AHA, BHA und PHA: welche Säure für welche Haut passt
EINZELWIRKSTOFF
AHA und BHA unterscheiden sich vor allem durch ihre Löslichkeit. AHA wie Glykolsäure und Milchsäure sind wasserlöslich und arbeiten an der Hautoberfläche. BHA wie Salicylsäure ist fettlöslich und erreicht auch das Innere der Poren. PHA sind deutlich grössere Moleküle, dringen langsamer ein und gelten als die mildeste der drei Gruppen. Die Wahl richtet sich nach deinem Hautzustand.
Was unterscheidet AHA, BHA und PHA voneinander?
Der Unterschied liegt in Löslichkeit, Molekülgrösse und Wirkort. AHA steht für Alpha-Hydroxysäuren, die bekanntesten sind Glykolsäure und Milchsäure. Sie sind wasserlöslich und lockern die Verbindungen zwischen abgestorbenen Zellen ganz oben auf der Haut. BHA steht für Beta-Hydroxysäuren, praktisch immer ist damit Salicylsäure gemeint. Sie ist fettlöslich und gelangt deshalb auch in den talggefüllten Follikel, weshalb sie klassisch in Produkten für ein unruhiges Hautbild eingesetzt wird. PHA steht für Polyhydroxysäuren, meist Gluconolacton oder Lactobionsäure. Deren Moleküle sind schwerer: Gluconolacton liegt bei rund 178 g/mol, Glykolsäure nur bei etwa 76 g/mol. Grössere Moleküle dringen langsamer und weniger tief ein, was die Reizung begrenzt. Das Grundprinzip teilen sich alle drei Gruppen. Sie senken kurzzeitig den pH-Wert an der Oberfläche und beschleunigen so die natürliche Abschuppung der obersten Hornschicht. Die drei Kürzel sagen also nichts über die Stärke eines Produkts aus, sondern nur über die chemische Familie des Wirkstoffs.
| Gruppe | Typische Vertreter | Löslichkeit und Wirkort | Passt eher zu |
|---|---|---|---|
| AHA | Glykolsäure, Milchsäure | Wasserlöslich, wirkt an der Hautoberfläche | Trockener, matter, reiferer Haut |
| BHA | Salicylsäure | Fettlöslich, erreicht auch den Follikel | Öliger Haut mit verstopften Poren |
| PHA | Gluconolacton, Lactobionsäure | Grosse Moleküle, bleiben weitgehend oben | Empfindlicher und reaktiver Haut |
Für welche Haut passt welche Säure?
Die Zuordnung folgt dem Hautzustand, nicht dem Alter. Trockene, matte oder reifere Haut profitiert am ehesten von einem AHA, weil die Abschuppung dort verlangsamt ist und Milchsäure zusätzlich Feuchtigkeit bindet. Ölige Haut mit verstopften Poren ist der klassische Fall für Salicylsäure, weil nur eine fettlösliche Säure überhaupt bis in den Follikel kommt. Empfindliche Haut, die schnell brennt oder rot wird, fährt mit PHA am ruhigsten, oft aber auch mit gar keiner Säure. Mischhaut braucht selten zwei Produkte: Eine milde Säure punktuell auf der T-Zone reicht meistens. Wichtig ist die ehrliche Vorstufe. Wer aktuell Spannungsgefühl, Schuppung oder Brennen hat, hat kein Peeling-Problem, sondern ein Barriere-Problem. In dem Fall verschlimmert jede zusätzliche Säure die Lage, und der Aufbau der Hautbarriere kommt zuerst, etwa mit The Duo als täglicher Basispflege. Auch die Jahreszeit spielt mit, weil trockene Heizungsluft im Winter die Toleranz spürbar senkt.
Welche Konzentration ist sinnvoll und was ist erlaubt?
Für Produkte zur täglichen Anwendung gelten in Europa klare Obergrenzen. Der wissenschaftliche EU-Ausschuss SCCNFP hat für frei verkäufliche Kosmetik Glykolsäure bis 4 Prozent bei einem pH-Wert ab 3.8 und Milchsäure bis 2.5 Prozent bei einem pH-Wert ab 5.0 als sicher eingestuft. Salicylsäure ist in Anhang III der EU-Kosmetikverordnung geregelt und in Gesichtsprodukten, die auf der Haut bleiben, auf 2 Prozent begrenzt. Die Schweiz übernimmt diese Stofflisten über die Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung, es gelten also dieselben Werte. Zwei Dinge folgen daraus. Erstens ist eine höhere Zahl auf der Packung kein Qualitätsmerkmal, sondern in vielen Fällen schlicht nicht zulässig. Zweitens entscheidet der pH-Wert mit darüber, wie stark eine Säure überhaupt arbeitet, und den findest du auf kaum einer Verpackung. Eine kleine Prozentzahl bei niedrigem pH-Wert kann deshalb kräftiger wirken als der umgekehrte Fall. Prozentangaben allein sagen weniger aus, als die Werbung nahelegt.
Was kombinierst du besser nicht mit einer Säure?
Die wichtigste Regel lautet: nicht zwei Reizfaktoren im selben Schritt. Säure und Retinol am gleichen Abend sind für die meisten Hauttypen zu viel, ebenso zwei verschiedene Säuren nacheinander oder eine Säure direkt nach einem mechanischen Peeling. Auch die Kombination mit einem stark sauren Vitamin-C-Serum in derselben Routine führt häufig zu Brennen. Sinnvoller ist ein zeitlicher Abstand: Säure an einem Abend, Retinol oder Bakuchiol als sanftere Alternative an einem anderen. Unproblematisch sind dagegen Feuchtigkeit und Barrierepflege danach, also Hyaluronsäure, Panthenol, Ceramide oder Squalan. Wer wissen will, welche Wirkstoffe generell zusammenpassen, findet die Systematik im Überblick zum Thema Wirkstoffe kombinieren. Unabhängig von der gewählten Säure gilt: AHA erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut, Sonnenschutz am Tag gehört dazu. Und wer neu einsteigt, ändert nur eine Sache gleichzeitig und wartet zwei bis drei Wochen ab, bevor die nächste dazukommt.
Brauchst du überhaupt eine Säure?
Nein, eine Säure ist kein Pflichtbestandteil einer guten Routine. Gesunde Haut erneuert sich von selbst, und der sichtbare Effekt eines Peelings hält nur so lange an, wie es angewendet wird. Sinnvoll wird eine Säure bei rauer Textur, verstopften Poren oder mattem Teint, die sich mit Feuchtigkeit und Barrierepflege allein nicht bessern. Nicht nötig ist sie, wenn deine Haut ruhig, glatt und beschwerdefrei ist, wenn du gerade eine gereizte Phase hast oder wenn du ohnehin schon Retinoide verwendest. Eine Säure ist ein Werkzeug für ein bestimmtes Problem, kein Grundbaustein jeder Pflege. Unser Duo aus Serum und Creme enthält bewusst keine exfolierende Säure. Es arbeitet über Feuchtigkeit, Barriere und Wirkstoffe wie 5 Prozent Niacinamid und 0.3 Prozent Bakuchiol, jeweils bezogen auf das Duo als Ganzes. Welche Stoffe genau enthalten sind, steht offen in der Übersicht der Inhaltsstoffe.
Wann eine Fachperson die bessere Adresse ist
Kosmetik pflegt, sie ersetzt keine Abklärung. Wenn deine Haut dauerhaft gerötet ist, nässt, schuppt, schmerzt oder sich ihr Zustand über Wochen verschlechtert, gehört das in dermatologische Hände und nicht in ein neues Säureprodukt. Dasselbe gilt bei stark ausgeprägten Unreinheiten mit Knoten, bei Verdacht auf eine Hauterkrankung, bei Pigmentflecken, die sich verändern, und bei allem, was über eine vorübergehende Reizung hinausgeht. Auch tiefere chemische Peelings mit höheren Konzentrationen sind keine Heimanwendung, sondern gehören in eine Praxis mit entsprechender Ausbildung. Ein einfacher Massstab hilft: Alles, was du als Beschwerde beschreiben würdest, gehört zur Fachperson. Alles, was du als Wunsch nach glatterer oder ebenmässigerer Haut beschreiben würdest, ist Kosmetik. Im Zweifel ist ein einzelner Termin die günstigere Entscheidung als monatelanges Ausprobieren. Diese Grenze halten wir bewusst ein, auch wenn eine weichere Formulierung mehr verkaufen würde.
Ich werde regelmässig gefragt, warum im Duo keine Säure steckt. Die Antwort ist eine bewusste Entscheidung: Ich baue für Haut, die schon gereizt ist, und exfolierende Säuren sind genau dort das erste, was schiefgeht. Ein Produkt, das morgens und abends täglich angewendet wird, verträgt keine Säure in wirksamer Dosierung, ohne dass ich Anwendungsregeln, Pausentage und Warnhinweise nachschieben müsste. Dann wären wir bei der komplizierten Routine, gegen die ich angetreten bin. Wer eine Säure will, soll sie separat und bewusst dazunehmen. Ich verkaufe lieber zwei Produkte, die zusammenpassen, als ein drittes, das die anderen beiden stört.
Häufige Fragen
Kann ich AHA und BHA am selben Tag anwenden?
Besser nicht in derselben Routine. Zwei Säuren hintereinander erhöhen das Risiko für Brennen und Schuppung deutlich, ohne den Nutzen zu verdoppeln. Sinnvoller ist es, an einem Abend eine Säure zu verwenden und an den übrigen Tagen nur Feuchtigkeit und Barrierepflege. Wenn du beides brauchst, teile sie auf verschiedene Tage auf.
Wie oft sollte eine Säure angewendet werden?
Ein bis zwei Mal pro Woche reicht für die meisten Hauttypen als Einstieg. Tägliche Anwendung ist nur bei sehr milden Formulierungen und robuster Haut sinnvoll. Steigere die Häufigkeit erst, wenn deine Haut über zwei bis drei Wochen ruhig bleibt. Brennen, Spannen oder Rötung sind das Signal, sofort zu reduzieren.
Machen AHA die Haut lichtempfindlicher?
Ja, AHA erhöhen die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlung. Deshalb gehört täglicher Sonnenschutz zu jeder Routine mit AHA, besonders im Sommer. PHA gelten in dieser Hinsicht als unproblematischer, weil sie kaum in tiefere Schichten gelangen. Sonnenschutz bleibt trotzdem sinnvoll, unabhängig davon, welche Säure du verwendest.
Ist PHA wirklich milder als AHA?
In direkten Vergleichen ja, allerdings mit begrenzter Datenlage. Eine zwölfwöchige Studie verglich eine PHA-Pflege mit einer AHA-Pflege und fand ähnliche Effekte auf das Hautbild bei geringerer Reizung. Die Studie wurde von einem Kosmetikhersteller finanziert, was bei der Einordnung mitgedacht gehört. Der Grössenunterschied der Moleküle ist unstrittig.
Enthält The Duo eine Säure?
Keine exfolierende Säure. Enthalten sind unter anderem 2 Prozent Hyaluronsäure und 2 Prozent Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure, jeweils bezogen auf das Duo als Ganzes. Beide gelten chemisch als Säuren, wirken aber nicht als Peeling. Wenn du zusätzlich exfolieren willst, brauchst du dafür ein separates Produkt.
Ersetzt eine Säure die Feuchtigkeitspflege?
Nein, eine Säure ersetzt keine Pflege. Sie löst abgestorbene Zellen, liefert aber weder Feuchtigkeit noch Lipide zurück. Nach jeder Säure gehört deshalb eine aufbauende Pflege darauf. Wie eine schlanke Routine aus Serum und Creme aufgebaut wird, steht in der Anleitung zur Anwendung.
Quellen
- SCCNFP, Position Paper concerning Alpha Hydroxy Acids, SCCNFP/0370/00. Quelle
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Geregelte Stoffe in kosmetischen Mitteln. Quelle
- Green BA et al., A polyhydroxy acid skin care regimen provides antiaging effects comparable to an alpha-hydroxyacid regimen, Cutis 2004. Quelle
