ, Shin CY, Kim KB. Safety Evaluation of Polyethylene Glycol (PEG) Compounds for Cosmetic Use. Toxicological Research, 2015. Quelle
  3. Bárány E, Lindberg M, Lodén M. Unexpected skin barrier influence from nonionic emulsifiers. International Journal of Pharmaceutics, 2000. Quelle
  4. Buraczewska I, Berne B, Lindberg M, Törmä H, Lodén M. Changes in skin barrier function following long-term treatment with moisturizers, a randomized controlled trial. British Journal of Dermatology, 2007. Quelle
  5. Wenande E, Garvey LH. Immediate-type hypersensitivity to polyethylene glycols: a review. Clinical & Experimental Allergy, 2016. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin