Kokosöl im Gesicht: warum es nicht für jede Haut passt

WIRKSTOFFE

Kokosöl im Gesicht passt nicht für jede Haut. Bei trockener, robuster Haut kann es als reichhaltige Fettschicht funktionieren, weil es den Wasserverlust bremst. Bei Mischhaut, fettiger Haut und Neigung zu Unreinheiten ist es dagegen oft zu schwer und kann Poren belasten. Feuchtigkeit oder Wirkstoffe liefert Kokosöl nicht, es ist ein reines Fett. Wenn du es testen willst, nimm wenig, beobachte zwei bis drei Wochen und hör bei neuen Pickeln auf.

Ist Kokosöl gut fürs Gesicht?

Kokosöl ist fürs Gesicht nur bedingt gut: Es kann trockene Haut geschmeidiger machen, ersetzt aber keine Gesichtspflege und ist für viele Hauttypen zu schwer. Kokosöl ist ein reines Fett ohne Wasser. Es legt sich als Film auf die Haut und verlangsamt, dass Feuchtigkeit verdunstet. Das fühlt sich nach dem Auftragen weich und gepflegt an. Was die Haut dabei nicht bekommt, sind Feuchthaltestoffe wie Glycerin oder Hyaluronsäure und Wirkstoffe, die gezielt an Barriere, Rötungen oder Pigmentflecken ansetzen.

Die bekannteste Studie zu Kokosöl als Feuchtigkeitspflege wurde nicht im Gesicht gemacht: In einer randomisierten Doppelblindstudie in der Zeitschrift Dermatitis wirkte natives Kokosöl bei 34 Personen mit leichter bis mässiger Hauttrockenheit an den Beinen über zwei Wochen so gut wie Mineralöl. Das ist ein solides Ergebnis für den Körper, auf die Gesichtshaut mit ihren vielen Talgdrüsen lässt es sich aber nicht eins zu eins übertragen. Wie Kokosöl neben anderen Küchenölen abschneidet, steht im Artikel über Hausmittel gegen trockene Haut im Gesicht.

Was steckt in Kokosöl, und warum wird es bei Zimmertemperatur fest?

Kokosöl besteht überwiegend aus gesättigten Fettsäuren, allen voran Laurinsäure, und genau das macht es bei kühler Zimmertemperatur fest. Eine Übersichtsarbeit im International Journal of Molecular Sciences beziffert den Anteil der Laurinsäure auf 49 Prozent, dahinter folgen Myristinsäure mit 18 Prozent sowie Palmitin- und Caprylsäure mit je 8 Prozent. Ungesättigte Fettsäuren spielen kaum eine Rolle: Ölsäure kommt auf 6 Prozent, Linolsäure auf 2 Prozent. Gesättigte Fettsäuren haben keine Doppelbindungen, ihre geraden Ketten lassen sich dicht packen. Darum kristallisiert Kokosöl schon bei Temperaturen, bei denen Oliven- oder Sonnenblumenöl längst flüssig sind.

Eine Übersicht in ACS Omega nennt genau das als Nachteil in der Kosmetik: Bei tiefen Temperaturen kann Kokosöl fettig wirken, ganz fest werden und dadurch schlecht einziehen. Im Badezimmer heisst das: Im Winter steht eine weisse, feste Masse im Glas, im Sommer ein klares Öl. Die hohe Sättigung hat auch einen Vorteil. Dieselbe Übersicht beschreibt Kokosöl als sehr widerstandsfähig gegen das Ranzigwerden, weil kaum Doppelbindungen da sind, an denen Sauerstoff angreifen kann.

Für welche Haut passt Kokosöl im Gesicht, und für welche nicht?

Kokosöl passt am ehesten zu trockener, robuster Haut, die wenig zu Unreinheiten neigt, und am wenigsten zu fettiger, unreiner oder Mischhaut. Bei trockener und reifer Haut kann ein dünner Film das Spannungsgefühl mildern. Nur fehlt dieser Haut meist nicht bloss Fett, sondern auch Feuchtigkeit. Ein Öl allein schliesst die Haut ab, ohne vorher etwas hineinzugeben. Sinnvoller ist die Kombination aus Feuchthaltestoffen und hautverwandten Lipiden, wie sie zum Beispiel The Duo aus Serum und Creme liefert: Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen im Serum, Squalan, Jojobaöl und Ceramide NP in der Creme. Bei trockener Haut nimmst du davon einfach etwas mehr.

Bei fettiger Haut und Neigung zu Pickeln ist Kokosöl oft zu schwer. Die Übersicht in ACS Omega hält fest, dass Kokos- und Olivenöl in der Kosmetik Poren verstopfen und bei empfindlicher Haut Unreinheiten auslösen können. Dass Monolaurin, ein Abkömmling der Laurinsäure, im Labor Bakterien angreift, die an Pickeln beteiligt sind, macht Kokosöl nicht zur Pickelpflege. Was bei Unreinheiten wirklich zählt, steht im Artikel über Pflege bei unreiner Haut. Und wenn du ein leichteres Öl suchst, ist Jojobaöl im Gesicht die flüssige Alternative, die auch bei Kälte nicht fest wird.

Hautzustand Kokosöl im Gesicht Besser
Trocken oder reif Möglich, wenn die Haut ruhig bleibt, liefert aber nur Fett Feuchtigkeit plus Lipide, also Serum und Creme
Sehr trocken an einzelnen Stellen Punktuell und dünn, etwa auf rauen Wangen im Winter Etwas mehr Creme gezielt auf diese Stellen
Mischhaut Höchstens an trockenen Partien, nicht auf der T-Zone Leichte Pflege, Öl nur gezielt
Fettig oder unrein Eher nicht, oft zu schwer Leichte, nicht fettende Pflege
Empfindlich Nur nach einem Test an kleiner Stelle Wenige, parfumfreie Produkte

Studien an Kindern mit Neurodermitis, etwa im International Journal of Dermatology, haben natives Kokosöl mit Mineralöl verglichen. Daraus folgt keine Pflegeempfehlung fürs Gesicht. Neurodermitis gehört in die Hände der Dermatologin, und ob Kokosöl dabei eine Rolle spielt, klärst du mit ihr.

Kann Kokosöl über Nacht im Gesicht bleiben?

Ja, Kokosöl kann über Nacht im Gesicht bleiben, wenn deine Haut trocken ist und nicht mit Unreinheiten reagiert. Nachts liegt der Fettfilm viele Stunden ungestört auf der Haut und bremst in dieser Zeit den Wasserverlust. Genau diese lange Kontaktzeit ist aber auch das Risiko: Wenn Kokosöl deine Poren belastet, zeigt sich das bei einer Anwendung über Nacht am schnellsten. Morgens wirkt die Haut dann eher fettig als gepflegt, und nach einigen Tagen kommen neue Mitesser dazu. Wer es ausprobieren will, hält sich an ein paar einfache Regeln:

  • Wenig nehmen: Eine erbsengrosse Menge, zwischen den Handflächen geschmolzen, reicht für das ganze Gesicht.
  • Nicht statt Feuchtigkeit: Das Öl kommt, wenn überhaupt, als letzte Schicht auf deine übliche Pflege.
  • Den Kissenbezug öfter wechseln, weil sich Öl und Hautfett darin sammeln.
  • Zwei bis drei Wochen beobachten. Tauchen neue Mitesser oder Pickel auf, lass es weg.

Taugt Kokosöl zum Abschminken?

Kokosöl löst Make-up und auch wasserfeste Mascara meist gut, taugt aber nur zum Abschminken, wenn du es danach gründlich abwäschst. Fett löst Fett: Wachse und Öle aus dem Make-up gehen im Kokosöl in Lösung, die Farbpigmente lösen sich mit ab und lassen sich mit einem weichen Tuch abnehmen. Bleibt der Ölfilm danach auf der Haut, liegt das gelöste Make-up samt Öl über Nacht auf deinen Poren. Darum folgt auf das Öl eine milde Reinigung, die alles abspült. Dieses Prinzip kennst du vielleicht unter dem Namen Double Cleansing. Ob du zwei Schritte brauchst oder eine einfache Reinigung reicht, klärt der Artikel darüber, welche Gesichtsreinigung deine Haut braucht.

An den Augen ist Vorsicht angebracht. Kokosöl, das ins Auge gelangt, kann brennen und die Sicht kurz verschleiern. Trag es deshalb bei geschlossenen Augen auf und nimm es sanft ab, ohne zu reiben. Ein Nachteil im Alltag: Festes Kokosöl muss erst zwischen den Fingern schmelzen, bevor es sich verteilen lässt.

Was ist fraktioniertes Kokosöl, und ist es dasselbe wie natives Kokosöl?

Fraktioniertes Kokosöl ist nicht dasselbe wie natives Kokosöl, sondern ein abgetrennter Teil davon, der flüssig bleibt und sich leichter anfühlt. Beim Fraktionieren werden die Fettanteile nach ihren Eigenschaften getrennt. Die längerkettigen Anteile, darunter ein grosser Teil der Laurinsäure, werden entfernt. Übrig bleiben vor allem Triglyceride der kürzeren Capryl- und Caprinsäure, oft MCT-Öl genannt. Sie werden auch bei Kälte nicht fest, ziehen schneller ein und hinterlassen weniger Glanz. Auf Zutatenlisten heisst so ein Öl häufig Caprylic/Capric Triglyceride. Der Name verrät allerdings nicht, aus welcher Pflanze der Stoff stammt, er kann zum Beispiel auch aus Palmkernöl gewonnen werden.

Für dein Gesicht ist der Unterschied spürbar: Fraktioniertes Öl ist leichter, geruchlos und an trockenen Stellen von Mischhaut eher tauglich als die feste Variante. Natives Kokosöl riecht nach Kokos und enthält zusätzlich Pflanzenstoffe wie Polyphenole, deren Nutzen auf der Haut aber kaum untersucht ist. Ein Ersatz für Feuchtigkeit ist keines von beiden.

Als ich die Lipide für The Shield ausgewählt habe, fiel die Wahl unter anderem auf Squalan, Jojobaöl und Ceramide NP, nicht auf Kokosöl. Kokosöl (Cocos Nucifera Oil) steht in der INCI von The Duo gar nicht. Das ist kein Urteil über Kokosöl als Rohstoff. The Duo ist für empfindliche, trockene oder reife Haut gedacht, auch wenn sie zu Unreinheiten neigt, und dafür wollte ich Lipide, die sich leicht verteilen und zusammen mit der Feuchtigkeit aus dem Serum funktionieren. Ehrlich gesagt: Am Körper ist Kokosöl oft eine gute, günstige Pflege. Fürs Gesicht brauchst du es nicht. Und wenn deine Haut es verträgt, spricht nichts dagegen, einen Rest im Badezimmer aufzubrauchen. Was genau drin ist und was nicht, steht in der vollständigen Liste der Inhaltsstoffe von The Duo.

Häufige Fragen

Verstopft Kokosöl die Poren

Bei manchen Menschen ja, bei anderen nicht. Der Ruf als porenverstopfend stammt aus Rohstofftests am Kaninchenohr, die sich nur begrenzt auf menschliche Gesichtshaut übertragen lassen. Ob es bei dir passiert, entscheiden Rezeptur, Menge und deine eigene Haut, mehr dazu im Artikel darüber, was komedogen wirklich bedeutet.

Hilft Kokosöl gegen Falten

Nein, dafür gibt es keine belastbaren Belege. Ein Ölfilm lässt trockene Haut für einige Stunden glatter wirken, weil feine Trockenheitsfältchen weniger auffallen. Das ist ein kurzfristiger Effekt an der Oberfläche, keine Veränderung der Falten. Wenn du langfristig etwas für deine Haut tun willst, ist täglicher Sonnenschutz wichtiger als jedes Öl.

Kann ich Kokosöl unter den Augen verwenden

Ja, aber sparsam und nicht bis an den Wimpernrand. Die Haut unter den Augen ist dünn, und Öl wandert leicht ins Auge, wo es brennen und die Sicht trüben kann. Tupf eine winzige Menge auf den Bereich über dem Knochen, nicht auf das Lid. Zeigen sich dort kleine weisse Knötchen oder Rötungen, lass es weg und lass die Stelle bei der Dermatologin anschauen.

Ist natives oder raffiniertes Kokosöl besser fürs Gesicht

Einen klaren Sieger gibt es nicht. Natives Kokosöl wird schonender gewonnen, riecht nach Kokos und enthält mehr Begleitstoffe wie Polyphenole. Die Hautstudien haben meist natives Öl verwendet. Raffiniertes Kokosöl ist gereinigt und geruchlos, was bei empfindlicher Haut angenehmer sein kann. Die Fettsäuren und damit die Schwere auf der Haut sind bei beiden weitgehend gleich, für Poren und Unreinheiten macht die Wahl darum kaum einen Unterschied.

Kann ich Kokosöl unter meine Gesichtscreme mischen

Du kannst einen Tropfen geschmolzenes Kokosöl in der Handfläche mit der Creme vermischen, ein Gewinn ist das aber selten. Eine Creme ist ein abgestimmtes Gemisch aus Wasser und Fett, zusätzliches Öl macht sie schwerer und verändert, wie sie einzieht. Wenn überhaupt, gehört das Öl separat obendrauf. Wann sich ein Öl lohnt, erklärt der Artikel Serum oder Gesichtsöl.

Kann man auf Kokosöl allergisch reagieren

Ja, das ist möglich. Die Übersicht in ACS Omega zählt mögliche allergische Reaktionen zu den Nachteilen von Kokosöl, ebenso die Neigung, Poren zu verstopfen. In der Studie in Dermatitis wurden nur Personen aufgenommen, die im Vortest nicht reagiert hatten, und während der zwei Wochen traten keine Nebenwirkungen auf. Für dich heisst das: Du solltest jede neue Pflege mit einem Patch-Test prüfen, bevor sie aufs ganze Gesicht kommt.

Brauche ich Kokosöl, wenn ich The Duo benutze

Nein. Neben The Duo brauchst du kein zusätzliches Öl. Die Creme bringt mit Squalan, Jojobaöl und Ceramide NP bereits Lipide mit, das Serum liefert Feuchtigkeit. Kokosöl steht nicht in der INCI von The Duo. Ist deine Haut sehr trocken, nimm von Serum und Creme aus The Duo einfach etwas mehr, statt eine weitere Schicht aufzulegen.

Quellen

  1. Agero AL, Verallo-Rowell VM. A randomized double-blind controlled trial comparing extra virgin coconut oil with mineral oil as a moisturizer for mild to moderate xerosis. Dermatitis, 2004. Quelle
  2. Lin TK, Zhong L, Santiago JL. Anti-Inflammatory and Skin Barrier Repair Effects of Topical Application of Some Plant Oils. International Journal of Molecular Sciences, 2017. Quelle
  3. Abdalla S, Aroua MK, Gew LT. A Comprehensive Review of Plant-Based Cosmetic Oils (Virgin Coconut Oil, Olive Oil, Argan Oil, and Jojoba Oil): Chemical and Biological Properties and Their Cosmeceutical Applications. ACS Omega, 2024. Quelle
  4. Evangelista MT, Abad-Casintahan F, Lopez-Villafuerte L. The effect of topical virgin coconut oil on SCORAD index, transepidermal water loss, and skin capacitance in mild to moderate pediatric atopic dermatitis: a randomized, double-blind, clinical trial. International Journal of Dermatology, 2014. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin