Aloe Vera Gel: was es kann und was nicht

EINZELWIRKSTOFF

Aloe Vera Gel besteht zu rund 99 Prozent aus Wasser und wirkt vor allem kühlend, feuchtigkeitsspendend und beruhigend auf gereizter Haut. Eine Pflege mit Lipiden ersetzt es nicht, weil ihm die fetthaltigen Bestandteile fehlen, die Feuchtigkeit in der Hornschicht halten. Als Ergänzung ist es sinnvoll, als alleinige Gesichtspflege reicht es nicht.

Was leistet Aloe Vera Gel wirklich auf der Haut?

Aloe Vera Gel spendet Feuchtigkeit, kühlt und beruhigt sichtbar gereizte Haut. Der Grund liegt in der Zusammensetzung. Laut einer Übersichtsarbeit im Journal of Traditional and Complementary Medicine besteht das innere Blattgel zu 99 bis 99.5 Prozent aus Wasser, und die verbleibenden 0.5 bis 1 Prozent enthalten über 75 potenziell aktive Verbindungen wie Polysaccharide, Aminosäuren, Enzyme und Vitamine. Damit sind beide Seiten erklärt. Wasser und wasserbindende Polysaccharide legen sich als leichter Film auf die Hornschicht, die Haut wirkt kurzfristig praller und ruhiger. Gleichzeitig ist ein Stoff, der fast vollständig aus Wasser besteht, kein Kraftpaket an Wirkstoffen. Wer Aloe Vera als Feuchtigkeitsgeber und als beruhigende Komponente für empfindliche Haut einsetzt, bekommt genau das. Wer eine sichtbare Veränderung bei Trockenheitslinien, unruhigem Hautbild oder nachlassender Elastizität erwartet, sucht an der falschen Stelle. Genau diese Erwartung ist der häufigste Grund, warum Aloe Vera am Ende enttäuscht.

Hilfreich ist der Vergleich mit anderen wasserbindenden Stoffen. Hyaluronsäure bindet Wasser in den oberen Hautschichten und arbeitet nach demselben Prinzip, nur gezielter dosierbar. Aloe Vera steckt in unserer Formulierung deshalb als Begleiter und nicht als Hauptdarsteller. Welche Wirkstoffe bei uns die Hauptrolle spielen, steht offen in der Übersicht zu The Duo.

Warum Aloe Vera Gel keine Feuchtigkeitscreme ersetzt

Aloe Vera Gel ersetzt keine Feuchtigkeitscreme, weil ihm die Lipide fehlen, die verhindern, dass Wasser aus der Hornschicht verdunstet. Feuchtigkeitspflege besteht immer aus zwei Aufgaben. Die erste Aufgabe ist, Wasser in die oberen Hautschichten zu bringen und dort zu binden. Das kann Aloe Vera gut. Die zweite Aufgabe ist, dieses Wasser dort zu halten, und dafür braucht es fetthaltige Bestandteile wie Ceramide, Squalan oder pflanzliche Öle. Fehlt der zweite Teil, verdunstet das aufgetragene Wasser wieder, und die Haut fühlt sich danach oft trockener an als vorher. Dieser Effekt ist kein Fehler des Produkts, sondern eine Frage der Aufgabenteilung. Wer nur ein wasserbasiertes Gel benutzt, hat die halbe Pflege gemacht und wundert sich anschliessend über ein Hautgefühl, das sich nicht bessert. Wie sich die beiden Aufgaben sauber verteilen lassen, zeigt der Beitrag dazu, warum Serum und Creme unterschiedliche Aufgaben haben.

Aufgabe Reines Aloe Vera Gel Pflege mit Lipiden
Wasser in die Hornschicht bringen Ja, das ist die Stärke Ja, über Feuchthaltestoffe
Wasser in der Haut halten Nein, es fehlen fetthaltige Bestandteile Ja, über Ceramide, Squalan und Öle
Gereizte Haut sichtbar beruhigen Ja, vor allem über den Kühleffekt Je nach Formulierung
Als alleinige Gesichtspflege geeignet Nein Ja, bei passender Formulierung

Eine Kundin schrieb uns, sie verwende im Gesicht nur noch reines Aloe Vera Gel, weil es sich leicht und kühl anfühle, und ihre Haut spanne trotzdem. Genau das ist der beschriebene Mechanismus. Das Gel fühlt sich beim Auftragen richtig an, doch ohne fetthaltige Schicht darüber bleibt vom Wasser wenig zurück. Bei ihr hat der einfachste Weg geholfen: das Gel als ersten Schritt behalten und darüber eine Pflege mit Lipiden legen. Wenn die Haut dauerhaft spannt, lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die Hautbarriere und ihre Pflege.

Woran erkennst du gutes Aloe Vera Gel?

Gutes Aloe Vera Gel erkennst du an der Inhaltsstoffliste, nicht an der Prozentzahl auf der Vorderseite. Drei Punkte reichen für eine Einordnung. Erstens die erste Position der INCI-Liste. Steht dort Aloe Barbadensis Leaf Juice, ist Aloe der mengenmässig grösste Bestandteil. Steht dort Aqua und Aloe erst weiter hinten, ist es ein Gel mit Aloe, kein Aloe-Gel. Zweitens der Rest der Liste. Ein Gel braucht Verdickungsmittel und ein Konservierungssystem, das ist normal und kein Qualitätsmangel. Auffällig wird es, wenn Alkohol weit vorne steht oder wenn Duft- und Farbstoffe die Liste prägen, denn bei gereizter Haut ist beides unnötig. Drittens der Hinweis auf entfärbte oder gereinigte Qualität. Zwischen Rinde und Blattgel sitzt eine gelbliche Latexschicht mit Anthrachinonen, die bei sauberer Verarbeitung entfernt wird. Marken, die diesen Schritt nennen, geben dir mehr Information als jede Prozentangabe auf der Front.

Der zweithäufigste Irrtum betrifft die Prozentangabe. Ein Gel mit 99 Prozent Aloe klingt beeindruckend, sagt aber wenig, weil Aloe Vera selbst zu fast 99 Prozent aus Wasser besteht. Aussagekräftiger ist, ob eine Marke Qualität und Herkunft des Rohstoffs benennt und ob der Rest der Formel etwas beiträgt. Wie wir das bei uns handhaben, steht in der vollständigen Inhaltsstoffübersicht.

Wie wir Aloe Vera im Duo einsetzen

Wir setzen Aloe Vera als beruhigende Basiskomponente ein, nicht als Wirkstoff mit Prozentversprechen. Deklariert sind bei uns die Werte, die tatsächlich etwas aussagen, und sie gelten immer für The Duo als Ganzes: 5 Prozent Niacinamid, 2 Prozent Hyaluronsäure, 2 Prozent Vitamin C als 3-O-Ethyl-Ascorbinsäure, 2 Prozent Edelweiss-Extrakt, 2 Prozent Enzianwurzel-Extrakt, 1 Prozent Zink und 0.3 Prozent Bakuchiol. Aloe Vera steht bewusst ohne Prozentangabe daneben, zusammen mit Ceramiden, Squalan, Panthenol, Jojobaöl, Vitamin E und Tamarindensamen-Extrakt. Der Grund ist Ehrlichkeit. Bei Aloe Vera entscheidet die Qualität des Rohstoffs mehr als die Zahl auf dem Etikett, und eine Prozentangabe würde eine Präzision vortäuschen, die es an dieser Stelle nicht gibt. Aloe Vera macht die Textur angenehm und die Formel verträglicher, und genau dafür ist es da. Die eigentliche Arbeit übernehmen die deklarierten Wirkstoffe.

Praktisch heisst das: Aloe Vera taucht bei uns in der Formel auf, nicht als eigener Pflegeschritt. Zwei Produkte morgens und abends, drei bis sechs Tropfen Serum und drei bis sechs Pumpstösse Creme, mehr braucht es nicht. Die Details stehen in der Anwendungsanleitung für beide Produkte. Wer die beruhigende Komponente einzeln sucht, findet sie auch in Panthenol, während Squalan die fetthaltige Seite abdeckt, die Aloe Vera nicht liefern kann.

Wann Aloe Vera Gel nicht die richtige Wahl ist

Aloe Vera Gel ist nicht die richtige Wahl, wenn deine Haut trocken statt gereizt ist, denn dann fehlt ihr Fett und nicht Wasser. Trockene Haut braucht Lipide, und ein wasserbasiertes Gel verstärkt in diesem Fall eher das Spannungsgefühl. Verzichtbar ist es auch dann, wenn deine Pflege ohnehin schon Feuchthaltestoffe und eine gute Creme enthält, denn ein zusätzliches Gel kommt hier nur als weiterer Schritt dazu, ohne etwas beizutragen. Und es ist die falsche Antwort, wenn hinter dem Problem gar keine kosmetische Frage steckt. Anhaltende Rötungen, nässende Stellen, starker Juckreiz, offene Haut oder ein Hautbild, das sich plötzlich stark verändert, gehören zu einer Dermatologin oder einem Dermatologen. Kosmetik pflegt die Haut und unterstützt ihr Erscheinungsbild. Eine Diagnose gehört nicht dazu und eine Hauterkrankung auch nicht. Diese Grenze ehrlich zu ziehen gehört zur Beratung.

Zur Einordnung gehört auch die Studienlage. Ein pharmakologischer Übersichtsartikel in der Zeitschrift Molecules hält fest, dass klinische Studien bislang mit Aloe vera als Ganzem durchgeführt wurden und nicht mit den isolierten Einzelverbindungen. Wer liest, ein einzelner Aloe-Bestandteil leiste dieses oder jenes, sollte den Schritt von der Zellkultur zur Gesichtspflege nicht überspringen. Aloe Vera bleibt ein guter, verträglicher Begleitstoff, und wer den Ansatz dahinter sehen will, findet ihn im Aufbau von Serum und Creme.

Ich habe bei der Entwicklung lange überlegt, ob wir Aloe Vera mit einer Prozentzahl auszeichnen. Es wäre einfach gewesen, denn Aloe verkauft sich gut und klingt nach Natur. Ich habe mich dagegen entschieden, weil eine Zahl bei diesem Rohstoff wenig aussagt. Bei Niacinamid oder Bakuchiol sagt die Konzentration etwas aus. Bei Aloe Vera sagt sie vor allem, wie viel Wasser im Produkt ist. Also deklariere ich die sieben Werte, die wirklich Aussagekraft haben, und lasse Aloe Vera das sein, was es ist: ein guter Begleitstoff, der die Formel angenehmer macht. Lieber eine Zahl weniger auf dem Etikett als eine Zahl, die niemandem etwas nützt.

Dominic Bertschin

Häufige Fragen

Kann ich Aloe Vera Gel jeden Tag benutzen?

Ja, Aloe Vera Gel eignet sich für die tägliche Anwendung, solange deine Haut es gut verträgt. Sinnvoll ist es als erster Schritt auf gereinigter Haut, gefolgt von einer Pflege mit Lipiden. Als alleiniger Pflegeschritt reicht es nicht, weil ihm die fetthaltigen Bestandteile fehlen, die Feuchtigkeit in der Hornschicht halten.

Ist Aloe Vera Gel für trockene Haut geeignet?

Nur als Ergänzung. Trockener Haut fehlen vor allem Lipide, und ein Gel, das zu rund 99 Prozent aus Wasser besteht, liefert genau die nicht. Wer trockene Haut hat und ausschliesslich Aloe Vera Gel verwendet, empfindet danach oft ein stärkeres Spannungsgefühl. Eine Creme mit Ceramiden oder Squalan ist hier die bessere Wahl.

Kann ich das Gel direkt aus der Aloe-Pflanze verwenden?

Grundsätzlich ja, aber mit zwei Einschränkungen. Zwischen Rinde und Blattgel sitzt eine gelbliche Latexschicht, die vor der Anwendung sauber entfernt werden sollte. Ausserdem ist frisches Blattgel nicht konserviert und damit nur sehr kurz haltbar. Für die tägliche Gesichtspflege ist ein sauber verarbeitetes Produkt die verlässlichere Lösung.

Hilft Aloe Vera Gel nach zu viel Sonne?

Aloe Vera Gel kühlt und kann das Gefühl von überhitzter Haut kurzfristig angenehmer machen. Ein Sonnenbrand ist allerdings eine Verbrennung und keine kosmetische Fragestellung. Bei Blasenbildung, starken Schmerzen oder grossflächiger Rötung gehört das in ärztliche Hände und nicht in die Pflegeroutine.

Enthält The Duo Aloe Vera?

Ja, Aloe Vera ist in The Duo enthalten, allerdings ohne deklarierte Prozentangabe. Mit Prozentwerten ausgewiesen sind 5 Prozent Niacinamid, 2 Prozent Hyaluronsäure, 2 Prozent Vitamin C, 2 Prozent Edelweiss-Extrakt, 2 Prozent Enzianwurzel-Extrakt, 1 Prozent Zink und 0.3 Prozent Bakuchiol. Alle Werte gelten für The Duo als Ganzes.

Was bedeutet Aloe Barbadensis Leaf Juice auf der Verpackung?

Aloe Barbadensis Leaf Juice ist der INCI-Name für den Saft aus dem Blattinneren der Aloe-vera-Pflanze. Steht er an erster Stelle der Inhaltsstoffliste, ist Aloe der mengenmässig grösste Bestandteil. Steht davor Aqua, handelt es sich um ein wasserbasiertes Produkt mit Aloe-Anteil und nicht um ein reines Aloe-Gel.

Quellen

  1. Radha MH, Laxmipriya NP, Evaluation of biological properties and clinical effectiveness of Aloe vera: A systematic review, Journal of Traditional and Complementary Medicine, 2015. Quelle
  2. Sanchez M, Gonzalez-Burgos E, Iglesias I, Gomez-Serranillos MP, Pharmacological Update Properties of Aloe Vera and its Major Active Constituents, Molecules, 2020. Quelle
The Duo - Serum & Gesichtscreme
Die minimalistische Routine

The Duo — Serum & Creme, mehr braucht es nicht

Niacinamid, Vitamin C, Hyaluronsäure und Ceramide in zwei aufeinander abgestimmten Produkten. Vegan, entwickelt in der Schweiz, 100 Tage Rückgaberecht.

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Über den Autor: Dominic Bertschin ist Gründer von Kompromisslos und entwickelt minimalistische, vegane Hautpflege für den Schweizer Markt. Jeder Beitrag basiert auf der Arbeit an den eigenen Formulierungen. Mehr über Dominic Bertschin