Retinal oder Retinol: was der Unterschied für empfindliche und reife Haut bedeutet

WIRKSTOFFE

Retinal oder Retinol: Retinal ist die stärkere der beiden Vitamin-A-Formen, weil die Haut es in einem einzigen Schritt in die aktive Retinsäure umwandelt, Retinol dagegen erst in zwei. In Studien wurde Retinal in niedrigen Konzentrationen gut vertragen, stärker heisst aber auch mehr Reizpotenzial. Für den Einstieg und für empfindliche Haut ist Retinol meist der ruhigere Start. Retinal lohnt sich eher, wenn du Retinol schon gut verträgst und eine Stufe weiter willst.

Was ist der Unterschied zwischen Retinal und Retinol?

Der Unterschied zwischen Retinal und Retinol liegt in ihrer Position auf der Umwandlungskette: Retinal steht eine Stufe weiter und damit näher an der Form, die in der Hautzelle tatsächlich wirkt. Beide sind Abkömmlinge von Vitamin A, sogenannte Retinoide. An den Rezeptoren der Hautzellen arbeitet am Ende die Retinsäure. Retinol muss die Haut zuerst zu Retinal umbauen und dieses danach zu Retinsäure. Retinal, chemisch Retinaldehyd, überspringt den ersten dieser Schritte. Eine Übersichtsarbeit der Genfer Universitätsdermatologie im Journal Dermatologic Therapy ordnet Retinal, Retinol und Retinylester deshalb als kosmetische Retinoide ein: Sie werden kontrolliert zu Retinsäure umgewandelt, während die Retinsäure selbst als Arzneimittel eingesetzt wird.

Praktisch bedeutet das: Je weniger Umwandlungsschritte ein Retinoid braucht, desto direkter kommt es bei der Zelle an, und desto deutlicher reagiert die Haut darauf. Das gilt für die erwünschte Wirkung genauso wie für Trockenheit und Schuppen. Ein zweiter Unterschied liegt im Fläschchen selbst. Retinal ist ein Aldehyd und reagiert empfindlich auf Licht und Luft. Formulierung und Verpackung entscheiden bei einem Retinal-Produkt deshalb noch mehr darüber, wie viel davon bis zum letzten Tropfen aktiv bleibt.

Ist Retinal stärker als Retinol?

Ja, Retinal ist stärker als Retinol, gemessen an der biologischen Aktivität in der Haut. Eine Genfer Studie im Journal of Investigative Dermatology hat verglichen, wie stark verschiedene Vitamin-A-Formen ein typisches Retinoid-Signal in der Haut auslösen, nämlich das Bindeprotein CRABP-2. In der Rangfolge lag die Retinsäure vorn, direkt dahinter Retinal, Retinol folgte erst weiter hinten. Die Übersicht in Dermatologic Therapy kommt zu einem ähnlichen Schluss. Retinol und Retinylester gelten dort als nicht reizend, aber nur mässig wirksam. Retinal wird als recht gut verträglich und als wirksamstes kosmetisches Retinoid beschrieben. In einer Studie im Journal of the American Academy of Dermatology mit 125 Personen mit lichtgeschädigter Gesichtshaut verringerten 0.05% Retinal und 0.05% Retinsäure nach 18 Wochen beide messbar Falten und Rauigkeit, Retinal wurde dabei besser vertragen.

Was fehlt, sind grosse direkte Vergleiche von Retinal gegen Retinol über viele Wochen. «Stärker» ist deshalb eine solide Einordnung, aber keine Zahl, die du eins zu eins auf dein Gesicht übertragen kannst. Konzentration, Formulierung und Häufigkeit der Anwendung entscheiden mindestens so viel wie die Stufe auf der Leiter.

Welche Konzentration Retinal ist sinnvoll?

Sinnvoll ist Retinal im Bereich von 0.05 bis 0.1 Prozent, denn genau diese Konzentrationen wurden in Studien im Gesicht gut vertragen. In der Genfer Studie im Journal of Investigative Dermatology erhielten 229 Patientinnen und Patienten Retinal in verschiedenen Konzentrationen. Die 1%-Zubereitung vertrugen bis zu 70 Prozent der Behandelten, die 0.5%-Zubereitung etwas besser. 0.1% und 0.05% wurden im Gesicht gut vertragen und erlaubten bei Menschen mit entzündlichen Hauterkrankungen eine Anwendung über bis zu drei Jahre. Auch die Vergleichsstudie im Journal of the American Academy of Dermatology arbeitete mit 0.05%.

Wenn auf einer Verpackung «0.1% Retinal» steht, ist das also keine schwache Dosierung, sondern entspricht der Konzentration, die in den Studien im Gesicht gut vertragen wurde. Den Prozentwert von Retinal direkt mit dem von Retinol zu vergleichen, führt dagegen in die Irre, weil es zwei verschiedene Stoffe mit unterschiedlicher Wegstrecke bis zur Retinsäure sind. Höhere Prozente erhöhen vor allem das Reizrisiko, das zeigt die schlechtere Verträglichkeit der 1%-Zubereitung. Welche Höchstmengen für Retinol in Gesichtspflege gelten und was Produkttests dazu überhaupt messen, ist bei den Retinol-Serum-Tests in der Schweiz eingeordnet.

Ist Retinal für Anfängerinnen geeignet?

Für die meisten Anfängerinnen ist Retinal nicht der ideale Einstieg, auch wenn nichts grundsätzlich dagegen spricht. Der Grund ist nicht, dass Retinal schlecht vertragen würde, sondern dass du beim ersten Retinoid noch nicht weisst, wie deine Haut auf Vitamin A reagiert. Eine Untersuchung im Fachjournal Dermatology verglich Retinol, Retinal und Retinsäure zuerst in einem 14-tägigen Belastungstest mit sechs Personen. Retinol und Retinal hatten ein gleich niedriges Reizpotenzial, Retinal führte aber zu mehr Schuppung als Retinol, während Retinol tendenziell etwas mehr Brennen und Juckreiz auslöste, statistisch nicht gesichert. In der Langzeitphase mit 355 Personen traten Rötung, Schuppung und Brennen unter Retinal signifikant seltener auf als unter Retinsäure; Retinol wurde in dieser Phase nicht mitgetestet.

Retinal ist also verträglicher als sein Ruf als «starkes Retinoid», aber nicht folgenlos. Wer neu startet, lernt mit einem niedrig dosierten Retinol, wie die eigene Haut reagiert, und kann später eine Stufe höher gehen. Wenn du schon weisst, dass Retinol dich nicht stört, ist Retinal ein logischer nächster Schritt. Die Frage, ab wann Retinol überhaupt sinnvoll ist, hängt übrigens weniger vom Alter ab, als viele denken. Was beim Einschleichen und beim Zusammenspiel mit Niacinamid, Vitamin C oder Säuren gilt, findest du unter Retinol kombinieren.

Wie erkennst du Retinal und Retinol in der Zutatenliste?

Retinal und Retinol erkennst du in der Zutatenliste an genau diesen beiden Namen, unabhängig davon, was vorne auf der Verpackung steht. Begriffe wie «Vitamin-A-Komplex» oder «Retinoid-Technologie» sagen wenig, die INCI-Liste auf der Rückseite sagt mehr:

  • Retinal: steht als «Retinal» in der Liste, in Beschreibungen auch als Retinaldehyd.
  • Retinol: steht als «Retinol».
  • Retinylester: «Retinyl Palmitate» oder «Retinyl Acetate», die mildeste Stufe der Leiter.
  • Retinsäure: «Tretinoin» gehört in Arzneimittel mit ärztlichem Rezept, nicht in frei verkäufliche Kosmetik.
  • Bakuchiol: kein Retinoid, sondern ein Pflanzenstoff, der oft im gleichen Atemzug genannt wird. Mehr dazu, was Bakuchiol ist und woher es kommt.

Retinoide stehen fast immer weit hinten in der Liste, weil sie in sehr kleinen Mengen eingesetzt werden. Die Position allein sagt deshalb wenig. Aussagekräftiger ist eine Prozentangabe des Herstellers. Fehlt sie, weisst du nicht, ob du ein Produkt mit 0.1% Retinal oder nur eine Spur davon in der Hand hältst. Und falls du noch gar nicht sicher bist, ob ein Retinoid zuerst in deine Routine gehört, hilft die Abwägung Vitamin C oder Retinol.

Was bedeutet die Retinoid-Leiter für empfindliche und reife Haut?

Für empfindliche und reife Haut bedeutet die Retinoid-Leiter vor allem eines: Jede Stufe nach oben bringt mehr Aktivität und mehr Reizpotenzial, und du musst nicht ganz oben ankommen, damit sich eine Routine lohnt. Reife Haut ist oft trockener, empfindliche Haut reagiert schneller mit Rötung. Beides spricht dafür, die Stufe nach der eigenen Verträglichkeit zu wählen und nicht nach der Stärke auf dem Etikett.

Stufe Name in der INCI Schritte bis Retinsäure Einordnung
Retinylester Retinyl Palmitate, Retinyl Acetate drei sehr mild, nur mässige Wirkung
Retinol Retinol zwei verbreiteter Einstieg, gut untersucht
Retinal Retinal einer aktivste kosmetische Form, mehr Schuppung möglich
Retinsäure Tretinoin keiner Arzneimittel, ärztlich verschrieben, am stärksten reizend

Für viele empfindliche Gesichter ist Retinol die vernünftige Stufe. Retinal kann funktionieren, wenn du mit zwei bis drei Abenden pro Woche beginnst und deine Barriere stabil ist. Wer die Anlaufphase mit Rötung und Schuppen gar nicht erst will, hat mit Bakuchiol eine Option ausserhalb der Leiter, weil es kein Retinoid ist; wie sich das bei empfindlicher Haut abwägen lässt, steht unter Bakuchiol oder Retinol. In der Creme von The Duo steckt aus genau diesem Grund Bakuchiol statt eines Retinoids.

Retinoide gehören in die Abendroutine, und tagsüber gehört Sonnenschutz dazu, egal auf welcher Stufe du stehst. In Schwangerschaft und Stillzeit klärst du jedes Retinoid vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Ich habe mich bewusst gegen ein Retinoid im Duo entschieden, weder Retinol noch Retinal. Nicht, weil ich Retinoide für schlecht halte. Sie gehören zu den am besten untersuchten Wirkstoffen in der Hautpflege, und wer sie gut verträgt, soll sie nutzen. Aber das Duo ist für Haut gemacht, die empfindlich, trocken oder reif ist und keine Lust auf Wochen mit Rötung und Schuppen hat. Deshalb steckt in der Creme Bakuchiol statt Retinol. Das ist eine Entscheidung für Verträglichkeit, kein Versprechen, dass Bakuchiol ein Retinoid ersetzt. Wenn du Retinal willst, brauchst du dafür ein eigenes Produkt, und das sage ich lieber offen. Was stattdessen drinsteckt, findest du bei unseren Wirkstoffen mit offengelegten Konzentrationen.

Häufige Fragen

Wirkt Retinal schneller als Retinol

Möglich, aber nicht sicher belegt. Retinal braucht einen Umwandlungsschritt weniger und löste in Messungen eine stärkere Retinoid-Antwort der Haut aus als Retinol. Studien, die beide bei gleicher Anwendung über Wochen direkt vergleichen, sind allerdings rar. Rechne bei beiden mit mehreren Wochen bis Monaten, bevor du eine Veränderung im Hautbild fair beurteilen kannst.

Hat Retinal mehr Nebenwirkungen

Nicht unbedingt. In einem kleinen Belastungstest im Fachjournal Dermatology hatten Retinol und Retinal ein gleich niedriges Reizpotenzial, Retinal führte aber zu mehr Schuppung. Trockenheit, Rötung und Schuppen sind bei beiden möglich, vor allem in den ersten Wochen. Was davon normal ist und wann du aufhörst, steht bei den Retinol-Nebenwirkungen.

Ist Retinal in der Schweiz erlaubt

Ja, Retinal ist in der Schweiz als kosmetischer Inhaltsstoff erhältlich und steckt in frei verkäuflichen Seren und Cremes. Ein Rezept brauchst du erst für die Retinsäure selbst, etwa Tretinoin. Wichtiger als die Frage nach der Erlaubnis sind beim Kauf eine klare Prozentangabe und eine licht- und luftdichte Verpackung.

Kann ich Retinal morgens verwenden

Besser nicht. Retinal reagiert empfindlich auf Licht, und der Abend ist der übliche, ruhigere Zeitpunkt für Retinoide. Trag es nach der Reinigung am Abend auf. Am Morgen kommt ein separater Sonnenschutz dazu, weil Haut unter Retinoiden empfindlicher auf Sonne reagieren kann.

Ist Retinal besser bei Pickeln

Belegt ist das nicht. Die Übersicht in Dermatologic Therapy beschreibt für Retinal zwar eine Wirkung auf die Bakterienflora der Haut, direkte Vergleiche mit Retinol bei Pickeln fehlen aber. Für einzelne Unreinheiten kann Retinal einen Versuch wert sein. Bei Akne, vor allem mit entzündeten Knoten oder Narben, gehört die Abklärung zur Dermatologin oder zum Dermatologen, die auch verschreibungspflichtige Retinoide einsetzen können.

Wie lagere ich ein Retinal-Serum

Kühl, dunkel und gut verschlossen. Retinal reagiert empfindlich auf Licht und Luft, deshalb sind undurchsichtige Airless-Spender oder Tuben besser als Klarglas oder offene Tiegel. Öffne die Packung nur kurz und beachte das PAO-Symbol auf der Verpackung. Hat sich Farbe oder Geruch deutlich verändert, ersetzt du das Serum.

Enthält The Duo Retinal oder Retinol

Nein, The Duo enthält weder Retinal noch Retinol noch ein anderes Retinoid. In der Creme steckt stattdessen Bakuchiol, ein Pflanzenstoff und kein Vitamin-A-Abkömmling. Wenn du trotzdem ein Retinoid nutzen willst, führst du es abends separat und langsam ein, das Duo bleibt dann die Grundpflege aus Serum und Creme.

Quellen

  1. Saurat JH, Didierjean L, Masgrau E, Piletta PA, Jaconi S, Chatellard-Gruaz D et al. Topical retinaldehyde on human skin: biologic effects and tolerance. Journal of Investigative Dermatology, 1994. Quelle
  2. Sorg O, Antille C, Kaya G, Saurat JH. Retinoids in cosmeceuticals. Dermatologic Therapy, 2006. Quelle
  3. Fluhr JW, Vienne MP, Lauze C, Dupuy P, Gehring W, Gloor M. Tolerance profile of retinol, retinaldehyde and retinoic acid under maximized and long-term clinical conditions. Dermatology, 1999. Quelle
  4. Creidi P, Vienne MP, Ochonisky S, Lauze C, Turlier V, Lagarde JM et al. Profilometric evaluation of photodamage after topical retinaldehyde and retinoic acid treatment. Journal of the American Academy of Dermatology, 1998. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin