Wechseljahre-Creme ohne Hormone: was Menopause-Kosmetik, Phytoöstrogene und Östrogencremes unterscheidet
HAUT AB 40
Eine Wechseljahre-Creme ohne Hormone ist im Grunde jede normale Gesichtscreme: Kosmetik darf in der Schweiz und der EU keine Östrogene, Gestagene oder androgen wirkenden Stoffe enthalten. «Ohne Hormone» beschreibt deshalb eine Selbstverständlichkeit. Cremes mit Östrogen sind Arzneimittel und gehören in die gynäkologische Sprechstunde. Phytoöstrogene sind Pflanzenstoffe, die im Labor hormonähnlich wirken können, aber keine Hormone sind. Für deine Kaufentscheidung zählen offen deklarierte Wirkstoffe mehr als das Etikett «Menopause».
Was unterscheidet eine hormonfreie Wechseljahre-Creme von einer Östrogencreme?
Eine hormonfreie Wechseljahre-Creme ist Kosmetik und pflegt die Hautoberfläche, eine Östrogencreme ist ein Arzneimittel mit einem Hormon als Wirkstoff. Der Unterschied ist also nicht eine Frage der Stärke, sondern der Kategorie. Kosmetik ist dafür da, die Haut zu reinigen, zu pflegen, zu schützen und ihr Erscheinungsbild zu verbessern. Ein Arzneimittel soll eine Körperfunktion beeinflussen und braucht dafür eine Zulassung. Die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel führt in ihrem Anhang II die Stoffe auf, die in Kosmetik verboten sind. Darunter stehen ausdrücklich Östrogene, Gestagene und Stoffe mit androgener Wirkung. Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gilt diese Verordnung gestützt auf Artikel 54 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung auch für die Schweiz. Eine Creme aus dem Kosmetikregal kann also keine Hormone enthalten, egal wie sie heisst. Dass das Thema trotzdem so viele Frauen beschäftigt, hat einen realen Hintergrund: Eine Übersichtsarbeit in Dermato-Endocrinology beschreibt, dass der Östrogenmangel nach der Menopause die Haut dünner, trockener und weniger elastisch macht.
| Produkt | Enthält Hormone | Einordnung | Erkennbar an | Wer entscheidet |
|---|---|---|---|---|
| Östrogencreme | Ja, ein Östrogen als Wirkstoff | Arzneimittel | Zulassungsnummer, Packungsbeilage, Wirkstoff mit Mengenangabe | Gynäkologin oder Gynäkologe |
| «Menopause»-Kosmetik | Nein | Kosmetik | INCI-Liste, Zielgruppe auf dem Etikett | Du, anhand der Zutatenliste |
| Kosmetik mit Phytoöstrogenen | Nein, aber Pflanzenstoffe mit hormonähnlicher Aktivität im Labor | Kosmetik | Soja, Rotklee, Genistein oder Bakuchiol in der INCI-Liste | Du, anhand der Zutatenliste |
| Normale Gesichtspflege | Nein | Kosmetik | INCI-Liste | Du, anhand der Zutatenliste |
Ist Menopause-Kosmetik etwas anderes als normale Pflege?
Menopause-Kosmetik ist rechtlich ganz normale Kosmetik, nur mit einer Zielgruppe auf dem Etikett. Für Produkte, die «für die Wechseljahre» oder «Menopause» heissen, gibt es keine eigene Kategorie und keine eigenen Regeln. Sie unterliegen denselben Vorschriften wie jede andere Gesichtscreme und dürfen genauso wenig Hormone enthalten. Was sie im besten Fall unterscheidet, ist eine durchdachte Rezeptur für trockenere, dünnere Haut. Im schlechtesten Fall unterscheidet sie nur die Verpackung. Ob eine Creme zu dir passt, siehst du deshalb an der Zutatenliste und nicht am Label. Was sich an der Haut in dieser Phase verändert, liest du im Beitrag zur Haut in den Wechseljahren. Kurz gesagt braucht reife Haut vor allem Lipide wie Ceramide, Feuchthaltestoffe und Ruhe statt immer neuer Produkte.
Die ehrlichere Alternative zur Spezialserie sind offen deklarierte Wirkstoffe. Bei The Duo als Pflege ohne Spezialserie gibt es keine eigene Linie für die Wechseljahre, stattdessen sind alle Wirkstoffe deklariert und die wichtigsten Konzentrationen offengelegt. Findest du bei einer Menopause-Creme nur Stimmungsworte und keine Wirkstoffangaben, zahlst du vor allem für die Positionierung. Wie eine schlanke Routine für reife Haut aussieht, hängt ohnehin mehr vom Zustand deiner Haut ab als von deinem Alter. Und wenn die ersten Veränderungen gerade erst beginnen, hilft dir der Beitrag zur Haut in der Perimenopause beim Einordnen.
Was können Phytoöstrogene in der Creme leisten?
Phytoöstrogene können im Labor hormonähnlich wirken, ein Hormonersatz sind sie aber nicht, und was sie auf der Gesichtshaut leisten, hängt vom einzelnen Stoff und Produkt ab. Gemeint sind Pflanzenstoffe, die an Östrogenrezeptoren andocken können, etwa Isoflavone wie Genistein aus Soja oder Rotklee. Chemisch sind sie keine Hormone, und einige davon findest du auch in Kosmetik. Die Übersichtsarbeit in Dermato-Endocrinology nennt Phytoöstrogene neben dem Hormonersatz und den selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren als möglichen Ansatz gegen Hautalterung. Ein möglicher Ansatz ist aber noch keine belegte Wirkung einer bestimmten Creme. Ob ein Produkt etwas bewirkt, hängt davon ab, welcher Stoff in welcher Menge drin ist und ob genau diese Rezeptur an Menschen untersucht wurde. Steht nur «mit Phytoöstrogenen» auf der Packung, fehlen dir genau diese Angaben.
Ein Beispiel, das uns selbst betrifft, ist Bakuchiol. Es gilt in der Naturkosmetik für reife Haut als pflanzliche Alternative zu Retinol. In einer Arbeit im Journal Phytomedicine von 2011 zeigte Bakuchiol in Hefe- und Zellversuchen eine östrogenartige Aktivität und band an beide Östrogenrezeptoren. Im Hefe-Test lag seine Aktivität bei gleicher Konzentration sogar über jener von Genistein. Eine zweite Arbeit im selben Journal fand 2010, dass Bakuchiol in Zellversuchen beide Rezeptortypen aktiviert. Ob es auch das Wachstum östrogenempfindlicher Zellen anregt, beantworten die beiden Arbeiten unterschiedlich. Was das bei kosmetischer Anwendung auf der Haut bedeutet, ist nicht untersucht.
Woran erkennst du, ob eine Creme Hormone enthält?
Ob eine Creme Hormone enthält, erkennst du an ihrer Einordnung: Ein Hormonpräparat ist ein Arzneimittel mit Zulassungsnummer, Packungsbeilage und einem Wirkstoff mit Mengenangabe, eine Kosmetikcreme trägt dagegen eine INCI-Liste. Diese beiden Welten sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, beide kommen in Tuben und Tiegeln. Die Packung verrät aber schnell, in welche Kategorie ein Produkt gehört. Diese Punkte helfen dir beim Prüfen:
- Zulassungsnummer und Packungsbeilage: Beides gehört zu einem Arzneimittel. Fehlen beide, ist es kein zugelassenes Hormonpräparat.
- Wirkstoff mit Mengenangabe: Hormonwirkstoffe wie Estradiol oder Estriol stehen bei Arzneimitteln mit Namen und Menge in der Deklaration.
- INCI-Liste: Kosmetik führt alle Inhaltsstoffe mit ihren INCI-Namen auf. Hormone darf diese Liste nicht enthalten.
- Phytoöstrogene in der INCI-Liste: Achte auf Glycine Soja, Trifolium Pratense (Rotklee), Genistein oder Bakuchiol, wenn du solche Pflanzenstoffe bewusst meiden willst.
- Werbeversprechen: Verspricht eine Kosmetikcreme eine Wirkung «wie Östrogen», ist Skepsis angebracht. Kosmetik ist kein Hormonersatz, auch wenn die Verpackung das andeutet.
Am meisten sagt dir eine vollständige, öffentlich einsehbare Zutatenliste. Dass das Kundinnen wichtig ist, zeigt eine Bewertung auf Judge.me, in der J.D. schreibt, begeistert zu sein «vom ganzen Konzept und der grossen Transparenz bezüglich Inhaltsstoffen».
Warum gehört Östrogencreme fürs Gesicht in die gynäkologische Sprechstunde?
Östrogencreme fürs Gesicht gehört in die gynäkologische Sprechstunde, weil sie ein Hormon-Arzneimittel ist und die Entscheidung dafür von deiner Gesundheitsgeschichte abhängt, nicht vom Hautbild allein. Die Übersichtsarbeit in Dermato-Endocrinology hält fest, dass sich die Hautalterung durch die Gabe von Östrogen deutlich verzögern lässt. Das macht verständlich, warum die Frage nach einer Östrogencreme fürs Gesicht überhaupt aufkommt. Es sagt aber nichts darüber, ob ein Hormonpräparat für dich persönlich in Frage kommt. Diese Abwägung hängt von Faktoren ab, die nur in einem ärztlichen Gespräch auf den Tisch kommen, etwa Vorerkrankungen, Familiengeschichte und andere Medikamente. Ein Präparat, das für eine andere Körperstelle gedacht ist, gehört nicht auf eigene Faust ins Gesicht, auch nicht «nur ein bisschen». Eine Hormontherapie ist eine medizinische Entscheidung mit eigenem Nutzen und eigenen Risiken. Kosmetik kann sie weder ersetzen noch nachahmen, und eine Creme aus dem Regal ist auch keine sanfte Vorstufe davon. Wenn dich vor allem die Linien beschäftigen, die nach der Menopause schneller kommen, findest du im Beitrag zu Falten in den Wechseljahren, was dahintersteckt.
Bring zur Sprechstunde konkrete Fragen mit: Was stört dich an deiner Haut, seit wann, und was hast du schon versucht. Je klarer du das beschreibst, desto besser lässt sich trennen, was Pflege lösen kann und was nicht.
Ich habe keine Menopause-Edition gemacht. Statt einer Spezialserie lege ich offen, was drin ist: 5% Niacinamid, Ceramide NP und Bakuchiol, das ich in der Creme statt Retinol einsetze. Zu Bakuchiol gehört eine Einschränkung, die man selten liest: In Zellversuchen zeigt es eine östrogenartige Aktivität. Was das bei der Anwendung auf der Haut bedeutet, ist nicht untersucht, und ich will dazu nichts behaupten, was ich nicht belegen kann. Deshalb sage ich über The Duo nur, dass es keine Hormone enthält, und nie, dass es ohne Phytoöstrogene sei. Wenn du Phytoöstrogene bewusst meiden willst, ist The Duo nicht dein Produkt, und das ist in Ordnung. Alle Wirkstoffe und die offengelegten Konzentrationen stehen auf unserer Seite.
Häufige Fragen
Wirken Phytoöstrogene wie Hormone
Nicht im gleichen Sinn. Phytoöstrogene können im Labor an Östrogenrezeptoren binden und dort eine hormonähnliche Aktivität zeigen, chemisch sind sie aber keine Hormone. Befunde aus Zellkulturen lassen sich nicht direkt auf eine Creme im Gesicht übertragen. Wie stark ein einzelner Stoff auf der Haut wirkt, hängt von Substanz, Menge und Rezeptur ab.
Sind Phytoöstrogene in Kosmetik unbedenklich
Pauschal lässt sich das weder bejahen noch verneinen, weil Phytoöstrogene sehr unterschiedliche Stoffe sind. Laut BLV dürfen Stoffe, die nicht ausdrücklich geregelt sind, in Kosmetik nur verwendet werden, wenn ihre Sicherheit in einem Produkt-Sicherheitsbericht nachgewiesen ist. Wenn du wegen deiner Krankheitsgeschichte bewusst darauf verzichten willst, besprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und prüfe die INCI-Liste auf Soja, Rotklee, Genistein oder Bakuchiol.
Ist «ohne Hormone» bei einer Gesichtscreme ein besonderes Merkmal
Nein. Östrogene, Gestagene und Stoffe mit androgener Wirkung stehen im Anhang II der EU-Kosmetikverordnung, die über das Lebensmittelrecht auch in der Schweiz gilt. Jede Gesichtscreme aus dem Kosmetikregal ist deshalb ohne Hormone. Ein Etikett, das das hervorhebt, beschreibt eine Selbstverständlichkeit. Aussagekräftiger ist, ob eine Creme Phytoöstrogene enthält, falls dir das wichtig ist.
Sind Menopause-Cremes teurer und warum
Nicht zwingend, und ob ein Aufpreis gerechtfertigt ist, zeigt die Rezeptur und nicht das Etikett. Menopause-Linien sind normale Kosmetik mit einer eigenen Zielgruppe, und Positionierung, Verpackung und Werbung kosten Geld. Vergleiche deshalb Zutatenliste und Wirkstoffangaben mit einer gewöhnlichen Creme für reife, trockene Haut. Findest du dieselben Lipide und Feuchthaltestoffe, zahlst du den Unterschied für das Label.
Kann ich hormonfreie Pflege mit einer Hormontherapie kombinieren
In der Regel ja, denn normale Kosmetik enthält keine Hormone und ist weder Ersatz noch Zusatz zur Therapie, sondern einfach Pflege. Wendest du ein Hormonpräparat auf der Haut an, frag in der gynäkologischen Sprechstunde, ob du an derselben Stelle zusätzlich eine Creme auftragen kannst und in welchem Abstand. Die Entscheidung für oder gegen eine Hormontherapie nimmt dir keine Creme ab. Was eine Hormonersatztherapie an der Haut verändert und was nicht, steht in einem eigenen Artikel.
Ist The Duo hormonfrei
The Duo enthält keine Hormone. Serum und Creme sind Kosmetik mit offen deklarierten Wirkstoffen wie 5% Niacinamid, Ceramide NP und Bakuchiol. Weil Bakuchiol in Zellversuchen eine östrogenartige Aktivität zeigt, bezeichnen wir Serum und Creme von The Duo bewusst nicht als frei von Phytoöstrogenen. Die vollständige Zutatenliste ist öffentlich einsehbar, damit du selbst entscheiden kannst.
Quellen
- Thornton MJ. Estrogens and aging skin. Dermato-Endocrinology, 2013. Quelle
- Lim SH, Ha TY, Ahn J, Kim S. Estrogenic activities of Psoralea corylifolia L. seed extracts and main constituents. Phytomedicine, 2011. Quelle
- Xin D, Wang H, Yang J, Su YF, Fan GW, Wang YF et al. Phytoestrogens from Psoralea corylifolia reveal estrogen receptor-subtype selectivity. Phytomedicine, 2010. Quelle
- Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Anhang II (Einträge 37, 194 und 260). Amtsblatt der Europäischen Union, 2009. Quelle
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Geregelte Stoffe in kosmetischen Mitteln. BLV, 2026. Quelle
