Blaulicht vom Bildschirm: schadet es deiner Haut und brauchst du Blue-Light-Pflege

HAUT AB 30

Blaulicht vom Bildschirm schadet deiner Haut nach heutigem Wissen nicht in einem Ausmass, das eine eigene Pflege rechtfertigt. Handy, Tablet und Laptop geben nur sehr kleine Mengen an blauem Licht ab, gemessen weit unter den Dosen, die in Studien eine Pigmentierung auslösen. Relevant ist sichtbares und blaues Licht vor allem aus der Sonne, und dort eher für Pigmentflecken bei dunkleren Hauttypen. Eine Blue-Light-Creme kannst du dir deshalb sparen. Sonnenschutz draussen bringt mehr.

Schadet das Blaulicht von Handy und Laptop deiner Haut?

Das Blaulicht von Handy und Laptop schadet deiner Haut im normalen Alltag sehr wahrscheinlich nicht, weil die Menge dafür viel zu klein ist. Das Thema hat trotzdem einen wahren Kern: Sichtbares Licht, und besonders sein blauer Anteil, wirkt nachweislich auf die Haut. Nur stammen die Daten dazu fast ausschliesslich aus Versuchen mit Sonnensimulatoren und starken LED-Lampen, also mit Lichtmengen, die ein Bildschirm nicht annähernd erreicht. Aus diesen Laborbefunden ist im Marketing die Botschaft geworden, dein Arbeitstag am Laptop lasse die Haut altern. Diese Verkürzung hält einer genauen Prüfung nicht stand. Eine Messstudie im Journal Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology hat sechs Bildschirme im Alltagsbetrieb untersucht und kommt zum Schluss, dass die abgegebene Dosis an sichtbarem und blauem Licht klein ist und der Haut bei täglicher Nutzung kaum schaden dürfte.

Was am Bildschirmtag tatsächlich auf deine Haut wirkt, ist meist etwas anderes: trockene Heizungsluft, wenig Schlaf oder der Weg zur Arbeit bei Sonne. Die Augen und der Schlafrhythmus sind beim Thema Blaulicht eine eigene Frage, die mit der Haut nichts zu tun hat.

Was ist Blaulicht, und wie viel davon kommt vom Bildschirm und wie viel von der Sonne?

Blaulicht ist der kurzwellige, energiereichere Anfang des sichtbaren Lichts, und die mit Abstand grösste Quelle dafür ist die Sonne, nicht der Bildschirm. Sichtbares Licht wird in Studien meist mit 400 bis 700 Nanometer angegeben, etwa in einer Arbeit im Journal of Investigative Dermatology. Der blaue Bereich liegt am unteren Ende dieser Skala, direkt neben dem UVA-Licht. In Fachtexten heisst er oft HEV-Licht, für «high energy visible». Bildschirme erzeugen ihr Bild zum Teil mit blauem Licht, deshalb die Sorge. Entscheidend für die Haut ist aber nicht, ob Blau enthalten ist, sondern wie viel davon pro Zeit auf die Haut trifft. In der erwähnten Messstudie lag die höchste Dosis an sichtbarem Licht bei einem Tablet mit voller Helligkeit und 25 Zentimeter Abstand bei 0.0420 J/cm² pro Stunde, der blaue Anteil allein bei 0.0260 J/cm². Als Schwelle für eine sofortige Pigmentdunkelung durch sichtbares Licht nennen die Autorinnen und Autoren 40 bis 80 J/cm². Rechnerisch bräuchte es selbst im ungünstigsten Messfall rund 950 bis 1'900 Stunden ununterbrochener Bildschirmzeit, um diese Schwelle zu erreichen. Sonnenlicht draussen liefert dieselbe Art von Licht in einer ganz anderen Grössenordnung, zusammen mit UV-Strahlung.

Was zeigen Studien zu blauem Licht, Pigmentflecken und Hautalterung?

Studien zeigen recht klar, dass starkes sichtbares und blaues Licht Pigmentierung auslösen kann, für eine Hautalterung durch Blaulicht im Alltag fehlen dagegen belastbare Daten. Die wichtigste ältere Arbeit stammt aus dem Journal of Investigative Dermatology: 20 Freiwillige mit den Hauttypen IV bis VI wurden mit UVA1 und mit sichtbarem Licht bestrahlt. Beide lösten eine Pigmentierung aus, die durch sichtbares Licht war dunkler und hielt länger an. Bei Hauttyp II, also heller Haut, zeigte sich keine Pigmentierung. Eine Studie im International Journal of Cosmetic Science bestrahlte die Unterarme von 33 Frauen mit Hauttyp III und IV mit blauem LED-Licht bei 450 Nanometer und fand 24 Stunden später eine messbar dunklere und rötere Haut.

Untersuchung Lichtquelle Wer Ergebnis
Journal of Investigative Dermatology, 2010 Sichtbares Licht im Labor 20 Personen, Hauttyp IV bis VI, dazu Hauttyp II Dunklere, länger anhaltende Pigmentierung als durch UVA1; keine bei Hauttyp II
International Journal of Cosmetic Science, 2020 Blaues LED-Licht, 4 × 60 J/cm² 33 Frauen, Hauttyp III und IV Messbar dunklere und rötere Haut nach 24 Stunden
Journal of the American Academy of Dermatology, 2020 Blaulicht wie von Bildschirmen, kurzzeitig Kleine Gruppe mit Melasma Keine Verschlechterung des Melasmas
Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology, 2025 Sechs Bildschirme, Messung Keine Probandinnen Dosis klein, bei täglicher Nutzung kaum schädlich

Die Tabelle zeigt das Muster: Wo Effekte auftreten, ist die Lichtmenge hoch und die Haut eher dunkler. Wo Bildschirme untersucht wurden, bleibt der Effekt aus. Wie Pigmentflecken grundsätzlich entstehen und was gegen sie hilft, steht im Artikel über Pigmentflecken im Gesicht. Für die Hautalterung bleibt der UV-Anteil der Sonne der grosse Hebel, mehr dazu unter was Hautalterung wirklich verlangsamt.

Für wen spielt sichtbares Licht eine grössere Rolle?

Sichtbares Licht spielt vor allem für Menschen mit mittlerer bis dunkler Haut und für Menschen mit Neigung zu Pigmentstörungen eine grössere Rolle, und zwar als Teil des Sonnenlichts. Das zeigt sich in den Studien deutlich: Bei Hauttyp II blieb die Pigmentierung aus, bei den Hauttypen IV bis VI war sie ausgeprägt. Eine Übersichtsarbeit im Journal of the American Academy of Dermatology fasst zusammen, dass sichtbares Licht bei heller Haut eher Rötungen und bei dunklerer Haut eher Pigmentierung auslösen kann. Wenn du helle Haut hast, die schnell rot wird, und kaum zu Flecken neigst, betrifft dich das Thema also wenig. Wenn du dagegen leicht bräunst, nach Pickeln dunkle Male behältst oder schon Flecken im Gesicht hast, lohnt sich der Blick auf sichtbares Licht draussen.

Ein Sonderfall ist Melasma, eine fleckige, oft hormonell mitbedingte Pigmentierung im Gesicht, bei der sichtbares Licht als verstärkender Faktor diskutiert wird. Ob es bei dir Melasma ist und wie es behandelt wird, gehört zur Dermatologin oder zum Dermatologen.

Was können Blue-Light-Cremes und -Seren wirklich?

Blue-Light-Cremes und -Seren können gegen Bildschirmlicht nichts leisten, was nötig wäre, weil das Problem in dieser Grösse nicht existiert. Gegen sichtbares Sonnenlicht ist die Lage etwas anders, aber auch dort ist die Studienlage schmal. Die meisten Blue-Light-Produkte setzen auf Antioxidantien oder Pflanzenextrakte. Getestet werden sie typischerweise in Zellkulturen oder in Kurzzeitstudien mit starken Lampen, nicht im echten Alltag über Monate. Ein Beispiel ist die oben erwähnte Studie im International Journal of Cosmetic Science: Dort milderten sowohl eine Formulierung mit 3% Niacinamid als auch eine mit einem Mikroalgen-Extrakt die Verdunkelung und Rötung nach der LED-Bestrahlung. Die Studie wurde von dem Unternehmen finanziert, das beide Rohstoffe vermarktet, und arbeitete mit einer Lichtdosis, die kein Bildschirm liefert.

Die ehrliche Konsequenz: Antioxidantien gehören in eine gute Basisroutine, weil sie die Haut allgemein unterstützen, nicht wegen deines Laptops. Wie viel Vitamin C dabei realistisch bringt, liest du unter was Vitamin C auf der Haut realistisch bringt. The Duo aus Essential Serum und Shield Creme enthält 5% Niacinamid, Vitamin C als stabile 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure, Vitamin E und in der Creme Ceramide NP. Einen Blaulichtschutz verspricht es bewusst nicht, und einen Lichtschutzfaktor hat es auch nicht. Ein zusätzliches Blue-Light-Produkt brauchst du daneben nicht.

Wovor lohnt sich der Schutz im Alltag mehr als vor dem Bildschirm?

Im Alltag lohnt sich der Schutz vor Sonnenlicht draussen deutlich mehr als jeder Schutz vor dem Bildschirm, weil dort UV-Strahlung und sichtbares Licht in relevanter Menge zusammenkommen. Herkömmliche Sonnencremes filtern vor allem UV. Gegen sichtbares Licht schützen laut der Übersichtsarbeit im Journal of the American Academy of Dermatology nur Produkte, die auf der Haut sichtbar sind, also getönte Sonnencremes mit Eisenoxiden und pigmentärem Titandioxid. Wie du Filter und Textur wählst, steht im Artikel mineralische oder chemische Sonnencreme. Für die Reihenfolge in der Morgenroutine gilt der Ratgeber zur Sonnencreme fürs Gesicht, wenn deine Pflege keinen LSF hat.

Für die Prioritäten im Alltag reicht eine kurze Liste:

  • Draussen bei Tageslicht: Sonnenschutz fürs Gesicht, auch im Winter und in den Bergen.
  • Bei Neigung zu Flecken oder dunklerer Haut: eine getönte Variante mit Eisenoxiden in Betracht ziehen.
  • Drinnen am Bildschirm: nichts Zusätzliches, deine normale Pflege reicht.
  • Bei neuen, sich verändernden oder flächigen Flecken: abklären lassen statt Produkte wechseln.

Was eine Pflege ab 30 sonst leisten soll, steht unter was eine Gesichtscreme ab 30 können muss.

Wenn dein Schreibtisch direkt am Fenster steht und tagsüber viel Sonne aufs Gesicht fällt, ist das Sonnenlicht der relevante Faktor, nicht der Bildschirm vor dir. Dann ist ein Sonnenschutz am Morgen sinnvoller als jeder Blue-Light-Zusatz.

Auf The Duo steht bewusst nichts von Blue-Light-Schutz. Der Grund ist einfach: Der Alltagseffekt von Bildschirmen auf die Haut ist nicht belegt, und ich will kein Versprechen drucken, das ich nicht halten kann. Unsere Routine besteht aus zwei Produkten statt acht, und ein drittes nur für ein Marketing-Problem macht sie nicht besser. Vitamin C setze ich bewusst als stabile 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure ein, mit 2% Vitamin C und 5% Niacinamid für The Duo als Ganzes. Wo die Grenze liegt, sage ich genauso offen: Die Creme hat keinen Lichtschutzfaktor. Draussen brauchst du deshalb einen separaten Sonnenschutz. Alle Konzentrationen findest du unter unsere Wirkstoffe mit offengelegten Konzentrationen.

Häufige Fragen

Macht Bildschirmarbeit Falten

Nein, für Falten durch Bildschirmlicht gibt es keinen Beleg. Die gemessenen Lichtmengen von Handy, Tablet und Laptop sind sehr klein. Falten entstehen vor allem durch UV-Strahlung, Rauchen und den natürlichen Alterungsprozess. Wenn dir am Bildschirm etwas zusetzt, dann eher häufiges Stirnrunzeln, trockene Raumluft oder zu wenig Schlaf.

Hilft der Nachtmodus am Handy der Haut

Für die Haut macht der Nachtmodus praktisch keinen Unterschied. In einer Messstudie senkte er die Blaulicht-Dosis je nach Smartphone oder Tablet um 18.2 bis 62.7 Prozent, bei voller Helligkeit und 25 Zentimeter Abstand. Weil die Dosis schon ohne Nachtmodus weit unter den Werten liegt, die Pigmentierung auslösen, ändert das für die Haut wenig.

Schützt Sonnencreme auch vor Blaulicht

Klassische Sonnencreme schützt vor allem vor UV und kaum vor sichtbarem Licht. Gegen sichtbares und blaues Licht wirken getönte Sonnencremes mit Eisenoxiden, weil sie auf der Haut sichtbar sind und Licht abschirmen. Für Bildschirme brauchst du beides nicht, für Sonne bei fleckenanfälliger Haut kann die getönte Variante sinnvoll sein.

Brauche ich drinnen am Bildschirm Sonnencreme

Wegen des Bildschirms brauchst du drinnen keine Sonnencreme. Anders ist es, wenn du direkt am Fenster sitzt und viel Sonne aufs Gesicht fällt, oder wenn du mittags kurz rausgehst. Dann geht es um Tageslicht, nicht um das Gerät. Eine Morgenroutine mit Sonnenschutz deckt beides ab.

Schützen Antioxidantien wie Vitamin C vor blauem Licht

Das ist nicht ausreichend belegt. Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E oder Niacinamid werden in Labor- und Kurzzeitstudien gegen lichtbedingten Stress getestet, oft mit sehr hohen Lichtdosen. Für den Alltag fehlen Langzeitdaten. Sinnvoll sind sie als Teil einer Basisroutine, nicht als Ersatz für Sonnenschutz.

Kann Blaulicht Melasma verstärken

Sichtbares Licht aus der Sonne wird bei Melasma als verstärkender Faktor diskutiert. Für Bildschirme fand eine kleine Studie im Journal of the American Academy of Dermatology nach kurzzeitiger Bestrahlung keine Verschlechterung. Melasma ist ein Krankheitsbild, die Abklärung und Behandlung gehören zur Dermatologin oder zum Dermatologen.

Brauche ich eine Blue-Light-Pflege, wenn ich The Duo benutze

Nein. Gegen Bildschirmlicht brauchst du keine Spezialpflege, und The Duo enthält mit Niacinamid, Vitamin C und Vitamin E bereits Antioxidantien für eine solide Basisroutine. Einen Blaulichtschutz verspricht The Duo nicht, und einen Lichtschutzfaktor hat es nicht. Für draussen gehört deshalb ein separater Sonnenschutz dazu.

Quellen

  1. Charoenpipatsin N, Yothachai P, Nuntawisuttiwong N, Wongpraparut O, Choosri P, Silpa-Archa N. Dosimetry Assessment of Potential Hazard from Visible Light, Especially Blue Light, Emitted by Screen of Devices in Daily Use. Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology, 2025. Quelle
  2. Mahmoud BH, Ruvolo E, Hexsel CL, Liu Y, Owen MR, Kollias N et al. Impact of long-wavelength UVA and visible light on melanocompetent skin. Journal of Investigative Dermatology, 2010. Quelle
  3. Campiche R, Curpen SJ, Lutchmanen-Kolanthan V, Gougeon S, Cherel M, Laurent G et al. Pigmentation effects of blue light irradiation on skin and how to protect against them. International Journal of Cosmetic Science, 2020. Quelle
  4. Duteil L, Queille-Roussel C, Lacour JP, Montaudié H, Passeron T. Short-term exposure to blue light emitted by electronic devices does not worsen melasma. Journal of the American Academy of Dermatology, 2020. Quelle
  5. Lyons AB, Trullas C, Kohli I, Hamzavi IH, Lim HW. Photoprotection beyond ultraviolet radiation: A review of tinted sunscreens. Journal of the American Academy of Dermatology, 2021. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin