Refill-Kosmetik: ab wie vielen Nachfüllungen sie wirklich nachhaltiger ist

NATURKOSMETIK

Refill-Kosmetik ist nur dann nachhaltiger als eine neue Packung, wenn du den Dauerbehälter oft genug nachfüllst und die Nachfüllung selbst leicht ist. Eine feste Zahl gibt es nicht, weil sie vom Material abhängt: In einer Ökobilanz zu Take-away-Behältern reichten bei Kunststoff weniger als fünf Nutzungen, bei Stahl brauchte es 13 bis 33. Wer vor diesem Punkt aufhört oder die Marke wechselt, steht schlechter da als mit einer einfachen Packung. Verlässlicher ist ein anderer Hebel: weniger Produkte kaufen und sie aufbrauchen.

Ist Refill-Kosmetik wirklich nachhaltiger als eine neue Packung?

Refill-Kosmetik ist nachhaltiger als eine neue Packung, sobald der Dauerbehälter tatsächlich oft genug genutzt wird, und sie ist es nicht, wenn er nach dem ersten Leeren in der Schublade landet. Ein Nachfüllsystem verschiebt die Umweltlast nach vorne: Der Behälter ist schwerer und robuster gebaut als eine Einwegpackung, damit er viele Runden übersteht. Diese Mehrlast muss sich über die Nachfüllungen erst zurückverdienen. Eine Ökobilanz im Journal Resources, Conservation & Recycling Advances hat das an einer Rouge-Puderdose untersucht, deren Innenschale ausgetauscht wird. Als Referenz nahmen die Forschenden an, dass die Dose viermal genutzt wird. Verglichen mit einer um 17 Prozent leichteren Einwegdose schnitt die wiederverwendbare Variante beim Indikator für Gesundheitsfolgen klar besser ab: Den Vorteil der Wiederverwendung gegenüber der Materialeinsparung beziffern die Autoren auf 171 Prozent. Gleichzeitig halten sie fest, dass die Umweltwirkung deutlich steigt, wenn eine wiederverwendbare Packung eben nicht wiederverwendet wird.

Ein zweites Ergebnis derselben Studie betrifft die Nachfüllung selbst: Die Nachfüllschale aus Aluminium verursachte beim Gesundheitsindikator den grössten Anteil der Umweltlast. Eine Refill-Lösung ist also nur so gut wie das Teil, das du jedes Mal neu kaufst. Ob Glas oder Kunststoff grundsätzlich die bessere Wahl ist, hängt an weiteren Faktoren. Einen Überblick geben die fünf Prüfpunkte einer nachhaltigen Gesichtscreme.

Ab wie vielen Nachfüllungen lohnt sich ein Refill-System für die Umwelt?

Ein Refill-System lohnt sich ab dem Punkt, an dem der Dauerbehälter plus alle Nachfüllungen weniger Umweltlast verursacht als die gleiche Anzahl Einwegpackungen. Dieser Break-even liegt je nach Material und Gewicht weit auseinander. Für Kosmetik gibt es dazu kaum unabhängige Zahlen, gut untersucht ist das Prinzip aber bei anderen Mehrwegverpackungen. Eine Studie in Sustainable Production and Consumption verglich Einweg-Take-away-Boxen mit wiederverwendbaren Behältern: Kunststoffbehälter lagen beim Treibhauspotenzial nach weniger als fünf Nutzungen vorne, ein schwerer Stahlbehälter brauchte 13 bis 33 Nutzungen. Auf Kosmetik lassen sich diese Zahlen nicht eins zu eins übertragen, die Logik aber schon: Je schwerer und aufwendiger der Dauerbehälter, desto länger musst du dabeibleiben.

Die Studie benennt auch den Haken, der in keiner Werbung steht. Muss ein Behälter fünfmal genutzt werden, damit er sich rechnet, wirkt er auf die Nutzer aber schon nach drei Runden zu abgenutzt, ist das System ökologisch nicht mehr tragfähig. Bei Kosmetik heisst das konkret: Ein Refill-System rechnet sich nur, wenn du das Produkt noch magst, wenn der nächste Nachfüllbeutel fällig ist. Die Forschenden der Puderdosen-Studie gingen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, keine Nachfüllungen mehr zu kaufen oder die Marke zu wechseln, nach einem Jahr deutlich steigt. Diese Faktoren entscheiden über deinen persönlichen Break-even:

  1. Gewicht und Material des Dauerbehälters: Ein schwerer Tiegel aus Glas oder Metall braucht mehr Runden als ein leichter Spender aus Kunststoff.
  2. Gewicht und Material der Nachfüllung: Ein dünner Beutel spart mehr als eine Kartusche mit eigener Pumpe und Metallteilen.
  3. Deine Treue zum Produkt: Es zählen nur die Nachfüllungen, die du tatsächlich kaufst.
  4. Reinigung und Wege: Spülen mit heissem Wasser und Extrafahrten zur Abfüllstation kosten ebenfalls Energie.
  5. Entsorgung: Was am Ende mit Beutel, Kartusche und Behälter passiert, bestimmt die Bilanz mit.

Welche Refill-Systeme gibt es: Nachfüllbeutel, Einsatz-Kartusche, Abfüllstation?

Bei Gesichtspflege begegnen dir im Wesentlichen vier Refill-Systeme, und sie unterscheiden sich vor allem darin, was du wiederverwendest und was trotzdem jedes Mal neu anfällt. Beim Nachfüllbeutel bleibt der Spender stehen, und du füllst den Inhalt eines flexiblen Beutels um. Bei der Einsatz-Kartusche bleibt eine Aussenhülle, etwa ein Tiegel oder eine Flasche, und du tauschst einen geschlossenen Innenbehälter aus. An einer Abfüllstation füllst du in ein eigenes oder gekauftes Gefäss ab. Bei Rücknahme-Modellen schickst oder bringst du den leeren Behälter zurück, und der Hersteller reinigt und befüllt ihn neu. Kein System ist pauschal das beste. Entscheidend ist, welches zu deiner Haushaltsroutine passt und welches Teil am Ende im Abfall landet.

System Was du wiederverwendest Was trotzdem anfällt Worauf du achten solltest
Nachfüllbeutel Spender oder Flasche Beutel, oft aus mehreren Schichten Umfüllen ist ein offener Vorgang, Hygiene beachten
Einsatz-Kartusche Aussenhülle, Tiegel oder Flasche Innenbehälter, teils mit Pumpe Geschlossen und hygienisch, aber mehr Material pro Runde
Abfüllstation Eigenes Gefäss Kaum Verpackung, dafür Wege Gefäss sauber und trocken, Inhalt bald aufbrauchen
Rücknahme und Wiederbefüllung Der ganze Behälter Versand und industrielle Reinigung Lohnt sich nur, wenn du den Behälter wirklich zurückgibst

Was passiert in der Schweiz mit leeren Nachfüllbeuteln und Kartuschen?

Leere Nachfüllbeutel und Kartuschen landen in der Schweiz meist im Kehricht und werden in der Kehrichtverbrennung energetisch verwertet, es sei denn, deine Gemeinde bietet eine gemischte Kunststoffsammlung an. Laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) gingen rund 83 Prozent der Kunststoffabfälle in Kehrichtverbrennungsanlagen und rund 9 Prozent wurden zu Rezyklaten verarbeitet, Referenzjahr 2017. Gut etabliert ist die Sammlung von PET-Getränkeflaschen, dazu kommen im Detailhandel Sammlungen für Kunststoffflaschen mit Deckel, als Beispiele nennt das BAFU Milch- und Shampooflaschen. Das Angebot an gemischten Kunststoffsammlungen aus Haushalten wächst laufend, es wird von privaten Anbietern betrieben und muss von Kanton oder Gemeinde gutgeheissen werden. Ein Nachfüllbeutel ist dafür ein schwieriger Kandidat: Laut BAFU erschweren die grosse Vielfalt an Kunststoffen und Zusatzstoffen sowie Verschmutzungen das Recycling.

Für dich heisst das: Schau im Abfallkalender deiner Gemeinde nach, ob es eine Kunststoffsammlung gibt und was dort hineindarf. Drück Beutel und Kartuschen möglichst leer, bevor du sie entsorgst, denn Produktreste verschlechtern die Qualität des Sammelguts. Und rechne nicht damit, dass eine Nachfüllung automatisch im Kreislauf bleibt, nur weil «Refill» draufsteht.

Ist es hygienisch, eine Gesichtscreme oder ein Serum selbst nachzufüllen?

Eine Gesichtscreme oder ein Serum selbst nachzufüllen ist hygienisch heikel, sobald du den Behälter öffnest, umfüllst oder einen Rest mit frischer Ware mischst. Wasserhaltige Pflege ist auf Konservierung angewiesen, und bei jedem Öffnen können Keime aus Luft, Händen oder Badezimmer hineingelangen. Wie stark der Verschluss dabei zählt, zeigt eine ältere, aber oft zitierte Studie in Applied and Environmental Microbiology: Freiwillige nutzten eine unkonservierte Hautlotion zwei Wochen lang im Alltag. Beim Schraubverschluss waren danach 71 Prozent der Behälter mikrobiell kontaminiert, beim Klappverschluss 39 Prozent, beim Pumpspender 10 Prozent. Übertragen auf Refill heisst das: Geschlossene Systeme wie eine Kartusche, die als Ganzes getauscht wird, sind hygienisch die ruhigere Wahl als ein offener Spender, in den du aus einem Beutel umfüllst.

Wenn du doch umfüllst, dann nur in einen vollständig geleerten, gereinigten und trockenen Behälter, nie auf einen alten Rest. Was das PAO-Symbol bedeutet, steht im Beitrag zur Haltbarkeit von Kosmetik nach dem Öffnen, und warum manche Rezepturen empfindlicher sind als andere, erklärt der Artikel darüber, wie Naturkosmetik konserviert wird.

Pipettenflaschen sind fürs Selbstnachfüllen besonders ungeeignet: Die Pipette taucht bei jeder Anwendung ins Produkt und kommt oft mit den Fingern in Kontakt. Lieber aufbrauchen und die leere Flasche entsorgen oder anders weiterverwenden.

Wann ist Refill nur Marketing, und was bringt mehr als jede Nachfüllpackung?

Refill ist dann vor allem Marketing, wenn eine Marke mit Einsparprozenten wirbt, ohne offenzulegen, wie oft dafür nachgefüllt werden muss und womit verglichen wird. Angaben wie ein bestimmter Prozentsatz weniger Verpackung oder CO2 stammen meist vom Hersteller selbst und gelten für ein Szenario, das du selten nachprüfen kannst. Frag deshalb nach der Bezugsgrösse: pro Nachfüllung, nach fünf Runden oder über die ganze Lebensdauer. Mehr dazu, woran du begründete Umweltaussagen erkennst, steht im eigenen Beitrag. Ein zweites Warnzeichen ist die Bindung: Passt die Nachfüllung nur in den Spender einer einzigen Marke, verkauft das System auch Treue. Und Treue ist die Voraussetzung, die bei vielen Menschen fehlt. In der britischen Online-Umfrage derselben Studie war bei Verpackungen verschiedener Supermarktprodukte Recycling die häufigste Wahl (53 Prozent), gefolgt vom Abfalleimer (34 Prozent), Wiederverwenden wählten nur 13 Prozent.

Mehr als jede Nachfüllpackung bringt deshalb die Verpackung, die gar nicht erst gekauft wird. Weniger Produkte bedeuten weniger Behälter, und ein vollständig aufgebrauchtes Produkt ersetzt sich erst dann, wenn es wirklich leer ist. Wie das konkret aussieht, zeigt eine minimalistische Routine mit wenigen Produkten, und wie viele Packungen pro Jahr dabei anfallen, kannst du ausrechnen, wenn du weisst, wie lange 50 ml Gesichtscreme reichen. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Simone: «Ich finde es ganz toll, dass man nur 2 Produkte braucht […]». Genau das ist der Gedanke hinter The Duo aus Serum und Gesichtscreme: zwei Produkte statt acht, die bei zweimal täglicher Anwendung rund zwei Monate reichen.

Ich habe The Duo bewusst auf zwei Produkte begrenzt und kein Tonikum und kein Peeling ins Sortiment genommen. Das war keine Verpackungsentscheidung, sondern eine Routineentscheidung, aber sie hat einen Nebeneffekt: Die Verpackung, die du nie kaufst, ist die einzige, die sicher nichts kostet. Mit 3 bis 6 Tropfen Serum und 3 bis 6 Pumpstössen Creme reichen beide je nach Anwendung zwei bis vier Monate, wie die Anwendung Schritt für Schritt zeigt. Das macht eine Flasche nicht klimaneutral, und es ersetzt keine Ökobilanz. Es heisst nur, dass in deinem Bad weniger Behälter entstehen, die irgendwann jemand entsorgen muss.

Häufige Fragen

Sind Refills günstiger als das Originalprodukt

Oft ja, aber nicht immer. Häufig kosten Nachfüllungen pro Milliliter etwas weniger, weil der aufwendige Behälter wegfällt. Vergleiche deshalb den Preis pro Milliliter statt pro Packung und rechne den Dauerbehälter beim ersten Kauf mit ein. Wenn du vor allem planbaren Nachschub willst, ist die Frage eher, ob sich ein Kosmetik-Abo lohnt.

Kann ich Pumpspender und Pipettenflaschen selbst nachfüllen

Technisch geht das oft, hygienisch ist es heikel. Pumpen lassen sich zu Hause kaum vollständig reinigen und trocknen, Pipetten kommen bei jeder Anwendung mit Produkt und Fingern in Kontakt. Wenn überhaupt, dann nur mit demselben Produkt, in einen komplett geleerten, sauberen und trockenen Behälter und nie auf einen Rest.

Ist ein Nachfüllbeutel aus Plastik besser als ein neues Glas

Das kann sein, wenn der Beutel leicht ist und du das Glas dafür viele Male weiterverwendest. Ein leichter Beutel braucht in der Herstellung und im Transport meist weniger als ein neues Glas. Der Vorteil verschwindet aber, wenn du nur ein- oder zweimal nachfüllst oder der Beutel am Ende ohnehin im Kehricht landet.

Wie lange muss ich ein Refill-System nutzen, damit es sich lohnt

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Massgeblich ist, wie viel mehr Material im Dauerbehälter steckt als in einer Einwegpackung und woraus die Nachfüllung besteht: Ein leichter Spender aus Kunststoff holt seinen Mehraufwand schneller herein als ein schwerer Tiegel aus Glas oder Metall. Kaufe ein Refill-System deshalb erst, wenn du das Produkt schon kennst und sicher weiter nutzen willst.

Gibt es in der Schweiz Abfüllstationen für Gesichtspflege

Abfüllstationen findest du in der Schweiz am ehesten in Unverpackt-Läden. Ob dort auch Gesichtspflege offen abgefüllt wird, ist von Laden zu Laden verschieden, also frag direkt nach. Wichtig ist bei Gesichtspflege vor allem, wie die Station gereinigt wird und dass du in ein sauberes, trockenes Gefäss abfüllst und die Pflege zügig aufbrauchst.

Wie erkenne ich, ob ein Refill-Versprechen belegt ist

Ein belegtes Refill-Versprechen nennt die Bezugsgrösse, also wie viele Nachfüllungen es voraussetzt und womit verglichen wird. Fehlt diese Angabe, ist eine Prozentzahl wenig wert. Gut ist auch, wenn die Marke sagt, woraus die Nachfüllung besteht und wie du sie entsorgst. Eine unabhängig geprüfte Ökobilanz ist die stärkste Form von Beleg.

Brauche ich ein Refill-System, wenn ich The Duo benutze

Nein. Der grössere Hebel liegt bei The Duo in der Menge: zwei Produkte statt acht, die je nach Anwendung zwei bis vier Monate reichen, bei zweimal täglicher Anwendung rund zwei Monate. Wenn du beide aufbrauchst, bevor du nachkaufst, sparst du Verpackung, ohne auf ein Nachfüllsystem angewiesen zu sein. Mehr zur Routine findest du bei The Duo.

Quellen

  1. Gatt IJ, Refalo P. Reusability and recyclability of plastic cosmetic packaging: A life cycle assessment. Resources, Conservation & Recycling Advances, 2022. Quelle
  2. Greenwood SC, Walker S, Baird HM, Parsons R, Mehl S, Webb TL et al. Many happy returns: Combining insights from the environmental and behavioural sciences to understand what is required to make reusable packaging mainstream. Sustainable Production and Consumption, 2021. Quelle
  3. Brannan DK, Dille JC. Type of closure prevents microbial contamination of cosmetics during consumer use. Applied and Environmental Microbiology, 1990. Quelle
  4. Bundesamt für Umwelt BAFU. Kunststoffe. Quelle
The Duo - Serum & Gesichtscreme
Die minimalistische Routine

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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin