Azelainsäure oder Niacinamid: worin sich die Wirkstoffe unterscheiden und wann Azelainsäure ein Arzneimittel ist

WIRKSTOFF-KOMBINATION

Azelainsäure oder Niacinamid ist keine Entweder-oder-Frage zwischen zwei gleichen Werkzeugen. Azelainsäure ist eine Säure, die in die Verhornung, die Pigmentbildung und das Bakterienwachstum eingreift und in höherer Dosierung als Arzneimittel geprüft wurde. Niacinamid ist eine Form von Vitamin B3, die vor allem die Hautbarriere unterstützt und in Kosmetik breit eingesetzt wird. Die beiden ersetzen sich nicht gegenseitig und lassen sich kombinieren. Geht es um eine Hauterkrankung, entscheidet die Dermatologin, ob Azelainsäure als Arzneimittel sinnvoll ist.

Was unterscheidet Azelainsäure und Niacinamid?

Azelainsäure und Niacinamid unterscheiden sich in Stoffklasse, Wirkweise und rechtlichem Status. Azelainsäure ist eine natürlich vorkommende Dicarbonsäure mit neun Kohlenstoffatomen. Sie greift an mehreren Stellen ein: bei der Verhornung in der Pore, bei der Bildung von Melanin und bei Bakterien auf der Haut. Niacinamid ist dagegen ein Vitamin, genauer das Amid von Vitamin B3. Es arbeitet eher im Hintergrund, indem es die Haut beim Aufbau ihrer eigenen Barrierelipide unterstützt. Der dritte Unterschied ist der wichtigste für deine Entscheidung: Azelainsäure gibt es sowohl in Kosmetik als auch in Arzneimitteln, Niacinamid begegnet dir in der Hautpflege fast nur in Kosmetik.

Einen sauberen direkten Vergleich der beiden Wirkstoffe gibt es kaum. Eine Cochrane-Übersicht von 2020 wertete 49 Studien zu äusserlich angewendeten Aknewirkstoffen aus. Azelainsäure wurde dort mit Benzoylperoxid, Tretinoin, Clindamycin und Adapalen verglichen, Nicotinamid mit Clindamycin oder Erythromycin, aber nicht miteinander. Pauschale Aussagen, der eine Wirkstoff sei klar besser, stehen deshalb auf dünnem Boden.

Kriterium Azelainsäure Niacinamid
Stoffklasse Dicarbonsäure Vitamin B3 (Amid)
Hauptansatz Verhornung, Pigmentbildung, Bakterien Hautbarriere, Barrierelipide
Status Kosmetik oder Arzneimittel, je nach Produkt In der Hautpflege meist Kosmetik
Typisches Gefühl beim Auftragen Kurzes Brennen, Kribbeln oder Jucken möglich Meist unauffällig
Löslichkeit und Form Schlecht wasserlöslich, oft Creme oder Gel Wasserlöslich, passt in leichte Seren

Was bewirkt Azelainsäure auf der Haut?

Azelainsäure bremst die übermässige Verhornung in den Follikeln, hemmt das Enzym Tyrosinase und damit einen Schritt der Melaninbildung und wirkt gegen bestimmte Bakterien. Eine Übersicht in Postepy Dermatologii i Alergologii von 2023 beschreibt zudem, dass sie die Bildung reaktiver Sauerstoffverbindungen durch bestimmte Immunzellen dämpft. Interessant für den Alltag: Laut derselben Übersicht wirken Dicarbonsäuren nicht auf normale Melanozyten, gesunde Haut neben den betroffenen Stellen wird also nicht heller. Deshalb taucht Azelainsäure in der Dermatologie bei Pigmentstörungen nach Entzündungen und bei Melasma auf.

Die gleiche Übersicht hält fest, dass handelsübliche Gele und Cremes mit kosmetischem oder arzneilichem Status 5 bis 20 Prozent Azelainsäure enthalten. Die oft gesuchten 10 Prozent liegen also im Bereich, der als Kosmetik verkauft wird, und unter den 15 bis 20 Prozent, mit denen die grossen Arzneimittelstudien gearbeitet haben. Ein Nachteil ist die Chemie selbst: Azelainsäure löst sich schlecht in Wasser und dringt nur begrenzt in die Haut ein. Wie gut ein Produkt wirkt, hängt deshalb auch von der Grundlage ab, nicht nur von der Prozentzahl auf der Packung.

Was bewirkt Niacinamid im Vergleich?

Niacinamid wirkt weniger gezielt als Azelainsäure, dafür breiter auf die Grundfunktion der Haut. In einer Untersuchung im British Journal of Dermatology steigerte Nicotinamid in gezüchteten Hautzellen die Bildung von Ceramiden und anderen Lipiden der Hornschicht, auf trockener Haut sank nach äusserlicher Anwendung der Wasserverlust durch die Haut. Das ist der Kern dessen, was Niacinamid kann: Es hilft der Haut, ihre eigene Schutzschicht zu pflegen. Mehr dazu, was der Wirkstoff kann und was nicht, steht im Artikel zur Wirkung von Niacinamid.

In einer Halbseiten-Studie im Journal Dermatologic Surgery trugen 50 Frauen mit Zeichen von Lichtalterung zwölf Wochen lang zweimal täglich 5% Niacinamid auf eine Gesichtshälfte auf. Die Forschenden sahen weniger feine Linien, weniger Pigmentflecken und einen weniger fahlen Teint als auf der Vergleichsseite. Die Autoren verweisen zudem darauf, dass Niacinamid in mehreren Studien gut vertragen wurde. Zur Einordnung: The Duo enthält 5% Niacinamid, gerechnet auf Serum und Creme zusammen. Azelainsäure enthält es nicht.

Welche Haut verträgt welchen Wirkstoff besser?

Bei Azelainsäure gehört ein kurzes Brennen zu den bekannten Nebenwirkungen, Niacinamid wurde in Studien als gut verträglich beschrieben. Die Übersicht in Postepy Dermatologii i Alergologii nennt als wichtigste Nebenwirkungen in den Studien leichtes, vorübergehendes Stechen, Brennen oder Jucken. Das ist bei einer Säure nicht ungewöhnlich und meist harmlos, kann aber für empfindliche Haut der Grund sein, eine Anwendung abzubrechen. Niacinamid ist nicht völlig frei davon: Manche Menschen reagieren mit Rötung oder Kribbeln, vor allem bei hohen Konzentrationen. Was dahintersteckt, erklärt der Artikel Niacinamid nicht vertragen.

Für die Hauttypen lässt sich grob sagen:

  • Trockene oder reife Haut: Niacinamid passt meist besser in den Alltag, weil es die Barriere unterstützt statt sie zu fordern.
  • Ölige Haut mit verstopften Poren: Beide kommen infrage. Wer eher eine Säure für die Pore sucht, landet oft bei Salicylsäure als Alternative.
  • Sehr empfindliche Haut: Erst einen Wirkstoff allein testen und abwarten, wie die Haut reagiert. Brennen, das länger als ein paar Minuten anhält, ist ein Stoppsignal.
  • Haut mit wiederkehrenden Entzündungen: Das ist kein Hauttyp, sondern ein Grund für eine Abklärung, bevor du einen der beiden Wirkstoffe einsetzt.

Kannst du Azelainsäure und Niacinamid kombinieren?

Ja, Azelainsäure und Niacinamid lassen sich grundsätzlich kombinieren, es gibt keine bekannte chemische Unverträglichkeit zwischen den beiden. Die Frage ist eher, ob deine Haut zwei aktive Schritte gleichzeitig braucht. Sinnvoll ist es, die Wirkstoffe nicht am selben Tag neu einzuführen. Nimm zuerst den einen, beobachte zwei bis drei Wochen und ergänze dann den zweiten. So weisst du bei einer Reaktion, woher sie kommt. Ein praktischer Weg: Niacinamid in deiner festen Pflege lassen und Azelainsäure zunächst nur abends und nicht täglich auftragen. Brennt es über längere Zeit, ist die Säure der wahrscheinlichere Auslöser.

Anders sieht es aus, wenn eine Ärztin dir ein Azelainsäure-Präparat verschrieben hat. Dann gehört die Frage, was du sonst noch aufträgst, in dieses Gespräch und nicht in die Kommentarspalte eines Forums. Wie Azelainsäure zu Retinol, Vitamin C und anderen Säuren passt, steht im Beitrag Azelainsäure kombinieren, die allgemeinen Regeln für Retinol im Artikel Retinol kombinieren.

Ein neues Säureprodukt testest du am besten zuerst ein paar Tage auf einer kleinen Stelle, etwa am Kieferrand. Bleibt die Haut dort ruhig, kannst du es im ganzen Gesicht verwenden.

Wann gehört die Entscheidung zur Dermatologin?

Die Entscheidung gehört zur Dermatologin oder zum Dermatologen, sobald es um eine Hauterkrankung geht oder um Azelainsäure als Arzneimittel. Die Belege für Azelainsäure bei Rosazea und Akne stammen fast nur aus Arzneimittelstudien. In zwei randomisierten Studien im Journal of the American Academy of Dermatology mit 329 und 335 Patientinnen und Patienten mit mittelschwerer papulopustulöser Rosazea zeigte ein Gel mit 15 Prozent Azelainsäure eine Verbesserung der Rötung bei 44 und 46 Prozent der Behandelten, gegenüber 29 und 28 Prozent mit dem wirkstofffreien Gel. Diese Ergebnisse gelten für ein geprüftes Arzneimittel bei einer Erkrankung. Sie lassen sich nicht auf ein Kosmetikprodukt mit niedrigerer Dosierung übertragen.

Ob ein Produkt als Arzneimittel gilt, hängt von seiner Zulassung und seinem Zweck ab, nicht allein von der Prozentzahl. Wenn du Pusteln, anhaltende Rötungen oder Juckreiz hast, ist die Diagnose der erste Schritt. Was Pflege bei Rosazea und Hautpflege darf, ist ein eigenes Thema, ebenso wie die Frage, woher Rötungen im Gesicht kommen und wann sie abgeklärt gehören. Kosmetik kann eine Behandlung begleiten, sie ersetzt sie nicht.

Ich lege bei The Duo offen, wie viel drin ist: 5% Niacinamid, gerechnet auf Serum und Creme zusammen. Azelainsäure steht nicht in unserer Zutatenliste, und ich werde dir auch nicht erzählen, dass Niacinamid sie ersetzt. Die beiden machen unterschiedliche Dinge. Was ich mit zwei Produkten statt acht leisten will, ist eine schlichte, parfumfreie Grundpflege. Eine Diagnose oder ein Arzneimittel kann sie nicht ersetzen, und das soll sie auch nicht. Wenn deine Haut eine Behandlung braucht, gehört diese Entscheidung zur Dermatologin. Die Pflege danach darf einfach bleiben. Welche Stoffe genau im Duo stecken, findest du in unserer vollständigen Inhaltsstoffliste.

Häufige Fragen

Azelainsäure oder Salicylsäure: was ist sanfter

Das hängt weniger vom Wirkstoff als von Konzentration, Grundlage und deiner Haut ab. Salicylsäure ist fettlöslich und arbeitet direkt in der Pore, Azelainsäure greift breiter ein und kann kurz brennen. Ein direkter Vergleich in Studien ist dünn. Bei empfindlicher Haut testest du am besten nur einen Wirkstoff allein und in niedriger Dosierung.

Wie lange dauert es, bis Azelainsäure wirkt

Rechne mit mehreren Wochen bis Monaten, nicht mit Tagen. Die Übersicht in Postepy Dermatologii i Alergologii beschreibt eine Vergleichsstudie bei Rosazea, in der das Azelainsäure-Gel nach 15 Wochen noch Verbesserungen zeigte. Das betrifft ein Arzneimittel bei einer Erkrankung. Für kosmetische Produkte gibt es dazu kaum belastbare Zahlen.

Brennt Azelainsäure auf der Haut

Das kann vorkommen. In Studien gehörten leichtes, vorübergehendes Stechen, Brennen oder Jucken zu den häufigsten Nebenwirkungen. Klingt das Gefühl nach wenigen Minuten ab, ist es meist unbedenklich. Hält es an, kommen Rötung oder Schwellung dazu, setzt du das Produkt ab und lässt die Reaktion anschauen.

Ist Azelainsäure in Kosmetik so stark wie in Arzneimitteln

Meist nicht. Viele kosmetische Produkte enthalten weniger Azelainsäure oder nur ein Derivat, die gut untersuchten Arzneimittel arbeiten mit 15 oder 20 Prozent. Studienergebnisse gelten zudem nur für die geprüfte Rezeptur und lassen sich nicht einfach auf Kosmetik übertragen. Ob ein Produkt als Arzneimittel gilt, entscheidet die Zulassung, nicht die Prozentzahl allein.

Woran erkenne ich Azelainsäure und ihre Derivate in der INCI

Reine Azelainsäure steht als Azelaic Acid in der Zutatenliste. Häufig findest du stattdessen Potassium Azeloyl Diglycinate, eine Verbindung aus Azelainsäure und der Aminosäure Glycin. Das ist nicht derselbe Stoff, Studien zu reiner Azelainsäure gelten dafür nicht automatisch. Steht eine Prozentangabe dabei, bezieht sie sich auf das jeweilige Derivat.

Kann Azelainsäure die Haut austrocknen

Ja, das ist möglich, vor allem zu Beginn und bei ohnehin trockener Haut. Wie bei anderen Säuren können Spannungsgefühl und leichte Schuppung auftreten. Eine reichhaltigere Pflege danach und eine seltenere Anwendung helfen meist. Wird die Haut trotzdem rau und gereizt, ist eine Pause sinnvoller als mehr Produkt.

Kann ich Azelainsäure zusammen mit The Duo verwenden

Grundsätzlich ja, eine bekannte Unverträglichkeit mit Niacinamid gibt es nicht. Trag die Azelainsäure nach der Reinigung auf und danach wie gewohnt Serum und Creme. Führe sie langsam ein, etwa zuerst nur an einzelnen Abenden, damit du Reaktionen zuordnen kannst. Bei einem verschriebenen Präparat klärst du die Reihenfolge mit der Ärztin. The Duo selbst enthält keine Azelainsäure.

Quellen

  1. Sauer N, Oślizło M, Brzostek M, Wolska J, Lubaszka K, Karłowicz-Bodalska K. The multiple uses of azelaic acid in dermatology: mechanism of action, preparations, and potential therapeutic applications. Postepy Dermatologii i Alergologii, 2023. Quelle
  2. Thiboutot D, Thieroff-Ekerdt R, Graupe K. Efficacy and safety of azelaic acid (15%) gel as a new treatment for papulopustular rosacea: results from two vehicle-controlled, randomized phase III studies. Journal of the American Academy of Dermatology, 2003. Quelle
  3. Bissett DL, Oblong JE, Berge CA. Niacinamide: a B vitamin that improves aging facial skin appearance. Dermatologic Surgery, 2005. Quelle
  4. Tanno O, Ota Y, Kitamura N, Katsube T, Inoue S. Nicotinamide increases biosynthesis of ceramides as well as other stratum corneum lipids to improve the epidermal permeability barrier. British Journal of Dermatology, 2000. Quelle
  5. Liu H, Yu H, Xia J, Liu L, Liu GJ, Sang H, et al. Topical azelaic acid, salicylic acid, nicotinamide, sulphur, zinc and fruit acid (alpha-hydroxy acid) for acne. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2020. Quelle
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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin