Hormonersatztherapie und Haut: was HRT an Trockenheit, Falten und Pigment verändert und was nicht

HAUT AB 40

Eine Hormonersatztherapie kann die Haut messbar verändern, aber weniger, als viele hoffen. In Studien wurde die Haut unter HRT teils dicker, kollagenreicher und seltener trocken. Bei sichtbaren Falten fanden zwei grosse placebokontrollierte Studien dagegen keinen Unterschied. Leitlinien stützen eine Hormontherapie allein wegen der Haut nicht, weil belastbare Studien dazu fehlen. Die Entscheidung gehört in die gynäkologische Sprechstunde, und eine einfache, reizarme Pflege bleibt auch mit Hormonen sinnvoll.

Verbessert eine Hormonersatztherapie die Haut?

Eine Hormonersatztherapie kann einzelne Eigenschaften der Haut verbessern, vor allem Dicke, Feuchtigkeit und Kollagengehalt, sie stellt aber nicht den Zustand vor der Menopause wieder her. Der Hintergrund in zwei Sätzen: Östrogen unterstützt in der Haut die Bildung von Kollagen und die Fähigkeit, Wasser zu binden. Sinkt der Spiegel, wird die Haut trockener und dünner, ausführlich erklärt im Artikel darüber, warum in den Wechseljahren plötzlich Falten kommen. Eine HRT setzt genau an diesem Mangel an, deshalb ist die Hoffnung auf bessere Haut naheliegend.

Die deutschsprachige S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause von 2018 hält fest, dass unter einer HRT die Kapazität für die Wasserretention und die Barrierefunktion der Haut verbessert werden. Im selben Abschnitt steht aber auch, dass die Wirkung einer HRT auf die Haut trotz vieler Studien nicht endgültig geklärt ist und eine kurzfristige HRT keine gesicherten dermatologischen Effekte hat. Für dich heisst das: Ein Teil der Veränderungen kann sich bessern, ein anderer bleibt. Sonne, Rauchen, Veranlagung und die Jahre davor wirken weiter. Welche Veränderungen schon vor der letzten Periode beginnen, steht im Artikel über Hautveränderungen in der Perimenopause.

Was zeigen Studien zu HRT, Hautdicke, Kollagen und Feuchtigkeit?

Studien zeigen bei Hautdicke, Kollagen und Feuchtigkeit überwiegend positive Messwerte, allerdings nicht einheitlich. Eine Übersichtsarbeit von 2025 im Journal of Cosmetic Dermatology hat die Literatur dazu zusammengetragen. Sie beschreibt eine randomisierte, placebokontrollierte Studie an 60 Frauen nach der Menopause, in der zwölf Monate systemische Östrogengabe die Hautdicke um 11.5 Prozent und die Dicke der Lederhaut um 33 Prozent erhöhten. In einer anderen Studie stieg der Kollagengehalt der Lederhaut nach sechs Monaten HRT um 6.49 Prozent. Eine grosse US-Bevölkerungserhebung mit 3875 Frauen nach der Menopause fand bei Östrogeneinnahme seltener trockene Haut, mit einer Odds Ratio von 0.76.

Dieselbe Übersicht nennt aber auch eine Studie, in der ein Jahr HRT weder die Kollagenmenge noch die Bildungsrate veränderte, und fasst zusammen: Die meisten Studien zeigen positive Zusammenhänge, die Ergebnisse sind aber teils widersprüchlich. Zwei Punkte helfen bei der Einordnung. Ein Messwert wie die Hautdicke im Ultraschall ist nicht dasselbe wie das, was du im Spiegel siehst. Und Beobachtungsdaten zeigen Zusammenhänge, keine Ursachen, denn Frauen mit HRT unterscheiden sich oft auch in Lebensstil und medizinischer Betreuung.

Thema Was HRT verändern kann Was HRT nicht verändert Was Pflege beiträgt
Trockenheit In Beobachtungsdaten seltener trockene Haut Trockene Heizungsluft, zu scharfe Reinigung Feuchthaltestoffe und Lipide wie Hyaluronsäure und Ceramide
Hautdicke und Kollagen In einzelnen Studien messbar mehr Lichtschäden aus früheren Jahrzehnten Täglicher Sonnenschutz gegen weitere UV-Schäden
Falten In zwei grossen Studien kein Unterschied zu Placebo Mimikfalten und tiefe Falten Haut wirkt praller und geschmeidiger, tiefe Falten bleiben
Pigmentflecken Kein belegter Nutzen, Hormone können neue Verfärbungen begünstigen Bestehende Sonnenflecken Sonnenschutz, Vitamin C und Niacinamid für ein ebenmässigeres Hautbild
Empfindlichkeit Kein belegter Schutz vor Reizung durch Produkte Reaktionen auf zu viele Wirkstoffe Wenige, parfumfreie Produkte

Wenn deine Haut eher papierartig wirkt und schneller verletzlich ist, lohnt der Artikel über dünne Haut im Gesicht, denn dort geht es darum, was Pflege bei dieser Hautstruktur realistisch leisten kann.

Wirkt eine Hormontherapie gegen Falten?

Gegen sichtbare Falten hat eine Hormontherapie in den beiden aussagekräftigsten Studien nicht gewirkt. In einer randomisierten, doppelblinden Studie im Journal of the American Academy of Dermatology erhielten 485 Frauen nach der Menopause 48 Wochen lang eine niedrig dosierte Kombination aus Östrogen und Gestagen oder ein Placebo. Bei feinen und groben Gesichtsfalten gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zur Placebogruppe. Die Forschenden schreiben selbst, dass höhere Dosen, eine längere Dauer oder ein Beginn in der Perimenopause damit nicht beurteilt sind.

Einen frühen Beginn prüfte die KEEPS-Studie in Fertility and Sterility: Frauen zwischen 42 und 58 Jahren, deren letzte Periode höchstens 36 Monate zurücklag, bekamen vier Jahre lang Östrogen als Tablette, Östradiol über die Haut oder ein Placebo. Weder der Faltenwert noch die Steifigkeit der Haut unterschieden sich zwischen den Gruppen. Den stärksten Zusammenhang mit der Hautalterung zeigte in dieser Studie die ethnische Herkunft, nicht die Hormone. Die US-Bevölkerungserhebung fand bei Östrogeneinnahme zwar auch seltener Falten, zeigt aber nur einen Zusammenhang, keine Ursache. Und die S3-Leitlinie erwähnt Hinweise, dass eine perimenopausal begonnene HRT Alterungserscheinungen der Haut reduzieren kann. Ein verlässliches Mittel gegen Falten ist sie nach den vorliegenden Studien aber nicht.

Welche Hautveränderungen können unter einer Hormontherapie auftreten?

Unter einer Hormontherapie können an der Haut auch unerwünschte Veränderungen auftreten, meist harmlos, aber immer erwähnenswert beim nächsten Termin. Welche das sind, hängt von Präparat, Form und Dosis ab, und genau deshalb gehört die Beurteilung in die Praxis, die dir die Therapie verschrieben hat. Diese Veränderungen werden am häufigsten genannt:

  • Rötung, Juckreiz oder Ausschlag an der Klebestelle eines Pflasters oder dort, wo ein Gel aufgetragen wird. Ärztlich ansprechen, bevor du selbst mit Cremes dagegen arbeitest.
  • Neue bräunliche Flecken auf Wangen, Stirn oder Oberlippe, die an Melasma erinnern. Hormone gelten als ein möglicher Auslöser, Sonne verstärkt sie. In der Sprechstunde ansprechen und dermatologisch abklären lassen.
  • Fettigere Haut oder neue Unreinheiten, je nach Gestagen, weil manche Gestagene eine androgene Restwirkung haben. In der Praxis ansprechen, statt die Haut mit scharfen Produkten auszutrocknen.
  • Trockenheit oder Juckreiz, die trotz Therapie bleiben. Das heisst nicht automatisch, dass etwas schiefläuft, ist aber erwähnenswert, wenn es dich im Alltag stört.

Flecken, die sich verändern, wachsen, bluten oder anders aussehen als die übrigen, gehören unabhängig von der Therapie zur Dermatologin. Wie du harmlose Verfärbungen einordnest und was Pflege dort leisten kann, steht im Artikel über Pigmentflecken im Gesicht.

Wechsle bei einer Reaktion an der Klebestelle nicht auf eigene Faust Präparat, Form oder Dosis. Notiere, wann und wo die Rötung auftritt, und nimm diese Notizen zum nächsten Termin mit.

Warum ist die Haut allein kein Grund für eine Hormonersatztherapie?

Die Haut allein ist kein Grund für eine Hormonersatztherapie, weil der Nutzen für die Haut unsicher ist und die Therapie andere Ziele und eigene Risiken hat. Die S3-Leitlinie empfiehlt, Frauen mit vasomotorischen Beschwerden (etwa Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen) eine HRT anzubieten, nachdem sie über den kurz- und langfristigen Nutzen und die Risiken informiert wurden. Ausgangspunkt sind also Beschwerden, nicht Falten. Die Übersichtsarbeit im Journal of Cosmetic Dermatology formuliert es ebenso klar: Klinische Leitlinien stützen eine HRT allein wegen östrogenmangelbedingter Hautveränderungen nicht, weil robuste Studien dazu fehlen.

Ob eine Hormontherapie für dich in Frage kommt, hängt von deinen Beschwerden, deinem Alter, dem Abstand zur Menopause und deiner Vorgeschichte ab. Diese Nutzen-Risiko-Abwägung gehört in die gynäkologische Sprechstunde, nicht in einen Hautpflege-Ratgeber, und deshalb bewerte ich sie hier auch nicht. Hast du gehört, dass Östrogencremes fürs Gesicht eine Alternative seien, lies den Artikel darüber, was Östrogencremes von hormonfreier Menopause-Pflege unterscheidet. Auch das sind Arzneimittel mit eigener Abwägung.

Wie pflegst du deine Gesichtshaut während einer Hormontherapie?

Während einer Hormontherapie pflegst du deine Gesichtshaut im Grunde wie ohne: mild reinigen, Feuchtigkeit und Lipide zuführen, tagsüber Sonnenschutz. Die Therapie ersetzt keine Pflege, und die Pflege ersetzt keine Therapie. Auch mit HRT wird die Haut nicht wieder wie mit 35. Eine schlanke, reizarme Routine ist gerade dann sinnvoll, wenn die Haut durch Pflaster, Gel oder neue Flecken ohnehin empfindlicher reagiert, denn jede zusätzliche Schicht ist ein weiterer möglicher Reizfaktor.

  1. Reinigen mit Wasser oder einem milden Produkt, ohne Peelingkörner und ohne Alkohol.
  2. Ein Serum mit Feuchthaltestoffen. In The Duo aus Serum und Creme ist das The Essential, mit Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen und Niacinamid (für das Duo mit 5% deklariert).
  3. Eine Creme mit hautverwandten Lipiden für die Barriere. The Shield enthält Ceramide NP, Squalan und Jojobaöl.
  4. Morgens zum Schluss ein separater Sonnenschutz. Wie das zusammenpasst, steht im Artikel über Sonnenschutz, wenn deine Pflege keinen LSF hat.

Ehrlich dazu: The Duo enthält keine Hormone. Die Creme enthält aber Bakuchiol, und in einer Laborstudie in der Fachzeitschrift Phytomedicine zeigte Bakuchiol eine östrogenartige Aktivität. Was das bei der Anwendung auf der Haut bedeutet, ist nicht untersucht. Hast du eine hormonsensible Vorerkrankung, frag in der Sprechstunde nach, bevor du eine Pflege mit Bakuchiol neu einsetzt.

Kosmetik ist kein Hormonersatz, und ich verspreche das auch nicht. The Duo enthält keine Hormone, sondern offen deklarierte Konzentrationen: 5% Niacinamid, 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und 1% Zink PCA, parfumfrei, in zwei Produkten statt acht. Eine Grenze nenne ich bewusst mit: Weil das Bakuchiol in der Creme im Laborversuch östrogenartig wirkt und niemand weiss, was das auf der Haut bedeutet, schreibe ich «ohne Hormone» und nicht «ohne Phytoöstrogene». Einen Lichtschutzfaktor hat die Creme nicht, ein separater Sonnenschutz bleibt nötig. Was genau in beiden Produkten steckt, findest du bei unseren Wirkstoffen mit offengelegten Konzentrationen.

Häufige Fragen

Wie schnell verändert sich die Haut nach Beginn einer Hormontherapie

Eine verlässliche Zeitangabe gibt es nicht. Die Studien, in denen sich Hautdicke oder Kollagen messbar veränderten, liefen über sechs bis zwölf Monate. Die S3-Leitlinie hält fest, dass eine kurzfristige HRT keine gesicherten dermatologischen Effekte hat. Rechne also nicht mit einer sichtbaren Veränderung nach wenigen Wochen, und pflege deine Haut unabhängig davon weiter wie gewohnt.

Kann eine Hormontherapie Pickel oder fettige Haut auslösen

Ja, das ist je nach Präparat möglich. Manche Gestagene haben eine androgene Restwirkung, die die Talgproduktion anregen kann. Treten neue Unreinheiten auf, sprich das ärztlich an, statt die Haut mit austrocknenden Produkten zu bearbeiten. Ob eine Anpassung sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin. Bis dahin reichen eine milde Reinigung und eine leichte Pflege.

Was passiert mit der Haut, wenn ich die Hormontherapie absetze

Für die Haut ist das kaum untersucht. Naheliegend ist, dass Effekte, die an den Östrogenspiegel gebunden sind, nach dem Absetzen nachlassen und sich die Haut dem Zustand ohne Therapie annähert. Wie schnell und wie stark, lässt sich nicht beziffern. Das Absetzen selbst besprichst du mit deiner Ärztin. Pflege und Sonnenschutz führst du einfach weiter, ohne die Routine umzubauen.

Macht es für die Haut einen Unterschied, ob ich Tabletten, Gel oder Pflaster verwende

Bei den Falten zeigte die KEEPS-Studie weder mit Tablette noch mit über die Haut verabreichtem Östradiol einen Unterschied zu Placebo. Der praktische Unterschied liegt an der Auftragestelle: Pflaster und Gel können dort Rötung oder Juckreiz auslösen, Tabletten nicht. Welche Form zu dir passt, hängt vor allem von medizinischen Gründen ab und wird ärztlich entschieden.

Darf ich während einer Hormontherapie Retinol oder Bakuchiol verwenden

Aus Hautsicht spricht eine Hormontherapie nicht grundsätzlich gegen Retinol, die üblichen Regeln gelten aber weiter: niedrig starten, langsam steigern, tagsüber Sonnenschutz. Bei ohnehin trockener Haut ist weniger oft mehr. Bakuchiol gilt als sanftere Alternative, zeigt im Labor aber eine östrogenartige Aktivität, deren Bedeutung auf der Haut nicht untersucht ist. Bei hormonsensibler Vorgeschichte frag vorher ärztlich nach.

Brauche ich mit HRT überhaupt noch eine Anti-Aging-Creme

Eine spezielle Anti-Aging-Creme brauchst du nicht, eine gute Grundpflege schon. Die Studien zeigen, dass eine HRT Falten nicht verlässlich verhindert und Trockenheit nicht vollständig aufhebt. Was die Haut täglich braucht, sind Feuchtigkeit, Lipide für die Barriere und Sonnenschutz. Ob Anti-Aging auf der Packung steht, ist dafür weniger wichtig als eine kurze, verträgliche Wirkstoffliste.

Kann ich The Duo während einer Hormontherapie verwenden

Ja, aus kosmetischer Sicht spricht nichts dagegen: The Duo enthält keine Hormone, Serum und Creme kommen morgens und abends nach der Reinigung auf die Haut. Wegen des Bakuchiols in der Creme gilt bei einer hormonsensiblen Vorerkrankung: vorher bei deiner Gynäkologin nachfragen. Tagsüber brauchst du zusätzlich Sonnenschutz, denn The Duo hat keinen LSF.

Quellen

  1. Viscomi B, Muniz M, Sattler S. Managing Menopausal Skin Changes: A Narrative Review of Skin Quality Changes, Their Aesthetic Impact, and the Actual Role of Hormone Replacement Therapy in Improvement. Journal of Cosmetic Dermatology, 2025. Quelle
  2. Phillips TJ, Symons J, Menon S; HT Study Group. Does hormone therapy improve age-related skin changes in postmenopausal women? A randomized, double-blind, double-dummy, placebo-controlled multicenter study assessing the effects of norethindrone acetate and ethinyl estradiol in the improvement of mild to moderate age-related skin changes in postmenopausal women. Journal of the American Academy of Dermatology, 2008. Quelle
  3. Owen CM, Pal L, Mumford SL, Freeman R, Isaac B, McDonald L, et al. Effects of hormones on skin wrinkles and rigidity vary by race/ethnicity: four-year follow-up from the ancillary skin study of the Kronos Early Estrogen Prevention Study. Fertility and Sterility, 2016. Quelle
  4. Lim SH, Ha TY, Ahn J, Kim S. Estrogenic activities of Psoralea corylifolia L. seed extracts and main constituents. Phytomedicine, 2011. Quelle
  5. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) et al. Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 015-062, Version 2.0, 2018. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin