Ferulasäure: was der Stabilisator für Vitamin C wirklich kann und wann du ihn nicht brauchst
WIRKSTOFFE
Ferulasäure ist ein pflanzliches Antioxidans, das in der Hautpflege vor allem eine Aufgabe hat: reine L-Ascorbinsäure (Vitamin C) und Vitamin E in einem Serum länger stabil zu halten. In einer Laborstudie an Schweinehaut verdoppelte der Zusatz ausserdem den Schutz dieser Kombination gegen simulierte Sonnenstrahlung. Für Ferulasäure allein ist die Datenlage dünn. Liegt dein Vitamin C bereits in einer stabilen Form vor, ist sie ein mögliches Extra, aber kein Muss. Einen Sonnenschutz ersetzt sie in keinem Fall.
Was ist Ferulasäure und woher kommt sie?
Ferulasäure ist ein Pflanzenstoff aus der Gruppe der Hydroxyzimtsäuren, der in den Zellwänden sehr vieler Pflanzen steckt, besonders in Getreide wie Reis und Weizen, aber auch in Obst und Gemüse. Die Pflanze nutzt sie als Baustein ihrer Zellwand und als Schutz gegen Licht und oxidativen Stress. Das Forschungsteam der Duke University, das die bekannteste Studie zu Ferulasäure in Seren veröffentlicht hat, beschreibt sie im Journal of Investigative Dermatology als starkes und in Pflanzen allgegenwärtiges Antioxidans. Chemisch ist sie eng mit der Kaffeesäure verwandt, aber etwas fettlöslicher. Eine Übersichtsarbeit in Skin Pharmacology and Physiology aus dem Jahr 2018 hält fest, dass Ferulasäure eine geringe Toxizität hat und in Pharmazie, Lebensmittelindustrie und Kosmetik breit eingesetzt wird.
Dieselbe Übersicht nennt auch die Schwäche, die für deine Pflege entscheidend ist: Ferulasäure neigt selbst dazu, schnell zu oxidieren. Sie ist also kein unzerstörbarer Schutzschild, sondern ein Antioxidans, das sich in der Formulierung verbraucht, während es andere Stoffe schützt. Genau deshalb taucht sie fast nie allein auf, sondern als Teil einer Mischung mit Vitamin C und Vitamin E. Andere pflanzliche Antioxidantien wie Resveratrol oder Grüntee-Extrakt werden in Seren ähnlich eingesetzt, sind aber eigene Stoffe mit eigener Datenlage.
Wie stabilisiert Ferulasäure Vitamin C, und warum vor allem L-Ascorbinsäure?
Ferulasäure stabilisiert Vitamin C, indem sie als zusätzliches Antioxidans in der Formel mitwirkt und so den oxidativen Abbau der empfindlichen L-Ascorbinsäure bremst. Reine L-Ascorbinsäure ist in wässriger Lösung die klassische, gut untersuchte Vitamin-C-Form, aber auch die instabilste: Luft, Licht und Wärme oxidieren sie, das Serum verfärbt sich und verliert an Wirkung. Genau hier setzt die Studie an, auf die sich fast alle Ferulasäure-Seren berufen. Lin und Kollegen gaben 2005 Ferulasäure zu einer Lösung aus 15% L-Ascorbinsäure und 1% Alpha-Tocopherol (Vitamin E). Laut der Veröffentlichung im Journal of Investigative Dermatology verbesserte das die chemische Stabilität der beiden Vitamine, und der Schutz der Haut gegen simulierte Sonnenstrahlung stieg von etwa vierfach auf etwa achtfach, gemessen an Rötung und Sonnenbrandzellen. Getestet wurde allerdings an Schweinehaut. Warum Vitamin C und E überhaupt zusammenarbeiten, ist ein eigenes Thema, das du im Beitrag Vitamin C und Vitamin E kombinieren findest.
2008 folgte im Journal of the American Academy of Dermatology eine Untersuchung an menschlicher Haut: Eine Lösung aus 15% L-Ascorbinsäure, 1% Alpha-Tocopherol und 0.5% Ferulasäure wurde vier Tage lang auf Hautfelder aufgetragen und schützte danach messbar vor UV-Schäden. Die Autoren nennen selbst als Einschränkung, dass relativ wenige Personen untersucht wurden. Beide Arbeiten stammen aus derselben Forschungsgruppe um Sheldon Pinnell. Das macht die Ergebnisse nicht falsch, ist aber ein Grund, sie als starken Hinweis und nicht als endgültigen Beweis zu lesen. Und sie gelten für reine L-Ascorbinsäure, also für den Fall, in dem ein Stabilisator am meisten zu tun hat.
Was bringt Ferulasäure auf der Haut ohne Vitamin C?
Ohne Vitamin C ist Ferulasäure ein eigenständiges Antioxidans mit einigen positiven Befunden, aber deutlich dünnerer Datenlage als in der Kombination. Eine Untersuchung im International Journal of Pharmaceutics aus dem Jahr 2000 zeigte zunächst im Labor an entnommener menschlicher Haut, dass Ferulasäure die Hornschicht durchdringen kann, besser als die verwandte Kaffeesäure. Im zweiten Teil trugen gesunde Freiwillige eine gesättigte wässrige Ferulasäure-Lösung auf, die danach die durch UVB ausgelöste Rötung signifikant verringerte. Das ist ein echter, am Menschen gemessener Schutzeffekt, allerdings mit einer reinen Testlösung und nicht mit einem fertigen Kosmetikprodukt.
Die Übersichtsarbeit in Skin Pharmacology and Physiology zählt weitere mögliche Rollen auf, etwa den Schutz von Hautzellen, Kollagen und Elastin sowie eine Hemmung der Melaninbildung. Das liest sich vielversprechend, beruht aber auf sehr unterschiedlichen Untersuchungen, und was davon in einer fertigen Creme auf deiner Haut ankommt, ist offen. Für Pigmentflecken oder Falten solltest du von Ferulasäure deshalb keine sichtbare Veränderung erwarten. Bei Melasma oder Flecken, die sich verändern, gehört die Abklärung zur Dermatologin oder zum Dermatologen, nicht ins Badezimmerregal.
Woran erkennst du Ferulasäure auf der INCI-Liste, und welche Mengen sind üblich?
Auf der INCI-Liste steht Ferulasäure als «Ferulic Acid», meist weit hinten, weil sie in kleinen Mengen eingesetzt wird. In der Formel, die die Duke-Gruppe 2008 an menschlicher Haut untersuchte, waren es 0.5% Ferulasäure neben 15% L-Ascorbinsäure und 1% Alpha-Tocopherol. Wenn ein Hersteller für sein Produkt eine Prozentzahl angibt, kannst du sie an diesem Wert messen. Viele Marken nennen aber gar keine Menge, dann bleibt dir nur die Position in der Liste. Bestandteile unter einem Prozent dürfen am Ende in beliebiger Reihenfolge stehen, die Position sagt dort also wenig. Wie du solche Listen insgesamt entschlüsselst, erklärt der Beitrag die INCI-Liste richtig lesen.
Für den Kaufentscheid zählt weniger die Ferulasäure allein als das Zusammenspiel. Bevor du ein Serum wegen Ferulasäure kaufst, lohnt sich ein kurzer Check:
- Welche Vitamin-C-Form steht in der Liste: Ascorbic Acid (reine L-Ascorbinsäure) oder ein Derivat wie 3-O-Ethyl Ascorbic Acid?
- Steht Tocopherol (Vitamin E) mit drin, wie in der untersuchten Kombination?
- Ist die Verpackung lichtgeschützt und möglichst luftdicht, etwa eine dunkle Flasche oder ein Airless-Spender?
- Nennt der Hersteller die Konzentration des Vitamin C oder nur «mit Vitamin C»?
Welche Menge L-Ascorbinsäure daneben sinnvoll ist, ist eine eigene Frage. Der Beitrag dazu zeigt, welche Vitamin-C-Konzentration sinnvoll ist.
Ist Ferulasäure für empfindliche Haut geeignet?
Ferulasäure selbst gilt als gut verträglich, die Übersichtsarbeit von 2018 beschreibt ihre Toxizität als gering. Wenn ein Ferulasäure-Serum trotzdem brennt oder prickelt, liegt das meist nicht an ihr, sondern am Umfeld: Reine L-Ascorbinsäure braucht einen sauren pH-Wert, um stabil und aufnahmefähig zu bleiben, und genau diese Säure spürt empfindliche Haut. Je nach Produkt kommen hohe Vitamin-C-Konzentrationen, Alkohol oder Duftstoffe in derselben Formel dazu. Bei empfindlicher Haut lohnt es sich deshalb, die ganze Zutatenliste anzuschauen statt nur den Wirkstoff auf der Vorderseite.
Wie bei jedem Inhaltsstoff kann es im Einzelfall zu einer Unverträglichkeit kommen. Enthält das Serum zusätzlich Vitamin E, erfährst du im Beitrag darüber, was Vitamin E in der Hautpflege leistet, auch, wie gut es in der Regel vertragen wird. Bei Rosazea, Ekzemen oder stark geröteter Haut solltest du neue Säure-Seren mit der Dermatologin oder dem Dermatologen absprechen, statt dich durch mehrere Produkte zu testen.
Teste ein neues Ferulasäure-Serum einige Abende lang an einer kleinen Stelle, etwa am Kieferrand, bevor du es aufs ganze Gesicht gibst. Leichtes Kribbeln in den ersten Sekunden ist bei sauren Vitamin-C-Seren häufig, anhaltendes Brennen oder Rötung ist ein Grund aufzuhören.
Brauchst du Ferulasäure, wenn dein Vitamin C schon stabil ist?
Nein, wenn dein Vitamin C bereits in einer stabilen Form vorliegt, brauchst du nicht zusätzlich Ferulasäure. Ihr belegter Hauptnutzen ist, reine L-Ascorbinsäure in wässriger Lösung vor dem schnellen Zerfall zu bewahren. Ist dieses Problem schon über die Vitamin-C-Form gelöst, fällt ihre wichtigste Aufgabe weg. Ehrlich gesagt heisst das aber auch: Für Derivate wie 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure ist die Kombination mit Ferulasäure nicht vergleichbar untersucht, und insgesamt gibt es weniger Daten als für L-Ascorbinsäure. Mehr dazu, wie die stabile Vitamin-C-Form 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure funktioniert, und woran du ein stabiles Vitamin-C-Serum erkennst, findest du in eigenen Beiträgen.
| Dein Vitamin C | Lohnt sich Ferulasäure? | Warum |
|---|---|---|
| Reine L-Ascorbinsäure in wässrigem Serum | Ja | Genau diese Kombination wurde untersucht, und hier zerfällt Vitamin C am schnellsten |
| L-Ascorbinsäure als Pulver oder in wasserfreier Basis | Unklar | Ohne Wasser ist Vitamin C stabiler, Daten für diese Variante mit Ferulasäure fehlen |
| Stabiles Derivat wie 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure | Nicht nötig | Die Stabilität kommt aus der Form, die Kombination mit Ferulasäure ist kaum untersucht |
| Kein Vitamin C | Optional | Eigenständiges Antioxidans mit wenigen Studien am Menschen |
Für unsere eigene Routine haben wir diese Frage über die Form gelöst: The Duo enthält 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure, dazu Vitamin E (Tocopherol). Ferulasäure steht nicht in der INCI. Das heisst nicht, dass das Duo dieselben Studienergebnisse hat wie die untersuchte C-E-Ferulasäure-Lösung, sondern nur, dass der Stabilisator für diese Vitamin-C-Form nicht vorgesehen ist.
Ich habe mich beim Vitamin C für die stabile 3-O-Ethyl-Form entschieden und nicht für reine L-Ascorbinsäure mit einem Stabilisator-Cocktail. Darum steht in The Duo keine Ferulasäure. Mir war wichtiger, dass das Vitamin C in einer Form drinsteckt, die nicht von Zusätzen gerettet werden muss. Ich will dabei nichts schönreden: Die bekannten Ferulasäure-Zahlen stammen aus Studien mit L-Ascorbinsäure, und für 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure gibt es insgesamt weniger Daten. Das Duo kann sich also nicht auf diese Studien berufen. Es hat auch keinen Lichtschutzfaktor, morgens gehört deshalb ein separater Sonnenschutz darüber. Welche Wirkstoffe in welcher Konzentration drin sind, siehst du in der Übersicht unserer Wirkstoffe mit Konzentrationen.
Häufige Fragen
Ist Ferulasäure ein Peeling
Nein, Ferulasäure ist kein Peeling. Sie gehört zu den Hydroxyzimtsäuren und nicht zu den Fruchtsäuren wie Glykol- oder Milchsäure, die Hornschüppchen lösen. Wenn ein Ferulasäure-Serum prickelt, kommt das meist vom sauren pH-Wert der Vitamin-C-Formulierung. Ein Peeling ersetzt ein solches Serum deshalb nicht. Bei empfindlicher Haut solltest du ein saures Vitamin-C-Serum und ein Säurepeeling aber nicht am selben Abend aufeinanderschichten.
Morgens oder abends: wann trage ich Ferulasäure auf
Morgens ist der naheliegende Zeitpunkt, weil die Studien den Schutz untersucht haben, wenn die Lösung vor der UV-Belastung auf der Haut war. Trag das Serum nach der Reinigung auf und schliesse mit Sonnenschutz ab. Abends schadet es nicht, ein besonderer Vorteil ist dafür aber nicht belegt. Wie oft du es aufträgst, gibt die Anleitung des jeweiligen Produkts vor.
Ersetzt Ferulasäure den Sonnenschutz
Nein. Die Autoren der Studie von 2008 schreiben selbst, dass die Kombination anders wirkt als Sonnenschutzmittel und diesen ergänzen, nicht ersetzen soll. Antioxidantien filtern kein UV-Licht. Tagsüber brauchst du weiterhin Sonnenschutz fürs Gesicht, grosszügig aufgetragen als letzten Schritt.
Warum riecht oder verfärbt sich mein Serum mit Ferulasäure
Eine Verfärbung von hellgelb Richtung Orange oder Braun zeigt meist, dass das Vitamin C oxidiert. Auch Ferulasäure selbst neigt zur Oxidation. Ein deutlich dunkleres Serum wirkt schwächer und gehört ersetzt. Ein leichter Eigengeruch kann von den Rohstoffen kommen, riecht das Serum aber spürbar anders als beim Öffnen, ist das ein Grund, es nicht weiter zu verwenden.
Kann ich Ferulasäure mit Niacinamid kombinieren
Ja, gegen die Kombination von Ferulasäure und Niacinamid spricht aus Sicht der Inhaltsstoffe nichts. Wenn deine Haut bei einem Ferulasäure-Serum mit L-Ascorbinsäure brennt, liegt das eher am sauren pH-Wert als an der Kombination. Dann hilft es, die beiden Produkte zeitlich zu trennen, etwa Vitamin C morgens und Niacinamid abends.
Ist Ferulasäure natürlich oder synthetisch
Beides kommt vor. Ferulasäure kann aus Pflanzenmaterial wie Reis gewonnen oder chemisch hergestellt werden, auf der INCI-Liste steht in beiden Fällen «Ferulic Acid». Das Molekül ist dasselbe. Ob ein Produkt die Herkunft offenlegt, hängt vom Hersteller ab, für die Verträglichkeit spielt sie keine grosse Rolle.
Brauche ich ein Serum mit Ferulasäure, wenn ich The Duo benutze
Nein, du brauchst kein zusätzliches Ferulasäure-Serum. The Duo enthält 2% Vitamin C als stabile 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und Vitamin E, aber keine Ferulasäure. Wenn du bewusst ein klassisches L-Ascorbinsäure-Serum mit Ferulasäure willst, ist das eine eigene Entscheidung. Notwendig ist es nicht, wichtiger ist der Sonnenschutz am Morgen.
Quellen
- Lin FH, Lin JY, Gupta RD, Tournas JA, Burch JA, Selim MA, et al. Ferulic acid stabilizes a solution of vitamins C and E and doubles its photoprotection of skin. Journal of Investigative Dermatology, 2005. Quelle
- Murray JC, Burch JA, Streilein RD, Iannacchione MA, Hall RP, Pinnell SR. A topical antioxidant solution containing vitamins C and E stabilized by ferulic acid provides protection for human skin against damage caused by ultraviolet irradiation. Journal of the American Academy of Dermatology, 2008. Quelle
- Saija A, Tomaino A, Trombetta D, De Pasquale A, Uccella N, Barbuzzi T, et al. In vitro and in vivo evaluation of caffeic and ferulic acids as topical photoprotective agents. International Journal of Pharmaceutics, 2000. Quelle
- Zduńska K, Dana A, Kolodziejczak A, Rotsztejn H. Antioxidant Properties of Ferulic Acid and Its Possible Application. Skin Pharmacology and Physiology, 2018. Quelle
