Thermalwasser-Spray: was der Gesichtsnebel deiner Haut bringt und wann du ihn dir sparen kannst

ROUTINE

Ein Thermalwasser-Spray erfrischt dein Gesicht für einen Moment, ist aber kein eigener Pflegeschritt. Das Wasser liegt nur einen Moment auf der Haut, kühlt beim Verdunsten und ist dann wieder weg. Feuchtigkeit hält die Haut erst, wenn danach Feuchthalter und eine Creme folgen, die das Wasser binden und den Verlust bremsen. Wenn dir der Frische-Moment gefällt, spricht nichts dagegen. Wenn deine Routine nach der Reinigung bereits Serum und Creme enthält, kannst du dir das Spray aber sparen.

Was bringt ein Thermalwasser-Spray im Gesicht wirklich?

Ein Thermalwasser-Spray bringt vor allem ein kurzes Gefühl von Kühle und Frische, und das ist ehrlich gesagt der Hauptnutzen. Der feine Nebel legt eine dünne Wasserschicht auf die Haut. Beim Verdunsten entzieht sie der Oberfläche Wärme, deshalb fühlt sich das Gesicht an einem heissen Tag oder nach einem langen Tag im Büro sofort angenehmer an. Das ist ein echter, spürbarer Effekt, aber er hält nur so lange, wie Wasser auf der Haut liegt. Spannender ist die Frage nach den Mineralstoffen. Eine Laborstudie im International Journal of Cosmetic Science untersuchte, ob Magnesium und Calcium aus Thermalwasser in die Haut gelangen. Das taten sie, allerdings unter Bedingungen, die mit einem Sprühstoss wenig zu tun haben: Die Hautproben lagen in geschlossenen Messzellen, und die Wassermenge war praktisch unbegrenzt. Ausserdem hing die Aufnahme davon ab, in welche Rezeptur das Thermalwasser eingearbeitet war.

Für den Alltag heisst das: Was im Labor unter einer Abdeckung passiert, lässt sich nicht auf ein paar Tröpfchen übertragen, die nach kurzer Zeit verdunstet sind. Ein Review im Journal of Clinical Medicine hält zudem fest, dass sich die Wirksamkeit von Thermalwasser in der Praxis schwer beurteilen lässt, weil die Mechanismen dahinter komplex sind. Das Spray ist also ein Wohlfühlprodukt, kein Wirkstoffträger.

Was ist Thermalwasser, und worin unterscheidet es sich von Leitungs- oder Mineralwasser?

Thermalwasser ist Wasser aus einer Thermalquelle, das auf seinem Weg durch das Gestein Mineralstoffe aufnimmt und an der Quelle in der Regel wärmer austritt als gewöhnliches Grundwasser. Jede Quelle hat dabei eine eigene Zusammensetzung. Das bereits erwähnte Review im Journal of Clinical Medicine beschreibt, dass sich Mineralquellen in ihrem geologischen Ursprung, ihrer Temperatur und ihrer chemischen Zusammensetzung deutlich unterscheiden. «Thermalwasser» ist deshalb kein einheitlicher Inhaltsstoff, sondern eine Herkunftsangabe. Im Alltag liegt der Unterschied zum Leitungswasser weniger in der Wirkung als in der Verpackung: Ein Thermalwasser-Spray steckt meist in einer Druckdose, die das Wasser sehr fein vernebelt und den Inhalt bis zum Gebrauch dicht verschlossen hält. Mineralwasser aus der Flasche oder Leitungswasser in einer selbst befüllten Sprühflasche erfüllen den Kühleffekt genauso, die offene Flasche ist aber nach einigen Tagen kein hygienischer Behälter mehr.

Oft liest du, Thermalwasser neutralisiere den Kalk aus dem Leitungswasser. Das ist zu viel versprochen, denn ein Sprühstoss nach dem Waschen ändert nichts daran, mit welchem Wasser du dich gewaschen hast. Wenn dich das Thema beschäftigt, lies nach, was hartes Wasser mit deiner Haut macht und was dort tatsächlich hilft.

Kann ein Gesichtsspray die Haut austrocknen?

Ja, ein Gesichtsspray kann die Haut trockener wirken lassen, wenn das Wasser verdunstet und danach nichts folgt, was Feuchtigkeit bindet oder hält. Reines Wasser bringt keinen Feuchthalter und keinen Schutzfilm mit. Es quillt die oberste Hautschicht kurz auf und verdunstet dann wieder, oft schneller, als dir lieb ist, vor allem in trockener Heizungs- oder Klimaanlagenluft. Was danach bleibt, ist manchmal das bekannte Ziehen. Ein Review in Clinical Medicine & Research erklärt das Prinzip von Pflegeprodukten so: Feuchthalter ziehen Wasser in die oberste Hautschicht, okklusive Stoffe bilden einen Film, der den Wasserverlust bremst. Die Autorinnen und Autoren weisen sogar darauf hin, dass Feuchthalter allein den Wasserverlust erhöhen können, weil das angezogene Wasser leicht verdunstet, und dass sie deshalb häufig mit okklusiven Stoffen kombiniert werden. Reines Wasser bringt nicht einmal diese Bindekraft mit.

Wie empfindlich die Hautbarriere auf Wasser reagiert, zeigt eine Untersuchung im Journal of Clinical Medicine mit 50 gesunden Freiwilligen. Nachdem die Teilnehmenden ihre Hände zehn Minuten in kaltes Wasser gehalten hatten, stieg der transepidermale Wasserverlust an den Handflächen von 25.75 auf 34.96 g pro Stunde und Quadratmeter, nach heissem Wasser auf 58.58. Ein kurzer Sprühstoss ist natürlich nicht dasselbe wie ein zehnminütiges Wasserbad, aber die Richtung ist klar: Wasser allein pflegt nicht. Wenn sich deine Haut häufig gespannt anfühlt, lohnt es sich zu verstehen, warum sich die Haut nach dem Waschen gespannt anfühlt. Und wenn du vermutest, dass ihr eher Wasser fehlt, lies, woran du dehydrierte Haut erkennst.

Wie wendest du Thermalwasser-Spray richtig an, damit es nicht verdunstet?

Damit das Spray nicht einfach verdunstet und Feuchtigkeit mitnimmt, entscheidest du dich nach dem Sprühen für einen von zwei Wegen: Entweder du tupfst den Überschuss ab, oder es folgt direkt eine Pflege, die Wasser bindet und hält. Vermeiden solltest du den Mittelweg, bei dem das Wasser einfach auf der Haut liegen bleibt und an der Luft trocknet. Das ist bei einem einzelnen Sprühstoss kein Drama, wird aber zum Muster, wenn du über den Tag immer wieder nachsprühst, weil das Frischegefühl so schnell vergeht. An welcher Stelle deiner Routine ein Spray überhaupt Platz hat, hängt davon ab, wie die richtige Reihenfolge deiner Pflege aussieht.

  1. Abstand halten: Sprühe mit etwas Abstand zum Gesicht und mit geschlossenen Augen, damit ein feiner Nebel ankommt und keine Tropfen.
  2. Kurz sprühen: Ein bis zwei Sprühstösse reichen, mehr Wasser bringt keinen zusätzlichen Effekt.
  3. Nicht reiben: Lass den Nebel einen Moment wirken, statt ihn einzumassieren.
  4. Abschliessen: Tupfe den Rest nach einem kurzen Moment mit einem sauberen Tuch ab oder trage deine gewohnte Pflege auf.
  5. Dose richtig lagern: Druckdosen gehören nicht in die pralle Sonne oder ins heisse Auto, darauf weist auch der Warnhinweis auf der Dose hin.

Ein Satz noch zum Fliegen, weil die Frage oft kommt: In der trockenen Kabinenluft verdunstet ein Spray besonders schnell. Was dort sinnvoller ist, steht im Artikel zur Hautpflege im Flugzeug.

Thermalwasser, Gesichtswasser oder Gesichtsnebel mit Wirkstoffen: was ist der Unterschied?

Der Unterschied liegt nicht im Namen, sondern in der Zutatenliste: Reines Thermalwasser ist nur Wasser, ein Gesichtswasser enthält oft zusätzliche Stoffe, und ein Gesichtsnebel kann alles sein, von Wasser mit Feuchthaltern bis zu Alkohol und Duft. Bei reinem Thermalwasser steht in der INCI meist nur das Wasser selbst, manchmal ergänzt durch ein Treibgas. Gesichtsnebel mit Glycerin, Hyaluronsäure oder anderen Feuchthaltern bringen dagegen Stoffe mit, die Wasser zumindest kurzzeitig binden. Das macht sie zu einer Art sehr dünnem Serum aus der Sprühdose. Nebel mit Alcohol denat. oder Parfum weit vorne in der Liste fühlen sich oft besonders frisch an, sind aber für empfindliche Haut nicht die ruhigste Wahl. Die Frage, ob ein klassisches Tonikum in deine Routine gehört, ist ein eigenes Thema. Dort klärst du, ob du ein Gesichtswasser brauchst, hier geht es um das Spray.

Produkt Typische Zutaten Was es kann Worauf du achtest
Reines Thermalwasser-Spray Wasser, allenfalls Treibgas Kühlt und erfrischt kurz Abtupfen oder Pflege folgen lassen
Gesichtsnebel mit Feuchthaltern Wasser, Glycerin, Hyaluronsäure, Zucker-Polymere Bindet Wasser kurzzeitig in der obersten Hautschicht Ohne Creme darüber hält der Effekt nicht lange
Gesichtsnebel mit Alkohol oder Duft Alcohol denat., Parfum, ätherische Öle Fühlt sich sehr frisch an Bei empfindlicher Haut eher meiden
Gesichtswasser oder Tonikum Je nach Typ Feuchthalter, Säuren oder Alkohol Abhängig vom Typ, nicht vom Namen Erst prüfen, welche Aufgabe offen ist

Wann kannst du dir ein Thermalwasser-Spray sparen?

Ein Thermalwasser-Spray kannst du dir sparen, wenn deine Routine nach der Reinigung bereits ein Serum mit Feuchthaltern und eine Creme enthält, die schützt. Dann ist die Aufgabe, für die das Spray beworben wird, schon erledigt, und zwar dauerhafter. Ebenso wenig brauchst du es, wenn du es vor allem gekauft hast, weil es Kalk ausgleichen oder die Haut von innen mit Mineralien versorgen soll. Beides lässt sich mit einem Sprühstoss nicht einlösen. Und wenn du merkst, dass du über den Tag immer öfter nachsprühst, weil das Ziehen jedes Mal schneller zurückkommt, ist das eher ein Hinweis auf eine Lücke in der Pflege als auf ein fehlendes Spray. Behalten darfst du es trotzdem, wenn es dir an einem heissen Tag schlicht guttut. Ein Genussprodukt muss sich nicht rechtfertigen, solange du weisst, dass es keines ist, das deine Haut pflegt.

Genau diese Aufgabe übernimmt in unserer Routine die Schichtung. In The Duo aus Serum und Creme liefert The Essential Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen, danach legt The Shield mit Ceramide NP, Squalan und Jojobaöl einen schützenden Abschluss darüber. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Andrea G.: «Lediglich zwei Produkte die alles notwendige vereinen.»

Wenn du lieber Mineral- oder Leitungswasser in eine eigene Sprühflasche füllst, wechsle den Inhalt alle paar Tage und spüle die Flasche aus. Stehendes Wasser in einer offenen Flasche ist nach einiger Zeit nicht mehr das, was du dir ins Gesicht sprühen möchtest.

Ein Gesichtsspray wäre das einfachste dritte Produkt gewesen, das ich hätte machen können. Wasser in eine Dose, schönes Etikett, fertig. Ich habe es bewusst nicht gemacht, genauso wenig wie ein Tonikum. Nach der Reinigung mit Wasser folgen bei uns direkt Serum und Creme, mehr Schritte braucht die Routine nicht. Ausserdem ist die Basis beider Produkte nicht einfach Wasser: In der Zutatenliste steht Aloe-Vera-Saft an erster Stelle, noch vor Wasser. Und beide Produkte sind parfumfrei, weil ein Duft auf empfindlicher Haut für mich keinen Platz hat, auch nicht in einem erfrischenden Nebel. Wenn du gerne sprühst, tu das. Brauchen tust du es nicht. Wie die zwei Schritte morgens und abends aufgebaut sind, habe ich bewusst einfach gehalten.

Häufige Fragen

Kann ich Thermalwasser über dem Make-up sprühen

Ja, das geht, wenn du aus genügend Abstand sprühst, damit ein feiner Nebel statt grosser Tropfen ankommt. Viele nutzen das, damit Puder weniger trocken wirkt oder sich das Make-up frischer anfühlt. Lass den Nebel antrocknen, ohne zu reiben, sonst verschmiert die Grundierung. Pflegen tut das Spray dabei nicht, es frischt nur das Hautgefühl auf.

Hilft Thermalwasser bei Rötungen

Kurzfristig kann sich gerötete, warme Haut durch den Kühleffekt angenehmer anfühlen. Das ist ein Moment der Erleichterung, keine Lösung für die Ursache. Halten Rötungen über Wochen an, kommen Pusteln, Brennen oder Schwellungen dazu oder reagiert deine Haut auf vieles, gehört das zur Dermatologin oder zum Dermatologen. Studien zu Thermalwasser bei Hautkrankheiten betreffen meist ärztlich begleitete Kuren, nicht das Spray zu Hause.

Ist Thermalwasser für empfindliche Haut geeignet

Reines Thermalwasser ohne Zusätze ist für empfindliche Haut in der Regel unproblematisch, weil es kaum etwas enthält, das reizen könnte. Entscheidend ist die Zutatenliste: Steht dort nur Wasser und allenfalls ein Treibgas, ist das Risiko gering. Nebel mit Parfum, ätherischen Ölen oder Alcohol denat. sind bei empfindlicher Haut die unruhigere Wahl.

Muss ich Thermalwasser abtupfen oder einziehen lassen

Am besten tupfst du den Überschuss nach einem kurzen Moment ab oder trägst gleich deine Pflege auf. Einfach an der Luft trocknen lassen ist die schlechteste Variante, weil das Wasser verdunstet, ohne gebunden zu werden. Abtupfen heisst dabei sanft andrücken, nicht reiben.

Wie oft am Tag darf ich Thermalwasser sprühen

Eine feste Obergrenze gibt es nicht, reines Thermalwasser ist kein Wirkstoff, den du überdosieren könntest. Achte aber darauf, wie sich deine Haut danach anfühlt. Wenn du immer öfter nachsprühen musst, weil das Ziehen schneller zurückkommt, ist das ein Zeichen, dass das Spray eine Lücke überdeckt, statt sie zu schliessen. Dann lohnt der Blick auf Serum und Creme.

Ersetzt Thermalwasser die Gesichtsreinigung

Nein, ein Thermalwasser-Spray ersetzt keine Reinigung. Es löst weder Sonnenschutz noch Make-up oder Talg, und es wird auch nicht abgespült. Am Morgen reicht vielen ein Waschen mit lauwarmem Wasser, am Abend eine milde Reinigung. Das Spray kann danach dazukommen, wenn es dir gefällt, nicht stattdessen.

Brauche ich ein Thermalwasser-Spray, wenn ich The Duo benutze

Nein. The Duo ist so aufgebaut, dass nach der Reinigung mit Wasser zwei Schritte folgen, Serum und Creme, morgens und abends. Feuchthalter und ein schützender Abschluss sind darin bereits enthalten. Ein Spray kannst du an heissen Tagen zur Erfrischung verwenden, als Pflegeschritt braucht das Duo es nicht.

Quellen

  1. Tarnowska M, Briançon S, Resende de Azevedo J, Chevalier Y, Arquier D, Barratier C, et al. The effect of vehicle on skin absorption of Mg2+ and Ca2+ from thermal spring water. International Journal of Cosmetic Science, 2020. Quelle
  2. Cacciapuoti S, Luciano MA, Megna M, Annunziata MC, Napolitano M, Patruno C, et al. The Role of Thermal Water in Chronic Skin Diseases Management: A Review of the Literature. Journal of Clinical Medicine, 2020. Quelle
  3. Purnamawati S, Indrastuti N, Danarti R, Saefudin T. The Role of Moisturizers in Addressing Various Kinds of Dermatitis: A Review. Clinical Medicine & Research, 2017. Quelle
  4. Herrero-Fernandez M, Montero-Vilchez T, Diaz-Calvillo P, Romera-Vilchez M, Buendia-Eisman A, Arias-Santiago S. Impact of Water Exposure and Temperature Changes on Skin Barrier Function. Journal of Clinical Medicine, 2022. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin