Milchsäure in der Gesichtspflege: Peeling und Feuchthalter zugleich
WIRKSTOFFE
Milchsäure im Gesicht hat zwei Gesichter: In höherer Konzentration und bei saurem pH-Wert löst sie abgestorbene Hornzellen und wirkt als sanftes Peeling, in niedriger Dosis oder als Salz (Natriumlactat) bindet sie vor allem Wasser in der Hornschicht. Laktat gehört ohnehin zum natürlichen Feuchthaltefaktor deiner Haut. Für empfindliche oder trockene Haut ist Milchsäure deshalb oft die verträglichere Säure, aber kein Pflichtschritt. Ein bis zwei Abende pro Woche reichen meist.
Was macht Milchsäure im Gesicht?
Milchsäure lockert im Gesicht den Zusammenhalt der obersten Hornzellen, damit sie sich leichter ablösen, und sie hält gleichzeitig Wasser in der Hornschicht fest. Chemisch ist sie eine Alpha-Hydroxysäure, kurz AHA, also eine Fruchtsäure, auch wenn der Name auf saure Milch zurückgeht. Ein Übersichtsartikel im Fachjournal Molecules beschreibt den Mechanismus so: Der saure Charakter der AHA senkt den pH-Wert in der Oberhaut und stört die Bindungen zwischen den Hornzellen, was die Abschuppung anregt. Das Resultat spürst du als glattere Oberfläche, und das Hautbild kann ebenmässiger wirken, weil raue Schüppchen das Licht nicht mehr so unruhig streuen. Der zweite Effekt ist weniger bekannt: Milchsäure ist als Laktat ein Bestandteil des natürlichen Feuchthaltefaktors, also jener kleinen, wasserbindenden Moleküle, die in der Hornschicht sitzen. Derselbe Übersichtsartikel bezeichnet Milchsäure in Form von Natriumlactat als bekannten Teil dieses Feuchthaltesystems.
Welcher der beiden Effekte im Vordergrund steht, entscheidet nicht der Name auf der Flasche, sondern Konzentration und pH-Wert. Dazu gleich mehr. Ob du überhaupt etwas Abschuppendes brauchst, ist eine eigene Frage, die wir in einem separaten Beitrag beantworten: ob du überhaupt ein Gesichtspeeling brauchst.
Wie kann eine Säure gleichzeitig peelen und Feuchtigkeit binden?
Milchsäure kann beides, weil sie in zwei Formen vorkommt: als freie Säure, die Hornzellen löst, und als Laktat, das Wasser bindet. Welche Form überwiegt, hängt vom pH-Wert des Produkts ab. In einer sauren Formulierung liegt mehr freie Säure vor, und die Abschuppung steht im Vordergrund. In einer neutraleren Formulierung oder als Natriumlactat bleibt vor allem die Feuchthalter-Funktion übrig. Wie wichtig Laktat für deine Haut ist, zeigt eine Untersuchung im Journal of Investigative Dermatology mit 40 gesunden Personen: Laktat und Kalium waren die einzigen Bestandteile des Feuchthaltefaktors, die signifikant mit Hydratation, Steifigkeit und pH-Wert der Hornschicht zusammenhingen. Vom Sommer zum Winter sanken die Laktatwerte signifikant, und Kaliumlaktat konnte die Hydratation wiederherstellen, nachdem der Feuchthaltefaktor zuvor experimentell herausgelöst worden war.
Dazu kommt ein dritter, indirekter Effekt. In einer Studie in den Archives of Dermatological Research erhöhten Lotionen mit L-Milchsäure den Ceramidgehalt der Hornschicht um 48 Prozent, und die Barrierefunktion verbesserte sich messbar. Die Studie stammt aus dem Labor eines Kosmetikherstellers und ist rund 30 Jahre alt, die Richtung ist trotzdem interessant: Milchsäure kann die Haut nicht nur abtragen, sondern auch ihre Schutzschicht unterstützen. Ein Freipass für tägliches Peelen ist das nicht.
Ab welcher Konzentration peelt Milchsäure, und welcher pH-Wert zählt?
Sichtbare Effekte an der Hautoberfläche zeigte eine Studie schon mit 5% Milchsäure, als Obergrenze für Produkte zum Selbstanwenden gelten 10 Prozent bei einem pH-Wert von mindestens 3.5. Diese Grenze stammt vom Cosmetic Ingredient Review Expert Panel, dessen Bewertung die US-Arzneimittelbehörde FDA wiedergibt: Glykol- und Milchsäure gelten für Konsumentinnen als sicher, wenn die Konzentration höchstens 10 Prozent beträgt, der pH-Wert bei 3.5 oder höher liegt und das Produkt vor erhöhter Sonnenempfindlichkeit schützt oder zum täglichen Sonnenschutz anleitet. Wie sich die Dosis auswirkt, zeigt eine Studie im Journal of the American Academy of Dermatology: Über drei Monate trugen die Teilnehmenden zweimal täglich 5% oder 12% Milchsäure auf. Beide Konzentrationen verbesserten Glätte und das Erscheinungsbild feiner Linien, nur die 12-prozentige Variante veränderte zusätzlich die tiefere Hautschicht.
Der pH-Wert ist dabei mindestens so wichtig wie die Prozentzahl. Ein Produkt mit 10% Milchsäure bei neutralem pH kann milder sein als eines mit 5% bei tiefem pH. Leider steht der pH-Wert selten auf der Verpackung. Die Tabelle hilft dir, eine Deklaration grob einzuordnen.
| Was auf der Packung steht | Was es wahrscheinlich tut | Für wen |
|---|---|---|
| Sodium Lactate (Natriumlactat) | Bindet Wasser, peelt nicht | Jede Haut, auch täglich |
| Lactic Acid weit hinten in der INCI | Meist pH-Regler oder Feuchthalter | Kein Peeling-Produkt im eigentlichen Sinn |
| Milchsäure mit Prozentangabe um 5% | Sanftes Peeling, glättet die Oberfläche | Einsteigerinnen, trockene oder empfindliche Haut |
| Bis 10%, pH ab 3.5 | Deutliches Peeling, mehr Kribbeln | Robuste Haut mit Säure-Erfahrung |
| Über 10% oder tiefer pH | Chemisches Peeling | Gehört in Fachhände |
Was bei der letzten Zeile in einer Praxis passiert und was es kostet, erklärt unser Beitrag über ein professionelles Fruchtsäurepeeling.
Ist Milchsäure sanfter als Glykolsäure?
Ja, Milchsäure gilt im Vergleich zu Glykolsäure als die mildere der beiden bekanntesten Fruchtsäuren. Der Übersichtsartikel in Molecules hält fest, dass Milchsäure in Untersuchungen als weniger reizend als Glykolsäure beschrieben wurde. Ein Grund liegt in der Chemie: Glykolsäure ist die kleinste Fruchtsäure, Milchsäure trägt ein Kohlenstoffatom mehr und ist damit etwas grösser. Als Faustregel gilt: Das kleinere Molekül dringt rascher ein, das grössere wirkt gemächlicher. Der zweite Grund ist die Feuchthalter-Eigenschaft: Während Glykolsäure vor allem abträgt, bringt Milchsäure ein Stück Feuchtigkeitsbindung gleich mit. Für trockene, reife oder empfindliche Haut ist das oft der entscheidende Unterschied.
Sanfter heisst aber nicht harmlos. Bei gleicher Konzentration und gleich tiefem pH-Wert kann auch Milchsäure brennen und röten. Glykolsäure kann bei robuster Haut, die Säuren gewohnt ist, die passendere Wahl sein, weil sie schneller sichtbare Glätte bringt. Mandelsäure gilt als noch grösseres Molekül als weitere sanfte Option, ist aber ein eigenes Thema. Wie sich Fruchtsäuren, Salicylsäure und die noch milderen Polyhydroxysäuren grundsätzlich unterscheiden, liest du in unserem Beitrag über den Unterschied zwischen AHA, BHA und PHA.
Für welche Haut passt Milchsäure, und wann lässt du sie weg?
Milchsäure passt am besten zu trockener, rauer oder fahler Haut, die eine sanfte Abschuppung verträgt, und zu reifer Haut, die von der zusätzlichen Feuchtigkeitsbindung profitiert. Auch empfindliche Haut kommt oft mit einer niedrig dosierten Milchsäure zurecht, solange du langsam startest. Weglassen solltest du sie, wenn deine Haut gerade gerötet, gereizt oder rissig ist, nach einem Sonnenbrand, auf frisch rasierter oder gewachster Haut und wenn du bereits ein Retinoid oder ein anderes Peeling verwendest. Brennt ein Produkt deutlich länger als ein paar Sekunden, ist das kein Zeichen von Wirkung. Woran du erkennst, wann Brennen ein Warnzeichen ist, haben wir separat aufgeschrieben. Bei Hautkrankheiten wie Akne oder Rosazea und bei stark schuppender Haut gehört die Frage, ob und welche Säure passt, zur Dermatologin oder zum Dermatologen.
Wenn du vor allem Feuchtigkeit willst und kein Peeling, brauchst du keine Säure. Feuchthalter ohne Säure-Effekt gibt es reichlich, etwa Glycerin als Feuchthalter oder Hyaluronsäure. The Duo enthält keine Milchsäure und keine Peeling-Säure, deckt aber die feuchtigkeitsbindende Hälfte über andere Stoffe ab: Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen im Serum The Essential, im Duo zusätzlich Glycerin, Tamarindensamen-Polysaccharid und Biosaccharide Gum-1. Die abschliessende Schicht liefert The Shield mit Ceramide NP und Squalan. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Barbara F. über den Wechsel von einer längeren Routine: «Zwei Produkte, klare Inhaltsstoffe, kein Schnickschnack.»
Wie oft und wann wendest du Milchsäure an?
Milchsäure wendest du am besten abends an, zu Beginn ein- bis zweimal pro Woche, und steigerst nur, wenn deine Haut ruhig bleibt. Abends deshalb, weil Fruchtsäuren die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Die FDA berichtet aus eigenen Untersuchungen mit einer Glykolsäure-Creme, dass die Empfindlichkeit für UV-bedingte Hautrötung nach vier Wochen Anwendung um 18 Prozent zunahm. Der Effekt war umkehrbar und hielt nach dem Absetzen nicht lange an. Für alle AHA-Produkte, also auch für Milchsäure, empfiehlt die Behörde trotzdem einen Warnhinweis: Sonnenschutz während der Anwendung und noch eine Woche danach. Mehr Häufigkeit bringt nicht mehr Wirkung, sondern vor allem mehr Reizung.
- Abends auf die gereinigte, trockene Haut auftragen, Augen- und Lippenpartie aussparen.
- Mit einem niedrig dosierten Produkt starten und zwei Wochen beobachten, bevor du steigerst.
- An Milchsäure-Abenden kein zweites Peeling und kein Retinoid verwenden.
- Danach normal pflegen, damit die Haut Feuchtigkeit und Fett zurückbekommt.
- Am nächsten Morgen und während der ganzen Anwendungszeit Sonnenschutz auftragen.
Rechne die Säuren deiner Woche zusammen: Ein Säure-Toner, ein Peeling-Serum und eine Maske mit AHA ergeben schnell mehr Exfoliation, als du geplant hast. Ein einziges Milchsäure-Produkt an festen Abenden ist leichter zu überblicken.
Ich habe kein Peeling und keine Säure ins Sortiment genommen, und das bewusst. Kompromisslos besteht aus zwei Produkten statt acht, weil ich das Duo vor allem für empfindliche, trockene oder reife Haut entwickelt habe. Diese Haut braucht eine Basis, die sie morgens und abends verwenden kann, ohne Reizpause und ohne zu rechnen, welcher Abend gerade dran ist. Eine Säure passt nicht in dieses Prinzip, denn sie gehört gezielt und selten auf die Haut. Feuchtigkeit kommt im Duo deshalb aus Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen und nicht aus einer Säure. Wenn du peelen willst, ergänze Milchsäure an ein bis zwei Abenden pro Woche. Das Duo kann kein Peeling ersetzen, und du brauchst auch kein Peeling, damit es funktioniert. Welche Stoffe drinstecken, steht offen auf unserer Seite über die Wirkstoffe im Duo.
Häufige Fragen
Kann ich Milchsäure jeden Tag verwenden
Als Natriumlactat oder in sehr niedriger Dosis ja, als Peeling eher nicht. Ein abschuppendes Milchsäure-Produkt reicht für die meisten Hauttypen an ein bis zwei, höchstens drei Abenden pro Woche. Tägliche Anwendung lohnt sich nur bei robuster Haut, die es nachweislich verträgt, und nur mit konsequentem Sonnenschutz am Morgen.
Macht Milchsäure die Haut lichtempfindlich
Ja, Fruchtsäuren wie Milchsäure erhöhen die Empfindlichkeit für UV-Strahlung, deshalb empfiehlt die FDA für alle AHA-Produkte einen Sonnen-Warnhinweis. In ihren eigenen Untersuchungen mit Glykolsäure war der Effekt umkehrbar: Eine Woche nach dem Absetzen fanden die Forschenden keine signifikanten Unterschiede mehr. Trage deshalb tagsüber Sonnenschutz, solange du Milchsäure verwendest. Worauf es dabei ankommt, steht in unserem Beitrag über Sonnenschutz fürs Gesicht.
Ist Milchsäure vegan
Meistens ja, trotz des Namens. Milchsäure für Kosmetik wird in der Regel durch Fermentation von Zucker oder synthetisch hergestellt, nicht aus Milch gewonnen. Ganz sicher bist du nur, wenn das Produkt als vegan deklariert ist oder der Hersteller die Herkunft offenlegt.
Darf Milchsäure kribbeln oder brennen
Ein leichtes Kribbeln in den ersten Sekunden ist bei sauren Produkten normal. Hält das Brennen an, wird die Haut stark rot oder beginnt sie zu schuppen, ist das Produkt zu stark oder deine Haut gerade zu gereizt. Dann abwaschen, pausieren und später mit einer niedrigeren Konzentration oder seltener neu starten.
Hilft Milchsäure bei trockener Haut besser als Urea
Nicht unbedingt besser, sondern anders. Beide gehören zum natürlichen Feuchthaltefaktor der Haut. Urea ist keine Säure und wird vor allem als Feuchthalter eingesetzt, Milchsäure peelt in höherer Dosis zusätzlich. Wer nur Feuchtigkeit will und kein Peeling sucht, braucht keine Säure. Mehr dazu in unserem Beitrag über Urea als Feuchthalter im Gesicht.
Kann ich Milchsäure mit Niacinamid oder Vitamin C kombinieren
Mit Niacinamid in der Regel ja: Milchsäure abends, danach die gewohnte Pflege mit Niacinamid ist eine häufige Kombination. Reagiert deine Haut empfindlich, trenne die beiden zeitlich. Vitamin C und Fruchtsäuren gleichzeitig ist ein eigenes Thema; bei empfindlicher Haut ist es meist ruhiger, sie nicht im selben Schritt zu schichten.
Brauche ich Milchsäure, wenn ich The Duo benutze
Nein, das Duo funktioniert ohne Peeling. Es enthält keine Milchsäure, bindet Feuchtigkeit aber über Hyaluronsäure, Glycerin und Polysaccharide. Wenn du zusätzlich sanft peelen willst, kannst du Milchsäure an ein bis zwei Abenden pro Woche ergänzen und danach wie gewohnt Serum und Creme aus The Duo auftragen und morgens Sonnenschutz verwenden.
Quellen
- Tang SC, Yang JH. Dual Effects of Alpha-Hydroxy Acids on the Skin. Molecules, 2018. Quelle
- Nakagawa N, Sakai S, Matsumoto M, Yamada K, Nagano M, Yuki T, et al. Relationship between NMF (lactate and potassium) content and the physical properties of the stratum corneum in healthy subjects. Journal of Investigative Dermatology, 2004. Quelle
- Rawlings AV, Davies A, Carlomusto M, Pillai S, Zhang K, Kosturko R, et al. Effect of lactic acid isomers on keratinocyte ceramide synthesis, stratum corneum lipid levels and stratum corneum barrier function. Archives of Dermatological Research, 1996. Quelle
- Smith WP. Epidermal and dermal effects of topical lactic acid. Journal of the American Academy of Dermatology, 1996. Quelle
- U.S. Food and Drug Administration. Alpha Hydroxy Acids. FDA, aktualisiert 2022. Quelle
