Vitamine in der Gesichtspflege: welche in Creme und Serum wirklich wirken

WIRKSTOFFE

In der Gesichtspflege sind vier Vitamine am besten untersucht: Vitamin A als Retinol, Vitamin B3 als Niacinamid, Vitamin C und Vitamin E. Dazu kommt Panthenol als Provitamin B5 für trockene und gereizte Haut. Entscheidend ist nicht, wie viele Vitamine auf der Packung stehen, sondern welche Form drin ist, in welcher Konzentration und ob sie in der Creme stabil bleibt. Eine gute Routine braucht davon zwei bis drei, nicht alle.

Welche Vitamine wirken in der Gesichtspflege?

Von aussen aufgetragen wirken in der Gesichtspflege vor allem Vitamin A, B3, C und E sowie das Provitamin B5, weil für sie Studien mit Anwendung auf der Haut vorliegen. Jedes davon hat eine eigene Aufgabe: Retinol beeinflusst über Wochen die Hauterneuerung, Niacinamid unterstützt die Barriere und ein ebenmässigeres Hautbild, Vitamin C und Vitamin E fangen freie Radikale ab, Panthenol bindet Wasser und unterstützt die Hautbarriere. Andere Vitamine tauchen zwar auf Etiketten auf, etwa Vitamin K, D oder F, die Datenlage für die Anwendung im Gesicht ist bei ihnen aber dünn oder der Begriff ist kein Vitamin im engen Sinn. Vitamin F zum Beispiel ist ein alter Sammelname für ungesättigte Fettsäuren. Wichtig ist auch die Unterscheidung zur Ernährung: Vitamine in der Creme ersetzen keine ausgewogene Ernährung, und Tabletten mit Biotin oder Vitamin-Komplexen gleichen höchstens einen Mangel aus. Ob du einen hast, klärt deine Hausärztin oder dein Hausarzt mit einer Blutuntersuchung, nicht ein Hautpflege-Ratgeber.

Eine Übersichtsarbeit in der Zeitschrift Nutrients hält dazu etwas Ehrliches fest: Gesunde Haut enthält von Natur aus viel Vitamin C, doch wie wirksam die Anwendung von aussen im Vergleich zur Versorgung über die Ernährung ist, sei noch wenig verstanden. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf Form und Konzentration statt auf die reine Vitaminliste.

Welche Vitamine stecken in Gesichtscremes und wie erkennst du sie?

In Gesichtscremes und Seren stecken meist Niacinamid, Vitamin C, Vitamin E und Panthenol, seltener Retinol, und in der Zutatenliste erkennst du sie an ihren INCI-Namen wie Niacinamide, Tocopherol oder Panthenol. Das Wort «Vitamin» taucht dort fast nie auf. Wirken können sie nur, wenn die Form in die Hornschicht gelangt und die Menge der entspricht, die in Studien einen Effekt gezeigt hat. Die folgende Übersicht ordnet die fünf wichtigsten Kandidaten ein. Die Einzelheiten zu Wirkung, Dauer und Konzentration stehen in den jeweiligen Ratgebern zu Vitamin C, zu Niacinamid (Vitamin B3), zu Vitamin E und zu Panthenol (Provitamin B5). Hier geht es um den Überblick: was wofür zuständig ist und was du davon wirklich brauchst.

Vitamin So steht es in der INCI Aufgabe in der Pflege In The Duo
Vitamin A Retinol, Retinal, Retinyl Palmitate Hauterneuerung, feine Linien Nein, stattdessen Bakuchiol in der Creme
Vitamin B3 Niacinamide Hautbarriere, ebenmässigeres Hautbild Ja, 5% im Duo gesamt
Provitamin B5 Panthenol Feuchtigkeit, Barriere Ja, ohne Prozentangabe
Vitamin C Ascorbic Acid, 3-O-Ethyl Ascorbic Acid, Sodium Ascorbyl Phosphate Antioxidans, Ausstrahlung, Pigmentflecken Ja, 2% als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure im Duo gesamt
Vitamin E Tocopherol, Tocopheryl Acetate Schützt Hautlipide und Öle der Formel Ja, als Tocopherol

Wie Niacinamid, Vitamin C, Vitamin E und Panthenol in zwei Produkten zusammenspielen, siehst du in der Wirkstoffliste von The Duo mit Serum und Creme.

Welche Vitamin-Formen sind in Cremes stabil?

Stabil in Cremes sind vor allem Niacinamid, Panthenol und die Ester- oder Ether-Formen von Vitamin C, während reine Ascorbinsäure und Retinol empfindlich auf Licht, Luft und Wärme reagieren. Eine Übersichtsarbeit im Journal of Cosmetic Dermatology beschreibt genau dieses Problem für Vitamin C: Die wasserlösliche Ascorbinsäure ist instabil und schwer in die Haut zu bringen, was Formulierer seit Jahren vor Aufgaben stellt. Deshalb gibt es abgewandelte Formen wie 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure oder Sodium Ascorbyl Phosphate, die in der Flasche länger halten. Der Preis dafür: Sie sind weniger umfangreich untersucht als reine Ascorbinsäure, und manche davon muss die Haut erst in die aktive Form umwandeln. Bei Vitamin E ist Tocopherol die aktive Form, Tocopheryl Acetate die lagerstabilere Vorstufe. Retinol gilt als licht- und luftempfindlich, weshalb es in Airless-Spendern oder lichtdichten Tuben besser aufgehoben ist als in einem offenen Tiegel. Für dich als Anwenderin heisst das: Ein Vitamin-C-Produkt, das sich nach Wochen gelb oder braun verfärbt, hat in der Regel bereits einen Teil seines Wirkstoffs verloren.

Achte bei Vitamin C und Retinol auf die Verpackung. Pumpspender, dunkles Glas oder Tuben schützen besser als offene Tiegel, und das PAO-Symbol auf der Packung zeigt dir, wie lange das Produkt nach dem Öffnen verwendet werden sollte.

Welche Vitamine helfen bei trockener Haut?

Bei trockener Haut helfen von aussen vor allem Panthenol, Niacinamid und Vitamin E, weil sie an der Barriere ansetzen und nicht nur an der Oberfläche. Panthenol bindet Wasser in der Hornschicht. Eine Übersichtsarbeit im Journal of Dermatological Treatment fasst zusammen, dass mehrere Studien die feuchtigkeitsspendende und barrierestärkende Wirkung von Dexpanthenol bestätigt haben, und beschreibt, dass es die Beweglichkeit wichtiger Bestandteile der Hornschicht erhöht. Niacinamid unterstützt die körpereigene Bildung von Barrierefetten. Vitamin E ist fettlöslich und schützt Hautlipide und pflanzliche Öle vor dem Ranzigwerden. Vitamin C und Retinol sind dagegen keine Trockenheitswirkstoffe, Retinol kann trockene Haut zu Beginn sogar zusätzlich austrocknen. Wer bei trockener Haut nach einem fehlenden Vitamin sucht, landet schnell bei Tabletten. Oft steckt hinter trockener Gesichtshaut aber eine geschwächte Barriere durch Heizungsluft, Kälte, heisses Wasser oder zu kräftige Reinigung. Dann setzt Pflege von aussen direkter an als eine Tablette, und ohne pflegende Fette wie Ceramide oder Squalan bleibt auch ein gutes Vitamin ein halber Schritt.

Welche Vitamine sind für reife Haut am besten belegt?

