Natürliche Schweizer Kosmetik: woran du erkennst, was wirklich drin ist
SCHWEIZER NATURKOSMETIK
Natürliche Schweizer Kosmetik ist kein geschützter Begriff. Weder das Wort natürlich noch die Herkunftsangabe Schweiz sagen etwas darüber aus, was in einer Rezeptur tatsächlich steckt. Verlässlich sind nur drei Dinge: die vollständige Inhaltsstoffliste, offen genannte Konzentrationen und die Frage, wo ein Produkt entwickelt und hergestellt wird.
Was ist natürliche Schweizer Kosmetik?
Natürliche Schweizer Kosmetik meint Pflegeprodukte, deren Rezeptur überwiegend auf pflanzlichen, mineralischen oder biotechnologisch gewonnenen Rohstoffen beruht und die von einem Unternehmen mit Sitz in der Schweiz angeboten werden. Rechtlich verbindlich ist an dieser Beschreibung nichts. Es gibt keine Vorschrift, die festlegt, ab welchem Anteil pflanzlicher Rohstoffe ein Produkt natürlich heissen darf. Was sehr wohl gilt, ist das Täuschungsverbot: Werbeaussagen für kosmetische Mittel dürfen laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen nicht irreführend sein und müssen sechs festgelegte Kriterien erfüllen. Eine technische Definition liefert zusätzlich die internationale Norm ISO 16128, die für Inhaltsstoffe unterscheidet, was als natürlich gilt. Diese Norm regelt nach eigener Aussage aber ausdrücklich keine Werbeaussagen und keine Kennzeichnung. Für dich heisst das: Die Vorderseite einer Packung ist Marketing, die Rückseite mit der vollständigen Inhaltsstoffliste ist die Information.
Natürlich, naturnah oder synthetisch: wo liegt der Unterschied?
Der Unterschied liegt darin, wie stark ein Rohstoff nach der Gewinnung noch verändert wird. Ein natürlicher Inhaltsstoff stammt direkt aus einer Pflanze, einem Mineral oder einem Mikroorganismus und wird nur physikalisch aufbereitet, also gepresst, getrocknet, gefiltert. Ein naturnaher Inhaltsstoff beginnt ebenfalls als natürlicher Rohstoff, wird danach aber chemisch oder biotechnologisch weiterverarbeitet, damit er stabiler, reiner oder besser verträglich wird. Ein synthetischer Inhaltsstoff wird im Labor aufgebaut, ohne dass ein pflanzlicher Ausgangsstoff die Basis bildet. Diese dritte Gruppe hat in der Diskussion den schlechtesten Ruf und verdient ihn nur teilweise, denn viele gut untersuchte Wirkstoffe fallen genau dort hinein. Wichtig ist die Einordnung trotzdem, weil viele Produkte mit einem hohen Anteil natürlichen Ursprungs werben und dieser Wert je nach Rechenweise sehr unterschiedlich ausfallen kann. Wasser zählt bei dieser Rechnung nämlich mit.
| Kategorie | Was das bedeutet | Typisches Beispiel |
|---|---|---|
| Natürlich | Stammt aus Pflanze, Mineral oder Mikroorganismus und wird nur physikalisch aufbereitet. | Jojobaöl, Aloe Vera, Pflanzenextrakte |
| Naturnah | Beginnt als natürlicher Rohstoff und wird chemisch oder biotechnologisch weiterverarbeitet. | Squalan, fermentierte Hyaluronsäure |
| Synthetisch | Wird im Labor aufgebaut, ohne pflanzlichen Ausgangsstoff als Basis. | Niacinamid, stabilisierte Vitamin-C-Formen |
Ist natürliche Kosmetik automatisch verträglicher?
Nein, natürlicher Ursprung und gute Verträglichkeit sind zwei verschiedene Dinge. Die häufigsten Auslöser von Kontaktallergien in der Pflege sind Duftstoffe, und viele davon stecken in ätherischen Ölen, also in einer der natürlichsten Zutatengruppen überhaupt. Zitrusöle, Lavendel oder Teebaum sind vollständig pflanzlich und trotzdem für empfindliche Haut oft die schwierigsten Bestandteile einer Rezeptur. Umgekehrt gehören einige der mildesten Substanzen in der Kosmetik zur naturnahen oder synthetischen Gruppe, weil sie gezielt so aufgebaut wurden, dass sie kaum reizen. Verträglichkeit entscheidet sich also an der einzelnen Substanz und an ihrer Konzentration, nicht an der Herkunft. Sinnvoller als die Frage nach natürlich ist deshalb die Frage, wie kurz und wie durchdacht eine Liste ist. Je weniger Bestandteile eine Rezeptur enthält, desto leichter findest du heraus, was deine Haut nicht mag. Das gilt besonders, wenn du zu Unreinheiten und Rötungen neigst.
Was sagt der Zusatz Schweiz über ein Produkt aus?
Der Zusatz Schweiz sagt etwas über das Unternehmen und die Herstellung aus, nicht über die Rezeptur. Ein Schweizer Firmensitz bedeutet nicht automatisch, dass die Rohstoffe aus der Schweiz stammen, denn Hyaluronsäure, Ceramide oder Vitamin C werden weltweit von wenigen spezialisierten Herstellern produziert. Herkunftsangaben wie Swiss Made sind an konkrete Bedingungen geknüpft, die sich auf Herstellungsschritte und Kosten beziehen, nicht auf den Ursprung jedes einzelnen Bestandteils. Was die Schweiz tatsächlich beisteuert, sind einige Pflanzenrohstoffe aus dem Alpenraum, allen voran Edelweiss und Enzianwurzel-Extrakt. Beide wachsen unter starker UV-Strahlung und Kälte und werden genau deshalb in der Hautpflege eingesetzt. Sinnvoll ist der Zusatz Schweiz für dich vor allem aus zwei anderen Gründen: kurze Wege im Versand und ein Ansprechpartner, der demselben Recht untersteht wie du. Als Qualitätsversprechen für die Formulierung taugt er nicht.
Wenn dir Herkunft wichtig ist, frag konkret nach: Wo wird abgefüllt und wo findet die Qualitätskontrolle statt. Seriöse Anbieter beantworten das ohne Umschweife.
Woran erkennst du, wie viel Wirkstoff wirklich drinsteckt?
An der Reihenfolge der Inhaltsstoffliste und an offen genannten Prozentwerten, sonst an nichts. Die Bestandteile werden nach absteigendem Anteil aufgeführt, allerdings nur bis zu einer Menge von einem Prozent. Alles darunter darf in beliebiger Reihenfolge stehen. Genau dort landen viele der Wirkstoffe, mit denen auf der Vorderseite geworben wird. Ein Pflanzenextrakt, der prominent auf der Packung steht und in der Liste hinter dem Konservierer auftaucht, ist in einer Menge enthalten, die kaum etwas bewirkt. Prozentangaben sind freiwillig, und genau deshalb sagt es etwas aus, wenn eine Marke sie nennt. Bei uns sind sie auf Serum und Creme zusammen bezogen und lauten 5 Prozent Niacinamid, 2 Prozent Hyaluronsäure, 2 Prozent Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure, 1 Prozent Zink, 0.3 Prozent Bakuchiol sowie je 2 Prozent Edelweiss- und Enzianwurzel-Extrakt. Was diese Wirkstoffe unterscheidet, kannst du beim Vergleich von Vitamin C und Niacinamid nachlesen.
Wie sieht eine natürliche Routine aus, die du durchhältst?
Kurz, gleichbleibend und ohne ständige Produktwechsel. Eine Routine wird nicht dadurch besser, dass mehr pflanzliche Extrakte darin vorkommen, sondern dadurch, dass du sie morgens und abends tatsächlich anwendest. Zwei Schritte reichen für die meisten Hauttypen aus: etwas Wässriges, das Feuchtigkeit bindet, und etwas Reichhaltigeres, das sie hält und die Hautbarriere unterstützt. Alles Weitere ist Ergänzung, nicht Grundlage. Wenn du zusätzlich etwas Neues einführst, dann einzeln und mit Abstand von zwei bis drei Wochen, sonst weisst du bei einer Reaktion nicht, welches Produkt sie ausgelöst hat. Sichtbare Veränderungen brauchen ohnehin Wochen, weil sich die Hornschicht langsam erneuert. Wie du Serum und Creme in welcher Reihenfolge und Menge aufträgst, steht ausführlich auf unserer Seite zur Anwendung. Genau deshalb besteht unser Sortiment aus zwei Produkten statt aus acht, bewusst als Duo aus zwei Schritten zusammengestellt.
Wann ist eine Fachperson die bessere Adresse?
Immer dann, wenn deine Haut nicht nur trocken oder unruhig ist, sondern anhaltend schmerzt, nässt, blutet oder sich in kurzer Zeit stark verändert. Kosmetik pflegt die gesunde Haut und unterstützt sie dabei, ihre Barriere zu erhalten. Sie ersetzt keine Diagnose. Wenn du seit Wochen Stellen hast, die sich trotz milder Pflege verschlechtern, wenn Juckreiz dich nachts wach hält oder wenn ein Muttermal sich in Farbe, Form oder Grösse verändert, gehört das in dermatologische Abklärung und nicht in eine neue Creme. Dasselbe gilt bei bekannten Hauterkrankungen, für die es verschreibungspflichtige Therapien gibt. Gute Pflege kann eine solche Behandlung begleiten und die Haut zwischendurch beruhigen, aber sie tritt nicht an ihre Stelle. Wer dir ein Kosmetikprodukt als Lösung für ein medizinisches Problem verkauft, überschreitet eine Grenze, die es aus gutem Grund gibt.
Ich habe für das Duo bewusst nicht die natürlichste denkbare Rezeptur gebaut, sondern die stabilste. Ein Beispiel: Reines Vitamin C in seiner klassischen Form oxidiert schnell, sobald Licht und Luft dazukommen. Ich habe deshalb 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure gewählt, eine stabilisierte Form, die im Regal länger das bleibt, was auf der Packung steht. Der Name klingt weniger nach Natur, und das nehme ich in Kauf. Genauso habe ich Bakuchiol statt Retinol gewählt, weil es pflanzlichen Ursprungs und milder ist. Nicht jede Entscheidung fällt zugunsten des natürlicheren Rohstoffs. Sie fällt zugunsten dessen, was du nach acht Wochen noch benutzt.
Häufige Fragen
Ist natürliche Kosmetik dasselbe wie zertifizierte Naturkosmetik?
Nein. Natürlich ist ein freier Begriff, den jede Marke verwenden darf. Zertifizierte Naturkosmetik folgt dagegen dem Regelwerk eines privaten Siegels mit festen Kriterien und einer Kontrolle von aussen. Ein Produkt kann also überwiegend natürliche Rohstoffe enthalten und trotzdem kein Siegel tragen, und umgekehrt.
Gibt es in der Schweiz ein Gesetz für natürliche Kosmetik?
Nein, für den Begriff natürlich gibt es keine eigene gesetzliche Definition. Kosmetische Mittel unterstehen aber dem Lebensmittelrecht und seit 2017 auch dem Täuschungsverbot. Werbeaussagen dürfen nicht irreführend sein, müssen sechs festgelegte Kriterien erfüllen und dürfen keine medizinischen oder therapeutischen Eigenschaften versprechen. Kontrolliert wird das durch die kantonalen Vollzugsbehörden.
Was bedeutet naturnah bei einem Inhaltsstoff?
Naturnah heisst, dass der Rohstoff aus einer natürlichen Quelle stammt, danach aber chemisch oder biotechnologisch weiterverarbeitet wurde. Squalan aus pflanzlichen Ölen gehört dazu, ebenso fermentierte Hyaluronsäure. Ziel dieser Schritte ist meist eine bessere Reinheit, längere Haltbarkeit oder höhere Verträglichkeit auf der Haut.
Ist vegane Kosmetik automatisch natürliche Kosmetik?
Nein. Vegan bedeutet lediglich, dass keine tierischen Bestandteile enthalten sind, etwa Bienenwachs, Honig oder Lanolin. Über den natürlichen Ursprung der übrigen Rohstoffe sagt das nichts aus. Ein rein synthetisch formuliertes Produkt kann vegan sein, ein pflanzliches Produkt mit Bienenwachs dagegen nicht.
Wie erkenne ich, ob ein Produkt wirklich aus der Schweiz kommt?
Ein Schweizer Firmensitz auf der Packung sagt nur, wer verkauft. Aussagekräftig sind die Angaben zu Herstellung und Abfüllung sowie die verantwortliche Person, die jedes Produkt haben muss. Frag im Zweifel direkt nach, wo produziert und geprüft wird. Antwortet eine Marke ausweichend, ist das eine Antwort.
Sind natürliche Konservierungsstoffe die bessere Wahl?
Nicht grundsätzlich. Jede wasserhaltige Pflege braucht einen Schutz vor Keimen, sonst wird sie zum Risiko. Entscheidend ist, ob das Konservierungssystem zuverlässig funktioniert und in der eingesetzten Menge gut verträglich ist. Ein natürlicher Ursprung allein macht einen Konservierer weder milder noch sicherer.
Wie viele Produkte brauche ich für eine natürliche Routine?
Für die meisten Hauttypen reichen zwei Pflegeschritte nach der Reinigung: etwas Wässriges für Feuchtigkeit und etwas Reichhaltigeres, das sie hält. Mehr Produkte bedeuten mehr Variablen und machen es schwerer zu erkennen, was tatsächlich wirkt. Ergänze lieber einzeln und mit Abstand von einigen Wochen.
Quellen
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Spezifische gesetzliche Anforderungen für kosmetische Mittel. Quelle
- International Organization for Standardization, ISO 16128-1:2016 Guidelines on technical definitions and criteria for natural and organic cosmetic ingredients and products, 2016. Quelle
