Grüner Tee auf der Haut: was Grüntee-Extrakt und EGCG wirklich bewirken
WIRKSTOFFE
Grüner Tee wirkt auf der Haut vor allem als Antioxidans: Sein wichtigster Polyphenol-Bestandteil EGCG kann freie Radikale abfangen, hat im Experiment UV-bedingte Rötungen gemindert und in kleinen Studien Hinweise auf weniger Talg geliefert. In einer normalen Creme ist davon aber oft wenig übrig, weil EGCG empfindlich auf pH-Wert, Wärme und Sauerstoff reagiert und der Gehalt fast nie deklariert wird. Grüntee-Extrakt ist deshalb ein sinnvoller Begleitstoff, aber kein Wirkstoff, um den du eine Routine bauen musst.
Was bewirkt grüner Tee auf der Haut?
Grüner Tee bringt vor allem eine Gruppe von Pflanzenstoffen auf die Haut, die Catechine, und die können oxidativen Stress abfangen, der durch UV-Licht und Luftschadstoffe entsteht. Der bekannteste und am besten untersuchte Vertreter ist Epigallocatechingallat, kurz EGCG. Daneben enthält ein Grüntee-Auszug weitere Catechine, etwas Koffein und je nach Herstellung unterschiedlich viel Gerbstoff. Auf der INCI-Liste steht das meist als Camellia Sinensis Leaf Extract, ohne Angabe, wie viel EGCG am Ende tatsächlich darin steckt. Kosmetisch heisst das: Grüntee kann eine Formel antioxidativ ergänzen, wie viel davon im fertigen Produkt noch wirkt, ist aber selten belegt. Er ist zudem kein Vitamin und ersetzt keinen Wirkstoff mit klar dosierter Menge. Wenn du verstehen willst, welche Vitamine in der Gesichtspflege wirklich wirken und wie sich Antioxidantien davon unterscheiden, lohnt der Blick auf diese Grundlagen, bevor du ein weiteres Produkt dazunimmst.
Viele Versprechen rund um grünen Tee im Gesicht, von «strafft» bis «verkleinert Poren», gehen weit über das hinaus, was Studien zur Anwendung auf der Haut belegen. Der Teebeutel auf geschwollenen Augen ist übrigens ein eigenes Thema und hat mit EGCG in einer Creme wenig zu tun.
Was ist EGCG, und warum ist es in Cremes so schwer stabil zu halten?
EGCG ist ein Polyphenol, das sehr leicht oxidiert, und genau diese Reaktionsfreude, die es zum Antioxidans macht, macht es in einer Creme instabil. Eine Übersichtsarbeit in Phytotherapy Research von einer Arbeitsgruppe der Technischen Universität München hat die Stabilität von EGCG für die Anwendung auf der Haut zusammengetragen. Ergebnis: Höhere EGCG-Konzentrationen, tiefe Temperaturen und tiefe pH-Werte hängen mit besserer Stabilität zusammen. Die Autorinnen und Autoren halten zugleich fest, dass das Molekül instabil ist und das seine dermatologische und kosmetische Anwendung bremsen kann, und dass über Wechselwirkungen mit üblichen Kosmetik-Inhaltsstoffen nur wenig bekannt ist.
Für dich bedeutet das: Ein Grüntee-Extrakt in einer neutralen, wasserreichen Creme, die monatelang offen im warmen Bad steht, hat andere Bedingungen als eine Laborlösung. Eine Verfärbung ins Bräunliche kann ein Hinweis auf Oxidation sein. Dieselbe Stabilitätsfrage stellt sich bei Vitamin C, weshalb es dort stabilere Formen gibt. Wie das bei Vitamin C und Vitamin E als Antioxidantien-Duo funktioniert, ist ein eigenes Thema. Ähnliche Fragen stellen sich auch bei Ferulasäure oder Resveratrol.
Was zeigen Studien zu Grüntee-Extrakt auf der Haut, und was nicht?
Die Studien zeigen, dass Grüntee-Polyphenole auf der Haut unter Laborbedingungen messbare Effekte haben, im Pflegealltag aber kaum sichtbare Unterschiede belegt sind. Im Journal of the American Academy of Dermatology trugen Forschende einen Grüntee-Extrakt oder einzelne Bestandteile auf die Haut von Freiwilligen auf und bestrahlten die Stellen 30 Minuten später mit simuliertem Sonnenlicht. Der Extrakt hemmte die Rötung dosisabhängig, am wirksamsten waren die Fraktionen EGCG und ECG. Behandelte Haut zeigte zudem weniger Sonnenbrandzellen und weniger UV-bedingte DNA-Schäden.
Eine placebokontrollierte Studie in Dermatologic Surgery fällt nüchterner aus. 40 Frauen mit mässiger Lichtalterung erhielten acht Wochen lang eine 10%ige Grüntee-Creme plus zweimal täglich 300 mg Grüntee als Kapsel, oder Placebo. Klinisch, also von aussen beurteilt, fand sich kein signifikanter Unterschied zur Placebogruppe, dafür gab die Grüntee-Gruppe höhere Irritationswerte an. Nur unter dem Mikroskop zeigte sich mehr elastisches Gewebe. Weil Creme und Kapsel kombiniert wurden, lässt sich zudem nicht trennen, was die Creme allein beigetragen hat.
- Belegt: Grüntee-Polyphenole können UV-bedingte Rötung im Experiment abschwächen, wenn sie kurz vor der Bestrahlung aufgetragen werden.
- Belegt: EGCG ist chemisch instabil, was die Wirkung im fertigen Produkt begrenzen kann.
- Nicht belegt: dass eine handelsübliche Creme mit Grüntee-Extrakt sichtbar Falten mildert.
- Nicht belegt: dass Grüntee einen Sonnenschutz ersetzt. Dafür brauchst du separaten Sonnenschutz fürs Gesicht.
Hilft grüner Tee bei Rötungen und fettiger, unreiner Haut?
Bei fettiger, unreiner Haut gibt es erste Hinweise, dass aufgetragene Tee-Polyphenole die Talgbildung reduzieren können, bei Rötungen fehlen belastbare Daten, und in beiden Fällen ist die Studienlage dünn. Eine Übersichtsarbeit in Antioxidants fand von 59 Studien nur acht, die die Einschlusskriterien erfüllten, sieben davon zur Anwendung auf der Haut. Das Autorenteam bleibt vorsichtig: Es gebe einige Hinweise auf einen Nutzen, viele Studien seien aber klein und teils ohne Kontrollgruppe gewesen. Eine randomisierte Split-Face-Studie im Journal of Investigative Dermatology testete isoliertes EGCG acht Wochen lang bei Akne und berichtete eine signifikante Verbesserung bei guter Verträglichkeit. Das war eine Studienformulierung mit reinem EGCG, nicht eine Pflegecreme, in der Grüntee-Extrakt irgendwo hinten in der Liste steht. Akne gehört bei anhaltenden oder schmerzhaften Pickeln zur Fachperson. Was eine ruhige Pflege bei unreiner Haut ausmacht, hängt an mehr als einem Pflanzenextrakt.
Bei Rötungen ist die Lage noch unklarer. Die Daten zu UV-bedingter Rötung im Experiment lassen sich nicht auf dauerhafte Rötungen im Alltag übertragen, und Rosazea ist ein Krankheitsbild, das eine Dermatologin abklären sollte. Kosmetisch ist Grüntee hier höchstens ein Begleiter. Mehr dazu, was Pflege bei Rötungen im Gesicht leisten kann, findest du in einem eigenen Beitrag.
Woran erkennst du auf der INCI-Liste, wie viel Grüntee drin ist?
Wie viel Grüntee wirklich drin ist, erkennst du auf der INCI-Liste nur grob, weil dort der Pflanzenname steht, aber nie der EGCG-Gehalt. Die Reihenfolge der Inhaltsstoffe richtet sich nach der Menge, allerdings nur bis zu einer niedrigen Schwelle; darunter dürfen Stoffe in beliebiger Reihenfolge stehen. Steht Camellia Sinensis Leaf Extract also hinter Konservierungsmitteln und Duftstoffen, ist er sehr wahrscheinlich nur in kleiner Menge enthalten. Zudem sagt «Extrakt» nichts darüber, mit welchem Lösungsmittel und in welchem Verhältnis er hergestellt wurde. Hilfreich ist die Form, die deklariert ist:
| Angabe auf der INCI | Was es aussagt | Stabilität |
|---|---|---|
| Camellia Sinensis Leaf Extract | Auszug aus Grünteeblättern, Catechin-Gehalt unbekannt | Hängt stark von Formel, pH-Wert und Verpackung ab |
| Camellia Sinensis Leaf Water | Wässriger Teeauszug, oft als Basis statt Wasser | Eher geringe Wirkstoffmenge, oxidationsanfällig |
| Epigallocatechin Gallate (isoliert) | Isolierter Wirkstoff, Menge nur bekannt, wenn die Marke sie angibt | Am anspruchsvollsten, profitiert von tiefem pH-Wert und dichter Verpackung |
| Camellia Sinensis Leaf Powder (Matcha) | Gemahlene Blätter, eher Farbe und Textur | Gehalt an gelösten Catechinen kaum abschätzbar |
Dasselbe Prinzip gilt für jeden Pflanzenauszug. Wenn du einmal verstanden hast, wie du einen Pflanzenextrakt wie Edelweiss einordnest, liest du auch Grüntee auf der Packung realistischer.
Wann lohnt sich Grüntee-Extrakt, und wann kannst du ihn dir sparen?
Grüntee-Extrakt lohnt sich, wenn er in einem Produkt steckt, das du ohnehin brauchst, und du kannst ihn dir sparen, wenn du dafür ein zusätzliches Serum kaufen müsstest. Ein Antioxidans in der Routine ist sinnvoll, vor allem tagsüber. Entscheidend ist aber nicht, welche Pflanze auf dem Etikett steht, sondern ob ein stabiler Wirkstoff in nachvollziehbarer Menge enthalten ist. Wenn deine Routine das bereits abdeckt, bringt ein eigenes Grüntee-Serum vor allem einen weiteren Schritt.
The Duo aus Serum und Gesichtscreme enthält keinen Grüntee-Extrakt. Die antioxidative Aufgabe übernehmen im Duo 2% Vitamin C als stabile 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und Vitamin E (Tocopherol), ergänzt um Schweizer Pflanzenextrakte wie Edelweiss. Offengelegt sind die Konzentrationen der Hauptwirkstoffe, für die Pflanzenextrakte steht auch bei uns keine Prozentangabe.
- Prüfe, ob deine Routine bereits ein Antioxidans mit offengelegter Konzentration enthält.
- Prüfe, wo Grüntee auf der INCI steht und ob EGCG isoliert oder nur als Extrakt drin ist.
- Prüfe die Verpackung: Tube oder Pumpspender schützen besser vor Luft als ein offener Tiegel.
- Prüfe deine Haut: Reagiert sie auf Pflanzenextrakte mit Brennen oder Rötung, ist weniger mehr.
Ich habe mich gegen Grüntee im Duo entschieden, obwohl er auf vielen Etiketten gut aussieht. Mein Problem ist nicht die Pflanze, sondern die Angabe: Bei einem Extrakt steht auf der Packung nicht, wie viel EGCG darin steckt und wie viel davon nach Monaten noch aktiv ist. Ich wollte für die antioxidative Aufgabe lieber einen Wirkstoff mit offengelegter Konzentration, deshalb 2% Vitamin C in der stabilen 3-O-Ethyl-Form. Zwei Produkte statt acht heisst auch, dass du kein zusätzliches Antioxidans-Serum brauchst. Was das Duo nicht kann: Die Creme enthält keinen Lichtschutzfaktor, tagsüber gehört ein separater Sonnenschutz dazu. Alle Wirkstoffe und ihre Konzentrationen sind offen aufgelistet.
Häufige Fragen
Ist abgekühlter Grüntee als Gesichtswasser sinnvoll
Als Erfrischung kannst du ihn verwenden, als Wirkstoffpflege bringt er wenig. Ein Aufguss enthält zwar Catechine, ist aber nicht konserviert und oxidiert schnell. Bereite ihn deshalb jedes Mal frisch zu und bewahre ihn nicht tagelang auf. Reagiert deine Haut mit Brennen oder Rötung, lass ihn weg.
Ersetzt Grüntee-Extrakt den Sonnenschutz
Nein. Grüntee-Polyphenole haben im Experiment UV-bedingte Rötung abgeschwächt, sie haben aber keinen deklarierten Lichtschutzfaktor und filtern UV-Strahlung nicht wie ein Sonnenschutzmittel. Tagsüber brauchst du einen separaten Sonnenschutz fürs Gesicht, ein Antioxidans kann ihn höchstens ergänzen.
Ist Grüntee-Extrakt für empfindliche Haut geeignet
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Pflanzenextrakte sind Gemische aus vielen Stoffen, und in einer placebokontrollierten Studie gab die Grüntee-Gruppe höhere Irritationswerte an. Teste ein neues Produkt einige Tage an einer kleinen Stelle, etwa am Kieferrand, bevor du es im ganzen Gesicht anwendest.
Ist Matcha in Kosmetik dasselbe wie Grüntee-Extrakt
Nein. Matcha ist fein gemahlenes Blattpulver, ein Extrakt ist ein Auszug aus den Blättern. Pulver in einer Creme oder Maske sorgt oft vor allem für Farbe und Textur, wie viele Catechine sich daraus lösen, lässt sich kaum abschätzen. Für die Wirkung zählt nicht der Name, sondern Form, Menge und Stabilität.
Wirkt grüner Tee trinken genauso wie auftragen
Nein, das sind zwei verschiedene Wege mit unterschiedlicher Studienlage. Grüntee zu trinken ist für die Haut kein Ersatz für Pflege und umgekehrt, und eine Tasse am Tag ist kein Pflegeprogramm.
Kann ich Grüntee-Extrakt mit Vitamin C und Niacinamid kombinieren
Ja, das ist in der Regel unproblematisch. Grüntee-Extrakt, Vitamin C und Niacinamid stecken in vielen Formeln nebeneinander. Wichtiger als die Kombination ist, dass du nicht drei Seren mit überlappender Aufgabe übereinanderschichtest. Ein Produkt mit klar deklarierten Wirkstoffen ist meist sinnvoller als mehrere halbe Lösungen.
Brauche ich ein Grüntee-Serum, wenn ich The Duo benutze
Nein. The Duo enthält keinen Grüntee-Extrakt, deckt die antioxidative Aufgabe aber mit 2% Vitamin C als stabile 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und Vitamin E ab. Ein zusätzliches Grüntee-Serum verlängert die Routine, ohne eine offene Lücke zu schliessen. Tagsüber gehört nach dem Duo aus Serum und Creme noch ein Sonnenschutz dazu.
Quellen
- Elmets CA, Singh D, Tubesing K, Matsui M, Katiyar S, Mukhtar H. Cutaneous photoprotection from ultraviolet injury by green tea polyphenols. Journal of the American Academy of Dermatology, 2001. Quelle
- Chiu AE, Chan JL, Kern DG, Kohler S, Rehmus WE, Kimball AB. Double-blinded, placebo-controlled trial of green tea extracts in the clinical and histologic appearance of photoaging skin. Dermatologic Surgery, 2005. Quelle
- Frasheri L, Schielein MC, Tizek L, Mikschl P, Biedermann T, Zink A. Great green tea ingredient? A narrative literature review on epigallocatechin gallate and its biophysical properties for topical use in dermatology. Phytotherapy Research, 2020. Quelle
- Saric S, Notay M, Sivamani RK. Green Tea and Other Tea Polyphenols: Effects on Sebum Production and Acne Vulgaris. Antioxidants, 2016. Quelle
- Yoon JY, Kwon HH, Min SU, Thiboutot DM, Suh DH. Epigallocatechin-3-gallate improves acne in humans by modulating intracellular molecular targets and inhibiting P. acnes. Journal of Investigative Dermatology, 2013. Quelle
