Nachhaltige Gesichtscreme: die fünf Prüfpunkte, die wirklich zählen

NACHHALTIGE HAUTPFLEGE

Eine nachhaltige Gesichtscreme erkennst du an vier Punkten: einer vollständig deklarierten Rezeptur ohne synthetische Polymere, einer Verpackung, die du sortenrein entsorgen oder nachfüllen kannst, einer nachvollziehbaren Herstellung mit kurzen Wegen und einem Verbrauch, der zu deiner Haut passt. Siegel helfen bei der Orientierung, ersetzen den Blick in die Inhaltsstoffliste aber nicht.

Was macht eine Gesichtscreme überhaupt nachhaltig?

Nachhaltigkeit ist bei einer Gesichtscreme kein einzelnes Merkmal, sondern die Summe aus vier Ebenen, die du getrennt beurteilen kannst. Die erste ist die Rezeptur: welche Rohstoffe drinstecken, wie sie gewonnen werden und was mit ihnen passiert, wenn sie ins Abwasser gelangen. Die zweite ist die Verpackung: Material, Gewicht, Sortenreinheit und die Frage, ob du sie in der Schweiz korrekt entsorgen kannst. Die dritte ist die Herstellung samt Transportweg: wo die Rohstoffe herkommen, wo abgefüllt wird und wie weit das fertige Produkt bis zu dir reist. Die vierte Ebene wird fast immer vergessen und ist trotzdem die wirksamste, nämlich dein Verbrauch. Eine Creme, von der du doppelt so viel brauchst, belastet bei identischer Rezeptur doppelt so stark. Wie eine solche Prüfung aussieht, siehst du an einer vollständigen Deklaration, zum Beispiel in unserer Übersicht aller Inhaltsstoffe mit Prozentangaben.

Diese vier Ebenen widersprechen sich manchmal. Wer dir Nachhaltigkeit als einfache Ja-oder-Nein-Antwort verkauft, blendet solche Zielkonflikte aus.

Wie relevant ist Mikroplastik in der Gesichtscreme wirklich?

Mikroplastik aus Kosmetik ist ein reales Thema, aber nicht der grösste Hebel. Das Bundesamt für Umwelt schätzt, dass in der Schweiz jährlich rund 14'000 Tonnen Makro- und Mikroplastik in Böden, Oberflächengewässer und deren Sedimente gelangen. Den grössten Anteil daran hat der Reifenabrieb mit rund 8'900 Tonnen, gefolgt vom Littering mit rund 2'700 Tonnen. Absichtlich zugesetztes Mikroplastik aus Produkten wie Kosmetika fällt gemessen am Gesamteintrag gering aus, führt laut BAFU in Oberflächengewässern aber trotzdem zu bedeutenden Einträgen. Für dich folgen daraus zwei Dinge. Erstens: Wer dir eine Creme als Rettung der Gewässer verkauft, übertreibt deutlich. Zweitens: Der Verzicht auf synthetische Polymere bleibt sinnvoll, weil er genau an der Stelle ansetzt, an der Kosmetik überhaupt einen Beitrag leisten kann. Prüfen kannst du das nur an der Inhaltsstoffliste, nie an der Aussage auf der Vorderseite.

Konkret suchst du auf der Rückseite nach Begriffen wie Polyethylene, Nylon oder Acrylates Copolymer. Findest du keinen davon, ist die Rezeptur in dieser Hinsicht sauber. Über die anderen drei Ebenen sagt das allerdings nichts aus.

Glas, Kunststoff oder Nachfüllung: was ist die bessere Verpackung?

Es gibt keine Verpackung, die in jeder Hinsicht gewinnt, und wer etwas anderes behauptet, rechnet selektiv. Glas ist gut rezyklierbar und in der Schweiz über ein etabliertes Sammelsystem entsorgbar, wiegt aber ein Vielfaches von Kunststoff, was jeden Transportweg teurer macht. Leichter Kunststoff spart Transportgewicht, landet aber nur dann sinnvoll im Kreislauf, wenn er sortenrein ist und nicht als Verbund aus drei Materialien vorliegt. Genau das ist bei Airless-Spendern und Pumpsystemen häufig das Problem: Sie dosieren sparsam und schützen empfindliche Wirkstoffe, bestehen aber aus mehreren Komponenten, die du kaum trennen kannst. Nachfüllsysteme sind rechnerisch die beste Lösung, aber nur, wenn du sie tatsächlich über Jahre nutzt und nicht nach zwei Runden auf eine andere Marke wechselst. Die ehrliche Antwort lautet deshalb: Entscheidend ist weniger das Material als die Frage, wie oft du die Verpackung ersetzt.

Was sagt Schweizer Produktion über die Nachhaltigkeit aus?

Schweizer Produktion ist ein Qualitäts- und Kontrollargument, aber nur ein schwaches Umweltargument. Der Transportweg innerhalb der Schweiz macht bei einem so kleinen und leichten Produkt wie einer Gesichtscreme nur einen kleinen Teil der Gesamtbelastung aus. Deutlich schwerer wiegen die Rohstoffe selbst, denn die kommen auch bei Schweizer Herstellern selten vollständig aus der Schweiz. Was Schweizer Produktion dagegen wirklich bringt: kurze Wege zwischen Formulierung, Abfüllung und Kontrolle, ein direkter Draht zum Hersteller bei Reklamationen und die Möglichkeit, Chargen klein zu halten statt auf Vorrat zu produzieren. Achte beim Lesen auf den Unterschied zwischen einem Produktionshinweis und einer blossen Firmenadresse. Steht auf der Packung nur der Vertriebssitz, sagt das über den Abfüllort nichts aus. Alpine Rohstoffe wie Edelweiss oder Enzianwurzel-Extrakt stammen ebenfalls nicht automatisch aus Schweizer Anbau, nur weil die Marke schweizerisch ist.

Transparenz-Hinweis zu unseren eigenen Produkten: Abgefüllt werden Serum und Creme in Herznach, Aargau.

Woran du eine nachhaltige Gesichtscreme in zwei Minuten erkennst

Fünf Prüfschritte reichen, um eine Creme grob einzuordnen, und alle fünf kannst du direkt am Produkt oder auf der Produktseite durchführen. Du brauchst dafür kein Fachwissen, sondern nur die Bereitschaft, die Rückseite zu lesen statt die Vorderseite. Wichtig ist die Reihenfolge: Beginne bei der Inhaltsstoffliste, weil dort am wenigsten Interpretationsspielraum besteht, und arbeite dich zu den weicheren Kriterien vor. Siegel kommen bewusst zuletzt, denn ein Siegel prüft immer nur die Kriterien seines eigenen Standards und nicht Nachhaltigkeit als Ganzes. Wenn eine Marke bei den ersten drei Punkten offen kommuniziert, brauchst du das Siegel meist gar nicht mehr als Entscheidungshilfe. Kommt sie dagegen bei allen fünf Punkten ins Schwimmen, hilft auch das schönste Etikett nicht weiter. Die folgende Tabelle fasst zusammen, worauf du dabei achtest und was dir die jeweilige Antwort verrät.

Prüfpunkt Worauf du achtest Was es dir sagt
Inhaltsstoffliste Suche nach Polyethylene, Nylon oder Acrylates Copolymer. Zeigt, ob synthetische Polymere in der Rezeptur stecken.
Wirkstoffangaben Prüfe, ob Konzentrationen genannt werden oder nur Namen. Offene Prozentangaben sind ein Zeichen für Transparenz.
Verpackung Schau, ob sie sortenrein ist und ohne Umkarton auskommt. Sortenreine Verpackungen lassen sich einfacher rezyklieren.
Herkunft Suche nach einem Produktionsort, nicht nur nach einer Adresse. Vertrieb durch ist etwas anderes als hergestellt in.
Verbrauch Rechne aus, wie lange eine Packung bei deiner Anwendung reicht. Hoher Verbrauch macht jede gute Rezeptur wieder zunichte.

Der unterschätzte Hebel ist die Menge, nicht das Etikett

Die nachhaltigste Creme ist die, von der du wenig brauchst und die du bis zum Schluss aufbrauchst. Daran scheitern die meisten Badezimmer: halb benutzte Tiegel, angebrochene Seren und eine Nachtcreme, die nicht gepasst hat. Jedes dieser Produkte hat Rohstoffe, Verpackung und Transport verursacht, ohne je einen Nutzen zu stiften. Deshalb ist die ehrlichste Nachhaltigkeitsmassnahme unbequem und kostet nichts: Kauf erst nach, wenn etwas wirklich leer ist, und reduziere die Anzahl deiner Schritte, statt sie zu erhöhen. Bei uns bedeutet das zwei Produkte statt acht. Für unser Duo aus Serum und Creme brauchst du morgens und abends drei bis sechs Tropfen Serum und drei bis sechs Pumpstösse Creme, womit eine Flasche je nach Anwendungshäufigkeit zwei bis vier Monate reicht. Wie du beides richtig aufträgst und in welcher Reihenfolge, steht in unserer Anleitung zur Anwendung.

Und die ehrliche Gegenrede: Wenn deine Pflege funktioniert, ist ein Wechsel keine nachhaltige Entscheidung, sondern nur eine neue Verpackung. Brauch zuerst auf, was du hast. Führst du dagegen mehrere Produkte parallel, um verschiedene Wirkstoffe abzudecken, lohnt die Frage, ob das nötig ist. Wir haben im Duo 5% Niacinamid und 2% Hyaluronsäure kombiniert, statt sie auf zwei Seren zu verteilen. Ob das sinnvoll ist, zeigen wir am Beispiel von Vitamin C und Niacinamid. Bei unreiner Haut gilt dasselbe Prinzip: weniger Produkte, dafür konsequent.

Ich werde oft gefragt, warum wir kein grösseres Sortiment führen, wenn wir Nachhaltigkeit ernst meinen. Die Antwort ist unbequem: Jedes zusätzliche Produkt hätte den Umsatz erhöht und die Ökobilanz verschlechtert. Ich habe mich deshalb für zwei Produkte entschieden, die zusammen funktionieren, und dafür, alle Konzentrationen offen auszuweisen. Das kostet mich Argumente im Marketing, weil ich nicht mit einer geheimen Formel werben kann. Dafür kannst du nachrechnen, was du bekommst. Nachhaltigkeit fängt für mich bei dieser Nachvollziehbarkeit an und nicht bei einer Farbe auf dem Etikett. Was Kundinnen davon halten, liest du in den Erfahrungsberichten.

Häufige Fragen

Ist eine nachhaltige Gesichtscreme automatisch Naturkosmetik?

Nein. Nachhaltigkeit bezieht sich auf Rohstoffgewinnung, Verpackung, Herstellung und Verbrauch, Naturkosmetik dagegen auf die Herkunft der Inhaltsstoffe. Eine zertifizierte Naturkosmetik kann in einer schlecht rezyklierbaren Verbundverpackung stecken, und eine Creme mit einzelnen synthetischen Hilfsstoffen kann über den gesamten Lebensweg die bessere Gesamtbilanz haben.

Ist Glas immer besser als Kunststoff?

Nein. Glas ist sehr gut rezyklierbar, wiegt aber deutlich mehr und macht den Transport belastender. Leichter, sortenreiner Kunststoff kann in der Gesamtrechnung besser abschneiden. Entscheidend ist weniger das Material als die Frage, wie oft du die Verpackung ersetzt und ob du sie korrekt entsorgst.

Woran erkenne ich Mikroplastik in einer Gesichtscreme?

An der Inhaltsstoffliste auf der Rückseite. Achte auf Begriffe wie Polyethylene, Nylon oder Acrylates Copolymer, denn diese stehen für synthetische Polymere. Werbeaussagen auf der Vorderseite sind kein Nachweis. Wer die vollständige Liste nicht auch online zeigt, macht dir die Prüfung unnötig schwer.

Ist eine vegane Gesichtscreme automatisch nachhaltiger?

Nicht zwingend. Vegan heisst, dass keine tierischen Rohstoffe enthalten sind, was ein ethisches und oft auch ein ökologisches Plus ist. Über Verpackung, Transportweg und Anbaubedingungen der pflanzlichen Rohstoffe sagt die Angabe aber nichts aus. Du musst beide Fragen getrennt voneinander prüfen.

Wie viel Nachhaltigkeit bringt ein Siegel wirklich?

Ein Siegel prüft die Kriterien seines eigenen Standards, nicht Nachhaltigkeit als Ganzes. Manche Standards regeln nur die Inhaltsstoffe, andere zusätzlich Verpackung oder Anbau. Nützlich ist ein Siegel als Vorfilter, ersetzt aber nicht den Blick in die Deklaration und die Frage nach dem Produktionsort.

Wie lange sollte eine Gesichtscreme reichen?

Das hängt von Dosierung und Anwendungshäufigkeit ab. Bei unserem Duo reicht eine Flasche bei Anwendung morgens und abends zwei bis vier Monate. Deutlich kürzere Laufzeiten sind ein Hinweis darauf, dass du zu viel aufträgst oder die Textur zu wenig ergiebig ist.

Lohnt sich der Wechsel zu einer nachhaltigen Creme sofort?

Nur, wenn deine aktuelle Pflege nicht passt. Ein angebrochenes Produkt wegzuwerfen, macht die Bilanz schlechter, nicht besser. Brauch zuerst auf, was du hast, und triff die nachhaltigere Entscheidung beim nächsten Kauf. Das gilt auch dann, wenn dir eine Marke gerade sehr sympathisch ist.

Quellen

  1. Bundesamt für Umwelt BAFU, Kunststoffe in der Umwelt, 2025. Quelle
The Duo - Sérum & crème visage
Die minimalistische Routine

The Duo — Serum & Creme, mehr braucht es nicht

Niacinamid, Vitamin C, Hyaluronsäure und Ceramide in zwei aufeinander abgestimmten Produkten. Vegan, entwickelt in der Schweiz, 100 Tage Rückgaberecht.

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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin