Kollagen-Creme: Wirkung und ob Kollagen aus der Creme überhaupt in die Haut kommt
WIRKSTOFFE
Eine Kollagen-Creme wirkt an der Hautoberfläche: Das Kollagen bindet Wasser und legt einen feinen Film auf die Haut, der sie vorübergehend weicher und glatter wirken lässt. Ins Kollagengerüst der tieferen Haut gelangt es nicht. Ein natives Kollagen-Molekül wiegt rund 300'000 Dalton, die intakte Hornschicht lässt aber im Wesentlichen nur Stoffe unter 500 Dalton passieren. Mit einer Kollagen-Creme kaufst du also eine Feuchtigkeitspflege, keine Kollagenkur. Das ist nicht wertlos, aber auch nicht mehr.
Was bewirkt eine Kollagen-Creme wirklich?
Eine Kollagen-Creme spendet Feuchtigkeit und glättet die Oberfläche vorübergehend, mehr leistet das Kollagen darin nicht. Kollagen ist ein Eiweiss, das viel Wasser binden kann. Auf der Haut verhält es sich deshalb wie andere Feuchthaltestoffe: Es hält Wasser in den obersten Zellschichten, die Hornschicht quillt leicht auf, feine Trockenheitslinien wirken weniger deutlich. Natives Kollagen bildet zusätzlich einen dünnen Film, der sich glatt anfühlt. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Antioxidants beschreibt hydrolysiertes Kollagen als sicheren Inhaltsstoff für Cremes mit guten feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften in der Hornschicht. Ein Teil der Autorinnen und Autoren arbeitet bei einem Kollagen-Hersteller, und selbst diese Arbeit verortet den Feuchtigkeitseffekt in der Hornschicht, nicht in der Tiefe. Der Effekt ist echt, aber er hält nur so lange wie die Feuchtigkeit: Nach dem Waschen ist er weg, mit dem nächsten Auftragen kommt er wieder.
Was eine Kollagen-Creme nicht kann: das Bindegewebe straffen, verlorenes Kollagen ersetzen oder die Gesichtskontur verändern. Ob Dermaroller die eigene Kollagenbildung anregen und wo das Risiko liegt, steht im Beitrag Microneedling zu Hause. Wenn dich vor allem nachlassende Spannkraft beschäftigt, lohnt sich ein Blick darauf, was Pflege bei schlaffer Haut im Gesicht leisten kann und wo ihre Grenzen liegen.
Kann Kollagen aus der Creme in die Haut eindringen?
Nein, intaktes Kollagen kann die gesunde Hornschicht nicht durchdringen, dafür ist das Molekül schlicht zu gross. Die Hornschicht ist die äusserste Schutzschicht der Haut und hält grosse Moleküle zuverlässig draussen. Die Dermatologen Bos und Meinardi haben das in Experimental Dermatology als «500-Dalton-Regel» beschrieben: Damit ein Stoff über die Haut aufgenommen werden kann, muss sein Molekulargewicht unter 500 Dalton liegen. Natives Kollagen liegt laut der Übersichtsarbeit in Antioxidants bei rund 300'000 Dalton, also etwa 600-mal darüber. Dass das nicht nur eine Rechnung ist, zeigt ein älterer Laborversuch im Journal of the Society of Cosmetic Chemists: Markiertes Kollagen wurde auf die Haut haarloser Mäuse aufgetragen. Durch Haut mit intakter Hornschicht drang nichts davon. Erst als die Hornschicht mit Klebestreifen abgezogen war, gelangten 60 bis 70 Prozent der Markierung in die Haut, und zwar als Bruchstücke unter 8'000 Dalton, nicht als ganzes Kollagen.
Bei hydrolysiertem, also bereits zerkleinertem Kollagen sieht es etwas anders aus. Die Bruchstücke sind kleiner, und in Tierversuchen gelangte ein Teil davon in die Haut. Die Übersichtsarbeit in Antioxidants nennt einen Versuch, in dem rund 8 Prozent eines Hydrolysats mit 5 bis 13 Kilodalton durch Mäusehaut drangen. Auch diese Fragmente liegen weit über 500 Dalton, und ob sie in menschlicher Haut etwas bewirken, ist damit nicht gezeigt. Klar ist ausserdem: Ein aufgetragenes Bruchstück wird nicht einfach ins Kollagengerüst eingebaut. Kollagen bildet die Haut selbst, in den Fibroblasten der Lederhaut.
Warum verliert die Haut mit dem Alter Kollagen?
Die Haut verliert mit dem Alter Kollagen, weil die Zellen, die es herstellen, weniger produzieren und gleichzeitig weniger dazu angeregt werden. Eine Untersuchung im American Journal of Pathology verglich Fibroblasten aus der Haut junger Menschen zwischen 18 und 29 Jahren mit denen von über 80-Jährigen. Die jungen Zellen bildeten im Labor 82 Nanogramm Prokollagen Typ I pro Milliliter, die alten 56. Dazu kommt ein zweiter Mechanismus: In junger Haut haften die Fibroblasten grossflächig an intakten Kollagenfasern und stehen dadurch unter mechanischer Spannung, die die Produktion in Gang hält. In alter Haut ist dieser Kontakt geringer, die Zellen sind weniger ausgebreitet. Das Forschungsteam schliesst daraus, dass mindestens zwei Mechanismen zusammenwirken: gealterte Zellen und weniger mechanische Anregung. Von aussen beschleunigt vor allem UV-Licht die Hautalterung, weshalb Sonnenschutz beim Thema Hautalterung verlangsamen mehr ausrichtet als jede Kollagen-Creme.
Ob sich die hauteigene Kollagenbildung von aussen anstossen lässt, ist eine eigene Frage. Die Studien dazu betreffen meist Retinoide und reines Vitamin C als L-Ascorbinsäure, nicht dessen stabilere Abkömmlinge wie die 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure. Welche Wirkstoffe dabei belegt sind, steht im Ratgeber welche Creme gegen Falten wirklich hilft.
Was bedeuten hydrolysiertes Kollagen, lösliches Kollagen und Kollagen-Peptide in der INCI?
Lösliches Kollagen, hydrolysiertes Kollagen und Kollagen-Peptide sind verschiedene Formen desselben Eiweisses, die sich darin unterscheiden, wie stark das Molekül zerkleinert wurde. In klassischen Cremes stammen alle drei vom Tier. Gewonnen wird Kollagen typischerweise aus Haut, Knochen und Bindegewebe von Rind und Schwein oder aus Fischhaut und Fischschuppen, denn Pflanzen bilden kein Kollagen. Die INCI-Bezeichnung verrät dir die Form, aber fast nie die Herkunft. Steht eine der folgenden Bezeichnungen in der Liste und fehlt ein ausdrücklicher Hinweis des Herstellers auf eine biotechnologische Herstellung, gehst du am besten von tierischer Herkunft aus.
| Bezeichnung in der INCI | Was es ist | Herkunft | Was es auf der Haut tut |
|---|---|---|---|
| Collagen, Soluble Collagen | Ganzes, natives Kollagen, in Wasser gelöst | In der Regel tierisch | Bildet einen glättenden Film und bindet Wasser an der Oberfläche |
| Atelocollagen | Natives Kollagen, bei dem die Molekülenden enzymatisch abgetrennt wurden | In der Regel tierisch | Wie lösliches Kollagen: Film und Feuchtigkeit |
| Hydrolyzed Collagen | In Bruchstücke zerlegtes Kollagen, oft als Kollagen-Peptide beworben | In der Regel tierisch | Hält als Feuchthaltestoff Wasser in der Hornschicht |
| Collagen Amino Acids | Vollständig in einzelne Aminosäuren aufgespaltenes Kollagen | In der Regel tierisch | Bindet Wasser an der Oberfläche |
| Palmitoyl Tripeptide-5, Palmitoyl Pentapeptide-4 und ähnliche | Synthetisch aufgebaute Signalpeptide, kein Kollagen | Synthetisch hergestellt | Sollen Hautzellen ein Signal geben, die Beleglage ist dünn |
Das Wort «Peptide» sorgt dabei oft für Verwirrung: Kollagen-Peptide sind zerkleinertes Kollagen, Signalpeptide dagegen gezielt aufgebaute kurze Aminosäureketten, die mit Kollagen vor allem die Werbebotschaft teilen. Was sie können und wie dünn die Studienlage ist, erklärt der Beitrag zu Peptiden in der Hautpflege. Auch die Position in der Liste sagt etwas: Steht Kollagen weit hinten, ist es meist nur in kleiner Menge enthalten. Wie du eine Inhaltsstoffliste grundsätzlich liest, zeigt der Ratgeber INCI-Liste lesen.
«Mit Kollagen» gross auf der Vorderseite und «Hydrolyzed Collagen» weit hinten in der INCI ist keine seltene Kombination. Bewerte eine Kollagen-Creme deshalb wie jede andere Feuchtigkeitscreme: nach Verträglichkeit, Textur und dem, was sonst noch in der Liste steht.
Hyaluron oder Kollagen: was ist in der Creme sinnvoller?
Für Feuchtigkeit ist Hyaluronsäure in einer Creme die naheliegendere Wahl, weil sie dieselbe Aufgabe erfüllt und ohne tierische Rohstoffe auskommt. Beide Stoffe gehören zu den Feuchthaltern: Sie binden Wasser in den oberen Hautschichten und lassen die Haut glatter und praller wirken. Beide sind als ganze Moleküle zu gross, um tief in die Haut zu gelangen. Der Unterschied liegt in Herkunft und Auswahl. Hyaluronsäure für Kosmetik wird heute meist durch Fermentation hergestellt und ist in verschiedenen Molekülgrössen erhältlich, die unterschiedlich schnell einziehen. Kollagen kommt in klassischen Cremes vom Tier. Wichtiger als die Wahl zwischen beiden ist, ob die Feuchtigkeit danach gehalten wird. Ohne pflegende Schicht darüber verdunstet das gebundene Wasser schneller wieder. Mehr dazu, was Hyaluron wirklich kann und wann mehr Prozent nichts bringen, steht im Hyaluron-Ratgeber.
Für die Entscheidung im Laden helfen vier Fragen:
- Willst du eine vegane Pflege? Dann Hyaluronsäure, weil klassisches Kollagen tierisch ist.
- Ist deine Haut trocken und spannt? Dann zählt neben dem Feuchthalter vor allem eine Creme mit Lipiden wie Ceramiden oder Squalan.
- Suchst du Straffung? Weder Hyaluron noch Kollagen in der Creme strafft das Bindegewebe. Mehr richten täglicher Sonnenschutz, der weiterem Abbau vorbeugt, und besser belegte Wirkstoffe aus.
- Hast du bereits ein Hyaluron-Serum? Dann bringt dir eine zusätzliche Kollagen-Creme kaum Neues.
Gibt es vegane Alternativen zu Kollagen in Cremes?
Ja, vegane Alternativen zu Kollagen gibt es, weil Kollagen in der Creme vor allem Feuchtigkeit spendet und diese Aufgabe auch Stoffe ohne tierische Herkunft übernehmen. Zu den bewährten Feuchthaltern gehören Hyaluronsäure, Glycerin und Polysaccharide, also Vielfachzucker aus Pflanzen oder aus Fermentation. Damit das Wasser in der Haut bleibt, braucht es zusätzlich Lipide für die Hautbarriere, etwa Ceramide und Squalan. Vorsicht bei der Aufschrift «veganes Kollagen»: Da Pflanzen kein Kollagen bilden, steckt dahinter entweder biotechnologisch hergestelltes Kollagen oder eine Mischung aus Aminosäuren und Pflanzenproteinen, die als Ersatz bezeichnet wird. Welche tierischen Inhaltsstoffe sonst in Gesichtscremes stecken, zeigt der Ratgeber zur veganen Hautcreme.
The Duo ist vegan und enthält kein Kollagen. Feuchtigkeit kommt im Duo über Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen, Tamarindensamen-Polysaccharid und Biosaccharide Gum-1, die Creme ergänzt Ceramide NP und Squalan für die Hautbarriere. Das ergibt eine Pflege, die Feuchtigkeit spendet und die Barriere unterstützt, nicht eine, die Kollagen ersetzt. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Nicole B.: «Die Fältchen gehen nicht weg, was ja auch nicht die Idee ist […], aber der Gesamtausdruck wird weicher!» Mehr solltest du von keiner Creme erwarten, auch nicht von einer mit Kollagen. Wie Serum und Creme zusammenspielen, siehst du beim Duo aus Serum und Gesichtscreme.
Kollagen stand für The Duo nie zur Diskussion, und der Grund ist einfach: Beide Produkte sind vegan, und klassisches Kollagen kommt vom Tier. Gefehlt hat es mir nicht, weil es in einer Creme vor allem eines tut, nämlich Wasser binden. Diese Aufgabe übernimmt bei uns Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen. In der Creme kommen Ceramide NP und Squalan dazu, die die Hautbarriere unterstützen, damit die Feuchtigkeit nicht gleich wieder verdunstet. Was ich dir damit nicht verspreche: dass deine Haut neues Kollagen bildet oder verlorenes ersetzt wird. Das lässt sich mit einer Creme nicht ehrlich zusagen, auch nicht mit unserer. Welcher Wirkstoff wofür drin ist, kannst du auf unserer Seite zu den Wirkstoffen im Duo nachlesen.
Häufige Fragen
Ist Kollagen in Cremes tierisch
Meistens ja. Kollagen für Kosmetik wird klassisch aus Haut, Knochen oder Bindegewebe von Rind und Schwein oder aus Fischhaut gewonnen, weil Pflanzen kein Kollagen bilden. Es gibt inzwischen biotechnologisch hergestellte Varianten, doch die INCI-Bezeichnung unterscheidet meist nicht zwischen den Quellen. Fehlt ein klares Vegan-Label oder eine Herkunftsangabe des Herstellers, gehst du besser von tierischem Kollagen aus.
Bringt Kollagen trinken mehr als eine Creme
Direkt vergleichen lassen sich die beiden nicht: Kollagen zum Trinken wird über den Darm aufgenommen statt über die Hornschicht, und seine Studienlage ist ein eigenes Thema. Für die Haut von aussen gilt: Dein eigenes Kollagen schützt du am besten mit täglichem Sonnenschutz. Mehr dazu im Ratgeber, was die Hautalterung nachweislich bremst.
Ab welchem Alter ist eine Kollagen-Creme sinnvoll
Es gibt kein Alter, ab dem eine Kollagen-Creme nötig wird, weil sie in keinem Alter das hauteigene Kollagen ersetzt. Was sie liefert, ist Feuchtigkeit, und die braucht trockene Haut mit 30 genauso wie mit 60. Wenn du eine Creme wegen deines Alters auswählst, achte eher auf Barrierepflege, Verträglichkeit und täglichen Sonnenschutz als auf das Wort Kollagen auf der Packung.
Was ist der Unterschied zwischen Kollagen und Peptiden
Kollagen ist ein grosses Strukturprotein aus drei langen, umeinander gewundenen Aminosäureketten, Peptide sind kurze Ketten aus wenigen Aminosäuren. Kollagen-Peptide entstehen, wenn Kollagen zerlegt wird, und sind damit hydrolysiertes Kollagen. Signalpeptide in Anti-Aging-Cremes werden dagegen gezielt synthetisch aufgebaut und stammen nicht aus Kollagen, auch wenn sie mit dessen Bildung beworben werden.
Hilft Vitamin C bei Kollagen
Vitamin C ist für die Kollagenbildung im Körper nötig, und gesunde Haut enthält hohe Konzentrationen davon. Eine Übersichtsarbeit in Nutrients hält aber fest, dass die Wirksamkeit von aufgetragenem Vitamin C im Vergleich zu einer guten Versorgung über die Ernährung wenig verstanden ist. Die Studien zur Kollagenbildung betreffen zudem meist L-Ascorbinsäure. Mehr dazu im Überblick zu Vitaminen in der Gesichtspflege.
Ist Kollagen-Creme schädlich
In aller Regel nicht, Kollagen gilt als gut verträglicher Kosmetikinhaltsstoff, die Übersichtsarbeit in Antioxidants bezeichnet hydrolysiertes Kollagen als sicher für Cremes. Wenn eine Kollagen-Creme reizt, liegt das eher am Rest der Rezeptur, etwa an Duftstoffen. Das grössere Problem ist der Preis: Wer für das Versprechen von Kollagenaufbau mehr bezahlt, bezahlt für etwas, das die Creme nicht leisten kann.
Enthält The Duo Kollagen
Nein. The Duo ist vegan und enthält weder Kollagen noch Kollagen-Peptide oder andere Peptide. Feuchtigkeit liefern Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen und Vielfachzucker wie Tamarindensamen-Polysaccharid, die Creme unterstützt die Hautbarriere mit Ceramide NP und Squalan. Wenn du eine Kollagen-Creme vor allem wegen der Feuchtigkeit verwendest, deckt The Duo mit Serum und Creme diese Aufgabe ohne tierische Rohstoffe ab.
Quellen
- Bos JD, Meinardi MM. The 500 Dalton rule for the skin penetration of chemical compounds and drugs. Experimental Dermatology, 2000. Quelle
- Coapman SD, Lichtin JL, Sakr A, Schiltz JR. Studies of the penetration of native collagen, collagen alpha chains, and collagen cyanogen bromide peptides through hairless mouse skin in vitro. Journal of the Society of Cosmetic Chemists, 1988. Quelle
- Aguirre-Cruz G, León-López A, Cruz-Gómez V, Jiménez-Alvarado R, Aguirre-Álvarez G. Collagen Hydrolysates for Skin Protection: Oral Administration and Topical Formulation. Antioxidants, 2020. Quelle
- Varani J, Dame MK, Rittie L, Fligiel SE, Kang S, Fisher GJ, et al. Decreased collagen production in chronologically aged skin: roles of age-dependent alteration in fibroblast function and defective mechanical stimulation. American Journal of Pathology, 2006. Quelle
- Pullar JM, Carr AC, Vissers MCM. The Roles of Vitamin C in Skin Health. Nutrients, 2017. Quelle