Für reife Haut sind Retinol und Niacinamid am besten belegt, Vitamin C ergänzt die beiden als Antioxidans für ein frischeres, ebenmässigeres Hautbild. Eine Studie in der Zeitschrift Dermatologic Surgery liess 50 Frauen mit Zeichen von Lichtalterung zweimal täglich 5% Niacinamid auf eine Gesichtshälfte und eine wirkstofffreie Grundlage auf die andere auftragen, zwölf Wochen lang. Auf der Niacinamid-Seite zeigten sich weniger feine Linien, weniger Pigmentflecken, weniger rötliche Flecken und eine weniger fahle Haut, die Elastizität verbesserte sich messbar. Für Retinol zeigte eine Studie in den Archives of Dermatology an 36 Personen mit einem Durchschnittsalter von 87 Jahren, dass eine Lotion mit 0.4 Prozent Retinol, bis zu dreimal pro Woche aufgetragen, nach 24 Wochen feine Fältchen am Arm signifikant verbesserte. Retinol ist damit gut belegt, aber nicht für jede empfindliche Haut die erste Wahl. Welcher der beiden Wirkstoffe zuerst passt, erklärt der Ratgeber Vitamin C oder Retinol.

Vitamin C wird oft mit Kollagen in Verbindung gebracht, weil die Haut es für die eigene Kollagenbildung braucht. Das ist ein anderer Weg als eine Kollagen-Creme, die Kollagen von aussen aufträgt. Auch Coenzym Q10 in der Creme wird oft für ein Vitamin gehalten, ist aber keines, sondern ein körpereigenes Antioxidans mit eigener Studienlage.

Wie viele Vitamin-Produkte braucht deine Routine?

Deine Routine braucht kein eigenes Produkt pro Vitamin, meist reichen zwei Produkte, die die wichtigsten Vitamine sinnvoll aufteilen. Vitamin C und Niacinamid sind wasserlöslich und passen gut in ein leichtes Serum, das fettlösliche Vitamin E fühlt sich in Formeln mit Ölen und Fetten wohl. Wer drei Seren, eine Vitamin-C-Ampulle und eine Vitamin-Creme übereinander schichtet, erhöht vor allem das Risiko für Reizungen und die Kosten, selten die Wirkung. So prüfst du, ob deine Routine schon genug Vitamine enthält:

  1. Zutatenlisten nebeneinanderlegen und die INCI-Namen aus der Tabelle oben markieren.
  2. Doppelte Vitamine streichen: Steht Niacinamide in zwei Produkten, bringt das zweite meist wenig zusätzlich.
  3. Nach Konzentrationen suchen: Eine offengelegte Prozentangabe sagt mehr als «mit Vitamin-Komplex».
  4. Retinol und starke Säuren getrennt halten, solange deine Haut noch nicht daran gewöhnt ist.
  5. Tagsüber an Sonnenschutz denken, denn kein Vitamin ersetzt ihn.

Ich habe in The Duo Vitamin C, Niacinamid, Vitamin E und Panthenol auf zwei Produkte verteilt und für die beiden Hauptwirkstoffe die Konzentrationen offengelegt: 5% Niacinamid und 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure, gerechnet auf das Duo als Ganzes. Die stabile Vitamin-C-Form habe ich gewählt, weil ein Produkt nichts bringt, dessen Wirkstoff nach ein paar Wochen in der Flasche oxidiert. Retinol habe ich bewusst weggelassen und in der Creme Bakuchiol eingesetzt, weil sich The Duo vor allem an empfindliche und reife Haut richtet. Was das Duo nicht kann: einen Vitaminmangel ausgleichen oder Sonnenschutz ersetzen. Vitamintabletten verkaufen wir nicht, und einen Lichtschutzfaktor haben die beiden Produkte nicht. Welche Rolle jeder einzelne Wirkstoff spielt, erklärt unsere Übersicht aller Wirkstoffe in The Duo.

Häufige Fragen

Ist Niacinamid ein Vitamin

Ja, Niacinamid ist eine Form von Vitamin B3, auch Nicotinamid genannt. In der Hautpflege ist es einer der am besten untersuchten Wirkstoffe, weil es gut verträglich und in Cremes stabil ist. Es unterstützt die Hautbarriere und kann das Erscheinungsbild von Rötungen und Pigmentflecken mildern. Gut untersucht ist es in Konzentrationen um 5%.

Ist Panthenol Vitamin B5

Panthenol ist die Vorstufe von Vitamin B5, deshalb heisst es Provitamin B5. Die Haut wandelt es in Pantothensäure um, das eigentliche Vitamin. Panthenol wird in Pflegeprodukten verwendet, weil es Wasser bindet, sehr gut verträglich ist und leichter in die Haut gelangt als die Pantothensäure selbst. Es eignet sich besonders für trockene und gereizte Haut.

Ist Vitamin A in Cremes dasselbe wie Retinol

Nicht ganz. Vitamin A ist der Oberbegriff für eine ganze Gruppe, die Retinoide. Retinol ist eine davon und in Kosmetik verbreitet. Retinyl Palmitate ist eine mildere, schwächere Vorstufe, Retinal eine stärkere. Tretinoin, die Vitamin-A-Säure, ist ein Arzneimittel und gehört in ärztliche Hand. Steht nur «Vitamin A» auf der Packung, verrät erst die INCI, welche Form drin ist.

Sind Antioxidantien und Vitamine dasselbe

Nein. Manche Vitamine sind Antioxidantien, vor allem Vitamin C und Vitamin E. Niacinamid, Panthenol und Retinol wirken in der Haut aber hauptsächlich auf anderen Wegen. Umgekehrt sind viele Antioxidantien keine Vitamine, etwa Coenzym Q10, Ferulasäure oder Polyphenole aus Pflanzenextrakten wie Resveratrol oder Grüntee-Extrakt. «Reich an Antioxidantien» sagt deshalb noch nichts über den Vitamingehalt.

Kann ich zu viele Vitamine auf die Haut auftragen

Eine Überdosierung wie bei Tabletten ist bei Hautpflege kaum ein Thema, eine Überforderung der Haut schon. Wer Retinol, hoch dosiertes Vitamin C und mehrere Wirkstoffseren gleichzeitig verwendet, riskiert Rötungen, Brennen und Schuppung. Dasselbe Vitamin in drei Produkten bringt selten mehr als in einem. Lieber zwei gut dosierte Produkte als fünf überlappende.

Sind Provitamine schwächer als Vitamine

Nicht grundsätzlich. Ein Provitamin ist eine Vorstufe, die die Haut erst in die aktive Form umwandelt. Bei Panthenol ist das ein Vorteil, weil es besser in die Haut gelangt als Pantothensäure. Bei Vitamin A ist es anders: Der Ester Retinyl Palmitate muss mehrere Umwandlungsschritte durchlaufen und wirkt deutlich milder als Retinol. Ob eine Vorstufe sinnvoll ist, hängt also vom einzelnen Vitamin ab.

Welche Vitamine stecken in The Duo

The Duo enthält Vitamin B3 als Niacinamid mit 5% und Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure mit 2%, beides gerechnet auf Serum und Creme zusammen. Dazu kommen Vitamin E als Tocopherol und Provitamin B5 als Panthenol, ohne Prozentangabe. Vitamin A in Form von Retinol ist bewusst nicht enthalten, in der Creme steckt stattdessen Bakuchiol. Mehr zu Serum und Creme findest du bei The Duo.

Quellen

  1. Pullar JM, Carr AC, Vissers MCM. The Roles of Vitamin C in Skin Health. Nutrients, 2017. Quelle
  2. Stamford NP. Stability, transdermal penetration, and cutaneous effects of ascorbic acid and its derivatives. Journal of Cosmetic Dermatology, 2012. Quelle
  3. Proksch E, de Bony R, Trapp S, Boudon S. Topical use of dexpanthenol: a 70th anniversary article. Journal of Dermatological Treatment, 2017. Quelle
  4. Bissett DL, Oblong JE, Berge CA. Niacinamide: A B vitamin that improves aging facial skin appearance. Dermatologic Surgery, 2005. Quelle
  5. Kafi R, Kwak HS, Schumacher WE, Cho S, Hanft VN, Hamilton TA et al. Improvement of naturally aged skin with vitamin A (retinol). Archives of Dermatology, 2007. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin