Kupferpeptide (GHK-Cu): Wirkung auf die Haut und wie sie zu Retinol stehen

WIRKSTOFFE

Die Wirkung von Kupferpeptiden wie GHK-Cu, einem körpereigenen Tripeptid mit gebundenem Kupfer, zeigt sich in Studien mit Cremes als dichtere, festere Haut und weniger feine Linien. Das ist plausibel, aber deutlich schwächer belegt als bei Retinol: Ein grosser Teil der Humandaten stammt aus kleinen, älteren und industrienahen Untersuchungen. Dafür gilt Kupfer auf der Haut als sehr schwaches Allergen. Wer eine funktionierende Routine hat, braucht kein zusätzliches Kupferpeptid-Serum, und wer eins testen will, sollte realistische Erwartungen mitbringen.

Was sind Kupferpeptide (GHK-Cu) und woher kommen sie?

Kupferpeptide sind kleine Eiweissbausteine, die ein Kupferion binden; das bekannteste ist GHK-Cu, eine Kette aus den drei Aminosäuren Glycin, Histidin und Lysin. GHK kommt natürlicherweise im menschlichen Blutplasma, im Speichel und im Urin vor und hat eine starke Affinität zu Kupfer, mit dem es leicht den Komplex GHK-Cu bildet. Laut einer Übersichtsarbeit im International Journal of Molecular Sciences liegt der Plasmaspiegel mit 20 Jahren bei etwa 200 ng/mL und sinkt bis zum Alter von 60 Jahren auf 80 ng/mL. Beschrieben wurde das Peptid erstmals 1973. In Kosmetik steht es auf der INCI-Liste meist als Copper Tripeptide-1, und der Kupferkomplex ist der Grund, warum viele dieser Seren blau aussehen. Dass der körpereigene Spiegel mit dem Alter sinkt, heisst allerdings nicht automatisch, dass ein Serum ihn auf der Haut ersetzen kann. Innerhalb der grossen Peptid-Familie zählt GHK-Cu zu den Transportpeptiden, die ein Spurenelement an sich binden. Wie sich Signal-, Transport- und andere Peptide unterscheiden und wie gut sie überhaupt in die Haut gelangen, steht in unserem Beitrag über Peptide in der Hautpflege. Hier geht es nur um GHK-Cu als Pflegewirkstoff, nicht um Peptid-Spritzen, Kapseln oder Haarprodukte.

Was zeigen Studien zu Kupferpeptiden auf der Haut, und wie belastbar ist das?

Studien berichten bei Kupferpeptid-Cremes über mehr Hautdichte, mehr Festigkeit und weniger feine Linien, doch die Belege sind dünner, als die Werbung vermuten lässt. Die meistzitierte Übersichtsarbeit, 2018 im International Journal of Molecular Sciences erschienen, fasst zusammen: Eine Gesichtscreme mit GHK-Cu, zwölf Wochen lang von 71 Frauen mit leichter bis fortgeschrittener Lichtalterung angewendet, erhöhte Hautdichte und Hautdicke, verringerte die Erschlaffung und reduzierte feine Linien und Faltentiefe. In einer weiteren Untersuchung verbesserte GHK-Cu an der Oberschenkelhaut nach zwölf Wochen die Kollagenbildung bei 70 Prozent der behandelten Frauen, gegenüber 50 Prozent mit einer Vitamin-C-Creme und 40 Prozent mit Retinsäure. Eine ältere Übersichtsarbeit in BioMed Research International kommt zu ähnlich positiven Schlüssen. Das klingt eindeutig, hat aber drei Haken, die du kennen solltest.

  • Die Gesichtsstudie mit 71 Frauen wird als Beitrag zur Jahrestagung der American Academy of Dermatology von 2002 zitiert, nicht als begutachteter Fachartikel mit vollständigen Daten.
  • Der Kollagen-Vergleich stammt aus einer Pilotstudie von 1998 und wurde an der Oberschenkelhaut gemessen, nicht im Gesicht.
  • Beide Übersichtsarbeiten stammen von Autorinnen und Autoren aus der Forschungsabteilung eines Unternehmens; Erstautor ist Loren Pickart, der das Peptid 1973 in seiner Doktorarbeit beschrieben hat. Die beiden geben keine Interessenkonflikte an, die Nähe zum Unternehmen bleibt trotzdem.

Die Kollagen-Befunde sind also Studienergebnisse unter bestimmten Bedingungen, keine Zusage für jedes Serum mit Kupferpeptid auf dem Etikett. Ob eine Formulierung etwas bringt, hängt von Konzentration, Stabilität und Trägersystem ab, und genau diese Angaben fehlen auf vielen Verpackungen. Wie Kupferpeptide im Vergleich zu anderen Wirkstoffen abschneiden, zeigt unser Überblick, welche Wirkstoffe gegen Falten belegt sind.

Kupferpeptide oder Retinol: worin unterscheiden sie sich in Wirkung, Belegen und Verträglichkeit?

Retinol ist der besser belegte Wirkstoff, Kupferpeptide gelten als sanfter, sind aber weit weniger unabhängig untersucht. Beide zielen auf feinere Linien und eine festere Haut, aber über verschiedene Wege. Retinol wird in der Haut zu Retinsäure umgewandelt und greift über die Retinoid-Rezeptoren direkt in die Erneuerung der Haut ein. GHK-Cu soll dagegen als Kupferträger und Signalgeber auf die Bindegewebszellen wirken; die Autoren der Übersichtsarbeiten verweisen dazu vor allem auf Gen-Daten aus dem Labor. Bei der Beleglage ist der Abstand gross: Für Retinol gibt es randomisierte, doppelblinde Studien aus Universitätskliniken. Eine davon, erschienen in den Archives of Dermatology, behandelte 36 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 87 Jahren 24 Wochen lang mit 0.4% Retinol am einen und einer wirkstofffreien Lotion am anderen Arm; feine Fältchen besserten sich auf der Retinol-Seite signifikant. Zu GHK-Cu nennt die Übersichtsarbeit von 2018 zwar auch eine randomisierte, doppelblinde Gesichtsstudie über acht Wochen, an Umfang und Qualität der Retinol-Forschung reicht das aber nicht heran. Bei der Verträglichkeit liegt der Vorteil dafür eher bei den Kupferpeptiden, denn Retinol reizt gerade am Anfang häufig. Was dabei normal ist und wann du aufhören solltest, steht im Beitrag über Nebenwirkungen von Retinol.

Kriterium Kupferpeptide (GHK-Cu) Retinol
Wirkweg Kupferkomplex, soll Bindegewebszellen beeinflussen Wird zu Retinsäure, wirkt über Retinoid-Rezeptoren
Beleglage Kleine, ältere Studien, teils nur als Kongressbeitrag, industrienah Randomisierte, doppelblinde Studien aus Universitätskliniken
Typische Reizung Selten beschrieben, Kupfer ist ein sehr schwaches Allergen Rötung, Schuppen und Brennen in der Eingewöhnung häufig
Wann eher Wenn Retinol nicht vertragen wird und du etwas Sanftes testen willst Wenn du den am besten untersuchten Faltenwirkstoff willst

Ob sich beide in einer Routine vertragen und in welcher Reihenfolge, ist eine eigene Frage; was grundsätzlich zusammenpasst, erklärt der Beitrag darüber, was sich mit Retinol kombinieren lässt. Wenn deine Haut auf Retinol empfindlich reagiert, lohnt sich ausserdem der Blick auf Bakuchiol oder Retinol bei empfindlicher Haut.

Kann man Kupferpeptide mit Vitamin C verwenden?

Ob Kupferpeptide und Vitamin C zusammen schaden, ist nicht untersucht: Eine Studie, die beide gemeinsam auf der Haut getestet hat, ist uns nicht bekannt. Die verbreitete Regel, beides nie zu kombinieren, stützt sich auf Chemie aus dem Reagenzglas. Ascorbinsäure, also reines Vitamin C, kann Metalle wie Kupfer und Eisen reduzieren und dadurch deren oxidierende Wirkung verstärken. Eine Übersichtsarbeit in Radiation Research hat diese Reaktion von Metallen und Ascorbat genau beschrieben und bezeichnet sie schon im Titel als Kombination, die man vermeiden sollte. Daraus lässt sich ableiten, dass reine L-Ascorbinsäure und freie Kupferionen in derselben Lösung chemisch nicht gut zusammenpassen. Was das für zwei getrennte Produkte auf der Haut bedeutet, die nacheinander aufgetragen werden, zeigt diese Arbeit nicht. Für stabilere Vitamin-C-Abkömmlinge wie 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure gibt es zu dieser Frage überhaupt keine Daten. In der oben erwähnten Pilotstudie liefen Vitamin C und Kupferpeptid übrigens als getrennte Cremes in verschiedenen Gruppen, nicht kombiniert. Eine feste Regel, die mehr Sicherheit verspricht, als die Datenlage hergibt, findest du hier deshalb nicht. Was die verschiedenen Vitamin-C-Formen auf der Haut leisten, steht im Beitrag darüber, was Vitamin C auf der Haut bringt.

Welche Nebenwirkungen und Grenzen haben Kupferpeptide?

Kupferpeptide gelten als gut verträglich, ernsthafte Nebenwirkungen sind in der kosmetischen Anwendung kaum beschrieben, aber das liegt auch daran, dass es wenige grosse Studien gibt. Zur Allergiefrage gibt es eine Übersichtsarbeit in Contact Dermatitis: Bei Menschen mit vermuteten Beschwerden oder Kupferkontakt reagierten im gewichteten Mittel 3.8 Prozent im Pflastertest positiv auf Kupfer, und die Autoren stufen Kupfer im Vergleich zu anderen Metallen als sehr schwaches Allergen ein. Selten heisst aber nicht nie. Reagiert deine Haut trotzdem, kann auch die restliche Formulierung verantwortlich sein, etwa Alkohol, Duftstoffe oder Säuren im selben Produkt. Die zweite Grenze ist die Erwartung: Kupferpeptide ersetzen keinen Sonnenschutz und sind keine Therapie, und wer auf das Verschwinden tiefer Falten hofft, sollte die eher kleinen, schlecht abgesicherten Effekte aus den Studien im Kopf behalten. Bei Narben, offenen Wunden, Ekzemen oder anderen Hautkrankheiten gehört die Entscheidung zu einer Dermatologin oder einem Dermatologen, nicht zu einem Serum aus dem Regal.

Wenn du ein Kupferpeptid-Serum testest, führe es als einziges neues Produkt ein und gib ihm mindestens acht bis zwölf Wochen, denn so lange liefen auch die zitierten Studien. Neue Produkte gleichzeitig zu starten, macht jede Reaktion unlesbar.

Für wen lohnt sich ein Kupferpeptid-Serum, und wann kannst du es dir sparen?

Ein Kupferpeptid-Serum lohnt sich am ehesten für dich, wenn du Retinol nicht verträgst, Lust auf einen sanften Versuch hast und mit einem eher kleinen Effekt zufrieden bist. Sparen kannst du es dir, wenn deine Routine bereits gut funktioniert, wenn du einen nachweislich starken Faltenwirkstoff suchst oder wenn deine Haut auf jedes zusätzliche Produkt empfindlich reagiert. Ein weiteres Serum ist immer auch eine weitere Variable, die Reizungen verursachen und den Blick auf das Wesentliche verstellen kann. Für viele Hauttypen ist eine schlanke Routine aus Serum und Creme die ruhigere Wahl. In The Duo aus Essential Serum und Shield Creme stecken zum Beispiel Niacinamid, Hyaluronsäure in drei Molekülgrössen und Zink PCA im Serum sowie Bakuchiol, Ceramide NP und Squalan in der Creme, aber kein Peptid. Das ist keine Aussage darüber, dass Kupferpeptide nichts bringen, sondern eine darüber, was eine Routine leisten muss. In ihrer Bewertung auf Judge.me schreibt Barbara F. über ihren Wechsel von einer siebenstufigen Routine: «Zwei Produkte, klare Inhaltsstoffe, kein Schnickschnack.»

Im Duo steckt kein Peptid, auch kein Kupferpeptid. Das steht so in unserer vollständigen Inhaltsstoffliste, und ich sage es lieber offen, als dass du danach suchen musst. Was die Studien zu GHK-Cu zeigen, kann ich dir mit dem Duo also nicht versprechen. Meine Entscheidungen für die beiden Produkte waren andere: zwei Produkte statt acht, in der Creme Bakuchiol statt Retinol, und offengelegte Konzentrationen. Im Duo stecken 5% Niacinamid, 2% Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure und 1% Zink PCA. Wenn du zusätzlich ein Kupferpeptid-Serum ausprobieren willst, ist das deine Entscheidung. Du solltest nur wissen, dass ich dir zur Kombination keine belegte Regel geben kann, weil es dazu keine Daten gibt.

Häufige Fragen

Sind Kupferpeptide dasselbe wie Peptide

Nein, Kupferpeptide sind eine kleine Untergruppe der Peptide. Peptide sind allgemein kurze Ketten aus Aminosäuren, die in der Kosmetik sehr unterschiedliche Aufgaben haben sollen. GHK-Cu ist ein bestimmtes Tripeptid, das Kupfer bindet und deshalb zu den Transportpeptiden gezählt wird. Was für GHK-Cu gezeigt wurde, lässt sich nicht auf alle Peptide übertragen und umgekehrt.

Sind Kupferpeptide für empfindliche Haut geeignet

Oft ja, denn Kupfer gilt auf der Haut als sehr schwaches Allergen, und starke Reizungen wie in der Retinol-Eingewöhnung werden bei Kupferpeptiden selten beschrieben. Entscheidend ist aber die ganze Formulierung: Alkohol, Duftstoffe oder Säuren im selben Produkt können empfindliche Haut stärker belasten als der Wirkstoff selbst. Teste ein neues Serum zuerst einige Tage an einer kleinen Stelle.

Wie lange dauert es, bis Kupferpeptide sichtbar etwas verändern

Rechne mit acht bis zwölf Wochen, bevor du ein Urteil fällst. Die Studien, die in den Übersichtsarbeiten zitiert werden, liefen über diese Zeiträume. Wer nach zwei Wochen nichts sieht, hat nicht zu wenig Produkt benutzt, sondern zu früh bewertet. Und auch nach drei Monaten sind die zu erwartenden Veränderungen eher fein als dramatisch.

Kann ich Kupferpeptide mit Niacinamid kombinieren

Eine Studie, die eine Unverträglichkeit von Kupferpeptiden und Niacinamid auf der Haut zeigt, ist uns nicht bekannt. Ebenso wenig gibt es Daten, die einen Vorteil der Kombination belegen. Die Warnungen, die dazu in Foren kursieren, stützen sich nicht auf Hautstudien. Wenn du beides nutzt, beobachte deine Haut und führe nicht beide Produkte gleichzeitig neu ein.

Färben Kupferpeptide die Haut oder das Serum blau

Das Serum ist oft blau oder bläulich, weil der Kupferkomplex selbst farbig ist. Wie stark die Farbe ausfällt, hängt von Konzentration und Formulierung ab. Dünn aufgetragen zieht ein solches Serum in der Regel ohne sichtbaren Rest ein. Bleibt ein farbiger Film, war es eher zu viel Produkt auf einmal.

Gibt es Kupferpeptide in Cremes oder nur in Seren

Es gibt sie in beiden Formen. Die in den Übersichtsarbeiten beschriebenen Studien arbeiteten mehrfach mit Cremes, etwa mit einer Gesichtscreme und einer Augencreme. Seren sind heute verbreiteter, weil sie sich leichter in eine bestehende Routine einbauen lassen. Für die Wirkung zählen Konzentration und Stabilität mehr als die Darreichungsform.

Brauche ich Kupferpeptide, wenn ich The Duo benutze

Nein, nötig sind sie nicht. The Duo ist als vollständige Routine aus Serum und Creme gedacht und enthält kein Peptid. Wenn du trotzdem ein Kupferpeptid-Serum testen willst, führe es einzeln ein und beobachte deine Haut. Zur Kombination mit der Vitamin-C-Form im Serum gibt es keine Daten, deshalb gibt es von uns dazu auch keine feste Regel. Was im Duo aus Serum und Creme steckt, ist offen deklariert.

Quellen

  1. Pickart L, Margolina A. Regenerative and Protective Actions of the GHK-Cu Peptide in the Light of the New Gene Data. International Journal of Molecular Sciences, 2018. Quelle
  2. Pickart L, Vasquez-Soltero JM, Margolina A. GHK Peptide as a Natural Modulator of Multiple Cellular Pathways in Skin Regeneration. BioMed Research International, 2015. Quelle
  3. Kafi R, Kwak HS, Schumacher WE, Cho S, Hanft VN, Hamilton TA, et al. Improvement of naturally aged skin with vitamin A (retinol). Archives of Dermatology, 2007. Quelle
  4. Buettner GR, Jurkiewicz BA. Catalytic metals, ascorbate and free radicals: combinations to avoid. Radiation Research, 1996. Quelle
  5. Fage SW, Faurschou A, Thyssen JP. Copper hypersensitivity. Contact Dermatitis, 2014. Quelle
The Duo - Serum & Gesichtscreme
Die minimalistische Routine

The Duo — Serum & Creme, mehr braucht es nicht

Niacinamid, Vitamin C, Hyaluronsäure und Ceramide in zwei aufeinander abgestimmten Produkten. Vegan, entwickelt in der Schweiz, 100 Tage Rückgaberecht.

The Duo entdecken
Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin