Gesichtsdampfbad: was der Dampf wirklich bringt, für wen er sich lohnt und wann du ihn lässt

ROUTINE

Ein Gesichtsdampfbad wärmt die Haut, macht Talg weicher und lässt die oberste Hornschicht kurz aufquellen. Darum fühlt sich die Haut danach weich und rosig an, und Mitesser lassen sich leichter lösen. Mehr ist es nicht: Dampf entgiftet nicht, reinigt nicht von innen und ersetzt keine Pflege. Für normale, ölige und Mischhaut kann es ein angenehmes Ritual sein, einmal pro Woche für fünf bis zehn Minuten. Bei Rosazea, Couperose, Ekzemen oder sehr trockener Haut lässt du es besser.

Was bringt ein Gesichtsdampfbad der Haut wirklich?

Ein Gesichtsdampfbad bringt der Haut vor allem Wärme und kurzfristig Wasser, und beides wirkt nur so lange, wie die Haut warm und feucht bleibt. Die Wärme macht den Talg flüssiger. Eine ältere Untersuchung im British Journal of Dermatology hat gemessen, wie sich die Talgabgabe an der Stirn mit der Hauttemperatur verändert: Erwärmen und Abkühlen veränderte sie in der Grössenordnung von 10 Prozent pro Grad Celsius. Die Autoren vermuten als Grund vor allem, dass warmer Talg weniger zähflüssig ist. Das passt dazu, dass sich verhornte Talgpfropfen nach dem Dampf leichter lösen lassen. Gleichzeitig nimmt die Hornschicht Wasser auf, quillt etwas und fühlt sich glatter an. Die Durchblutung steigt, deshalb sieht das Gesicht danach frischer und rosiger aus.

Was Dampf nicht kann, wird trotzdem oft versprochen: Er schwemmt keine «Giftstoffe» aus der Haut, er beseitigt keine Unreinheiten, und eine Pore geht durch Wärme nicht auf wie eine Tür. Mehr dazu weiter unten in den häufigen Fragen. Die Bilanz ist unspektakulär, aber ehrlich: ein Wohlfühlschritt mit einem praktischen Nebeneffekt für Mitesser, keine eigene Pflegewirkung.

Versprechen Was dran ist
Dampf öffnet die Poren Nein. Wärme macht Talg weicher, die Pore selbst bleibt, wie sie ist.
Dampf reinigt die Haut von innen Nein. Er löst Talg an, entfernt aber nichts von selbst.
Dampf entgiftet Nein. Die Haut ist kein Ausscheidungsorgan für «Schlacken».
Dampf spendet Feuchtigkeit Nur kurz. Ohne Pflege danach verdunstet das Wasser wieder.
Dampf erleichtert das Lösen von Mitessern Ja, weil warmer Talg weniger zähflüssig ist.

Für welche Haut kann ein Dampfbad passen, und wer sollte es lassen?

Ein Dampfbad passt am ehesten zu normaler, öliger und Mischhaut, die gut auf Wärme reagiert und zu Mitessern neigt. Diese Haut profitiert am meisten davon, dass Talg weicher wird, und sie verkraftet die kurze Hitze meist ohne Spannungsgefühl. Je empfindlicher und trockener deine Haut ist, desto weniger spricht dafür. Hitze erweitert die Gefässe, und genau das ist bei Haut, die ohnehin schnell rot wird, das Gegenteil von dem, was du willst. Wie die Gesichtshaut grundsätzlich auf grosse Hitze reagiert, steht im Artikel darüber, was die Saunahitze mit der Gesichtshaut macht. Lass das Dampfbad in diesen Fällen besser weg:

  • Rosazea, Couperose oder Haut, die bei Wärme schnell flächig rot wird. Mehr dazu unter Hautpflege bei Rosazea.
  • Ekzeme, Neurodermitis im Gesicht oder akut gereizte, schuppende Stellen: Das gehört zur Abklärung bei der Dermatologin.
  • Sehr trockene Haut, die nach heissem Wasser spannt.
  • Frisch nach einem Peeling, einer Laserbehandlung, mit Sonnenbrand oder unter einer ärztlich verordneten Retinoid-Therapie.
  • Entzündete, schmerzhafte Pickel oder Knoten: Akne gehört zur Dermatologin, nicht über die Dampfschüssel.

Auch wer warmen, feuchten Dampf schlecht verträgt, etwa weil das Atmen dabei eng wird, braucht das Ritual nicht. Für die Haut verpasst du nichts, was sich nicht anders lösen lässt.

Wie oft und wie lange ist ein Gesichtsdampfbad sinnvoll?

Ein Gesichtsdampfbad ist einmal pro Woche für fünf bis zehn Minuten sinnvoll, bei öliger Haut höchstens zweimal. Das ist keine Zahl aus Studien, sondern eine Faustregel, die sich an einer einfachen Überlegung orientiert: Der Nutzen tritt schnell ein, weil der Talg nach wenigen Minuten warm ist. Längeres Dampfen bringt keinen zusätzlichen Effekt, aber mehr Wärme und mehr Rötung. Wichtiger als die Dauer ist die Sicherheit. Eine Auswertung im British Journal of General Practice hat Verbrühungen durch Dampfinhalationen in den niederländischen Verbrennungszentren erfasst: Im Schnitt wurden dort jedes Jahr drei Menschen wegen solcher Verbrühungen aufgenommen, die meisten davon Kinder, die häufiger als Erwachsene eine Hauttransplantation brauchten. Die Schüssel mit heissem Wasser ist also kein harmloses Wellness-Requisit.

  1. Gesicht vorher mit lauwarmem Wasser oder deiner üblichen milden Reinigung säubern.
  2. Wasser aufkochen und kurz abkühlen lassen, die Schüssel stabil auf einen Tisch stellen, nie auf den Schoss.
  3. Mit so viel Abstand über die Schüssel beugen, dass sich der Dampf warm, aber nicht heiss anfühlt, Tuch locker über den Kopf, Augen geschlossen.
  4. Nach fünf bis zehn Minuten aufhören, früher, wenn es brennt oder sticht.
  5. Gesicht mit kühlerem Wasser abspülen und direkt pflegen.

Kinder und Haustiere gehören während des Dampfbads nicht in die Nähe der Schüssel.

Kamille, Kräuter oder ätherische Öle im Dampf: was davon ist eine gute Idee?

Klares Wasser ist die beste Wahl, denn Kamille, Kräuter und ätherische Öle bringen der Haut im Dampf keinen belegten Zusatznutzen, wohl aber zusätzliche Allergene. Kamille gehört zu den Korbblütlern, und diese Pflanzenfamilie ist eine bekannte Quelle von Kontaktallergien. Eine Untersuchung in Contact Dermatitis hat Personen mit Korbblütler-Allergie mit Kosmetik und pflanzlichen Mitteln getestet: 8 von 12 kamillesensibilisierten Personen reagierten positiv auf kamillehaltige Präparate, darunter auch Tee. Eine zweite Arbeit derselben Forschungsgruppe kommt zum Schluss, dass eine Sensibilisierung zum Beispiel auch durch die äusserliche Anwendung von Kamillentee entstehen kann. Das heisst nicht, dass jede Kamillenschüssel eine Allergie auslöst. Der beruhigende Ruf der Kamille ist aber kein Grund, sie regelmässig auf warme, gereizte Haut zu dampfen.

Bei ätherischen Ölen kommt ein zweites Problem dazu: Sie sind flüchtig und landen mit dem Dampf genau dort, wo sie am wenigsten verloren haben, auf warmer Haut, in den Augen und in den Atemwegen. Welche Öle besonders oft Probleme machen, erklärt der Artikel über ätherische Öle in der Gesichtspflege. Für das Dampfbad gilt: Das Wasser braucht keinen Zusatz, damit der Dampf seinen Zweck erfüllt.

Ist das Dampfbad vor dem Ausreinigen von Mitessern sinnvoll?

Ja, vor dem Ausreinigen von Mitessern ist ein kurzes Dampfbad sinnvoll, weil warmer Talg leichter aus der Pore gleitet und weniger Druck nötig ist. Weniger Druck heisst weniger Risiko für Rötungen, geplatzte Äderchen und Male. Das ist der eigentliche Grund, warum Kosmetikerinnen vor einer Ausreinigung mit Dampf arbeiten. Zwei Dinge solltest du vorher klären. Erstens: Nicht alles, was auf der Nase dunkel aussieht, ist ein Mitesser. Ob du Talgfäden oder Mitesser vor dir hast, entscheidet darüber, ob sich das Ausdrücken überhaupt lohnt, denn Talgfäden füllen sich rasch wieder. Zweitens: Ein offener Mitesser ist etwas anderes als ein entzündeter Pickel.

Auch nach dem Dampf gilt deshalb, warum du Pickel besser nicht ausdrückst: Bei roten, geschwollenen Stellen drückst du Entzündungsmaterial eher tiefer, als dass du es herausholst. Wer regelmässig viele verstopfte Poren hat, ist bei einer Kosmetikerin oder bei wiederkehrenden Entzündungen bei der Dermatologin besser aufgehoben als bei der Dampfschüssel im Bad.

Ausreinigen nur mit sauberen Händen und Papiertüchern um die Fingerkuppen, nie mit den Fingernägeln. Gibt der Mitesser bei leichtem Druck nicht nach, lass ihn in Ruhe und versuch es nicht ein zweites Mal.

Was gehört nach dem Gesichtsdampfbad auf die Haut?

Nach dem Gesichtsdampfbad gehört deine ganz normale Pflege auf die Haut, und zwar gleich danach, sobald du das Gesicht abgespült und sanft abgetupft hast. Die Haut fühlt sich nach dem Dampf zwar prall und weich an, gepflegt ist sie aber nicht. Das aufgenommene Wasser verdunstet schnell wieder, und ohne Pflege danach spannt Haut oft stärker als vorher. Wasser ist für die Hornschicht kein neutraler Stoff. Eine elektronenmikroskopische Untersuchung im Journal of Investigative Dermatology zeigte, dass längerer Wasserkontakt die Lipidschichten zwischen den Hornzellen stört; nach 4 Stunden Wasserkontakt hatte sich die Dicke der Hornschicht verdreifacht. Ein kurzes Dampfbad ist davon weit entfernt, die Richtung ist trotzdem klar: Mehr Wasser ist für die Hornschicht nicht automatisch besser.

Sinnvoll ist deshalb dieselbe Reihenfolge wie jeden Tag: zuerst ein leichtes Serum, das Feuchtigkeit bindet, dann eine Creme, die sie hält. Bei The Duo heisst das: The Essential mit Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen, darüber The Shield mit Ceramide NP und Squalan. Eine Extramaske, ein Tonikum oder ein «porenschliessendes» Wasser brauchst du nach dem Dampf nicht. Silas schreibt in einer Bewertung auf Judge.me: «Die Pflegeroutine ist super simpel und damit ideal für mich, da ich keine Lust habe, viel Zeit im Bad zu verbringen.» Das Dampfbad macht aus dieser Routine kein anderes Programm.

Ich habe kein Peeling und kein Tonikum ins Sortiment genommen, weil ich eine Routine aus zwei Produkten statt acht für sinnvoller halte. Ein Dampfbad ändert daran nichts. Es ist ein Ritual, wenn du es magst, aber kein zusätzlicher Pflegeschritt, den deine Haut braucht. Danach gilt dieselbe Anwendung wie an jedem anderen Tag: Gesicht mit Wasser reinigen, 3 bis 6 Tropfen Serum, darüber 3 bis 6 Pumpstösse Creme, so wie es unter Anwendung von The Duo beschrieben ist. Beide Produkte sind parfumfrei, und aus demselben Grund rate ich dir von Duftölen im Dampfwasser ab. Duftstoffe lasse ich nicht aus beiden Produkten weg, damit sie dann über die Schüssel doch wieder ins Gesicht kommen.

Häufige Fragen

Öffnet Dampf die Poren

Nein, Dampf öffnet die Poren nicht, Poren haben keinen Muskel, der sich auf- und zumachen könnte. Wärme macht den Talg darin weicher, dadurch lässt er sich leichter lösen. Und warum Poren grösser wirken, hat mit Talg, Elastizität und Alter zu tun, nicht mit Wärme.

Hilft ein Gesichtsdampfbad gegen Pickel

Nein, ein Gesichtsdampfbad ist kein Mittel gegen Pickel. Es kann das Lösen von offenen Mitessern erleichtern, an entzündeten Pickeln ändert es nichts, und die Wärme kann Rötungen sogar verstärken. Bei wiederkehrenden oder schmerzhaften Pickeln ist die Dermatologin die richtige Adresse.

Ist eine Gesichtssauna besser als eine Schüssel heisses Wasser

Eine Gesichtssauna ist nicht wirksamer, aber oft sicherer und bequemer. Das Gerät liefert gleichmässigen Dampf, und du hast keine offene Schüssel mit kochendem Wasser vor dir. Für die Haut ist das Ergebnis dasselbe: Wärme und kurz Feuchtigkeit. Ein Gerät brauchst du also nicht, wenn du mit der Schüssel vorsichtig umgehst.

Darf ich bei Rosazea oder Couperose ein Dampfbad machen

Bei Rosazea oder Couperose lässt du das Dampfbad besser weg. Hitze erweitert die Gefässe und kann Rötungen und Brennen verstärken. Ob und welche Pflege bei Rosazea passt, klärst du am besten mit deiner Dermatologin; Kosmetik kann eine Behandlung nur begleiten, nicht ersetzen.

Soll ich vor dem Dampfbad das Gesicht reinigen

Ja, reinige das Gesicht vorher, damit Make-up, Sonnenschutz und Schmutz nicht in die warme, weiche Haut gearbeitet werden. Lauwarmes Wasser oder deine übliche milde Reinigung reicht. Heisses Wasser und kräftiges Rubbeln sind dabei unnötig, die Wärme kommt danach ohnehin.

Kann ein Dampfbad die Haut austrocknen

Ja, ein Dampfbad kann die Haut austrocknen, vor allem wenn es zu lang dauert, zu oft stattfindet oder die Pflege danach fehlt. Das Wasser aus dem Dampf verdunstet schnell wieder und nimmt Feuchtigkeit mit. Trockene und empfindliche Haut spannt danach deshalb oft eher, statt praller zu wirken.

Wann trage ich The Duo nach dem Dampfbad auf

Direkt danach, sobald du das Gesicht kurz abgespült und sanft abgetupft hast. Zuerst 3 bis 6 Tropfen Serum, dann 3 bis 6 Pumpstösse Creme, genau wie an jedem anderen Tag. Einen zusätzlichen Schritt braucht es nicht: The Duo mit Serum und Creme reicht als Pflege nach dem Dampf.

Quellen

  1. Cunliffe WJ, Burton JL, Shuster S. The effect of local temperature variations on the sebum excretion rate. British Journal of Dermatology, 1970. Quelle
  2. Baartmans M, Kerkhof E, Vloemans J, Dokter J, Nijman S, Tibboel D, et al. Steam inhalation therapy: severe scalds as an adverse side effect. British Journal of General Practice, 2012. Quelle
  3. Paulsen E, Christensen LP, Andersen KE. Cosmetics and herbal remedies with Compositae plant extracts – are they tolerated by Compositae-allergic patients? Contact Dermatitis, 2008. Quelle
  4. Paulsen E, Otkjaer A, Andersen KE. The coumarin herniarin as a sensitizer in German chamomile. Contact Dermatitis, 2010. Quelle
  5. Warner RR, Stone KJ, Boissy YL. Hydration disrupts human stratum corneum ultrastructure. Journal of Investigative Dermatology, 2003. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin